Der Fusionsmanager ist erkoren: SWR setzt Johannes Bultmann als „künstlerischen Gesamtleiter“ für seine Klangkörper und Festivals ein


18.01.13 -
Johannes Bultmann, Intendant der Philharmonie Essen, übernimmt mit Ende der Spielzeit beim SWR den neu geschaffenen Posten eines „künstlerischen Gesamtleiters“ für seine Klangkörper und Festivals, Dies teilte die Pressestelle des Senders mit. Bultmann ist damit für die Abwicklung der Fusion von SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden/Freiburg und Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zuständig, die für 2016 beschlossen ist.
18.01.2013 - Von nmz-red/Regensburg, PM, KIZ

Nachdem Johannes Bultmann 2008 die Nachfolge des unter zweifelhaften Umständen entmachteten Essener Philharmonie-Intendanten Michael Kaufmann angetreten hatte, übernimmt der Musikmanager nun erneut eine brisante Aufgabe. Er kündigte u.a. ein „innovatives und neues Nachdenken über eine stärkere Präsenz der Klangkörper und ihrer Konzerte in Hörfunk und Fernsehen“ an. Wie sich die neue Leitungsstruktur auf die künstlerische Planung der SWR Festivals, darunter die Donaueschinger Musiktage, auswirken wird, ist bisher nicht abzusehen.

Laut Informationen, die der nmz vorliegen, wird die neu geschaffene Stelle nicht aus dem Etat der Orchester finanziert, sondern aus jenem der Hörfunkdirektion.

Hier der Wortlaut der SWR-Verlautbarung:

Der Südwestrundfunk (SWR) stärkt seine Kräfte im Klassikbereich und setzt einen künstlerischen Gesamtleiter für seine Klangkörper und Festivals ein. Die Position ist direkt beim Hörfunkdirektor angesiedelt. Mit Johannes Bultmann, derzeit Intendant des Konzerthauses Philharmonie Essen, hat der SWR für diese Position eine herausragende Persönlichkeit aus dem Musikgeschäft gewinnen können. Johannes Bultmann verfügt über hervorragende Kontakte in der nationalen und internationalen Musik-, Dirigenten-, und Künstlerszene, sowie eine über 20-jährige Berufserfahrung. Er wird die Position nach dem Ende der Spielzeit in Essen antreten.

SWR-Intendant Peter Boudgoust: „Johannes Bultmann wird zunächst die Zusammenführung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und des SWR Sinfonierochesters Baden-Baden und Freiburg steuern und begleiten. Johannes Bultmann ist die ideale Person für diese anspruchsvolle Aufgabe, er wird in der gesamten Kulturszene respektiert. Er wird das neue Sinfonieorchester des SWR in die Klangkörper- und Festivallandschaft integrieren und die Planung für die Klangkörper und Festivals in der SWR Hörfunkdirektion übernehmen. Johannes Bultmann wird dafür sorgen, dass die Fusion unserer beiden Sinfonieorchester im Jahr 2016 ein Erfolg wird.“

Hörfunkdirektor Gerold Hug: „Mit Johannes Bultmann übernimmt eine sehr erfahrene und sehr gut vernetzte Persönlichkeit diese Aufgabe. Ich bin überzeugt, dass das unser gut aufgestelltes Team der Managements der Klangkörper und Festivals noch schlagkräftiger macht. Ich freue mich, dass wir Herrn Bultmann für diese Aufgabe an Bord holen konnten. Mit der neuen Struktur für die SWR Klangkörper und Festivals wollen wir für das neue Sinfonieorchester des SWR, das SWR Vokalensemble, die Donaueschinger Musiktage und die Schwetzinger SWR Festspiele, wie auch das Experimentalstudio des SWR die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, um weiterhin künstlerisch auf höchstem Niveau zu arbeiten.“

Johannes Bultmann: „Ich freue mich auf die so vielseitigen kreativen Aufgabenfelder von den Klangkörpern bis hin zu den SWR Festivals, von der Alten Musik bis zur aktuellen Avantgarde. Ich freue mich auf die Musikerinnen und Musiker, die Orchester- und Chormanager, aber auch auf ein innovatives und neues Nachdenken über eine stärkere Präsenz der Klangkörper und ihrer Konzerte in Hörfunk und Fernsehen, über die Nutzung des Internets bis über die Musikvermittlung, etwa mit besonders konzipierten Orchester- und Chorproben, die wir mittels digitaler Technik bis in die Klassenzimmer der Schulen bringen wollen.“

Johannes Bultmann hat von Ende der 80er Jahre bis 1990 als Assistent des Komponisten Hans Werner Henze gearbeitet. Er hatte 1990 die künstlerische Leitung der Konzerte bei dem von Henze initiierten Festival in Montepulciano inne. Auch in den folgenden Jahren galt der Schwerpunkt von Bultmanns Arbeit der Neuen Musik. Er arbeitete mit Eberhard Kloke und Gerhard Stäbler Anfang der 90er Jahre an innovativen Produktionen und Festivals u.a. in industriellen Räumen des Ruhrgebiets und war Geschäftsführer bei den World Music Days 1995, dem Festival der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik. Von 1998 bis 2008 war Johannes Bultmann als Direktor für den künstlerischen Bereich für das Festspielhaus Baden-Baden tätig.

Im Herbst 2008 wurde Bultmann zum Intendanten des Konzerthauses der Philharmonie Essen berufen. Hier ist es Bultmann in kurzer Zeit gelungen, dem Konzerthaus ein eigenständiges Profil zu geben und es zu einem der führenden und innovativen Konzerthäuser in Europa zu entwickeln - durch dramaturgisch konzipierte Themen-Konzertreihen, durch das Kreieren neuer Konzertformate, ungewöhnliche Eigenproduktionen wie u.a. die Uraufführung eines Werkes der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek als Kontrapunkt zu Monteverdis Orfeo oder durch eine aktuelle Produktion des PARSIFAL im Wagner-Jahr mit Thomas Hengelbrock auf historischem Instrumentarium. In Essen konnte er zudem das ambitionierte Festival für Neue Musik „NOW!“ ins Leben rufen, welches sich erfolgreich etablieren konnte.

Dossier: 
SWR-Orchesterfusion

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