Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Premiere«

Sanfter Druck zur Betroffenheit – Neue Opern an der HMT Leipzig

13.11.18 (Roland H. Dippel) -
Seit vielen Monaten arbeiten Dozenten und Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an dieser Studioproduktion zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Zur Uraufführung gelangten die beiden Kammeropern „Letzte Tage Lodz“ von Juheon Han und „Freiberg“ in drei Teilen von Dariya Maminova (geb. 1988), Ido Spak und Max-Lukas Hundelshausen (geb. 1991). Ein Triumph des kalkuliert emotionalen Musiktheaters.

Janáčeks Episoden „aus einem toten Haus“ an der Oper Brüssel

09.11.18 (Frieder Reininghaus) -
Wie geht es zu in den Strafgefangenenlagern? Wie weit entfernt vom Herzen Europas und der Hauptstadt Brüssel liegt Sibirien? Das sind Fragen, die sich mit einer Inszenierung von Leoš Janáčeks letztem Bühnenwerk unvermeidlich stellen, wenn es am Théâtre de la Monnaie auf den Spielplan gesetzt wird. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski und der Dirigent Michael Boder haben deutliche, aber nicht ganz zusammenpassende Antworten gefunden: …

Vom Blendwerk der Freiheit – Smetanas „Dalibor“ in Augsburg

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mir sind die Augen aufgegangen. Wir sagen das …, weil wir begreifen, was wir doch nicht sehen können“ schrieb Ingeborg Bachmann von Jahrzehnten. Das kann der Hintergrund für die Wahl des soeben zum 5.Staatstheater Bayerns aufgewerteten Augsburger Teams sein, ausgerechnet im Ausweichquartier im Martinipark nicht einen verkaufssicheren Repertoireklassiker anzusetzen, etwa Smetanas „Verkaufte Braut“, sondern sein tschechisch vaterländisch orientiertes, daher nicht so populäres Musikdrama „Dalibor“. Ein reizvolles Wagnis.

Das Gemüse an der Macht – Offenbachs „König Karotte“ in Hannover

07.11.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Uraufführung von Jacques Offenbachs „Roi Carotte“ (1872) ist mit heute unfassbaren Zahlen belegt: 1150 Kostüme, 193 Bilder in vier Akten, innerhalb von sechs Monaten 193 Aufführungen, sechs Stunden Uraufführung und noch vieles mehr. Und doch verschwand das Werk in der Versenkung, bis es rekonstruiert werden und in einer dreistündigen Fassung 2015 in Lyon aufgeführt werden konnte. Und nun gab es in Hannover von dieser Fassung eine viel bejubelte, glänzende deutsche Erstaufführung, die der Musicalfachmann Matthias Davids als Regisseur verantwortete.

Kiel besinnt sich auf seine historische Bedeutung – Marco Tutinos „Falscher Verrat“ uraufgeführt

07.11.18 (Arndt Voß) -
Es war der 3. November 1918, als in Kiel Historisches geschah: die Matrosen standen auf, ein Geschehen mit ungeheuren Folgen. Das in einer Oper genau 100 Jahre später erlebbar zu machen, ist eine andere Sache, dennoch hat man es in Kiel versucht.

(K)eine Revolution mit Musik – „November 1918“ am DNT Weimar raschelt

06.11.18 (Joachim Lange) -
Die aktuelle Kunstanstrengung des Deutschen Nationaltheaters Weimar ist gewaltig. Sie passt zu seinem Namen und ist im 100. Jahr der Novemberrevolution allemal zu loben. Schon, weil sie wieder einmal alle Sparten des Hauses in einem Kooperationsprojekt von Schauspiel, Musiktheater und Staatskapelle für die Theaterfassung von André Bücker und Beate Seidel mit Musik von Stefan Lano zusammenführt. Wenn es um die Aufführung einer Theaterversion von Alfred Döblins „November 1918“ geht, dann hat Weimar einen Standortvorteil. Nach dem brodelnden Vorspiel nach Kaiserreich und Weltkriegskatastrophe verdankt die wacklige erste deutsche Republik der Klassikerstadt immerhin ihren Namen.

Musikalisch mäandernd – Anno Schreiers „Wunderland“ am Theater Freiburg

06.11.18 (Georg Rudiger) -
Musiktheater braucht nicht viel. Bei Anno Schreiers Songzyklus „Wunderland“ sind es nur drei Sänger und vier Instrumente (Akkordeon, Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass), die die einzelnen Stationen, die Alice im Wunderland erreicht, zu kleinen Szenen gestaltet. Lewis Carrolls Fantasieroman aus dem Jahr 1865 hat schon mehrere Komponisten wie Unsuk Chin oder Johannes Harneit zu groß besetzten Opern inszeniert. Schreiers einstündiges „Wunderland“ (2013) kommt dagegen ganz leichtfüßig daher.

Der König ist immer der Mörder – „Hamlet“ von Franco Faccio in Chemnitz

06.11.18 (Michael Ernst) -
Shakespeare-Dramen sind immer schon großartige Opernvorlagen gewesen. Aber ausgerechnet sein „Hamlet“ scheint im Musiktheater sehr rar zu sein. Weil das Original zu perfekt ist? Richard Wagner war ja der Meinung, „Hamlet“ gehe den Musiker nichts an. Dabei soll es allein in den vergangenen zwei Jahrhunderten rund 40 höchst unterschiedliche Versuche gegeben haben, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Neben Franz Liszts Sinfonischer Dichtung und der Oper von Ambroise Thomas sind aber kaum Deutungen im Repertoire geblieben, ob es Timo Jouko Herrmann mit seiner in Dortmund herausgekommenen Version „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ schaffen wird, daran etwas zu ändern, bleibt abzuwarten.

Hans Op de Beeck entführt in Stuttgart das Publikum an den See der Tränen in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“

04.11.18 (Joachim Lange) -
Diesmal hat die Burg weder Mauern noch Türen. Den Raum begrenzen auch im wortwörtlichen Sinne nur Planen. Die Zuschauer sind allesamt in der imaginären Kammer mit dem See aus Tränen gelandet. Hinter der Tür mit dem vielleicht beklemmendsten, traurigsten Raum in Blaubarts Burg. Zumindest in einem Alptraum, dicht in dessen Nähe. Diesmal fließt zwar nirgends das Blut, von dem Judith redet und das sie hinter all den geheimnisvollen Türen in Blaubarts düsterer Behausung wahrnimmt. Aber wir können es mit den Ohren sehen, mit dem Herzen fühlen. Sind eingestimmt auf die Dunkelkammern der Seele, ahnen, dass die Begegnung dieses Mannes und dieser Frau, ihr Versuch, sich einander zu nähren, ihr Drängen, sein Abwehren nur die Oberfläche sind.

Das Augenzwinkern des Malerfürsten: „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler am Theater Regensburg

01.11.18 (Juan Martin Koch) -
Mit dieser besonderen „Rarität“ aus der Mozartzeit und der Verpflichtung von Markus Lüpertz für Bühne und Kostüme hat das Regensburger Theater mehr als nur einen PR-Coup gelandet, findet Juan Martin Koch:
Inhalt abgleichen