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Alle Artikel kategorisiert unter »Daniel Gloger«

Parsifals Mondfahrt – Jonathan Meeses Inszenierung von Bernhard Langs „Mondparsifal“ in Berlin

20.10.17 (Peter P. Pachl) -
Angesichts der Tatsache, dass die Absage von Jonathan Meeses in Bayreuth geplanter Inszenierung des „Parsifal“ mit deren finanziellem Aufwand begründet wurde, erscheint die Tatsache, dass dieses Projekt jetzt für je drei Aufführungen in Wien und Berlin – u. a. unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Wiener Festwochen im Verbund mit den Berliner Festspielen, den Medienpartnern ARTE, Berlinartlink, Monopol, Tagesspiegel, Wall und der York Kinogruppe, sowie eine Reihe weiterer potenter Sponsoren – ohne finanzielle Abstriche finanziert werden konnte, gleichermaßen erstaunlich wie verwunderlich.

Kieksen, Brummen, Keuchen, Schnalzen

07.03.17 (Isabel Herzfeld) -
Es ist Zeit, die Stimme zu erheben. Natürlich hat es sie immer gegeben, als Bestandteil alter wie neuer Musik, man denke nur an die unendlichen Spielarten des Musiktheaters. Doch die Stimme in den Fokus eines Festivals zu stellen heißt, nach Ursprüngen zu fragen, nach Sinnlichkeit und Körperlichkeit, Persönlichkeit und Konkretion. Gerade in der Nachkriegsavantgarde war das nicht unbedingt angesagt, die mit der Abstraktheit des Tons der Traditionsbelastung ihres Materials entgegenwirken wollte. Sie entwickelte zudem eine ins­trumentale Virtuosität, die über die Grenzen des jeweiligen Instruments hinausstrebte, sogar seine Zerstörung einbezog – der Stimme, so schien es, waren solche Extrempositionen nicht zugänglich. Mehr als jede andere Klangquelle schien sie der Tradition verhaftet, noch dazu an verstaubte Texte gekettet. Sie zu befreien war schon eine ganz besondere Tat, die zunächst der elektronischen Verfremdung gelang. Dieter Schnebel wurde dann in den Siebziger Jahren zum Pionier der experimentellen Stimmbehandlung.

Musik, die unter die Haut geht und ins Hirn dringt

03.02.17 (Gisela Nauck) -
Mit dem rätselhaften Titel „Das Maul ist der Text“, dessen Urheber Hans-Joachim Hespos sein soll, lud die „projektgruppe neue musik bremen“ am letzten Novemberwochenende vorigen Jahres (25. bis 27. November) zu ihrer 19. Konzerttagung ein. Dieser so treffende Begriff – Konzerttagung – wurde zu meinem Bedauern zwar schon vor Jahren gegen den Allerweltsbegriff Festival ausgetauscht. Das Konzept aber, Musik – immer „auf der Höhe der Zeit“ – zu hören und dieses Hören durch Vorträge sowie moderierte Gesprächsrunden gedanklich zu vertiefen, wurde beibehalten. Zum Glück. Der Titel blieb zwar trotz dieser Verzahnung von Hören und Wissenserweiterung ungeklärt. Aber das Programm machte auch diesmal wieder klar: Es geht in Bremen nicht schlechthin um zeitgenössische Musik, sondern um das Zeitgenössische in der Musik.

Wie schwarzes Sonnenlicht im Prisma – „Koma“ von Haas und Händl in Darmstadt

17.08.16 (Martin Hufner) -
Frieder Reininghaus hat in der nmz die Uraufführung von „Koma“ von Haas/Händl in Schwetzingen besprochen und kam zu dem Ergebnis, es zeichne sich ab, „dass dies die bedeutendste neue Produktion gewesen sein dürfte“ in der Saison 2015/16. Vom Rokoko-Theater Schwetzingens wanderte die Produktion ab ans Staatstheater Darmstadt und musste sich dort neu beweisen. Unser Rezensent ist begeistert zwiegespalten.

