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Alle Artikel kategorisiert unter »Isabel Herzfeld«

Rumänische Stimme der Moderne – Frischer Wind für das traditionsreiche Festival „George Enescu“ in Bukarest

08.11.17 (Isabel Herzfeld) -
Im Laufe seines Bestehens hat das Festival „George Enescu“ verschiedene Gesichter angenommen. 1958 gegründet, diente es als kulturelles Aushängeschild des Ceausescu-Regimes. Dies nicht ohne Ambivalenz: von Anfang an ging es darum, das Werk George Enescus bekannter zu machen – ein Enescu-Werk auf dem Programm ist seitdem auch für eingeladene Gäste Pflicht. Die Einladung bedeutender internationaler Stars erhöhte nicht nur das Prestige des Festivals und damit des Landes, sondern ließ zu ausgesprochen moderaten Preisen auch den rumänischen Normalbürger an Glanz und Glamour musikalischer Welt-Events teilnehmen.

Von Brüchen und Brücken

31.10.17 (Isabel Herzfeld) -
„Wir sind die Letzten. Fragt uns aus“ – die Gesprächskonzerte von „musica reanimata“ leben von der Zeitzeugenschaft, dem Dialog mit Künstlern, die noch Auskunft geben können über den real erlebten Naziterror, über Flucht und Exil, Lebensbrüche und Überlebensstrategien. Trotz des allmählichen Verschwindens dieser „Letzten“ sind hier immer wieder erhellende Begegnungen möglich, etwa mit der 2016 mit 93 Jahren verstorbenen, stets erfrischend klarsichtigen Ursula Mamlok oder mit Walter Arlen, der hochbetagt aus Kalifornien kommend ein lebendiges Bild vom Wien der 1930er-Jahre erstehen ließ.

Versöhnung der Gegensätze im Klang – Das Musikfest Berlin ehrte Isang Yun

03.10.17 (Isabel Herzfeld) -
Er war eine zentrale Figur des Westberliner Musiklebens, in der europäischen Avantgarde geachtet und geschätzt. Dennoch sah sich Isang Yun stets den Traditionen seiner koreanischen Heimat verbunden – in unterschiedlichen Ausprägungen, die von seiner jeweiligen Lebenssituation beeinflusst waren. Dabei wurde Yun auf spektakuläre und tragische Weise in politische Konflikte hineingezogen, deren Tragweite er als „Unpolitischer“ – wie er sich selbst sah“ – vielleicht gar nicht einschätzen konnte, denen nicht auszuweichen er aber als seine Menschen- und Friedenspflicht verstand.

Kieksen, Brummen, Keuchen, Schnalzen

07.03.17 (Isabel Herzfeld) -
Es ist Zeit, die Stimme zu erheben. Natürlich hat es sie immer gegeben, als Bestandteil alter wie neuer Musik, man denke nur an die unendlichen Spielarten des Musiktheaters. Doch die Stimme in den Fokus eines Festivals zu stellen heißt, nach Ursprüngen zu fragen, nach Sinnlichkeit und Körperlichkeit, Persönlichkeit und Konkretion. Gerade in der Nachkriegsavantgarde war das nicht unbedingt angesagt, die mit der Abstraktheit des Tons der Traditionsbelastung ihres Materials entgegenwirken wollte. Sie entwickelte zudem eine ins­trumentale Virtuosität, die über die Grenzen des jeweiligen Instruments hinausstrebte, sogar seine Zerstörung einbezog – der Stimme, so schien es, waren solche Extrempositionen nicht zugänglich. Mehr als jede andere Klangquelle schien sie der Tradition verhaftet, noch dazu an verstaubte Texte gekettet. Sie zu befreien war schon eine ganz besondere Tat, die zunächst der elektronischen Verfremdung gelang. Dieter Schnebel wurde dann in den Siebziger Jahren zum Pionier der experimentellen Stimmbehandlung.

