Gemeinschaftsaufgabe Musikalische Bildung

Der Bundesverband Musikunterricht steht in regelmäßigem Kontakt mit Partnern


(nmz) -
Für unser soziales und kulturelles Zusammenleben ist Musikalische Bildung wertvoll und wesentlich. Musikalische Fähigkeiten, Kompetenzen und musikbezogenes Wissen werden formal in der allgemeinbildenden Schule, den Musikschulen und anderen Institutionen oder Projekten der außerschulischen kulturellen Bildung erworben. (BMU-Agenda 2030)
Ein Artikel von Evelyn Beißel, Ortwin Nimczik

Der Bundesverband Musikunterricht (BMU) hat sich die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden, Institutionen und Organisationen, auf nationaler wie internationaler Ebene zur wichtigen Aufgabe gemacht. Schließlich kann das Engagement für Musikalische Bildung in unserer Gesellschaft keine Solo-Nummer sein.

Musikalische Bildung in notwendiger Breite und Tiefe kann weder von einer Institution geleistet noch beispielsweise aus der Perspektive einer Schulform definiert werden. Sie lässt sich auch nicht innerhalb von Ländergrenzen einfangen oder von scheinbar homogenen Interessengruppierungen gleichsam separatistisch definieren. Musikalische Bildung ist und bleibt Gemeinschaftsaufgabe, das große Haus musikalischer Bildung braucht ein gemeinsam gegossenes Fundament, auf das im Team gebaut, gestaltet, mit Leben gefüllt und stets erneuert werden kann.

Im regelmäßigen Austausch mit Partnern werden Grenzen und Schnittmengen definiert, Anliegen formuliert sowie „Seit‘ an Seit‘“ vertreten. So kann der Mehrwert unterschiedlicher Perspektiven und Forschungs- wie auch Arbeitsfelder nicht nur genutzt, sondern auf Bundes- und Länderebene übertragen werden. So werden Netzwerke gebildet, erweitert, übertragen und gefestigt. Durch diese Vernetzung – von jedem Mitglied bis zu den Vorständen – kommen kompetente (Ansprech-)Partner in verschiedenen Bereichen zusammen. Es entstehen bedarfsgerecht und situationsbezogen Partnerprojekte, die die musikalische Bildung fördern und ihren Wert im öffentlichen und politischen Diskurs immer wieder deutlich machen und praktisch umsetzen.

Einige Beispiele

Mit der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) werden auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung die gemeinsamen Ansätze in diverse Aktivitäten umgesetzt. Beide Verbände unternehmen gemeinsame Anstrengungen, möglichst vielen Menschen Zugang zu musikalischer Allgemeinbildung, zu vielfältigen musikalischen Erlebnissen und (musik-)kulturellen Traditionen zu ermöglichen. Sie unterstützen sich in der konkreten gemeinsamen Zielsetzung, die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen in öffentlichen Schulen in Verbindung mit den Kulturorchestern und Rundfunkensembles weiterzuentwickeln. Hierzu arbeiten allgemeinbildende Schulen, Musiklehrer und Orchester im partnerschaftlichen Austausch projektbezogen zusammen.

Als ein neues Projekt wurde im Oktober 2017 das „Bayerische Realschul­streichorchester“ ins Leben gerufen: Ein Patenorchester übernimmt das Coaching bayernweit ausgewählter, besonders begabter und engagierter Streicher bayerischer Realschulen, im Jahr 2017 waren dies die Nürnberger Symphoniker, die künstlerische Leitung lag bei Prof. Guido J. Rumstadt.

2003 wurde auf Initiative von Prof. Karl Karst (WDR) der Bundesverband Initiative Hören e.V. gegründet. Dabei handelt es sich um einen bundesweiten Zusammenschluss von Fachverbänden, so auch dem BMU, für einen hörsensibilisierenden Musikunterricht. In Zeiten akustischer Reizüberflutung, Lärm und ständiger Verfügbarkeit von Musik gilt es gemeinsam, der Gefahr einer akustischen Desensibilisierung mit verheerenden Folgen entgegen zu wirken. Einen besonderen Beitrag kann und sollte in diesem Zusammenhang der Musikunterricht leisten: Wer gelernt hat, bewusst zu(zu)hören, optimiert nicht nur seine kommunikativen Kompetenzen, sondern schafft auch die Basis für ein intensiveres und differenzierteres Wahrnehmen und Erleben von Musik.

