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Alle Artikel kategorisiert unter »Christoph Schlüren«

Uraufführung von Heinrich Kaminskis früher „Suite für großes Orchester“ in Winterthur

05.10.19 (Christoph Schlüren) -
Heinrich Kaminski (1886-1946) war einer der ganz großen deutschen Komponisten der Epoche der anbrechenden Moderne. In den 1920er Jahren stand dies in der musikalischen Öffentlichkeit außer Frage, doch die Machtergreifung Hitlers änderte auch hier alles, und Kaminski wurde als Vierteljude zur unerwünschten Person im kulturellen Leben. Seine Musik war dadurch nicht verboten, aber verpönt, und nur wenige, wie in Rostock der als Komponist nicht minder bedeutende, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs gefallene Heinz Schubert (1908-45), zeigten noch die Courage, Musik Kaminskis in ihren Konzerten zu bringen.

unüberhörbar 2019/09

05.09.19 (Christoph Schlüren) -
George Crumb: Three Early Songs, Vox Balaenae, Celestial Mechanics. Malgorzata Zarebinska (Klavier) and friends. +++ Jean Louis Nicodé: Klavierwerke; Simon Callaghan +++ Dieter Ammann/Jannik Giger: Kammermusik. Ensemble Nuance, Mondrian Ensemble, Karolina Öhman, Cello u.a. +++ „Revolution“: Das Janoska-Ensemble mit Werken von Bach bis Beatles

unüberhörbar 2019/06

18.06.19 (Bojan Budisavljevic) -
Heino Eller: Violinkonzert b-Moll, Symphonische Legende, Fantasie für Violine und Orchester, Symphonie Nr. 2. Baiba Skride, Violine; Estonisches National-Symphonieorchester, Olari Elts. Ondine +++ Thomas Wilson: Symphonies Nos. 3 & 4. Royal Scottish National Orchestra. Rory Macdonald. Linn +++ Turkish Music for Solo Violin: Werke von Ahmed Adnan Saygun, Onur Türk­men und Mahir Cetiz. Ellen Jewett, Vio­line. Naxos +++ Springtime in Yugoslavia: Werke von Fran Lhotka, Krešimir Baranovic, Josip Štolcer-Slavenski u.a., Nationaltheater Zagreb, Belgrader Philharmonie. Eloquence Classics

Wohltemperiertes Klavier aus dem Todeslager

18.06.19 (Christoph Schlüren) -
Unter den Sowjetkomponisten, die nicht emigrierten, kennen wir Schos­takowitsch, Prokofieff, Chatschaturjan, vielleicht Miaskowsky, Glière, Kabalevsky, zuletzt auch Weinberg. Große Meister wie Revol Bunin, Boris Tischtschenko oder Yevgeni Stankowitsch sind bislang unbekannt geblieben. Und doch, viele der bemerkenswerten, höchst unterschiedlichen Komponisten, die seit dem Ende der Sowjetunion auch in ihrer Heimat vergessen sind, müssen im Westen erst noch entdeckt werden. Vor vier Jahren erst trat ein Komponist posthum aus dem Dunkel der kompletten A­nonymität, den manche Kenner seither als Giganten empfunden haben: Vsevolod Zaderatsky (gesprochen Saderazky mit stimmhaft weichem S) wurde 1891 in Riwne unweit des eins­tigen Lemberg in der heutigen Nordwest-Ukraine geboren (in einem Gebiet also, das stets polnisch-russisch-ukrainisch vermischt war und damit heute symbolisch für die absurde Spaltung der „neuen Weltordnung“ stehen kann).

Böhmisches, Türkisches, Estnisches …

13.05.19 (Christoph Schlüren) -
Die Literatur für Streichquartett ist von unendlicher Vielfalt, und viel Großartiges ist hier immer noch weitgehend unerschlossen, was manchmal freilich ganz direkt an der Verlegerpraxis liegt: Warum ist Leduc (heute Teil des Music Sales-Imperiums) seit vielen Jahren nicht in der Lage, sämtliche einst unter Vertrag genommenen Quartette des großen Ungarn László Lajtha in käuflichen Ausgaben zur Verfügung zu stellen?

unüberhörbar 2019/04

11.04.19 (Christoph Schlüren) -
Benjamin Britten: Cello-Suiten 1–3. Alexander Ramm. Melodiya +++ Mieczyslaw Weinberg: 24 Preludes. Gidon Kremer, Violine. Accentus +++ Fumio Yasuda: Forest. Winter & Winter

Meisterhaftes von komponierenden Pianisten

20.03.19 (Christoph Schlüren) -
Sergej Rachmaninoff: Practical Urtext Editions (based on Critical Edition). Complete Works for Piano solo. Bisher drei Bände, hrsg. von Valentin Antipov. Russian Music Publishing (Schott Music) RMP 3402, 3403, 3404 +++ Alexis Weissenberg: Piano Works. Hrsg. von Lev Vinocour. Schott ED 22923

unüberhörbar 2019/02

18.02.19 (Christoph Schlüren) -
Giovanni Sgambati: Symphonien 1&2, Württembergische Philhamonie, Ola Rudner. cpo +++ Nordic Affect: He(a)r. Solo Luminus +++ Mieczysław Weinberg: Symphonie Nr. 13, Serenade. Siberian State Symphony Orchestra, Vladimir Lande. Naxos

Christoph Schlüren: Von Belohlávek über Nordgren zu Merrick

03.01.19 (Christoph Schlüren) -
Das vergangene Jahr war so ertragreich, dass diese ‚Best of‘-Auswahl dem nicht gerecht werden kann. Für alle, die sie noch nicht haben, gibt es jetzt sämtliche bei EMI erschienenen Aufnahmen der Münchner Philharmoniker unter Sergiu Celibidache in einer 49-CD-Box (Warner Classics) – wobei leider wieder Tschaikowskys „Romeo und Julia“ vergessen wurde. Ein Muss sind auch die gesammelten furiosen Mozart-Aufnahmen Hans Rosbauds bei SWR Classic, die Anthologie des großen Schweizer Pianisten Walter Rehberg (1900–57) bei APR und die wunderbare Recollection in Erinnerung an den großen tschechischen Maestro Jirí Belohlávek (Supraphon, 8 CDs) mit der unschlagbaren frühen Brünner Aufnahme von Janáceks Sinfonietta als CD-Premiere.

Gegen die Geschichtslosigkeit

13.12.18 (Christoph Schlüren) -
In unvorhersehbarer Weise schreitet die Jean Sibelius-Gesamtausgabe bei Breitkopf & Härtel voran, und aller Augen sind schon gerichtet auf die hoffentlich bald erscheinende Erstfassung der Fünften Symphonie. Hochinteressant ist aber auch die letzte Neuerscheinung, die „sämtliche Werke für Streichorches­ter“ umfasst – was insofern irreführend ist, als da nicht die Theatermusiken dazu gezählt werden, mithin also das interessanteste und ambitionierteste Streichorchesterwerk des Meisters, die zweisätzige Musik zur „Eidechse“, nicht enthalten ist.
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