Vor gut zwei Jahren gelang dem Theater Regensburg mit der Wiederentdeckung von Joseph Beers „Der Prinz von Schiras“ eine Operettensensation (demnächst auf CD beim Label CPO). Nun setzt das Haus sein Engagement für den vor den Nazis geflohenen Komponisten mit „Polnische Hochzeit“ fort. Ein vergnüglicher Abend mit nachdenklicher Note.
Gabriel Kähler als Komponist Joseph Beer in „Polnische Hochzeit“ am Theater Regensburg. Foto: Marie Liebig
Die „Polnische Hochzeit“ als Joseph-Beer-Hommage am Theater Regensburg
„Polnische Hochzeit“, 1937 in Zürich uraufgeführt und dann mit riesigem Erfolg nachgespielt, war – abgesehen von skandinavischen Produktionen unter anderem Namen – in der Versenkung verschwunden, ehe das Werk 2012 in Wien wiederbelebt wurde, 2016 auf CD erschien und seitdem wieder verstärkt gespielt wird. Für Regensburg hatte es sich Regisseur Ronny Scholz nun vorgenommen, seiner Inszenierung die Lebensgeschichte des zwangsexilierten Komponisten ein Stück weit mit einzuschreiben.
So steht nun also Joseph Beer als zusätzliche Figur auf der Bühne und sein Schicksal spiegelt sich in dem des Protagonisten: Graf Boleslav Zagorsky, polnischer Freiheitskämpfer, kehrt aus dem Exil in seine Heimat zurück, um seine Geliebte Jadja zu heiraten und das Erbe anzutreten, das ihm sein Onkel, Graf Staschek, verweigert. Der Komponist Beer, gespielt von Gabriel Kähler, wird somit immer mal wieder zum Conferencier in eigener Sache, gibt Hinweise zur Handlung und erzählt von sich und seinen Schicksalsgenossen. Das gerät bisweilen etwas didaktisch-hölzern, gibt dem Abend aber eine angemessen nachdenkliche Note. Dass die auch sonst (vor allem beim Chor) nicht optimale Mikrofonierung ausgerechnet an der Stelle nicht ausreicht, als er von seinem Librettisten Fritz Löhner-Beda und dessen Ermordung in Auschwitz berichtet, ist allerdings ein grober Fauxpas.
Dieser Nachdenklichkeit steht ein ansonsten schmissig-überdrehter, zeitweise leicht läppischer, oft aber auch wirklich komischer Tonfall gegenüber. Die etwas zu sehr in Drehbewegung gehaltene Scheune wird von putzigen Nutzviehattrappen und grellbunt eingekleideter Landbevölkerung mit großem Enthusiasmus bespielt und betanzt. Im zweiten Akt sorgen Galavorhänge und Federboa-Fächer für Hochzeitsglamour.
Hinreißendes Buffopaar: Rahel Brede und Benedikt Eder in Joseph Beers „Polnische Hochzeit“ am Theater Regensburg. Foto: Marie Liebig
Durch die neue Texteinrichtung wirken die Verliebten Boleslav-Jadja allerdings etwas unterbelichtet – so toll Sophie Bareis und Carlos Moreno Polizari auch singen –, und wer das dritte Paar Stasi und Stani eigentlich ist, wird überhaupt nicht klar. Das Hauptinteresse liegt somit beim Buffogespann Suza und Casimir, deren Dialog- und Duett-Feuerwerke Rahel Brede und Benedikt Eder in herrlichen Kuhprint-Outfits auf den Punkt bringen. Alexander Franzen in der Rolle des trotteligen Bösewichts Staschek leistet als Last-Minute-Einspringer mit Textbuch in der Hand Grandioses (wunderbar melancholisch sein Schlusslied, das er sich mit Kähler/Beer teilt), köstlich ist auch Seymur Karimov als Suzas Onkel Mietek.
Das Philharmonische Orchester findet unter der Leitung von Andreas Kowalewitz den richtigen Tonfall für den Stilmix, den Beer hier meisterhaft anrichtet: von dunkel-timbrierter Schwermut („Polenland, mein Heimatland“) über sentimentale Operettenseligkeit („Schenk mir das Himmelreich“) und Ulk-Ensembles („Meine kleine Mandoline“) bis zum Charleston-Gassenhauer „Katzenaugen“, der in Regensburg um eine Zusatzstrophe ergänzt wird. Reizvoll auch die Einlage mit bisher unbekannter symphonischer Musik Joseph Beers, die man zu einem „Déja-vu“ von Stascheks früheren Ehefrauen arrangiert hat.
Am Ende gab es zu Recht Riesenjubel für diese Produktion, die als Inszenierung der „Polnischen Hochzeit“ vielleicht weniger gut, als Joseph-Beer-Hommage dafür um so besser funktioniert.
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