Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Premiere«

„Hotel Karthago, Zimmer 37“: „Dido und Aeneas“, eine Erinnerungsfalle in Weimar

18.11.17 (Roland H. Dippel) -
Henry Purcells „Dido und Aeneas“ ist in der zweiten Spielstätte des Deutschen Nationaltheaters Weimar die Steilvorlage für einen spannend durchdachten, impulsiven, mitreißenden Theaterabend: Musikalische und szenische Feinarbeit über schmerzende Erinnerungen und die Sehnsucht nach erkalteter Liebe. Bravi für Alle!

Eine Frau dreht durch – Guy Montavon inszeniert Luigi Cherubinis „Médée“ in Erfurt

17.11.17 (Joachim Lange) -
Ausgrabungen und der Griff ins französische Repertoire gehören zu den Markenzeichen der Oper in Erfurt. Wobei die ersten Töne von Luigi Cherubinis „Médée“ verblüffend nach „Freischütz“ klingen. Cherubini 1760-1842 hat sie aber 1797, also ein paar Jahre früher im Frankreich der blutigen Revolution komponiert. Eine damals höchst populäre Musik irgendwo zwischen Mozart, Gluck und Beethoven oder Berlioz. In ihrer gewissen Redseligkeit ist sie aber auch typisch französisch. Und heute in der Abteilung für Ausgrabungen abgelegt. Dabei hat es der Plot in sich. Eine Mutter, die ihre Kinder umbringt, hat auch in der Oper nicht allzu viel Vergleichbares neben sich.

Das Irreale der Realität – Uraufführung von Arnulf Herrmanns Psycho-Oper „Der Mieter“ in der Oper Frankfurt

13.11.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Wohnungsnot, Anpassungsdruck, soziale Kontrolle, Einengung, Mobbing, Nachbarschaftsterror bis zur Entmietung – das sind bundesrepublikanische Realitäten für Normalverdiener und Alleinstehende. Diese Nöte und Klagen musikdramatisch unbequem groß zu gestalten, sie gar in die Nachbarschaft von Unterdrückten und Gequälten wie in Bergs „Wozzeck“ oder Zimmermanns „Soldaten“ zu rücken… doch das Autorenduo führte Roland Topors Roman “Le Locataire chimérique“ als Ausgangspunkt an und von Ferne grüßte auch Roman Polanskis Film „Der Mieter“.

Anna-Sophie Mahler inszeniert Antonín Dvořáks lyrisches Märchen „Rusalka“ in Bremen

13.11.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Natürlich ist es längst üblich, den Weg der Nixe Rusalka aus der Wasser- in die Menschenwelt tiefenpsychologisch zu verstehen: Antonín Dvořáks 1901 uraufgeführte Oper, die tschechische Variante des Undinenthemas, erzählt von Rusalkas Sehnsucht, eine andere zu sein, ein Mensch zu werden, weil sie sich in den badenden Prinzen verliebt hat.

Nicht ganz von dieser Welt – Teodor Currentzis mit „La Bohème“ im Festspielhaus Baden-Baden

12.11.17 (Georg Rudiger) -
Mimì liegt sterbend im Schnee. Ihr geliebter Rodolfo kniet daneben und schaut teilnahmslos auf den Boden. Die Künstlermansarde, die Ausgangspunkt und Ende von Puccinis „La Bohème“ bildet, ist hochgezogen und hängt an der Bühnendecke des Festspielhauses. Keinen Schutz gibt es mehr in dieser Eisfläche und keine Wärme. Nur die Streicher spenden ein wenig Trost. Dann setzt das Blech ein mit den scharf angesetzten, wiederholten Schicksalsakkorden. Die Freunde stehen vereinzelt auf der Eisfläche und wenden sich als Silhouetten von der gerade Verstorbenen ab. Das Schlussbild dieser musikalisch und szenisch großartigen Produktion des Festspielhauses Baden-Baden und Opern-und Ballett-Theaters Perm erschüttert. Kein gefühliger Tod, keine falsche Träne, sondern Einsamkeit, Schmerz und Gleichgültigkeit. Regisseur Philipp Himmelmann gelingt hier gemeinsam mit der Musik eine emotionale Verdichtung seiner klugen Inszenierung, die niemanden kalt lässt.

Matte „Maltheser“-Szenen: Irina Pauls‘ Uraufführung bei der 27. Euro-Scene Leipzig

10.11.17 (Roland H. Dippel) -
Die 27. euro-Scene 2018 widmet sich „Ausgrabungen“ und schlägt einen Bogen von der Tanz-Moderne nach 1920 ins Heute. Die Rekonstruktion des „Triadischen Balletts“ von Oskar Schlemmer durch das Bayerische Juniorballett München zur Eröffnung im Leipziger Schauspielhaus und der Abend mit Rekonstruktionen historischer Stücke von Gret Palucca, Marianne Vogelsang und Mary Wigman im LOFFT machten Tanzgeschichte erlebbar. Eigenbeitrag ist eine Uraufführung des Vokalquintetts Amarcord mit der Choreografin Irina Pauls.

Das Unsichtbare spricht zu uns: NOW-Festival in Essen bot Grenzerfahrungen

09.11.17 (Stefan Pieper) -
„Grenzüberschreitung“ hatten die Macher von Essener Philharmonie und Folkwang-Musikhochschule als aktuelles Festival-Motto gewählt. Dieser inflationär überstrapazierte Begriff mutete fast wie Tiefstapelei an - den das zweiwöchige Essener Festival rund um die musikalische Gegenwart inklusive etlicher benachbarter Disziplinen eigentlich gar nicht nötig hat.

Millionen im Irgendwo – Nürnbergs Staatstheater zeigt Lehárs „Lustige Witwe“ nahe am Heute

07.11.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Menschheit verblödet zusehends… Es ist festgesetzt worden, dass, wenn die Welt untergeht, noch einmal ‚Dummer, dummer Reitersmann‘ gespielt wird“ stellte Karl Kraus schon 1908 fest. Da sich Kraus’ erster Satz über hundert Jahre später zunehmend bewahrheitet, trat nun Bayerns 4. Staatstheater in Konkurrenz zur Münchner „Witwe“ am Gärtnerplatz.

Die Emanzipation der Gilda – Verdis „Rigoletto“ in Bremerhaven

07.11.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Einen Andrej Woron-Rigoletto hat es 2005 in Bremen gegeben, einen anderen (Regie: Mascha Pörzgen) 2003 in Oldenburg. Die unsterbliche, 1851 komponierte Oper hat Konjunktur, vor zwei Jahren hat sie in Bremen Michael Talke inszeniert, Oldenburg bereitet einen neuen Rigoletto vor und jetzt war eine weitere Inszenierung von Woron in Bremerhaven zu sehen.

„Unsere Eier gehören uns!“ – Uraufführung der „Hühneroper“ am Atze Musiktheater in Berlin

06.11.17 (Peter P. Pachl) -
Die geistige Verwandtschaft zwischen dem Grips Theater in Berlin-Tiergarten und dem Atze Musiktheater im Wedding zeigt sich besonders deutlich an der jüngsten Atze-Produktion, einem „Singspiel über das Leben auf einer Hühnerfarm und die Kraft von Träumen“ in der wirkungsstarken Inszenierung der jungen Regisseurin Göksen Güntel.
Inhalt abgleichen