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Alle Artikel kategorisiert unter »Albrecht Dümling«

„Betäubt vom gigantischen Hammer des Krieges“ – Ein „Konzert für den Frieden“ der UdK Berlin

22.11.22 (Albrecht Dümling) -
Vor wenigen Tagen ging diese Meldung durch die Presse: Der im ukrainischen Cherson lebende und wirkende Dirigent Juriy Kerpatenko war von der russischen Besatzungsmacht aufgefordert worden, zum Weltmusiktag am 1. Oktober ein Galakonzert zu dirigieren. Kerpatenko weigerte sich und wurde daraufhin in seiner Wohnung von russischen Soldaten erschossen. Durch diese Nachricht erschüttert beschloss die Berliner Universität der Künste (UdK), ihr alljährliches „Konzert für die Nationen“ in diesem Jahr als Friedenskonzert dem toten Dirigenten zu widmen.

Hängende Gärten im Berliner Gärtnerhaus

06.11.22 (Albrecht Dümling) -
Der junge Stefan George bewunderte eine schöne Frau, die ebenfalls in Bingen lebte. In seiner dichterischen Phantasie machte er sie zur orientalischen Herrscherin Semiramis. Ihr prächtiger Garten, in dem er sie besuchte, verwandelte sich für ihn in die berühmten Hängenden Gärten. Da eine wirkliche Liebesbeziehung nie zustande kam, malte George sich diese in einem „Buch der hängenden Gärten“ aus, das er der Angebeteten verehrte. Arnold Schönberg schuf aus diesen Gedichten um 1908 einen Liedzyklus, in dem er erstmals den Schritt in „fremdes Gebiet“, die Atonalität, wagte.

Gäste aus westlichen Metropolen und aus Odessa

27.09.22 (Albrecht Dümling) -
Nachdem die Pandemie auch das Musikfest Berlin beeinträchtigt hatte, konnten in diesem Jahr endlich Gastspiele internationaler Orchester nachgeholt werden. Auch der 85. Geburtstag Aribert Reimanns wurde unter Leitung von Christoph Eschenbach mit dem Konzerthausorchester Berlin nachgefeiert.

Die Bremer Stadtmusikanten und andere Jugendorchester

30.08.22 (Albrecht Dümling) -
Nach den coronabedingten Einschränkungen der beiden letzten Jahre herrschte in diesem Sommer bei Young Euro Classic fast schon wieder Normalität. So konnten die über 20.000 Besucher der 17 Konzerte im Konzerthaus Berlin auch große Symphonien erleben.

Der Prophet in der Wüste

24.06.22 (Albrecht Dümling) -
„Es gibt in der heutigen Welt nur Koexistenz oder keine Existenz.“ So hieß es in der Ansprache, die am 3. Juli 1988 in der Berliner Philharmonie Abrüstung und ein Ende aller Atomtests forderte und eine denkwürdige Aufführung von Beethovens „Missa solemnis“ einleitete. Mitwirkende waren Gesangssolisten aus Dänemark, der DDR, den USA und der Sowjetunion, ein US-amerikanischer Chor und Musiker aus 39 ost- und westeuropäischen Orchestern, aus Berlin ebenso wie aus London, Paris, Dresden, Budapest, Genf, Warschau und Moskau. Mit diesem Berliner Konzert begann eine von den „Ärzten gegen Atomkrieg“ (IPPNW) organisierte Tournee, welche Beethovens „Bitte um inneren und äußeren Frieden“ innerhalb einer Woche in vier Städten – West-Berlin, Moskau, Dresden und London – zu Gehör brachte.

Wie gefährlich ist russische Musik?

01.04.22 (Albrecht Dümling) -
Auf dem Weg vom Brandenburger Tor zur Komischen Oper passiert man die riesige, weiträumig abgesperrte Russische Botschaft. Im Innern des Opernhauses beginnt dann „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ von Jaromir Weinberger, einem jüdischen Komponisten, der aus seiner tschechischen Heimat fliehen musste. Der Regisseur Andreas Homoki hat deshalb in die Höllenszene dieser Oper Hitler und Stalin eingebaut. Nach dem Schlussbeifall wendet sich der Sänger der Titelfigur ans Publikum und spricht von dem merkwürdigen Gefühl, in diesen Zeiten ein unbeschwertes Happy End zu erleben. So bittet er um Spenden für Ukraine-Flüchtlinge. Zu Tausenden treffen sie täglich am Berliner Hauptbahnhof ein.

