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Alle Artikel kategorisiert unter »Albrecht Dümling«

Igor Strawinsky und die Vielfalt des Neuen

29.09.21 (Albrecht Dümling) -
Im Jahr 1951, am Höhepunkt des Kalten Krieges, wurden die (West-)Berliner Festspiele als ein „Schaufenster des Wes­tens“ gegründet. Vom Sozialistischen Realismus, der im Osten propagiert wurde, distanzierte man sich. Schützenhilfe gab der Philosoph Theodor W. Adorno mit seinem Aufsatz „Die gegängelte Musik“ und der „Philosophie der neuen Musik“. Darin ordnete er Arnold Schönberg dem Fortschritt zu, Igor Strawinsky der „Restauration“. Dieses Buch beeinflusste die Strawinsky-Rezeption maßgeblich und führte dazu, dass dessen neue Werke, etwa die Oper „The Rake’s Progress“, von Fachleuten geschmäht wurden. Pierre Boulez erklärte harsch, Musiker, welche die Notwendigkeit der dodekaphonen Sprache nicht erlebt hätten, seien nutzlos.

Starke Frauen, Solisten und wieder richtige Orchester

29.08.21 (Albrecht Dümling) -
Die Pandemie hat das Musikleben gebremst und durcheinandergewirbelt. So konnte das Berliner Jugendorchesterfestival Young Euro Classic, welches Impulse der Jeunesses Musicales fortführt, im Vorjahr nur in einer Kammermusikversion stattfinden. 2021 wollte man eigentlich zur Normalität zurückkehren. Da aber die Niederlande, Portugal, Russland und Spanien inzwischen als Hochinzidenzgebiete galten, durfte das niederländische Jugendorchester Jong Metropole ebensowenig anreisen wie das Jovem Orquestra Portuguesa, das Joven Orquesta Nacional de España und das Chelyabinsk Symphony Orchestra. Mit der nötigen Flexibilität fand die Festivalleitung kurzfristig im Ensemble Mini, dem c/o chamber orchestra und der Russisch-Deutschen MusikAkademie kleiner besetzte Alternativen.

Reichtum und Reduktion zu Corona-Zeiten

30.09.20 (Albrecht Dümling) -
Die Pandemie hat auch das Berliner Musikfest verändert. Angesichts der nötigen Abstandsregelungen fanden alle Konzerte im Großen Saal der Philharmonie statt, wo die über den ganzen Raum verstreuten und zunächst hinter Masken versteckten Hörer zu Einzelwesen wurden. Die Beschränkung des Publikums, die Distanz jedes Einzelnen zum Nachbarn und die Höchstdauer von 70 Minuten ohne Pause waren aber nicht nur von Nachteil, sondern verhalfen auch zu größerer Konzentration. Nach Ausschaltung jeder sozialen Interaktion konnte man sich ganz der Musik widmen.

unüberhörbar 2020/09

11.09.20 (Albrecht Dümling) -
Hiller-Urspruch – Forgotten Treasures. Works for Cello and Piano. Joanna Sachryn, Cello; Paul Rivinius, Klavier. Kaleidos +++ Giuseppe Sammartini: Sonaten für Blockflöte und Basso continuo, Vol. 1. Andreas Böhlen, Blockflöte; Michael Hell, Cembalo; Daniel Rosin, Barockcello; Pietro Prosser, Laute. Aeolus +++ Fantasque – Französische Violinsonaten (Fauré, Debussy, Ravel, Poulenc). Franziska Pietsch, Violine; Josu de Solaun; Klavier). Audite +++ Tzvi Avni: Concerto for Piano and Orchestra. Deutsche Radio Philharmonie; Heidrun Holtmann, Klavier; Jamie Phillips, Dir. Hänssler

