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03.03.22 -
Semperoper kündigt zehn Neuproduktionen an - Verluste durch Pandemie +++ Italienische Opernwochen an der Staatsoper Hamburg starten am Freitag +++ Klezmer in Fürth - internationales Festival beginnt am Freitag +++ Deutsche Oper am Rhein streicht Moskauer Inszenierung +++ Daniel Barenboim leitet Benefiz-Konzert für Ukraine in Berliner Staatsoper Unter den Linden +++ Ruhrfestspiele kreisen um «Haltung und Hoffnung» in Kriegszeiten
03.03.2022 - Von dpa, KIZ

Semperoper kündigt zehn Neuproduktionen an - Verluste durch Pandemie

Die Staatskapelle Dresden studiert gerade ein neues Werk ein - die ukrainische Nationalhymne. Vor der «Aida»-Premiere am Samstag soll sie als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine erklingen. Die Pläne der Semperoper reichen aber schon viel weiter.

Dresden (dpa/sn) - Die Sächsische Staatsoper Dresden hat für die neue Saison zehn Neuproduktionen angekündigt und hofft in der Corona- Pandemie auf mehr Normalität im Spielbetrieb. Insgesamt plane die Sächsische Staatsoper 365 Vorstellungen in den Sparten Oper, Ballett sowie in der Spielstätte Junge Szene, teilte die Intendanz am Mittwoch in Dresden mit. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr konnte die Semperoper wegen der Corona-Einschränkungen nur 64 Vorstellungen vor rund 26 000 Besuchern absolvieren. 2019 waren noch 292 000 Zuschauer gekommen. Als Folge konnte man über Kartenverkäufe nur 1,5 Millionen Euro einnehmen, 2019 waren es noch 17,3 Millionen Euro.

Intendant Peter Theiler ging bei der Vorstellung der neuen Spielzeit gleich zu Beginn auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine ein. Er verurteilte den Angriff auf die Ukraine scharf und sicherte dem Land und seinen Bürgern Solidarität zu. Dabei bezog er ausdrücklich auch Menschen in Russland ein, die ihre Stimme gegen diesen «Wahnsinn» erheben und damit rechnen müssen, bei Protesten verhaftet zu werden. Theiler zufolge will die Semperoper auch weiter mit Künstlerinnen und Künstlern aus Russland zusammenarbeiten.

Zwei Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Sachsen stand am Mittwoch aber vor allem der neue Spielplan im Mittelpunkt. Gleich mit der ersten Produktion taucht die ehrwürdige Semperoper ins digitale Zeitalter ein. Bei dem Projekt «Chasing Waterfalls» arbeitet sie mit der Künstlergruppe phase7 performing.arts Berlin, dem Hongkonger Komponisten Angus Lee, dem Experimentalstudio kling klang klong und der Firma T-Systems MMS zusammen. Dabei soll künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, die während der Aufführung selbst komponiert und textet und so jede Vorstellung zu einem Unikat macht.

Zudem kann sich das Publikum auf Neuinszenierungen von Verdis «La Traviata» (Regie: Barbora Horáková) und «La sonnambula» freuen. Die Oper von Vincenzo Bellini kommt in einer Kooperation mit dem Théâtre des Champs-Élysées in Paris und der Metropolitan Opera New York auf die Bühne. Regie führt Rolando Villazón, die musikalische Leitung hat Evelino Pidò. Villazón singt auch die Titelpartie in der Originalfassung der Oper «L'Orfeo» von Claudio Monteverdi, bei der das Ensemble Lautten Compagney musiziert und der Puppenspieler Nikolaus Habjan aus Österreich der Regisseur ist.

Bei Tschaikowskis «Pique Dame» hat der preisgekrönte Film- und Theaterregisseur Andreas Dresen die Regie. Christian Thielemann, Chefdirigent der Staatskapelle Dresden, leitet zwei komplette Zyklen von Richard Wagners «Der Ring des Nibelungen» und ist zudem bei den «Richard-Strauss-Tagen» zu Ostern 2023 präsent. Es sei für ein Orchester wichtig, den Ring immer mal wieder aufzufrischen, sagte Thielemann. Das Ballett der Semperoper tanzt Sergej Prokofjews «Romeo und Julia» in der Choreografie von David Dawson und bringt zudem einen mehrteiligen Ballettabend heraus.

