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Alle Artikel kategorisiert unter »Christoph Heinrich«

Die furchtbare innere Welt – Wolfgang Rihms „Jakob Lenz“ in Bremen

03.02.20 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Kammeroper des jungen Wolfgang Rihm reißt in der Bremer Inszenierung von Marco Štorman mit, sie mache die Zuschauer*innen zu betroffenen Zeugen. Claudio Otelli in der Rolle des Lenz bietet eine überragende Leistung, findet unsere Kritikerin Ute Schalz-Laurenze.

Maßlos, entfesselt und durchgeknallt – Tatjana Gürbaca inszeniert in Bremen „Don Giovanni“

23.10.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
An der Wucht und der vieldeutigen Rätselhaftigkeit des „dramma giocoso“ haben sich Generationen von Regisseuren die Zähne ausgebissen. Günther Rennert, einer der großen des vergangenen Jahrhunderts glaubte „nicht an die Möglichkeit, für diese Partitur auch nur eine annähernd szenische Entsprechung finden zu können“. Die „Oper aller Opern“ (E.T.A. Hoffmann 1813) ist ein „Gipfel, der nie wieder erreicht worden ist“ (Bertolt Brecht). Nun also Tatjana Gürbaca, preisgekrönte erfolgreiche Regisseurin, die unvergessliche Arbeiten am Theater Bremen hinterlassen hat – Eugen Onegin und Mazeppa von Peter Tschaikowsky, Grand Macabre von György Ligeti, Simplicius Simplicissimus von Karl Amadeus Hartmann.

Tiefgang über die Liebe – Mozarts „Entführung aus dem Serail“ am Theater Bremen

04.12.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Natürlich gab es am Ende Buhs: denn man hatte in Bremens neuer Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ alles Mögliche gesehen, nur kein Serail, in dem die gekidnappten Europäer sich ja eigentlich befinden. Der junge Schauspielregisseur Alexander Riemenschneider, der damit seine zweite Oper inszenierte, wartete auf mit einem philosophischen und psychologischen Tiefgang über die Liebe, der jede Erwartung gegenüber dem berühmten Singspiel vollkommen umkrempelte. Angesichts der Vielfalt der Entführung-Inszenierungen der letzten Jahre will das schon etwas heißen. Riemenschneider doppelte die Protagonisten mit Schauspielern. Das erlaubte ihm den Versuch, die Protagonisten zeitgleich zu ihren Erlebnissen über sich reflektieren zu lassen.

Tödliche Sehnsucht – Strawinskys „The Rake‘s Progress“ am Theater Bremen

29.05.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Das Ende wird vorausgenommen: in der Inszenierung von Michael Talke am Theater Bremen fällt der (Anti-)Held Tom Rakewell in der Irrenanstalt tot um, erst dann rollt das Geschehen an, was dann mit derselben Szene endet. Diese Kreisbewegung charakterisiert bestens Talkes Annäherung an „The Rakes Progress“ von Igor Strawinsky, das 1951 in Venedig unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt wurde.

Die Seele auf dem Ton – Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am Theater Bremen

31.01.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Seit dreißig Jahren gab es in Bremen Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ (1835) nicht mehr. Dabei ist das „Dramma tragico“ die berühmteste „Bel Canto“-Oper überhaupt, gehört also irgendwo in jeden ambitionierten Spielplan. Das geht aber nur, wenn man die drei Hauptrollen wirklich besetzen kann, wie es jetzt in Bremen fabelhaft gelungen ist. Mit Nerita Pokvytyté als Lucia, Birger Radde als Enrico und Hyojong Kim als Edgardo singen im Bremer Ensemble herausragende Bel Canto-Stimmen. Bel Canto: die italienische Gesangstechnik, die heute wieder das A und O aller Gesangkunst ist, verlangt, dass die Seele auf dem Ton liegt.

Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ in Bremen

21.03.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenn man in den Zuschauerraum kommt, ist Faust längst da, er ist einer von uns. Auf einem Steg, mitten in das Foyer hineingebaut, irrt der weißgekleidete Rothaarige unsicher umher und es ist von vornherein klar: mit dem Goethe‘schen Intellektuellen und dessen Sinnsuche hat dieser hier nichts zu tun. Es ist mit einem kleinen Bonsai-Baum im durchsichtigen Rucksack der eher depressive Versager von Hector Berlioz, der seiner „dramatischen Legende“ den Titel „La Damnation de Faust“ gegeben hat.

Eine fiktive Märchenwelt – Alban Bergs „Wozzeck“ am Theater Bremen

15.02.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
„...von dem Augenblick an, wo sich der Vorhang öffnet, bis zu dem, wo er sich zum letzten Male schließt, darf es im Publikum keinen geben, der etwas von diesen diversen Fugen und Inventionen, Suiten- und Sonatensätzen, Variationen und Passacaglien merkt – keinen, der von etwas anderem erfüllt ist als von der weit über das Einzelschicksal Wozzecks hinausgehenden Idee dieser Oper. Und das – glaube ich – ist mir gelungen.“ Der Wunsch des Komponisten Alban Berg für seine 1921 vollendete und 1925 mit einem Skandal uraufgeführte Oper ging jetzt in der Premiere am Bremer Theater am Goetheplatz großartig in Erfüllung.

Das Dunkle in uns – Händels „Oreste“ im Theater am Goetheplatz in Bremen

26.05.15 (Ute Schalz-Laurenze) -
Ein Schiff? Ein Labyrinth? Eine Bar? Ein Hotel? Es kann alles sein und alles zusammen, was sich auf der Bühne dreht, im Hintergrund das Meer (Bühne von Irene Ip). Es ist die Insel Tauris in Georg Friedrich Händels Oper „Oreste“, auf der nach dem trojanischen Krieg sechs Personen versuchen, mit den Schäden ihrer Vergangenheit fertig zu werden und das durchaus Dunkle und Zerstörerische zu überwinden.

Durchgeschüttelte Seelen, unberechenbar – Felix Rothenhäusler inszeniert Mozarts „Le Nozze di Figaro“ in Bremen

03.02.15 (Ute Schalz-Laurenze) -
Alle, wirklich alle Operngänger kennen Mozarts‘ 1786 geschriebene Oper „Le Nozze di Figaro“. Es geht sehr konkret um den Vorabend der Revolution, der Bürger Figaro probt mit seiner Verlobten Susanna den Aufstand gegen den Grafen, der wegen der attraktiven Susanna das Recht der ersten Nacht wieder einführen will, das er selbst gerade abgeschafft hatte. Aber in vielen Inszenierungen war es so, dass uns das soziale Problem eigentlich nichts mehr anging. Immer aber blieb die ergreifende tiefe Musik von Mozart, die auch die konservativsten Inszenierungen erträglich macht.

Die scharf gelebte Kunst der Bohème –Benedikt von Peter und Markus Poschner mit neuer Lesart von Giacomo Puccinis Erfolgsoper

27.01.14 (Frieder Reininghaus) -
Benedikt von Peter inszenierte vor nicht allzu langer Zeit in Hannover Giuseppe Verdis „Traviata“ und ließ dabei die tragische Heldin der käuflichen und der unbezahlbaren Liebe allein auf der Bühne agieren. Den Rest des singenden Personals postierte er in der Weite des Zuschauerraums. Das Outsourcen einzelner Figuren und Szenen ins Parkett oder auf die Ränge ist zwar längst ein probates Theatermittel, die Reduktion des Bühnengeschehens in dieser radikalen Weise wurde freilich als denkwürdiger Coup de théâtre wahrgenommen und stabilisierte den Ruf des Regisseurs („einer der wichtigen der mittleren Generation“).
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