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Alle Artikel kategorisiert unter »19. Jahrhundert«

Der Triumph des Bösen –  Die Neuproduktion von Verdis „Otello“ wurde an der Oper Leipzig bejubelt

18.12.22 (Joachim Lange) -
Wer die Chemnitzer „Walküre“ des von weiblich geführten Teams  inszenierten Rings in Erinnerung hat, hat beim neuen „Otello“ in Leipzig ein Déjà-vu. Zumindest, was den dramaturgischen Ehrgeiz und die szenische Machart der niederländischen Walküre-Regisseurin Monique Wagemakers betrifft. Die hat sich jetzt Verdis, an der Mailänder Scala 1887 uraufgeführten Opernwurf aus der reifen Phase seines Schaffens vorgenommen. Zum Glück für die Nachwelt hatte der große Italiener sich überreden lassen, noch einmal einen Shakespearestoff zu veropern. In einigen Sequenzen blitzt denn auch schon mal sein „Falstaff“ auf, der sein wirklich letztes Wort in Sachen Oper wurde.

Theater Kiel: Peter Tschaikowskis „Jolanta“ auf der Psycho-Couch

14.12.22 (Arndt Voß) -
Dass Pjotr Iljitsch Tschaikowski eine Reihe von Bühnenwerken geschrieben hat, weiß man. Aber kennt man sie? Die drei Ballette sind allesamt geläufig, weit weniger sein vollständiges Opernschaffen, das häufig auf „Eugen Onegin“ und die „Pique Dame“ reduziert wird, beide Werke nach Puschkin. Selbst die „Mazeppa“, auch nach Puschkin, oder „Die Jungfrau von Orléans“ nach Schiller sind selten in Deutschland auf der Bühne anzutreffen. Weithin unbekannt aber ist die 1892 uraufgeführte und letzte Oper Tschaikowskis, Iolanta (auch Jolanthe oder Yolante geschrieben). Sie wurde am 10. Dezember 2022 in Kiel aufgeführt, wobei nicht nur das Werk selbst und dessen Inszenierung imponierte, sondern auch die gesangliche Leistung.

Korrektur am Tschaikowsky-Repertoire – „Die Zauberin“ bezaubert, beeindruckt und gehört in die Spielpläne

13.12.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Für einen Gutteil der Besucher gehören „Oper“ und Politik“ nicht zusammen, ja sogar sauber getrennt. Doch mitunter sind beide untrennbar miteinander „verwoben“ – was zu vornehm klingt: eher gezielt miteinander gestaltet, ja durch die Zeitumstände sogar untrennbar. Das gilt für Tschaikowsky und seine 1887 uraufgeführte „Zauberin“ ganz besonders.

Nicht nur spielsüchtig – Die neue „Pique Dame“ in Kassel überzeugt vor allem musikalisch

12.12.22 (Joachim Lange) -
In der jüngsten Kassler Inszenierung von Peter Tschaikowskis „Piqué Dame“ ist der Ausländer im Stück offensichtlich nicht nur spielsüchtig, sondern konsumiert obendrein auch Drogen. Regisseurin Ariane Kareev lässt ihn im Zeitalter der political correctness (der man an diesem Haus mit Hingabe frönt) zwar weder schnüffeln, noch spritzen oder rauchen. Aber sie versucht, dessen Sicht auf seine Umgebung und die Menschen, die ihm begegnen, mit (s)einer psychotischen Blickverengung sichtbar zu machen; die nur er für eine Blickerweiterung hält. Das gelingt ihr insofern, als Hermann dieses Gefängnis einer sehr begrenzten Wahrnehmung nicht mehr zu verlassen vermag. Er bleibt in ihr gefangen und damit auch wir. 

