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Alle Artikel kategorisiert unter »Wozzeck«

Musikalisch: Konzentrierter Schmerz! Inszenatorisch: Massiv unklar dekonstruiert – Alban Bergs Wozzeck in Freiburg

27.11.22 (Georg Rudiger) -
Melodische Linien überall. Die Streicher zaubern einen weichen, schimmernden Klang und veredeln die Übergänge. Auch im Blech und in den Holzbläsern ist alles fein modelliert. Eine Belcanto-Oper, wie man nach dem Klangeindruck meinen könnte, hat sich der neue Freiburger Generalmusikdirektor André de Ridder für seine erste Premiere allerdings nicht gewünscht, sondern mit Alban Bergs 1925 uraufgeführtem „Wozzeck“ die erste abendfüllende atonale Oper der Musikgeschichte.

Spektakulärer Auftakt einer neuen Intendanz: Florian Lutz inszeniert Alban Berg „Wozzeck“ in einer Raumbühne mit Gegenwartsbezug

26.09.21 (Joachim Lange) -
Mehr ungeplante Unterstützung von außen konnte sich Florian Lutz kaum wünschen und schon gar nicht selbst organisieren. Zum Auftakt seiner Intendanz am Staatstheater Kassel legte der bundesweite Aktionstag der meist jungen Klimaschützer auch hier zeitweise den Verkehr lahm. Dazu: die spannendste Bundestagswahl seit langem. Die Zeit ist, wenn nicht aus den Fugen, so doch spürbar angespannt. Auch nervös.

Mit norwegischem V-Effekt: Bergs „Wozzeck“ an der Deutschen Oper Berlin

06.10.18 (Peter P. Pachl) -
Man stelle sich vor: Verdis „Aida“ in Rom, von einem deutschen Regisseur inszeniert, und jeder Handlungsträger ist mit einem Deutschlandfähnchen in der Hand oder am Anzug bestückt, alle in bayerischer Tracht – der Skandal wäre nicht auszumachen. Anders in Berlin, wo 1925 Alban Bergs „Wozzeck“ an der Staatsoper herauskam und wo jetzt in der Deutschen Oper eine Neuinszenierung Büchners Handlung radikal nach Norwegen verlegt: keinerlei Widerspruch beim Publikum.

Das letzte Stündlein eines Delinquenten – Alban Bergs „Wozzeck“ in Düsseldorf

23.10.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Repertoire der deutschsprachigen Musiktheater nimmt Alban Bergs „Wozzeck“ gegenwärtig einen Vorzugsplatz ein. Drei Produktionen konkurrieren, die erkennbar beanspruchen, sich – im Sinne Robert Schumanns – „auf der Höhe der Zeit“ zu bewegen: Die Bild- und Regiearbeit des William Kentridge, die im August bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde, die Inszenierung von Robert Carsen, die seit einer Woche im Theater an der Wien gezeigt wird, und nun Stefan Herheims Produktion an der Rheinoper in Düsseldorf.

In Tarnfarben gehalten. Korrekt. Beschnitten – Alban Bergs „Wozzeck“ im Theater an der Wien

17.10.17 (Frieder Reininghaus) -
„Wozzeck“ ist ein Stück zu sozialen Problemen im kleinstädtischen Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. Die in der Phase des großen gesellschaftlichen Umbruchs nach dem ersten Weltkrieg in Musik gesetzten Szenen verhandeln die durch eskalierende Krisen erschütterte Beziehung von Marie und Franz. Weder die Vorlage Georg Büchners noch der vom Komponisten eingerichtete Text nehmen direkt auf militärische Kampfhandlungen Bezug. Dennoch scheinen die Schatten des Kriegs auf den düsteren und gewalthaltigen Szenen von „Woyzeck“/„Wozzeck“ zu liegen. Die aktuellen Produktionen tragen dem Rechnung.

Alban Bergs „Wozzeck“ in Erfurt – bemerkenswert zeitlos, latent konventionell, und doch eindringlich

01.03.17 (Dirk Wieschollek) -
Was eigentlich ist ein guter Mensch? Und wann wird einer zum Mörder? Ist der selber schuld oder sind es „die Anderen“? Was ist Moral? Hat das mit Menschlichkeit zu tun? Oder eher mit Unterdrückung? „Moral: das ist, wenn man moralisch ist!“, erklärt der Hauptmann dem armen Teufel, der ihn rasiert. Der moralische Kompass dürfte in der Zeit Büchners genauso unverlässlich gewesen sein wie in der Zeit Bergs, der Zeit zwischen den größten Menschheitsverbrechen.

Vom Kapitalismus abgehängt: Alban Bergs „Wozzeck“ am Staatstheater Nürnberg

19.02.17 (Juan Martin Koch) -
Wozzeck 2017: Um die Amazon-Bestellungen seiner Lebensgefährtin bezahlen zu können, muss er mehreren Jobs nachgehen. Einer besteht darin, dem Hauptmann zu Diensten zu sein. Der lässt sich von Wozzeck in SM-Manier den Hintern versohlen und belehrt ihn dazu mit seinem pseudophilosophischen Geschwafel.

Eine fiktive Märchenwelt – Alban Bergs „Wozzeck“ am Theater Bremen

15.02.16 (Ute Schalz-Laurenze) -
„...von dem Augenblick an, wo sich der Vorhang öffnet, bis zu dem, wo er sich zum letzten Male schließt, darf es im Publikum keinen geben, der etwas von diesen diversen Fugen und Inventionen, Suiten- und Sonatensätzen, Variationen und Passacaglien merkt – keinen, der von etwas anderem erfüllt ist als von der weit über das Einzelschicksal Wozzecks hinausgehenden Idee dieser Oper. Und das – glaube ich – ist mir gelungen.“ Der Wunsch des Komponisten Alban Berg für seine 1921 vollendete und 1925 mit einem Skandal uraufgeführte Oper ging jetzt in der Premiere am Bremer Theater am Goetheplatz großartig in Erfüllung.

Konzept gegen Musik? – Alban Bergs „Wozzeck“ am Theater in Hof

22.09.15 (Boris Gruhl) -
Ob sich Regisseur Christian Tombeil von Georg Hensels Bemerkung anregen ließ, dass Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“ von 1836, uraufgeführt erst 77 Jahre später in München, „wie aus Versehen ein Jahrhundert zu früh geboren“ ist. Ob er sich daher entschlossen hat für seine szenische Deutung der 1925 in Berlin uraufgeführten Oper „Wozzeck“ von Alban Berg nach Büchners Dramenfetzen, jetzt am Theater in Hof, die Geschichte vom Soldaten Wozzeck in die Gegenwart zu verlegen und in einer Art traumatischer Rückblenden die historisch zu begründenden Szenen hereinbrechen lässt?

Theaterlandschaft mit finaler Katastrophe – Alban Bergs „Wozzeck“ in Zürich

15.09.15 (Georg Rudiger) -
Gelber Bühnenrahmen, schwarzer Hintergrund. Aus dem Nichts tauchen Wozzeck und der Hauptmann auf. Wie im Kasperletheater lässt Regisseur Andreas Homoki die Figuren von unten hinter der hüfthohen Bande hochschnellen. Wozzeck schaut ins Leere, während der skurrile Hauptmann über die Ewigkeit sinniert. Generalmusikdirektor Fabio Luisi entwickelt mit der Philharmonia Zürich einen kammermusikalischen, ganz beweglichen Ton.
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