Eklat in Donaueschingen: Johannes Kreidler zertrümmert das SWR-Fusionsinstrument

19.10.12 -
„Johannes Kreidler im Auftrag der Gesellschaft für Neue Musik“ steht auf den Flugblättern, die von der Empore der Baarsporthalle in Donaueschingen geworfen werden und langsam kreisend in den vollbesetzten Saal schweben. Mit versteinerter Miene hat SWR-Intendant Peter Boudgoust die Aktion von Konzeptkünstler Johannes Kreidler von der ersten Reihe aus verfolgt.
19.10.2012 - Von Andreas Kolb, KIZ

Dann Buhrufe für Festivalchef Armin Köhler, der die Aktivisten beschwört, Protestkundgebungen gegen die Fusion der SWR-Klangkörper doch bitte außerhalb der Konzerte und vor allem Live-Übertragungen  durchzuführen und viel Beifall für ein Orchester, dass diesen Vorschusslorbeeren mit den Interpretationen neuer Orchesterwerke von Martin Smolka, Arnulf Herrmann und Helmut Oehring auch gerecht wurde.

Nahezu in Echtzeit bloggte Schulz-Preisträger Patrick Hahn:

skandal in donaueschingen. nach der live-anmoderation des konzertes durch lydia jeschke für swr 2 und deutschlandradio kultur entriss johannes kreidler der moderatorin das mikro, stahl zwei musikern ihr instrument und unterbrach das konzert mit den worten: das ist noch nicht smolka. anschließend band er die bratsche und das cello mit ihren eigenen saiten zusammen und hielt sie anschließend in die höhe. komponieren heiße ein instrument bauen, zitierte er lachenmann um anschließend die anwesenden leitungskräfte des swr darauf hinzuweisen, dass sie mit ihrer fusion just ein solches unspielbares instrument geschaffen hätten.

anschließend zertrümmerte er es.

armin köhler betrat die bühne und forderte die anwesenden unter buhrufen auf, etwaige proteste außerhalb der konzerte durchzuführen, um die aufführung der werke nicht zu beschädigen.

uff. was für ein start.

„Das ist kein Kunstwerk“, rief Johannes Kreidler kurz bevor er die „fusionierten“ Instrumente zerstörte und machte die Störaktion (zu sehen im nmzMedia-Video) im Auftrag der GNM zum unangreifbaren Kunstgegenstand. Weiter forderte er die Fusion von SWR, WDR, BR und anderen Rundfunksendern zu einer bundesdeutschen Superanstalt - in Brüssel wird man da vielleicht wieder hellhörig werden?

Dem Eröffnungskonzert vorgeschaltet war eine Pressekonferenz des Landesmusikrates Baden-Württemberg, die eher Ratlosigkeit und Verzweiflung als zielgerichteten Widerstandswillen ausstrahlte. Einziger neuer Gedanke: Es gibt Überlegungen beim Landesmusikrat, gemeinsam mit Partnern, etwa dem Deutschen Musikrat, der morgen seine Generalversammlung in Berlin abhält, rechtliche Schritte gegen den SWR einzuleiten. LMR-Präsident Hermann Wilske setzt nach dem Fusionsbeschluss Ende September in Mainz nun auf neue Bündnisse und vor allem auf die Akquirierung neuer Projektmittel für die Orchester.

So sollen etwa durch Vermittlung des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und jetzigen EU-Kommissars Günther Oettinger neue  Projektmittel der EU in Aussicht stehen. Es sprachen weiterhin die Vorstände des Orchesters und verwiesen auf den Kulturauftrag des SWR - Intendant Peter Boudgoust war zwar in Rufweite vor dem Saal anwesend, aber er war draußen geblieben.
  

Dossier: 
SWR-Orchesterfusion

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