Das große Schweigen

09.12.22 (Georg Rudiger) -
Die Heizung wird voll aufgedreht. Darunter der Kommentar auf Russisch: Ich zerstöre die deutsche Wirtschaft. Das Video, das ein Musiker vom russischen Ensemble MusicAeterna kurz nach seiner Ankunft in Baden-Baden auf Instagram postete und vom Musikjournalisten Axel Brüggemann geteilt wurde, sorgte beim einladenden Festspielhaus Baden-Baden für Gesprächsbedarf. Und für Konsequenzen – das Video wurde gelöscht, eine Entschuldigung von ihm hinterhergeschoben und der Musiker vom Dienst suspendiert. Während die Ukraine täglich von russischen Raketen beschossen wird, kommt ein russisches Vorzeigeorches­ter nach Deutschland. Da sind Spannungen vorprogrammiert.

Eröffnungspremiere an der Mailänder Scala – Zaren werden einsam sterben

08.12.22 (Michael Ernst) -
Wehe den Völkern, die Götter und Despoten dulden: Mussorgskis „Boris Godunow“ eröffnet die neue Saison der Mailänder Scala als Fanal gegen alle Unterwürfigkeit.

Ovationen für Oratorien – Felix Mendelssohn Bartholdys „Elias“ am Staatstheater Oldenburg

07.12.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Großartiger Chor, großartige Solistinnen und Solisten. Die Inszenierung von Antony „Pilavachi lässt einen wie auch immer gearteten religiösen Konflikt vollkommen außen vor und porträtiert Elias als einen Rufer, einen Propheten, der klar machen will, dass Dinge falsch laufen, der aber nicht gehört wird und vor seinem Tod im Kerker landet. Was könnte angesichts der Klimakrise aktueller sein?“, findet unsere Kritikerin Ute Schalz-Laurenze.

Geistliches Hauptwerk, frühe Tondichtung

06.12.22 (Christoph Schlüren) -
Wenn am 10. Dezember der 200. Geburtstag von César Franck begangen wird, dürfen wir uns freuen, dass der größte Teil seiner Musik – darunter sämtliche Orchester- und Kammermusikwerke – zum Anhören verfügbar ist, ebenso wie vokal-orchestrale Hauptwerke wie die „Béatitudes“, „Psyché“, „Rédemption“ oder die Oper „Hulda“. Nach den biblischen Szenen „Ruth“ und „Rébecca“ muss man vielleicht länger suchen, doch immerhin: Wer hartnäckig ist, kann sich mit allem eindecken.

Pessimistisch genial – Tschaikowskis „Zauberin“ in Frankfurt

06.12.22 (Roland H. Dippel) -
Die 1889 am Mariinski-Theater Sankt Petersburg uraufgeführte Oper „Charodéyka“ (Die Zauberin) nach dem Schauspiel von Ippolit W. Schpaschinski hielt Tschaikowski für sein bestes musikalisches Bühnenwerk. Doch das Publikum teilte diese Vorliebe nicht. Über drei Stunden von Tschaikowskis edelster Musik überströmen eine Familientragödie. Eindringlich, faszinierend und zutiefst melancholisch. An der Oper Frankfurt gab es um die Spitzenleistungen von Asmik Grigorian und Claudia Mahnke viel andere intensive sängerische und szenische Höhenflüge. Das Premierenpublikum jubelte.

Auf Nicht-Linien zum Blackout – Wagners „Lohengrin“ in einer verquasten Neudeutung im Münchner Nationaltheater

04.12.22 (Wolf-Dieter Peter) -
2004 hätte der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó … doch da hat er eine Überschreibung der germanischen Sagen als „Nibelungen-Wohnpark“ in Budapest inszeniert… Aber parallel zum EU-Beitritt seiner Heimat hätte er in der dortigen Staatsoper die sensationelle, schneidend kühne und politisch unbequeme Neudeutung des „Lohengrin“ durch die damals zu Recht als Regie-Hoffnung eingestufte Katharina Wagner und ihren herausragenden Dramaturgen Robert Sollich erleben können. Dann wäre wohl etwas Anderes herausgekommen als…
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