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Oper ohne Gesang: Gottfried Huppertz' Musik zu „Metropolis“ bei der Berlinale

13.02.10 (Peter P. Pachl) -
Das Bemühen, der Urversion von Fritz Langs zunächst erfolglosen und deshalb gleich nach der Uraufführung, am 10. Januar 1927, radikal gekürzten Stummfilms „Metropolis“ nahe zu kommen, durchzieht die 60-jährige Geschichte der Berlinale in immer wieder neuen Rekonstruktionen. Der im Jahre 2001 von der UNESCO ins Weltkulturerbe aufgenommene Film konnte nun, 83 Jahre nach der Uraufführung, erstmals wieder in annähernd originaler Länge gezeigt werden, nachdem in Buenos Aires eine 16 mm-Kopie entdeckt wurde, die nahezu der Version der Uraufführung entsprach.

Ein Musiker für das 21. Jahrhundert: Eindrücke von einem Konzert mit Martin Grubinger

12.02.10 (Juan Martin Koch) -
„Schön, dass Sie nach so viel zeitgenössischer Musik immer noch da sind!“ Warum Martin Grubinger glaubt, verbale Fleißbildchen verteilen zu müssen, bleibt unklar. Zwar sind Anders Koppel und Bruno Hartl zweifelsfrei Zeitgenossen, aber ihre Konzerte für Marimbaphon und Streicher stellen wahrlich keine unüberwindlichen Schwierigkeiten an das Abopublikum. Genau genommen hat das Phänomen Martin Grubinger mit der Frage nach der Vermittelbarkeit Neuer Musik auch gar nichts zu tun. Es ist vielmehr dort angesiedelt, wo manuelle Virtuosität unmittelbar in die Urkraft des Musikalischen umschlägt.

Chopin auf der Opernbühne: Wroclaw feiert den polnischen Nationalhelden

12.02.10 (Michael Ernst) -
Lieben Sie Frédéric Chopin? Kennen Sie Giacomo Orefice? Wer jetzt zweifach bejaht, hat a) guten Geschmack und darf sich b) einer musikalischen Ausnahmebildung rühmen. Das virtuos-pianistische und vor allem stets überbordend emotionsgeladene Werk des 1810 in Zelazowa Wola unweit von Warschau geborenen Komponisten und Interpreten Frédéric Chopin ist hinlänglich bekannt und wird in diesem Jahr anlässlich des 200. Geburtstages weltweit besonders gepflegt.

Trauer- und Feststimmung - Christian Thielemann gab sein erstes Pressegespräch in Dresden

11.02.10 (Michael Ernst) -
Auffallende verbale Parallelen: Als der Dirigent Fritz Busch nach über zehn Jahren als Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatskapelle am 7. März 1933 aus dem Amt gedrängt wurde, vermerkte er in seinem Arbeitsbuch knapp „!!! aus.“ Doppelt unterstrichen das Ganze. Am 4. Februar 2010 berichteten die Dresdner Neuesten Nachrichten unter der fettgedruckten Überschrift „Aus“ vom vorzeitigen Weggang des jetzigen Generalmusikdirektors Fabio Luisi, dessen Vertragszeit eigentlich im Sommer 2012 enden würde. Theaterdonnernd hatte er fristlos gekündigt.

Absprache und Anarchie: Livemusik zu Brecht-Filmen in Augsburg

10.02.10 (Stephanie Knauer) -
„Mit 'nem Messer in der Brust… Sieben Kinder und ein Greis – Mackie, welches war dein Preis?“ So lustig ist er gar nicht, Brechts Haifisch. Die Verse der Dreigroschen-Moritat huschen wie am laufenden Band über den Filmstreifen, der in schneller Folge Feuersbrünste, Rettungseinsätze, schreiende Münder zeigt. Immer weiter steigt der produzierte Lärmpegel, überdeckt schließlich die weltberühmte Melodie, bricht plötzlich ab.

Der „Sinatra des Blues“ – ein Nachtrag zum 80. Geburtstag von Bobby Bland

10.02.10 (Claus Lochbihler) -
Wahrscheinlich ist Bobby „Blue“ Bland, geboren am 27. Januar 1930, der beste Blues-Sänger, den es je gegeben hat - auch weil er stets mehr als „nur“ ein Blues-Sänger war. Seltsam also, dass der 80. Geburtstag eines Mannes, so wichtig wie Ray Charles, James Brown und Sam Cooke, so wenig Beachtung gefunden hat.

