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Entfremdung statt Nähe: Barbara Hendricks mit einer Schubert-Maxi-CD

07.05.09 (Michael Kube) -
Vor einigen Jahren haben die „Majors“ mit Traditionen gebrochen. Da wurden Verträge mit etablierten Interpreten aufgekündigt oder einfach nicht verlängert. Man wollte sich konzentrieren – auf den Markt, auf das Marketing und auf einträgliche Renditen. Die Rechnung ging nicht wirklich auf. Viele Künstler fanden bei kleineren, inhaltlich engagierten Unternehmen ein neues Zuhause, andere gründeten gleich ein eigenes Label. So auch Barbara Hendricks. Eine ihrer neuen CDs ist Schubert-Liedern gewidmet.

Schwebebahnen: Jirí Kyliáns „Zugvögel“ bei der Festwoche des Bayerischen Staatsballetts

06.05.09 (Wolf Loeckle) -
Zugvögel zwischen diversen Welten sind wir alle irgendwie. Und insofern nimmt uns Jiry Kylián unter dem Titel „Zugvögel“ alle mit auf seine Lebensrückschau gewissermaßen; die er in München zelebriert, als vorletzter Station einer Reise, die ihn dann in der niederländischen Heimat das dezidierte Finale in Szene setzen lässt – vor dem Umstieg in eine andere Aktivität, über die gerätselt werden kann.

Schiefgelaufen: Wie sich Bayerns Musikratspräsident Thomas Goppel wieder einmal in Szene setzen wollte

05.05.09 (Theo Geißler) -
Die nmz hat an dieser Stelle im Spätherbst vergangenen Jahres den Mitgliedern des Bayerischen Musikrates vorsichtig die Frage gestellt, ob es angebracht sei, einen ausgemusterten Polit-Profi zum Präsidenten eines Kulturverbandes zu küren. Ex-CSU-Kulturminister Thomas Goppel wurde – vielleicht ein bayerisches Phänomen, über das es noch zu spekulieren gilt – mit überwältigender Mehrheit gewählt. