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Auf nach München? Zuvor feiert Stardirigent Lorin Maazel seinen 80.

03.03.10 (Georg Etscheit - ddp) -
Es wäre ein echter Coup, wenn es gelänge, US-Dirigent Lorin Maazel als neuen Chef der Münchner Philharmoniker an die Isar zu holen. Ein mehr als respektabler Ersatz für Christian Thielemann, der ab 2012 die Sächsische Staatskapelle in Dresden leiten wird. Der US-Amerikaner Maazel, der schon von 1993 bis 2002 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks war, gilt als einer der besten seiner Zunft, ungeachtet seines Alters - Maazel feiert am Samstag (6. März) seinen 80. Geburtstag.

Ausdrucksgeladenes Konglomerat: Helmut Oehrings „Die Wunde Heine“ beim Kurt-Weill-Fest in Dessau

03.03.10 (Andreas Hauff) -
„New Art is true Art.“ Eigentlich gehört der Ausspruch eines exzentrischen Kunstsammlers aus Kurt Weills Musical One Touch of Venus in einen durchaus ironischen Kontext. Doch die Kurt-Weill-Gesellschaft in Dessau hat den Satz beim Wort und zum Motto des Kurt-Weill-Festes 2010 genommen. Sie vergab zwei Kompositionsaufträge für ein „Songspiel“ – also jene Miniaturform von Musiktheater, die Weill 1927 mit dem „Mahagonnny-Songspiel“ für das Neue-Musik-Festival in Baden-Baden erfand, aber danach nicht mehr weiter entwickelte – nicht zuletzt, weil er 1933 aus Deutschland fliehen musste.

„AHAB“ Projekt mit der Staatskapelle: Brandauer mimt „Moby Dick“ musikalisch

01.03.10 (Michael Ernst) -
Zu Lebzeiten blieb Herman Melville (1919 – 1891) als Autor nahezu unbekannt. Sein Hauptwerk „Moby Dick“ soll sich nur etwa 3.000 Mal verkauft haben. Inzwischen zählt der umfangreiche Schmöker längst zur Weltliteratur, liegt allein im Deutschen in elf Übersetzungen vor und diente diverse Male als Vorlage für Filme und Hörspiele. Es gibt jedoch immer noch eine Version, die bislang niemand kennt.

Schumanns Goethe-Bild: Ingo Metzmacher dirigiert die Faust-Szenen in Berlin

28.02.10 (Peter P. Pachl) -
Der zweihundertste Geburtstag des Komponisten Robert Schumann fokussiert das Interesse neben dessen Kammermusik und Symphonien verstärkt auf dessen Oratorien, in denen das Ringen um dramatische Musik spürbar wird, welches dann spät – und leider nicht besonders glücklich – in der Oper „Genoveva“ gipfelte. Zu Anfang dieses Monats brachte Hans Jaskulsky mit den Bochumer Symphonikern Schumanns „Requiem für Mignon“ zur Aufführung, am Monatsende Ingo Metzmacher mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin die „Szenen aus Goethes ‚Faust’“.

Also kifft Zarathustra: Händels „Orlando“ an der Komischen Oper Berlin

27.02.10 (Peter P. Pachl) -
„Wer liebt, wird irre“, das ist die Botschaft von Händels Opera Seria „Orlando“ aus dem Jahre 1733, die der skandinavische Regiestar Alexander Mørk-Eidem bei seinem Debüt als Opernregisseur an der Komischen Oper Berlin drastisch hervorkehrt.

Geopferte weibliche Erlöserfigur: Kreneks „Dunkle Wasser“ im Konzerthaus Berlin

27.02.10 (Peter P. Pachl) -
Im Rahmen der Krenek-Retrospektive am Berliner Konzerthaus ist derzeit Ernst Kreneks äußerst selten gespielte, einaktige Oper „Dunkle Wasser“ aus dem Jahre 1950 zu erleben, ein bei aller apostrophierten Düsterkeit sinnenfrohes, sinnlich changierendes Musiktheater im Fahrwasser von Zemlinsky und Schreker.

Anwalt der Moderne: Michael Gielen erhält den Siemens-Musikpreis

27.02.10 (Gerhard Rohde) -
Was lange währt, wird endlich …: Der Dirigent und Komponist Michael Gielen erhält den Musikpreis der Internationalen Ernst von Siemens Musikstiftung für 2010. Als vor zwei Jahren einer zwar bekannten, gleichwohl etwas konfektionierten Geigerin der Preis zugesprochen wurde, fragte die neue musikzeitung irritiert nach den Kriterien für die Preisvergabe. Dass Michael Gielen damals schon seit langem der Jury des Musikpreises nicht preiswürdig erschien, mutete, vorsichtig gesagt, seltsam an. Aber man lernt ja nie aus, auch als Juror nicht.

Retro-futuristisches Solo-Orchester: Pat Metheny im Gespräch

26.02.10 (Claus Lochbihler) -
Pat Metheny hat sich mit dem Orchestrion einen Kindheitstraum bauen lassen, der im März live auch in Deutschland und der Schweiz zu hören sein wird: Ein wie von Geisterhand bewegtes Orchester unter anderem aus Gitarren, zwei von Staubsaugermotoren betriebenen Flaschenorgeln, Klavieren, einem Vibraphon und diversen Perkussionsinstrumenten.

Verschont: Calixto Bieito inszeniert Ligetis „Le Grand Macabre“ in Freiburg

25.02.10 (Juan Martin Koch) -
Mexikanischer Totentag im Freiburger Theater: Im Foyer ist ein entsprechend morbider Anbetungsaltar aufgebaut, die passende Schunkelmusik kommt aus der Konserve. Im Zuschauerraum geht’s munter weiter. Kein Wunder – wenn Blut- und Spermaschleuderer Calixto Bieito auf Ligetis großen Makabren trifft, kann man sich auf etwas gefasst machen.

Phasenweise belebt: Uraufführung von Peter Eötvös’ „Die Tragödie des Teufels“ in München

24.02.10 (Juan Martin Koch) -
Lucifer hat Schnupfen. „ich hab mich an der Welt erkältet“, singt er und ahnt schon, dass es wohl nichts mehr werden wird mit dem endgültigen Triumph über den alten Herrn, den er im Prolog über Handy noch einmal herausgefordert hatte. Peter Eötvös stellt dem Gesang hier zunächst nur die Tasten des Klaviers zur Seite – eine Reduktion auf Schwarz und Weiß, „damit gott die kalligraphie des teufels sieht und wie ich seine heilige schrift überschreibe.“

Education-Projekt der Oper Leipzig erreicht erstes Etappenziel

23.02.10 (PM - Oper Leipzig) -
Das Education-Projekt der Oper Leipzig „Monsieur Mathieu, was wird?“, gefördert von der Pricewaterhouse Coopers-Stiftung, erreicht am Samstag, dem 27. Februar 2010 sein erstes Etappenziel: 40 Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 14 aus der 16. Mittelschule, der Sprachheilschule Käthe Kollwitz und der Wladimir-Filatow-Schule für Sehschwache und Blinde treffen sich im Opernhaus mit den Kindern des Kinderchores der Oper Leipzig zu einem ersten großen Projekttag.

Der Blues Portugals: Maria de Fatima beim 2. BMW Welt Jazz Award

23.02.10 (Ssirus W. Pakzad) -
Fado heißt Schicksal. Das von Maria de Fatima hat freundlich gelächelt, als die Portugiesin als vierter Siegerpokal-Anwärter und Geheim-Tipp beim „2.BMW Welt Jazz Award“ auftrat. In Bremen kommt sie derzeit mit viel Engagement einem Lehrauftrag für Jazzgesang nach. Sie selbst hat erst als 30jährige ein Studium in dem Fach aufgenommen, das sie heute unterrichtet. Geschadet hat ihr die späte Berufung nicht.

Horror im Supermarkt: Johannes Kalitzkes Gombrowicz-Oper „Die Besessenen” im Theater an der Wien

22.02.10 (Frieder Reininghaus) -
Musikalische Moderne vom ziemlich guten alten Schlag zieht aus dem Orchestergraben herauf. Aber mit frischen Fermenten – mit Anspielungen auf die Funktionsmusik in der allgegenwärtigen Warenwelt und mit diskreten Bezugnahmen auf musikalische Altmeisterlichkeit. So meldet sich in einer längeren Episode „verbeulte“ Karnevalsmusik – Johannes Kalitzke stammt aus Köln; aber er parodiert z.B. auch die mittelalterliche Musizierpraxis des Hoquetus, bei der sich zwei Stimmen komplementär ergänzen (bei Kalitzke wird es da ziemlich „sophisticated“).

Skeptisches Vertrauen: Porträtkonzert Frank Corcoran bei den „Horizons“ in Dublin

„Der Weg vorwärts – neueste Formen und Techniken, für mich insbesondere Makrokontrapunkt – ist der Weg zurück zu tiefster menschlicher Erfahrung“, erklärt Frank Corcoran, Komponist aus Irland, sein Prinzip zeitgenössischer Musik. Wesentliche Merkmale seiner Werke sind skeptisches Vertrauen in tradierte Formen und die Reflexion religiöser Sujets, deren Bedeutung für die Gegenwart er durch eine Balance von Nähe und Distanz im musikalischen Diskurs dekliniert.

Kampfbegriff Werktreue – Schriftsteller Ostermaier verteidigt Regietheater

21.02.10 (Georg Etscheit - ddp) -
Der Münchner Schriftsteller Albert Ostermaier hält nichts von einer Generalkritik am Regietheater. "Ich bin Gegner dieser Verteufelung und Mystifikation des Regietheaters", sagte Ostermaier der Nachrichtenagentur ddp. "Alles, was man auf die Bühne bringt, ist immer eine Interpretation, eine Übersetzung. Der Begriff der Werktreue ist ein Kampfbegriff, der nichts mit der Realität zu tun hat. Und er ist auch völlig ahistorisch."

Short People? – Giganten! Thomas Quasthoff ist wieder auf Reisen

19.02.10 (Michael Ernst) -
Ausgerechnet Dresden: Dort präsentierte Thomas Quasthoff Anfang Januar die „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler in der Semperoper und ging anschließend mit der Sächsischen Staatskapelle unter Zubin Mehta auf Konzertreise nach Gran Canaria und Teneriffa. Mitte Februar war der Sänger schon wieder in Dresden. Diesmal mit Kompositionen aus der Spaßecke, ein musikalischer Ausflug gen Blues, Jazz, Pop, Soul. Anschließend startete er eine Konzertreise.

„Louise“ im Wartesaal: Christof Loy inszeniert Gustave Charpentier an der Rheinoper

18.02.10 (Peter P. Pachl) -
Den im Jahre 1900 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführten Roman musical in vier Akten, „Louise“ von Gustave Charpentier (1860–1956), erlebt man hierzulande seltener auf der Bühne, ganz im Gegensatz zum französischen Sprachraum, wo dieses Werk in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den meistgespielten Opern gehörte.

Musikalische Stadtkultur gebündelt: das Klangzeit-Festival Münster

16.02.10 (Stefan Pieper) -
Die Schönheit der Geschwindigkeit proklamierte der Futurist Tomaso Marinetti in einem Manifest aus dem Jahr 1908. Ein begeisterter Fortschrittsglaube führte zur Ästhetisierung des rasanten technischen Fortschritts. Dies fand auch musikalisch seinen eindrücklichen Niederschlag: Komponisten wie George Antheil, Alexander Mussolo und später der Amerikaner Conlon Nancarrow verliehen dem Lärm von Turbinen und Motoren, von vertrackten mechanischen Abläufen einen musikalischen Widerhall.

Marketing und Imagepflege: Popakademie reagiert auf Branchenkrise

16.02.10 (Stephen Wolf (ddp)) -
Tobias Krebs muss sich im Herbst einen Job suchen. Der 24-Jährige hat an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim gerade das fünfte Semester hinter sich gebracht. Das Studium an der einzigen Popakademie in Deutschland, die den Abschluss «Bachelor of Arts» anbietet, hatte der 24-Jährige begonnen, weil er «Betriebswirtschaft und musikalische Interessen hier gut miteinander verbinden kann». Tobias Krebs studiert Musikbusiness - den eher wirtschaftlich ausgerichteten Studienzweig, den die Popakademie neben ihrem künstlerischen Studiengang Musikdesign anbietet.