 

Italienische Opernwochen an der Staatsoper Hamburg starten am Freitag

Hamburg (dpa/lno) - Im Rahmen der Italienischen Opernwochen präsentiert die Staatsoper Hamburg zwischen dem 4. März und dem 8. April fünf Opern der beiden populärsten italienischen Komponisten Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi. «Jeden Abend stehen internationale Stars der Opernwelt auf der Bühne der Staatsoper, darunter einige mit Spannung erwartete Hamburg-Debüts», teilte die Staatsoper mit.

Die russische Opernsängerin Aida Garifullina eröffnet mit ihrem Hausdebüt als Violetta in Verdis «La Traviata» das Festival. Die Neuproduktion ist in diesem Jahr Puccinis letztes Werk «Turandot» mit der Premiere am 13. März, von Yona Kim inszeniert und von Giacomo Sagripanti dirigiert. In der Titelpartie ist die russische Sängerin Anna Smirnowa in ihrem Hausdebüt an der Staatsoper Hamburg zu erleben. Es folgen Puccinis «Madama Butterfly» ab 15. März, Verdis «Aida» ab 22. März sowie Verdis «Luisa Miller» ab 27. März.

 

Klezmer in Fürth - internationales Festival beginnt am Freitag

Fürth (dpa/lby) - In den kommenden zehn Tagen steht Fürth ganz im Zeichen der jiddischen Musik. Von Freitag bis zum 13. März treten gut 15 Bands mit Musikerinnen und Musikern aus Kanada, Russland, Finnland, Lettland, Frankreich oder Schweden beim internationalen Klezmer Festival auf.

Was heute als Klezmer bezeichnet wird, geht auf die Musik der jiddischsprechenden Juden in Osteuropa zurück, die etwa auf Hochzeiten gespielt wurde, wie der Geiger Nicolaas Cottenie erklärte. Cottenie ist in Fürth mit seiner Band Azind und dem Kinder-Musical «Ben und David» vertreten. Die meisten der Stücke, die man noch heute kenne, stammten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Schon damals habe es Austausch mit anderen Musiktraditionen gegeben. Heute wird Klezmer oft mit anderen Stilen vermischt und modern interpretiert. Die allermeisten Bands nähmen die alten Stücke und machten damit etwas Neues, sagte Cottenie. Teils sind die - rein instrumentalen - Stücke tanzbar. Klezmer habe aber ein sehr breites emotionales Spektrum, könne sowohl sehr lebhaft als auch langsam, traurig und introspektiv sein, sagte der Musiker.

Neben den Konzerten werden Filme gezeigt, es gibt Führungen durch Fürth mit seiner rund 500-jährigen jüdischen Vergangenheit und einen gemeinsamen Schabbat-Gottesdienst. Beim Gesprächsformat «Meet a Jew» sollen Besucher mit einem Juden oder einer Jüdin locker ins Gespräch kommen. Einer Civey-Studie vom November zufolge ist fast jeder Zweite der Befragten noch nie mit jüdischem Leben in Berührung gekommen.

 

Deutsche Oper am Rhein streicht Moskauer Inszenierung

Düsseldorf (dpa/lnw) - Angesichts des russischen Krieges in der Ukraine legt die Deutsche Oper am Rhein ihre Zusammenarbeit mit russischen Kulturinstitutionen auf Eis. Die Mitte Mai in Düsseldorf geplante Premiere von Umberto Giordanos Oper «Andrea Chénier» in der Inszenierung des Intendanten der Moskauer Helikon-Oper, Dmitry Bertman, sei abgesagt worden, teilte die Rheinoper am Mittwoch mit. Das gelte auch für die Folgevorstellungen.

«Ich bedauere diese Absage zutiefst, sie ist jedoch in der aktuellen Situation alternativlos», sagte Generalintendant Christoph Meyer. Er betonte, dass sich die Absage nicht gegen den Künstler Bertman richte. «Wir legen vielmehr die Zusammenarbeit mit einer offiziellen Kulturinstitution des russischen Staates auf Eis, die mit seinem Namen untrennbar verbunden ist.» Eine künstlerische Partnerschaft dieser Art könne es «angesichts dieses Bruchs des Völkerrechts und aus Solidarität mit der Ukraine und den Opfern dieses Krieges nicht geben», sagte Meyer.

An der Rheinoper seien rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus rund 40 Nationen beschäftigt, darunter auch aus der Ukraine und Russland. Das Haus sei weiterhin dem friedlichen Dialog und kulturellen Austausch über die Grenzen hinweg verpflichtet.

 

Daniel Barenboim leitet Benefiz-Konzert für Ukraine in Berliner Staatsoper Unter den Linden

Berlin (dpa) - Zur Unterstützung der humanitären Hilfe für die Menschen in der Ukraine organisiert die Berliner Staatsoper Unter den Linden ein «Konzert für Frieden» mit der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor unter Leitung von Daniel Barenboim. Die Einnahmen des Konzerts an diesem Sonntag (6. März) gehen an den Ukraine Humanitarian Fund (UHF) der Vereinten Nationen, wie die Staatsoper am Mittwoch mitteilte.

Zum Konzert haben sich die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, und Bundesbankpräsident Joachim Nagel angekündigt. Beide Organisationen wollen den Angaben zufolge anlässlich des Konzerts ebenfalls spenden. Das Konzert soll zudem vom Rundfunk Berlin-Brandenburg bei rbbKultur in Verbindung mit Spendenaufrufen übertragen werden.

Gespielt werden soll die ukrainische Nationalhymne von Michailo Werbizki, komponiert auf das Gedicht «Die Ukraine ist noch nicht tot» von Pawlo Tschubinski. Zudem stehen Sinfonien von Schubert und Beethoven auf dem Programm.

Leitung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsoper seien «entsetzt, schockiert und zutiefst besorgt angesichts des Krieges, den die russische Regierung gegen die Ukraine begonnen hat», hieß es. Der Angriff gelte nicht nur einem Land, sondern der gesamten Kultur friedlichen Zusammenlebens weltweit.

 

Ruhrfestspiele kreisen um «Haltung und Hoffnung» in Kriegszeiten

Recklinghausen (dpa) - «Haltung und Hoffnung» in Zeiten von Krieg und Unterwanderung demokratischer Strukturen: Mit diesem Motto treten die diesjährigen Ruhrfestspiele an - erstmals seit zwei Jahren auch wieder komplett als Präsenzveranstaltung. 92 Produktionen sind bei dem vom DGB mitgetragenen Kunst- und Theaterfestival vom 1. Mai bis zum 12. Juni geplant.

«Die Ruhrfestspiele werden endlich wieder ein Ort der direkten, persönlichen Begegnung», sagte Intendant Olaf Kröck am Mittwoch bei der Programmvorstellung. 2020 war das Festival wegen der Pandemie ganz abgesagt worden, 2021 fand es nur in der zweiten Hälfte in Präsenz und mit stark reduzierten Zuschauerzahlen statt.

Traditionell starten die Festspiele am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, mit einem «Kulturvolksfest» am Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen. Künstlerisch eröffnet werden sie zwei Tage später mit der Deutschlandpremiere «Sibyl» des südafrikanischen Künstlers William Kentridge - eine Doppelinszenierung für zehn Performer aus einem Kurzfilm mit Livemusik und einer Kammeroper.

Zuvor hält die britisch-deutsche Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo die Eröffnungsrede. Sie wird bei den Festspielen unter dem Motto «Resonanzen - Schwarzes Literaturfestival» ein Treffen für deutschsprachige schwarze Nachwuchsautoren gestalten, wie Kröck ankündigte.

«Haltung und Hoffnung» als Gesamtmotto für die Ruhrfestspiele sei schon im Herbst vergangenen Jahres angesichts der antidemokratischen Kräfte bei Corona-Protesten entwickelt worden. Es passe aber genauso auf den Ukraine-Krieg. «Die Ruhrfestspiele sind ein Festival der Solidarität», betont Kröck. «Diese Solidarität gilt allen Menschen der Ukraine.»

Den Schrecken des Krieges und seiner absurden Befehlsketten zeigt vielleicht am eindrucksvollsten die Deutschlandpremiere der Theaterarbeit «Bros» des italienischen Regisseurs und Künstlers Romeo Castellucci. Ein wildes Spiel über Macht und Gewalt von gut 20 Männern - alles Amateure - in Uniform. «Verstörend», sagt Intendant Kröck, «danach brauchen Sie einen Schnaps».

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