Eine Musik, die nie lügt, keine Uniform trägt und sich nicht anbiedert

05.06.16 (Isabel Herzfeld) -
Unvorstellbar, sie könnte nicht dabei sein. Für gewöhnlich saß Ursula Mamlok in der ersten Reihe im Kammermusiksaal der Philharmonie, bes-tens gelaunt das Defilee ihrer Musiker-Freunde empfangend. Knapp zwei Monate nach ihrem letzten Krankenhausaufenthalt saß sie hier schon wieder kerzengerade, als wäre nichts geschehen. Obwohl sie wenige Tage zuvor noch eine Beatmungshilfe gebraucht hatte und nur mühsam sprach, konnte sie dem Reiz des Erwin-Schulhoff-Projekts der „Spectrum Concerts Berlin“ wohl nicht widerstehen. Die Kammermusikgruppe um den amerikanischen Cellisten Frank Dodge hatte ihr letztes Stück „Breeze“ bei ihr in Auftrag gegeben. Sie besuchte aber nicht nur eigene Aufführungen; ausschlaggebend war ihr leidenschaftliches Interesse an der Musik und die Lust, unter Menschen zu sein.

Im Vertrauten das Fremde aufsuchen

02.02.16 (Isabel Herzfeld) -
Poesie ist das Wesen von Younghi Pagh-Paans Musik, in jedem ihrer Werke als ganz eigene Farbe einer Situation, einer Handlung, eines Bildes präsent. „Poesie, Image und Stimme“ nannte sich auch ein Symposium, das zum 70. Geburtstag der koreanischen Komponistin in Berlin veranstaltet wurde.

Vom Musen- zum Vergnügungstempel

13.04.15 (Isabel Herzfeld) -
„Mythos Berlin“ hieß eine Ausstellung auf dem Ruinengelände des Anhalter Bahnhofs, deren Eröffnungsfeier den Auftakt zur von nun an regelmäßig wiederkehrenden Randale des ersten Mai in Kreuzberg gab. Das war 1987, zu Vorwendezeiten, als noch ein opulentes Buffet genügte, um den Zorn nicht nur der Underdogs zu erregen.

Violinen aus der Asche

01.03.15 (Isabel Herzfeld) -
Die Geige war immer dabei. Auch als Erich Weininger, ein musikliebender Metzger aus Wien, 1939 verhaftet und nach Dachau gebracht wurde. Dort wirkte er vermutlich in heimlichen Konzerten mit. Aus dem KZ Buchenwald wurde er auf Initiative der Quäker entlassen, doch da die britische Besatzungsmacht keine Flüchtlinge in Palästina mehr aufnahm, musste er erst den Umweg über die Tropeninsel Mauritius nehmen, bevor er 1945 das Gelobte Land betreten konnte.

Violinen aus der Asche – Die Ausstellung „Violinen der Hoffnung“ in der Berliner Philharmonie zeigt die Musikinstrumente verfolgter Juden

08.02.15 (Isabel Herzfeld) -
Die Geige war immer dabei. Auch als Erich Weininger, ein musikliebender Metzger aus Wien, 1939 verhaftet wurde und nach Dachau gebracht wurde. Dort wirkte er vermutlich in heimlichen Konzerten mit. Aus dem KZ Buchenwald wurde er auf Initiative der Quäker entlassen, doch da die britische Besatzungsmacht keine Flüchtlinge in Palästina mehr aufnahm, musste er den Umweg über die Tropeninsel Mauritius nehmen, bevor er erst 1945 das Gelobte Land betreten konnte.

Alte und neue rote Fäden

04.02.15 (Isabel Herzfeld) -
Es scheint, als könnten Beschränkungen dem Berliner Ultraschall-Festival nichts anhaben. Auch in seiner neuen, auf fünf Tage eingedampften Form fanden kaum weniger Konzerte statt als früher im doppelten Zeitraum. Auch ihrem Konzept sind die Macher Rainer Pöllmann von Deutschlandradio Kultur und Andreas Göbel vom Kulturradio des rbb treu geblieben: der konsequenten Wiederaufführung als notwendiger Ergänzung des reinen Uraufführungs-Festivals, die das ehemals Brandneue, Spektakuläre, vielleicht sogar Skandalöse oder einfach nur beifällig Aufgenommene in Konfrontation mit der aktuellen Produktion erneut auf den Prüfstand stellt.
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