Musterländle adé: DMR-Generalsekretär Höppner schreibt offenen Brief an Kretschmann – Mannheim startet Online-Petition


19.07.13 -
Mit einem Offenen Brief hat sich Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, an Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gewandt. Angesichts der Sparszenarien bei den Musikhochschulen stelle sich die Frage, so Höppner, wie es zukünftig um die Kulturelle Vielfalt und die Reputation als Musikland in Baden-Württemberg bestellt sei. Unterdessen hat der Präsident der Mannheimer Musikhochschule, Rudolf Meister, eine Online-Petition eröffnet.
19.07.2013 - Von nmz-red/Regensburg, KIZ

Die sehr allgemein und ohne konkrete Forderung formulierte Online-Petition ist im Portal Petitionen24.com eingestellt. Zum Erhalt der Musikhochschulen Mannheim und Trossingen sind jeweils eigene Facebook-Gruppen gegründet worden:
https://www.facebook.com/ErhaltetDi…
https://www.facebook.com/MhTrossing…

Christian Höppners Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lieber Herr Kretschmann,

Baden-Württemberg genießt bundesweit den Ruf als Musterländle für die Musik, für Musikalische Bildung und die hochqualitative Förderung junger Nachwuchsmusikerinnen und Nachwuchsmusiker – noch! Die derzeit diskutierten Kürzungen an den Musikhochschulen im Land verdunkeln das Bild einer blühenden Musiklandschaft, sodass man sich die Frage stellen muss, wie es zukünftig um die Kulturelle Vielfalt und die Reputation als Musikland in Baden-Württemberg bestellt ist. Wird es zukünftig auch in der Musikhochschullandschaft eine Zweiklassengesellschaft mit Musikhochschulen und Musikhochschulakademien geben?

Trossingen ist die bundesweit einzige Musikhochschule im ländlichen Raum. Dieses Alleinstellungsmerkmal und die Tatsache, dass die Hochschule in hohem Maße zum Kulturleben beiträgt und einen bedeutenden Standortfaktor für das Wirtschaftsleben einer ganzen Region bildet, werden scheinbar aus den Augen verloren. Die vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst vorgeschlagenen Kürzungen werden als Qualitätsverbesserung und Profilschärfung verkauft. Letztlich geht es schlicht um eine schrittweise Schließung. Dabei drängt sich die Frage auf: Ist das grüne Kulturpolitik? Die offenkundige Geringschätzung im Wissenschaftsministerium für die Bedeutung der Musik und die Degradierung der Kultur zur „Bespaßung der Region“ helfen dabei weder den Musikerinnen und Musikern noch den Bürgerinnen und Bürgern im Land.

Jede einzelne Musikhochschule ist ein komplexes Gebilde. Alle fünf Hochschulen besitzen nicht nur als Leuchttürme der Kulturellen Vielfalt nationale und internationale Strahlkraft, sondern tragen auch in erheblichem Maße zum positiven Erscheinungsbild des Landes im öffentlichen Bewusstsein bei. Die geplanten Kürzungen hätten bundesweit und international eine fatale Signalwirkung – auch im Hinblick auf die Umsetzung der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Kulturellen Vielfalt.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, in der Überzeugung, dass Sie die große gesellschaftspolitische Bedeutung der Musikhochschulen in Ihrem Land kennen und schätzen, bitte ich Sie, die fünf Standorte der Musikhochschulen in ihrer Qualität zu erhalten und ein Entwicklungskonzept anzustoßen, das mit der Zielrichtung einer bedarfsgerechten Ausstattung der Musikhochschulen diesen Namen auch verdient.

Mit besten Grüßen,
Christian Höppner
Generalsekretär des Deutschen Musikrates
Vizepräsident des Europäischen Musikrates

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