So lebendig kann Oper sein! Oper Zürich holt mit "Opera Viva" Kinder auf die Bühne

15.02.10 (kiz-lieberwirth - ots) -
Selbst einmal auf der Opernbühne stehen und eine Oper in Kostümen mit Musik und Tanz mitgestalten - die "Opera Viva" des Opernhauses Zürich ermöglicht das seinen kleinen Gästen. Sie spielen Instrumente, tragen tolle Kostüme und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Bei dem Mitspieltheater der Musikerin und Regisseurin Klaudia Kadlec, die bis Juli 2010 stattfinden, haben Kinder von 7 bis 14 Jahren die Gelegenheit, die große Oper lustvoll zu erleben und auf der Bühne mitzuwirken.

Oper ohne Gesang: Gottfried Huppertz' Musik zu „Metropolis“ bei der Berlinale

13.02.10 (Peter P. Pachl) -
Das Bemühen, der Urversion von Fritz Langs zunächst erfolglosen und deshalb gleich nach der Uraufführung, am 10. Januar 1927, radikal gekürzten Stummfilms „Metropolis“ nahe zu kommen, durchzieht die 60-jährige Geschichte der Berlinale in immer wieder neuen Rekonstruktionen. Der im Jahre 2001 von der UNESCO ins Weltkulturerbe aufgenommene Film konnte nun, 83 Jahre nach der Uraufführung, erstmals wieder in annähernd originaler Länge gezeigt werden, nachdem in Buenos Aires eine 16 mm-Kopie entdeckt wurde, die nahezu der Version der Uraufführung entsprach.

Ein Musiker für das 21. Jahrhundert: Eindrücke von einem Konzert mit Martin Grubinger

12.02.10 (Juan Martin Koch) -
„Schön, dass Sie nach so viel zeitgenössischer Musik immer noch da sind!“ Warum Martin Grubinger glaubt, verbale Fleißbildchen verteilen zu müssen, bleibt unklar. Zwar sind Anders Koppel und Bruno Hartl zweifelsfrei Zeitgenossen, aber ihre Konzerte für Marimbaphon und Streicher stellen wahrlich keine unüberwindlichen Schwierigkeiten an das Abopublikum. Genau genommen hat das Phänomen Martin Grubinger mit der Frage nach der Vermittelbarkeit Neuer Musik auch gar nichts zu tun. Es ist vielmehr dort angesiedelt, wo manuelle Virtuosität unmittelbar in die Urkraft des Musikalischen umschlägt.

Chopin auf der Opernbühne: Wroclaw feiert den polnischen Nationalhelden

12.02.10 (Michael Ernst) -
Lieben Sie Frédéric Chopin? Kennen Sie Giacomo Orefice? Wer jetzt zweifach bejaht, hat a) guten Geschmack und darf sich b) einer musikalischen Ausnahmebildung rühmen. Das virtuos-pianistische und vor allem stets überbordend emotionsgeladene Werk des 1810 in Zelazowa Wola unweit von Warschau geborenen Komponisten und Interpreten Frédéric Chopin ist hinlänglich bekannt und wird in diesem Jahr anlässlich des 200. Geburtstages weltweit besonders gepflegt.

Trauer- und Feststimmung - Christian Thielemann gab sein erstes Pressegespräch in Dresden

11.02.10 (Michael Ernst) -
Auffallende verbale Parallelen: Als der Dirigent Fritz Busch nach über zehn Jahren als Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatskapelle am 7. März 1933 aus dem Amt gedrängt wurde, vermerkte er in seinem Arbeitsbuch knapp „!!! aus.“ Doppelt unterstrichen das Ganze. Am 4. Februar 2010 berichteten die Dresdner Neuesten Nachrichten unter der fettgedruckten Überschrift „Aus“ vom vorzeitigen Weggang des jetzigen Generalmusikdirektors Fabio Luisi, dessen Vertragszeit eigentlich im Sommer 2012 enden würde. Theaterdonnernd hatte er fristlos gekündigt.

Absprache und Anarchie: Livemusik zu Brecht-Filmen in Augsburg

10.02.10 (Stephanie Knauer) -
„Mit 'nem Messer in der Brust… Sieben Kinder und ein Greis – Mackie, welches war dein Preis?“ So lustig ist er gar nicht, Brechts Haifisch. Die Verse der Dreigroschen-Moritat huschen wie am laufenden Band über den Filmstreifen, der in schneller Folge Feuersbrünste, Rettungseinsätze, schreiende Münder zeigt. Immer weiter steigt der produzierte Lärmpegel, überdeckt schließlich die weltberühmte Melodie, bricht plötzlich ab.
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