Es reicht nicht, nur nach vorne zu blicken

03.06.20 (Albrecht Dümling) -
Beim Gedenkkonzert der Berliner Staatsoper zum 75. Jahrestag des Kriegsendes erklang nach Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ noch Wagners „Siegfried-Idyll“, was unterschiedliche Reaktionen auslöste. rbb-Redakteur Andreas Göbel verstand in diesem Zusammenhang nicht die „naive Fröhlichkeit“ der Mozart-Serenade und Peter Uehling (Berliner Zeitung) hielt es für „schwer erträglich, den an Hitlers Kriegs- und Untergangs-Phantasmagorien nicht unbeteiligten Wagner hier als harmlosen Idyllen-Maler zu erleben“. Dagegen begrüßte Helmut Mauró (Süddeutsche Zeitung) das Fehlen großspuriger Reden, und in dem „zärtlich gebrochenen Wagner-Idyll“ vernahm er „ein ungeheures Gefühl der Hoffnung“.

Von der Vielfalt des deutschen Musiklebens

22.03.20 (Albrecht Dümling) -
Große farbige Abbildungen bieten einen ansprechenden Einstieg. Unter dem Motto „Musik ist Vielfalt“ sieht man viele junge Musikerinnen und Musiker, die ihre Instrumente in der Hand halten; es ist das Bundesjugendorchester mit seinem Ehrendirigenten Simon Rattle. Das nächste Bild zeigt unter dem Motto „Musik hat Zukunft“ die Kleinsten vom MDR-Kinderchor bei einem Auftritt. Weitere Farbfotos beleuchten unter den Überschriften „Musik begleitet ein Leben lang“, „Musik berührt die Sinne“, „Musik eröffnet Neues“, „Musik bringt kulturellen Austausch“ und „Musik bewegt Menschen“ verschiedene vitale Funktionen der Tonkunst in unserem Leben. Sie deuten das breite Themenspektrum an, das in diesem Band zur Darstellung kommt.

Suche nach der Identität

16.10.19 (Albrecht Dümling) -
Dass der seit 1939 in Los Angeles lebende Komponist Ingolf Dahl eigentlich Walter Ingolf Marcus hieß, wussten nur wenige seiner dortigen Kollegen und Freunde. Als Sohn eines deutsch-jüdischen Vaters und einer schwedischen Mutter war er 1912 in Hamburg zur Welt gekommen. Früh zeigte sich seine musikalische Begabung, so dass er nach erstem Klavierunterricht 1931/32 in Köln bei Philipp Jarnach Komposition und bei Walter Abendroth Dirigieren studierte.

Erinnerungen an einen Visionär des Orchesters

27.09.19 (Albrecht Dümling) -
„Die Musik schwebt dort in der Luft“, schrieb Hector Berlioz 1865 über Berlin. Der vor 150 Jahren verstorbene Franzose, der seine wegweisende Orchestrationslehre dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. widmete, wurde mit dieser Schrift und visionären Werken zum Vater des modernen Orchesters.

Neue Musik als soziales Experiment

11.09.19 (Albrecht Dümling) -
Das als Bürgerinitiative entstandene Festival Young Euro Classic fand in diesem Sommer zum 20. Male im meist ausverkauften Konzerthaus Berlin statt. Dieter Rexroth, der künstlerische Leiter, legte von Beginn an Wert darauf, dass die internationalen Jugendorchester auch zeitgenössische Musik ihres jeweiligen Landes präsentieren. Dabei kommt es regelmäßig zu stilis­tisch breiten Entdeckungen von Folklore bis Avantgarde.

Hommage an Joseph Joachim

09.07.19 (Albrecht Dümling) -
Am 31. März 1869 erhielt der große Geiger Joseph Joachim vom preußischen Kulturminister die Aufforderung, in Berlin eine Schule für Instrumentalmusik zu gründen. Weitere Einladungen, hieß es, seien geplant. So sollten Julius Stockhausen für eine Gesangschule und Clara Schumann für eine Klavierschule gewonnen werden. Da beide Kandidaten jedoch nicht kommen wollten, wurde es dann Aufgabe Joseph Joachims, sich auch um die weiteren Zweige der Musikausbildung zu kümmern. Obwohl sein Freund Johannes Brahms die Einladung als Leiter der Klavierklasse ausschlug, konnte im Oktober 1869 für 19 Studenten, darunter Eugenie Schumann, die Tochter Roberts und Claras, der Unterricht beginnen.
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