Medium des lyrischen Gehalts: Christoph Prégardien im Gespräch

Wegen des herausragenden Niveaus insbesondere seiner Interpretationen des romantischen Liedrepertoires ist der lyrische Tenor Christoph Prégardien international anerkannt. Er ist Professor für Gesang an der Musikhochschule Köln. Im Hinblick auf sein Konzert mit Schumann- und Schubert-Liedern am 14. Februar 2010 in der Laiszhalle Hamburg erläuterte Christoph Prégardien sein Programm und sein Engagement fürs das Lied.

Charme allein reicht nicht: Cécile Verny beim BMW Jazz Welt Award

08.02.10 (Ssirus W. Pakzad) -
Mehrere Hundert Hörwillige waren beim dritten Matinee-Konzert des zweiten, „Voices In Jazz“ überschriebenen BMW Welt Jazz Awards gezwungen, sich den Auftritt via „public viewing“ im Hauptgebäude anzuschauen. Der Doppelkegel war hoffnungslos überfüllt – ein schöner, ein überwältigender Erfolg für die Kulturabteilung des Autobauers. Nach zwei Männern (Theo Bleckmann, Michael Schiefel) griff Cécile Verny als erste von vier Frauen, die bis in den März hinein um einen Pokal und ein stattliches Preisgeld singen, an diesem grauen Februarmorgen ins Wettbewerb-Geschehen ein.

Aufarbeitung einer traumatischen Beziehung: Kreneks „Orpheus und Eurydike“ im Konzerthaus Berlin

08.02.10 (Albrecht Dümling) -
Schönbergs „Erwartung“, Bergs „Lyrische Suite“, Zemlinskys „Zwerg“ – diese Werke sind autobiographische Dokumente ihrer Schöpfer. Ernst Kreneks Oper „Orpheus und Eurydike“ ist ebenfalls ein Schlüsselwerk, nicht aber für den Komponisten, sondern für den Textautor Oskar Kokoschka, der hier seine leidenschaftliche Affäre mit Alma Mahler verarbeitete. Diese war nach dem Tod Gustav Mahlers, der ihr Enthaltsamkeit auferlegte, zur männerverschlingenden Furie geworden.

Schwarze Noten und ein heller Kopf: das Alfred-Brendel-Projekt in Dresden

08.02.10 (Michael Ernst) -
Während die Sächsische Staatskapelle Anfang Februar im Norden Europas auf einer Gastspielreise unterwegs ist – und dort von ihrem Chef Fabio Luisi, der diese Tour aus Krankheitsgründen absagen und in die Hände von Neeme Järvi geben musste, überraschend ausgerichtet bekommt, dass er nicht länger ihr Chef sein will –, ging im heimischen Dresden ein Projekt der Kapelle über gleich drei verschiedene Bühnen, das höchste Aufmerksamkeit verdient und auch erfahren hat: Nach dem 2008 in Dresden und Zgorzelec veranstalteten „Chung-Messiaen-Projekt“ stand diesmal eine lebende Einzelperson im Rampenlicht.

Die Magie des Weiblichen - Das Jazzfestival „Women in Jazz“ verzaubert die Saalestadt Halle

07.02.10 (PM - kiz-lieberwirth) -
Nur noch zwei Tage, dann ist es soweit: „Women in Jazz“, das einzige zeitgenössische europäische Musikfestival, bei dem hochkarätige internationale Jazzkünstlerinnen im Mittelpunkt stehen, beginnt in der Halle. Die Stadt, die eigentlich mit Georg Friedrich Händel in einem Atemzug genannt wird, verwandelt sich vom 09. bis 14. Februar in eine Jazzmetropole mit einem vielseitigen und vor allem weiblichen Jazzangebot.

Unsagbares: Eggert, Schnebel und Pauset bei der Münchner musica viva

07.02.10 (Tobias Hell) -
Will ein zeitgenössischer Komponist nicht nur für die Schublade komponieren, so empfiehlt es sich meist eher für kleinere Besetzungen schreiben. Sonst kann eine Uraufführung nämlich schnell mal aus Kostengründen scheitern. Größere Dimensionen lassen sich heute fast nur mit einem starken Partner im Rücken erreichen. Doch zum Glück gibt es ja nach wie vor genügend Ensembles, die sich hier nicht zurückhalten. Ambitioniert zeigt sich in dieser Hinsicht unter anderem auch der Bayerische Rundfunk, der im Rahmen seiner „Musica Viva“ regelmäßig Auftragskompositionen vergibt.

Musikalitäts-Chromosome, Musiker-Rückruf, Star-Transfers: taktlos 141 – die Nachrichten

06.02.10 (Theo Geißler) -
Pasadena, Berlin: Sensationelle Erfolge melden Forscher im Bereich von Gen-Manipulation. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind bereits seit Jahren die für Musikalität verantwortlichen Chromosome isoliert und transplantierbar gemacht worden. Schon im Ambiente der Zeugung können Eltern entscheiden, auf welchem Instrument ihr Kind höchste Virtuosität erreicht.

Kleines Theater – große Oper: Rudolf Wagner-Régenys „Der Günstling“ in Annaberg

05.02.10 (Boris Michael Gruhl) -
Es dürfte eines der kleinsten Theater in Deutschland sein, das Eduard-von-Winterstein-Theater in der erzgebirgischen Stadt Annaberg. Vor 120 Jahren eröffnet, bis heute immer auch durch bürgerschaftliches Engagement getragen, trägt es den Namen des Schauspielers, der damals den „Egmont“ spielte und später zu einer deutschen Theater-Legende wurde.

Baseballschläger gegen Gespenster – Martin Kušejs „Holländer“ in Amsterdam

04.02.10 (Frieder Reininghaus) -
Martin Kušej, der 2011 die Leitung des Residenztheaters in München übernehmen soll, findet gegenwärtig die Arbeit im Schauspiel-Bereich interessanter als das Inszenieren von Opern. Dennoch kehrt er immer wieder zum Musiktheater zurück. Auch seinen jüngsten Ausflug zu de nederlandse opera und sein Zugriff auf den „Holländer“ in Amsterdam darf als Bereicherung gesehen werden. Kušejs erklärter Anspruch war, die Romantische Oper von 1843 in der Version von 1860 „auf ihre Signifikanz hier und heute zu reduzieren“ und „das Drama primär auf die Psychologie der Charaktere zu fokusieren“.

Stars in der Wiederverwertung: die DVD-Edition „Sternstunden der Oper“

03.02.10 (Juan Martin Koch) -
„Nie war Oper populärer!“ Dieser Schlachtruf tönt uns aus der DVD-Box entgegen, die das Magazin „Stern“ zusammen mit Arthaus herausgebracht hat. Der Stern? Dessen Leidenschaft für die Gattung hat man bisher offenbar erfolgreich geheim gehalten, dafür legt man sich nun um so mächtiger ins Zeug, um auf den maßgeblich von Mitropa-Mitarbeiterin A. Netrebko bei Laune gehaltenen Erfolgszug aufzuspringen.

Entmündigt – im Deutschen Musikrat hat die Politik künftig eine Sperrminorität

03.02.10 (Theo Geißler) -
Was sind wir Bürger doch für brave Schafe. Geduldig schauen wir zu, wie Banker unser Geld, wie Politiker unsere Steuern in hundertfacher Milliardenhöhe versenken, statt beispielsweise Deutschlands Bildungslandschaft gründlich aufzuforsten. Wir schütteln milde den Schädel, wenn Parteien für Klientel-Politik wohlfeile Spenden einheimsen und uns andererseits die Jeremiade von der Weltwirtschaftskrise als gottgegebener Natur-Katastrophe vorjaulen. [aus nmz 2-10]

Verstand Musik als spielerischen Akt - Komponist Jürg Baur 91jährig gestorben

03.02.10 (kiz-lieberwirth) -
Am 31. Januar dieses Jahres starb der Komponist Jürg Baur im Alter von 91 Jahren in seiner Geburtstadt Düsseldorf. Jürg Baur hat für alle Gattungen der Musik komponiert. Allerdings fand er erst spät zum Musiktheater: mit 87 Jahren hat er seine erste Oper komponiert. Lesen Sie im Folgenden ein Würdigung von Jürg Baurs Schaffen, die Reinhard Schulz in der nmz Februar 2004 anlässlich des 85. Geburtstages des Komponisten verfasst hat.

Im Dschungel: Musiktheater beim Ultraschall-Festival 2010 in Berlin

02.02.10 (Heike Lies) -
„Innenwelten, Unterwelten“ titelte Rainer Pöllmann den von ihm kuratierten zweiten Teil des diesjährigen Ultraschall-Festivals. Auf geradezu beklemmende Weise löste seine Werkauswahl dieses Versprechen ein und entführte die Zuhörer in ein Labyrinth unwirklicher, teils alptraumhafter Klänge und musikalischer Zustände. Dass das Thema die Neugier geweckt hat und das Festival im Berliner Musikleben gut verankert ist, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass alle Aufführungen ausverkauft oder zumindest extrem gut besucht waren.

Loopings in der Kathedrale: Zum Start des 2. BMW Welt Jazz Awards

02.02.10 (Ssirus W. Pakzad) -
Eine Stunde vor dem Beginn des ersten sonntäglichen Matinee-Konzerts hat sich bereits eine den Einlass herbei sehende Schlange gebildet, die mehrere hundert Neugierige umfasst. Auch in 2010 ist das Interesse am „BMW Welt Jazz Award“ gewaltig: die Massen strömen, um sich im beeindruckenden Ambiente des Doppelkegels mit hochkarätigem Jazz auseinander zu setzen. Im letzten Jahr traten sechs gefeierte Klavier Trios gegeneinander an, um im Finale um einen eigens geschaffenen Pokal und 10.000 Euro Preisgeld zu spielen. Diesmal wartet das Siegertreppchen auf einen Gesangskünstler – „Voices In Jazz“ ist der 2. BMW Welt Jazz Award überschrieben.

Späte Uraufführung: Carl Orffs Jugendwerk „Gisei“ in Darmstadt

01.02.10 (Eckart Rohlfs) -
Carl Orffs uraufgeführtes Jugendwerk, das Musikdrama „Gisei“, von ihm verworfen, jetzt nach fast 100 Jahren doch noch auf die Bühne des Darmstädter Staatstheaters gebracht, zeigt in Ansätzen, was Orffs späteres musikdramatisches Opus kennzeichnet: die Suche nach neuen Klängen, Vitalisierung elementarer Rhythmen, Dramatisierung der Sprache, Auseinandersetzung mit dem Denken und Handeln fremder, hier fernöstlicher Kulturen.

Leere Stadtkassen: Planungen für Bochumer Symphonie stocken

01.02.10 (Michael Bosse - ddp) -
Neue Konzerthäuser sind in den vergangenen Jahren unter anderem in Dortmund und Essen entstanden. 2010 wollte auch die Nachbarstadt Bochum nachziehen und mit den Bauarbeiten zu ihrer Symphonie beginnen. Doch nun droht das Vorhaben an der klammen Kassenlage der Stadt zu scheitern. Der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel (CDU) erklärt ausdrücklich, dass die Stadt für den Bau eines Konzerthauses kein Geld hat. Nun hofft die Kommune auf finanzielle Hilfe vom Land.

Ausschüttungen in der Warteschlange: Die GVL hat 24 Millionen Euro zurückgestellt

01.02.10 (Martin Hufner) -
Wegen eines Rechtsproblems kann die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) nicht ihre kompletten Erlöse an Tonträgerfirmen und Künstler ausschütten. Insgesamt 24 Millionen Euro wurden aus einer Gesamterlössumme von 130 Millionen Euro zurückgestellt. Wem diese Erlöse zustehen, darum geht es in diesem Streit. [Vorabveröffentlichung aus nmz 2-2010]

Frauenfantasien: Donizettis „Don Pasquale“ an der Komischen Oper Berlin

01.02.10 (Peter P. Pachl) -
Otto Julius Bierbaum, der meistvertonte Lyriker im frühen 20. Jahrhundert, warf seine Popularität, auch als Romancier und Librettist, in die Waagschale, um sich für eine italienische Oper einzusetzen und durch seine eigenwillige Fassung dazu beizutragen, dass sie auch im deutschen Sprachraum eines der meistgespielten Stücke des Musiktheaters wurde: Gaetano Donizettis Opera Buffa „Don Pasquale“.

Voller Schlagkraft, aber unerlöst: Schrekers „Der Schmied von Gent“ in Chemnitz

31.01.10 (Peter P. Pachl) -
In Chemnitz stand erstmals seit 1921 eine Oper Franz Schrekers auf dem Spielplan. Nach der Berliner Staatsoper und den Bühnen in Bielefeld erfuhr Schrekers letztes vollendetes Werk „Der Schmied von Gent“ damit erst die dritte Produktion seit dem erzwungenen Verklingen dieses Komponisten im NS-Staat. Kurz vor Machtantritt Hitlers hatte diese Große Zauberoper in Berlin noch ihre umstrittene Premiere erlebt.
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