Die „Föderation musikpädagogischer Verbände Deutschlands“ ist ein Zusammenschluss, der das Ziel verfolgt, zu den zentralen aktuellen musikpädagogischen Fragen und Problemen gemeinsame Grundpositionen und Handlungsperspektiven koordinierend zu erarbeiten. Auf diese Weise können die verschiedenen Facetten der deutschen Musikpädagogik gebündelt und gegenüber Ministerien, Hochschulen, zentralen musikpädagogischen Bildungseinrichtungen sowie der Medienöffentlichkeit vertreten werden. Mit dem BMU gemeinsam agieren hier der Arbeitskreis Elementare Musikpädagogik (AEMP), der Arbeitskreis Musik und Bewegung/Rhythmik (AMBR), der Arbeitskreis Musikpädagogische Forschung (AMPF), die Bundesfachgruppe Musikpädagogik (BFG), die Gesellschaft für Musikpädagogik (GMP) und der Verband deutscher Musikschulen (VdM). Hinzu kommt die Kooperation mit dem „Ausschuss für Schulmusik“ und dem „Ausschuss für künstlerisch-pädagogische Ausbildung“ der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen sowie der „Konferenz Musikpädagogik an Wissenschaftlichen Hochschulen“ (KMPWH). Die Föderation fungiert auch als Brücke zu den internationalen musikpädagogischen Organisationen EAS (Europäische Arbeitsgemeinschaft Schulmusik) und ISME (International Society for Music Education).

Jährlicher „Treffpunkt“ in der Kooperation mit dem VdM ist der „Hamburger Konvent“, bei dem Vorstandsvertreter/-innen beider Verbände zu einer Perspektivtagung zusammenkommen. Hier werden die gemeinsamen Projekte (zum Beispiel der Austausch bei den jeweiligen Bundeskongressen) besprochen. Im Dezember 2017 war Prof. Dr. Gies zu Gast, der CEO und Büroleiter des Verbandes der europäischen Musikhochschulen AEC in Brüssel ist. Er informierte über Arbeitsschwerpunkte und neue Projekte der AEC. Von großem Interesse für den BMU waren dabei die kürzlich fertiggestellten Qualitätsstandards für Schulmusikstudiengänge sowie für studienvorbereitende Pre-College-Angebote.

Als Partner unterstützt der BMU auch den BundesSchulMusikChor-Orchester e.V. Zunächst als bundesweite Orchesterinitiative von Lehramtsstudierenden des Faches Musik entstanden, organisiert dieser Verein das gemeinsame Erarbeiten und Aufführen sinfonischer Werke und bietet der künstlerischen Arbeit angehender Musiklehrkräfte in jährlichen Arbeitsphasen eine wichtige Plattform. 2017 wurde dieser Gedanke auf die Chorarbeit ausgeweitet. Der BMU wird diesen Bereich in Zukunft besonders unterstützen und so wird der Chor am 28. September seine Konzertpremiere im Rahmen des diesjährigen Bundeskongresses in Hannover haben.

Weiterbildung im Rahmen musikalischer Jugendbildung – das ist die zentrale Aufgabe der Bundesakademie in Trossingen (Baden-Württemberg). Mit einem Programm von über 150 Veranstaltungen jährlich bietet die Akademie in jeglicher Hinsicht ideale Bedingungen für die Vermittlung musikalischer und pädagogischer Fähigkeiten. Der BMU zählt zu den Mitgliedsverbänden im Trägerverein und ist so eingebunden in Planung, Tätigkeit, Organisation und inhaltliche Arbeit. Diese Kooperation bezieht sich schwerpunktmäßig auf die Abstimmung und Unterstützung der Bildungsangebote und Lehrgänge, die besondere Relevanz für die Musikalische Bildung in der Schule haben.

Das könnte Sie auch interessieren: