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Alle Artikel kategorisiert unter »Premiere«

Der Superstar und seine Fans – Theater Magdeburg mit „Jesus Christ Superstar“

19.06.18 (Joachim Lange) -
Man kann gegen Andrew Lloyd Webbers Musical-Fabrikation allerhand einwenden. Dass es ein kommerzorientiertes Dahinwebbern von verwechselbarer musikalischer Meterwaren ist zum Beispiel. Aber „Jesus Christ Superstar“ gehört nicht dazu. Die Rockoper bleibt ein Erfolgs-Coup, den der damals Anfang Zwanzigjährige und sein Texter Tim Rice (Basis: das Buch der Bücher) 1970 als LP und dann 1971 am New Yorker Broadway gelandet haben!

Brittens „Rape of Lucretia“ – ergreifend inszeniert an der Musikhochschule Lübeck

19.06.18 (Arndt Voß) -
Dreierlei kam an Lübecks Musikhochschule (MHL) glücklich zusammen, ein aufrüttelndes Bühnenwerk mit brillanter Musik, eine fesselnde Regiearbeit und eine qualitativ höchst niveauvolle Darbietung. Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ war erarbeitet worden. Anthony Pilavachi führte Regie und hatte die Kammeroper mit den Studenten beeindruckend szenisch realisiert (Premiere: 15. Juni 2018). Die Ausführenden schließlich waren eine junge Gesangselite, die von sehr sicheren Instrumentalisten unterstützt wurden.

Gekonnte Gruselatmophären – „Der Untermieter“ von Phyllis Tate in Bremerhaven

19.06.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Na ja, aufführen kann man sie schon, diese stilistisch anachronistische Krimioper „Der Untermieter“ der englischen Komponistin Phyllis Tate (1911-1987). Und somit sind erst einmal die positiven Seiten dieser deutschen Erstaufführung am Stadttheater Bremerhaven zu nennen: der Regisseur Sam Brown und die Kostüm- und Bühnenbildnerin Julia Przedmojska haben es verstanden, für diese letzte Premiere der Spielzeit eine permanent gruselige Atmosphäre aus dem viktorianischen England herzustellen: die Bühne zeigt zeitgleich vier verschiedene Spielorte.

Starke Frau als Anti-Kriegerin – „Der tapfere Soldat“ von Oscar Straus im Münchner Gärtnerplatztheater

17.06.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Einen Krieg verliert man immer“ hat Leo Tolstoi so kurz wie prägnant wie entlarvend in jener Epoche festgestellt, in der George Bernard Shaw (1895) und Oscar Straus (1908) sich mit dem Thema „Helden“ auf dem Theater befasst haben. Wenn Peter Konwitschny in unseren kriegerischen Tagen die Operettenfassung interpretiert, war Besonderes zu erwarten.

Der richtige Riecher – Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper Berlin

17.06.18 (Peter P. Pachl) -
Die zunächst in London, dann in Sidney laufende „Nase“ in der Inszenierung von Barrie Kosky ist in Berlin angekommen. In deutscher Übersetzung setzt sie endlich einmal den von Beginn bis zu dieser Intendanz-Ära an der Komischen Oper als Alleinstellungsmerkmal ausschließlich geübte Praxis der Opernaufführungen in Landssprache fort. Die umjubelte Premiere von Schostakowitschs frühem Opern-Wurf wurde zu einem späten Höhepunkt dieser Saison und zugleich zu einem hoffnungsreichen Einstand für den künftigen GMD Ainārs Rubiķis.

Achtung Aufnahme! – Oper Leipzig mit Alban Bergs „Lulu“

17.06.18 (Joachim Lange) -
„Lulu“ ist ein Schlüsselwerk der Moderne. Als Alban Berg 1935 starb hinterließ er seine letzte Oper nach Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ als Fragment. Friedrich Cerha hat die Oper über die Frau, deren Männer ihr zum Opfer fallen und die am Ende von Jack the Ripper selbst umgebracht wird, 1979 vollendet. Meistens wird sie heute in dieser nachträglich komplettierten Fassung gespielt. In Stein gemeißelt ist das dennoch nicht. Ab und an versucht sich ein Komponist neu am so reizvollen wie undankbaren Ergänzungswerk.

Heiterer Sommernachtsspaß im Sanatorium der Liebe – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Deutschen Oper Berlin

16.06.18 (Peter P. Pachl) -
War die vorangegangene Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin, die in eine Weltraumstation mündende „Fledermaus“, zumindest in Fragen des Timings hoffnungslos verloren, so entschädigt die jüngste Neuinszenierung: Rossinis „Il viaggio a Reims“ schafft die Punktlandung, das Feuerwerk an Spielfreude und Sangeskunst entfachte beim Premierenpublikum einhellige Begeisterungsstürme.

Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“ beim Bachfest Leipzig

16.06.18 (Roland H. Dippel) -
Für den neuen Intendanten Michael Maul ist der Zyklus „Passionen“ nach dem bejubelten „Leipziger Kantaten-Ring“ mit 33 geistlichen Kantaten Bachs in 48 Stunden der innere Höhepunkt des Bachfestes vom 8. bis 17. Juni 2018. Es reihen sich Mario Schröders Choreographie der „Johannes-Passion“ in der Oper Leipzig, die „Matthäus-Passion“ mit La Chapelle Rhénane unter Benoît Haller, Zelenkas „Cristo al Calvario“ mit dem Ensemble Inégal und Passionskantaten von Christoph Graupner in der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Doch der spannendste Beitrag ist Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“, das erste deutsche Passionsoratorium überhaupt.

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis „Die Aufteilung der Welt“ in Kiel

15.06.18 (Arndt Voß) -
Für gute drei Stunden war Kiel der Nabel der Welt. Wichtiges stand an: Nichts Kleineres als die Erde war aufzuteilen, ein Unterfangen, bei dem selbst unter göttlichen Brüdern Streit unvermeidlich ist. Aber, wie so oft, ist das mit Musik, hier mit der barocken von Giovanni Legrenzi, durchaus gut anzuhören und, wenn dann noch die Optik stimmt, sogar vergnüglich anzuschauen (Premiere: 9. Juni 2018).

In die Freiheit entkommen – Die Musikalische Komödie in Leipzig entdeckt Albert Lortzings „Casanova“

14.06.18 (Joachim Lange) -
Ein Besuch der Musikalischen Komödie in Leipzig Lindenau umweht immer der dezente Hauch einer Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist ein Vorstadttheater mit einer besonderen Aura, wirkt auf sympathische Weise wie aus der Zeit gefallen. Hat (neben der Staatsoperette in Dresden) als Haus für dieses eine Genre ein Alleinstellungsmerkmal. Und sein eigenes, sehr treues Publikum. Eines, das zuverlässig nörgelt, weil in der gerade wieder eröffneten und aufgestylten Theaterkneipe (namens Lortzing!) gleich nebenan, alle Erinnerungsfotos wegrenovierten wurden.
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