Die Entdeckung eines Unbekannten

26.02.22 (Albrecht Dümling) -
Es begann mit einem Stolperstein, der 2019 in Berlin-Mitte verlegt wurde. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man, dass der jüdische Kaufmann Eugen Engel, der bis 1939 in der Charlottenstraße 74–75, unweit des Checkpoint Charlie, wohnte, auch komponiert hatte. Seine aus den USA angereisten Enkel hatten Noten mitgebracht, darunter den Klavierauszug einer Oper „Grete Minde“ nach Theodor Fontane. Die Dirigentin Anna Skryleva hörte davon, ließ sich die Noten zeigen und war sofort tief beeindruckt. Sie beschloss, dies Werk in ihrer neuen Position als Magdeburger Generalmusikdirektorin zur Uraufführung zu bringen. Dort ließ sich auch die Intendantin Karen Stone überzeugen, zumal der Oper eine Novelle zugrundeliegt, die in der benachbarten Stadt Tangermünde spielt.

Igor Strawinsky und die Vielfalt des Neuen

29.09.21 (Albrecht Dümling) -
Im Jahr 1951, am Höhepunkt des Kalten Krieges, wurden die (West-)Berliner Festspiele als ein „Schaufenster des Wes­tens“ gegründet. Vom Sozialistischen Realismus, der im Osten propagiert wurde, distanzierte man sich. Schützenhilfe gab der Philosoph Theodor W. Adorno mit seinem Aufsatz „Die gegängelte Musik“ und der „Philosophie der neuen Musik“. Darin ordnete er Arnold Schönberg dem Fortschritt zu, Igor Strawinsky der „Restauration“. Dieses Buch beeinflusste die Strawinsky-Rezeption maßgeblich und führte dazu, dass dessen neue Werke, etwa die Oper „The Rake’s Progress“, von Fachleuten geschmäht wurden. Pierre Boulez erklärte harsch, Musiker, welche die Notwendigkeit der dodekaphonen Sprache nicht erlebt hätten, seien nutzlos.

Starke Frauen, Solisten und wieder richtige Orchester

29.08.21 (Albrecht Dümling) -
Die Pandemie hat das Musikleben gebremst und durcheinandergewirbelt. So konnte das Berliner Jugendorchesterfestival Young Euro Classic, welches Impulse der Jeunesses Musicales fortführt, im Vorjahr nur in einer Kammermusikversion stattfinden. 2021 wollte man eigentlich zur Normalität zurückkehren. Da aber die Niederlande, Portugal, Russland und Spanien inzwischen als Hochinzidenzgebiete galten, durfte das niederländische Jugendorchester Jong Metropole ebensowenig anreisen wie das Jovem Orquestra Portuguesa, das Joven Orquesta Nacional de España und das Chelyabinsk Symphony Orchestra. Mit der nötigen Flexibilität fand die Festivalleitung kurzfristig im Ensemble Mini, dem c/o chamber orchestra und der Russisch-Deutschen MusikAkademie kleiner besetzte Alternativen.

Reichtum und Reduktion zu Corona-Zeiten

30.09.20 (Albrecht Dümling) -
Die Pandemie hat auch das Berliner Musikfest verändert. Angesichts der nötigen Abstandsregelungen fanden alle Konzerte im Großen Saal der Philharmonie statt, wo die über den ganzen Raum verstreuten und zunächst hinter Masken versteckten Hörer zu Einzelwesen wurden. Die Beschränkung des Publikums, die Distanz jedes Einzelnen zum Nachbarn und die Höchstdauer von 70 Minuten ohne Pause waren aber nicht nur von Nachteil, sondern verhalfen auch zu größerer Konzentration. Nach Ausschaltung jeder sozialen Interaktion konnte man sich ganz der Musik widmen.
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