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Alle Artikel kategorisiert unter »Rainer Nonnenmann«

Eminent politisch

02.02.16 (Rainer Nonnenmann) -
Ohne genauer angeben zu können, was Neue Musik ist – denn wer wollte das definieren? –, wissen manche Leute dafür umso genauer, was Neue Musik alles nicht ist. Offenbar bereitet sie vielen Menschen ein Gefühl des Entbehrens, denn sie vermissen hier all das, was sie sonst an Musik so lieben und schätzen: Melodie, Harmonik, Rhythmus, Sinnlichkeit, Erotik, Humor, mitreißende Kraft, bannende Magie, aufwühlende Emotionalität, Schönheit.

Kunst schafft Wissen

30.11.15 (Rainer Nonnenmann) -
Als sich in den Savannen Afrikas unsere Vorfahren einst zum aufrechten Gang erhoben, wurden ihre Vorderbeine zu Händen und damit in die Lage versetzt, Dinge anzufassen, Werke und Werkzeuge herzustellen – mit weitreichenden Folgen.

Lachenmann Perspektiven

03.11.15 (Rainer Nonnenmann) -
Seit der Uraufführung von „GOT LOST“ für hohen Sopran und Klavier im April 2008 gelangt nun endlich wieder ein Stück von Helmut Lachenmann zur Premiere. Der Komponist hatte die bereits angesetzte Uraufführung eines neuen Werks für großes Orchester mit acht Hörnern bereits zum zweiten Mal abgesagt und dann auf unbestimmte Zeit verschoben. Jetzt gibt es zwar keine sensationelle Novität, aber doch etwas zumindest in Teilen Neues: die Neufassung von „Air“ für großes Orchester und Schlagzeug-Solo von 1968/69, das Lachenmann für eine reduzierte Besetzung bearbeitete. Uraufgeführt wird diese „Air“-Version vom Ensemble Modern Orchestra und der Solistin Rumi Ogawa unter Leitung von Brad Lubman im Rahmen der Biennale cresc … im Kurhaus Wiesbaden, und zwar am 27. November, auf den Tag genau dem 80. Geburtstag des Komponisten.

Unverzichtbare Buhmänner

27.09.15 (Rainer Nonnenmann) -
Klagen über Festivals Neuer Musik sind so alt wie die Festivals selbst. Bereits bei den ersten „Internationalen Kammermusikaufführungen“ in Salzburg, die 1922 den Anstoß zur Gründung der IGNM und deren jährlicher Weltmusikfeste gaben, wurde über die inflationäre Menge an Novitäten gestöhnt.

Einzigartige Konstellationen

08.09.15 (Rainer Nonnenmann) -
Der Sommer war groß und voller Musik. Manche reisten zu bedeutenden Festivals, um internationale Stars zu erleben. Andere hatten beiläufig unverhoffte Musikerlebnisse im Kleinen, die indes ebenso eindrücklich sein konnten. So lenkte etwa in der Klosterkirche der oberschwäbischen Kleinstadt Bad Saulgau der katholische Priester seine Orgelimprovisation, mit der er nach anstrengendem Gottesdienst-Wochenende seinen freien Montagvormittag zu verbringen pflegt, für ein zufällig die Kirche betretendes Kind spontan in eine Stegreif-Variationenfolge über das Kinderlied „Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann“. Das war keine Uraufführung im engeren Sinne, welche die Musikgeschichte revolutioniert hätte, in der situativ einmaligen Zugewandtheit der Musik hier und jetzt für ein kleinstmögliches Publikum aber gleichwohl ein Ereignis.

Sommer-Frische-Musik

30.06.15 (Rainer Nonnenmann) -
Mit den längsten und wärmsten Tagen im Jahr sprießen vielerorts kleinere und größere Musikfestivals an Stellen aus dem Boden, die das restliche Jahr über eher weniger in Erscheinung treten, jedenfalls nicht mit Uraufführungen. Wer jedoch näher hinsieht, entdeckt auch dort großen Reichtum, zum Beispiel im bayerischen Staatsbad Bad Kissingen.

Tönende Architektur

01.06.15 (Rainer Nonnenmann) -
Eben noch war Silvester und langer Winter, dann endlich kamen der Frühling und der Wonnemonat Mai, doch plötzlich ist ein halbes Jahr vergangen und schon wieder Sommer: Tempus fugit! Das zum Sommer sich neigende Frühjahr bringt mit seinen immer länger werdenden Tagen auch die Zeit der Festivals. Land auf und ab gibt es Musikfeste in verschiedensten Spielarten, Dimensionen, Orten und programmatischen Ausrichtungen. Den Anfang der diesjährigen Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag von Helmut Lachenmann am 27. November 2015, die erst richtig ab Herbst unter dem Titel „Lachenmann-Perspektiven“ in Köln, Luxemburg, Wiesbaden und vor allem Stuttgart ihren Höhepunkt erreichen werden, machen fernab der schwäbischen Heimat des Komponisten Aufführungen seines „Mouvement (– vor der Erstattung)“ und „ … Zwei Gefühle“, mit Lachenmann als Sprecher, beim Festival „Interacciones XXI“ im Museo Reina Sofía der spanischen Hauptstadt Madrid, und zwar flankiert von Uraufführungen neuer Werke von Ramon Lazkano und Isabel Mundry durch das Ensemble musikFabrik.

Dialograum der Künste

30.04.15 (Rainer Nonnenmann) -
Neue Musik ist längst multi-, trans- und intermedial. Spätestens seit den 1960er-Jahren wurde sie auch literarisch, theatralisch, skulptural und graphisch, was Theodor W. Adorno als „Verfransung der Künste“ beschrieb. Und der Computer verknüpft Klang selbstverständlich mit Video, Licht, Sprache, Bewegung et cetera. Gemäß der bürgerlichen Spartentrennungen des 19. Jahrhunderts finden die Künste jedoch bis heute weiterhin fein säuberlich getrennt voneinander statt: Musik im Konzert, Kunst im Museum, Theater im Theater, Literatur im Buch. Nur selten bringen Veranstalter zwei oder mehr Künste zusammen. Zu diesen wenigen gehört Michael Denhoff. Dem Komponisten, Maler, Dichter und homme de lettre ist interdisziplinäres und spartenübergreifendes Denken tägliche Schaffens- und Lebenswirklichkeit.

Pontifex maximus

30.04.15 (Rainer Nonnenmann) -
Über sein literarisches und zeichnerisches Œuvre sowie sein politisches Engagement mochte man denken, was man wollte. Als moralisches Gewissen und ewiger Mahner konnte er zuweilen auch falsch liegen, nerven und selbstgerecht wirken. Doch wie nur wenigen und bedauerlicherweise immer weniger werdenden Kunstschaffenden von Rang gelang es Günter Grass immer wieder, die allerorten steigenden Aufmerksamkeitsschwellen unserer pluralen Mediengesellschaft zu übersteigen. Indem er über Fernsehen, Tageszeitungen und Radio eine breite Öffentlichkeit erreichte, schlug er – nicht trotz, sondern gerade weil er polarisierte – Brücken zwischen Geist und Gesellschaft, die verdeutlichten, dass Kunst keine isolierte Einzelsphäre ist, sondern das Recht, vielleicht sogar die Pflicht hat, Debatten loszutreten, sich in aktuelle Entwicklungen einzumischen und auf das Zeitgeschehen – wie auch immer vermittelt – diagnostisch zu reagieren. Am 13. April ist der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1999 im Alter von 87 Jahren in Lübeck verstorben. Wer übernimmt jetzt die Rolle dieses kulturellen Pontifex maximus?

Brückenmusik und Containerklang

30.04.15 (Rainer Nonnenmann) -
Noch vor Gründung der IGNM am Rande der Salzburger Festspiele 1922 formierte sich 1921 die Kölner Gesellschaft für Neue Musik (KGNM). Treibende Kraft waren Musikwissenschaftler aus dem Umkreis der 1919 wiedergegründeten Universität Köln. Ziel des Vereins war es, mittels Konzerten, Vorträgen und Diskussionsrunden über Neue Musik zu informieren.
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