Spiegelgefechte – Oscar Strasnoys „Geschichte“ in der Werkstatt der Staatsoper

27.09.15 (Peter P. Pachl) -
Witold Gombrowicz’ Oeuvre bot einer ganzen Reihe von Komponisten optimale Musiktheater-Spielvorlagen, von Volker David Kirchners „Die Trauung“, bis hin zu „Operette“ in der Vertonung von Oscar Strasnoy. Der 1970 in Buenos Aires geborene Komponist, dessen Vater mit dem polnischen Exil-Dichter persönlich bekannt war, vertonte auch Gombrowicz’ Torso „Geschichte“. Die Berliner Inszenierung in der Werkstatt der Staatsoper wurde als ein echter Theatercoup gefeiert.

Ein schwieriges Objekt – Eine neue Fassung der Oper „Bluthaus“ von Georg Friedrich Haas bei den Wiener Festwochen

22.05.14 (Frieder Reininghaus) -
Nein, es ist nicht die Geschichte des Ingenieurs Fritzl aus Amstetten, die da von Händl Klaus (*1969 Innsbruck) melodramatisiert und von Georg Friedrich Haas (*1953 Graz) mit weitgehender Bühnenmusik versehen wurde. Aber eine artverwandte. „Der Begriff Inzestdrama greift zu kurz“, unterstreicht der Komponist. Überhaupt trage er nicht zu einem „Theater der Grausamkeit“ bei, sondern „schreibe ein Theater der Liebe“.

Glissandi und Schlafgeräusche in gleißender Dunkelheit – „Lezioni di tenebra“ von Lucia Ronchetti an der Berliner Staatsoper

31.01.14 (Peter P. Pachl) -
Der Staatsoper Berlin gelingen in ihrer zeitgenössischen Reihe in der Werkstatt des Schillertheaters die weitaus spannenderen Abende als auf der großen Bühne, so auch mit Lucia Ronchettis Oper „Lezioni di tenebra“, die vor knapp einem Jahr im Konzerthaus Berlin ihre Uraufführung erlebt hatte. Wer nur eine weitere Spielfassung einer Barock-Oper erwartet hatte, wurde vielfältig positiv überrascht: ein organisch stimmiges, eindrückliches Klangerlebnis, das ins Ohr geht und das in einer auch szenisch faszinierenden, stimmigen Umsetzung im Gedächtnis bleibt – ein großer Abend.

Ein extremes Stück zur extremen Situation: Uraufführung von „Thomas“, einer neuen Arbeit von Händl Klaus und Georg Friedrich Haas bei den Schwetzinger Festspielen

26.05.13 (Frieder Reininghaus) -
Ob er wollte oder nicht, musste oder sollte der Tod bekanntlich lange ein Wiener sein – als hätten die Wortführer in der österreichischen Hauptstadt so etwas wie ein Monopol auf eine bestimmte Sorte schwarzen Humors. Doch auch der in Innsbruck geborene Klaus Händl und der aus Graz stammende Georg Friedrich Haas erweisen sich als Meister des makabren Fachs. Vor zwei Jahren schrieb der Schriftsteller, Dramatiker und Filmregisseur Händl das Libretto zur Oper „Bluthaus“ – in Anlehnung an die wahre österreichische Geschichte der Natascha Kampusch, die als Kind entführt wurde und ihre besten Jugendjahre in unfreiwilligem Gewahrsam verbrachte. Die Schwetzinger Festspiele brachten die von zarter besaiteten Gemütern als grenzwertig empfundene Arbeit (in Kooperation mit der Oper Bonn) heraus – und jetzt (in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Karlsruhe) wieder ein Stück von Händl und Haas: „Thomas“.

„Chronosphères“ von Gerhard Stäbler in Aschaffenburg

 Ende Oktober präsentierte der Landesmusikrat Rheinland-Pfalz „eine Raum-Klang-Komposition für Countertenor, Tuba, Kammerensemble und Satellitenensembles“, so der Untertitel der Auftragskomposition des JugendEnsembleNeueMusik an Gerhard Stäbler. Über ein Jahr arbeitete der Komponist eng mit dem Ensemble zusammen. Die Satellitenorchester stellen dabei die städtischen Musikschulen von Kaiserslautern, Aschaffenburg und Ludwigshafen sowie das Landesmusikgymnasium Montabaur.

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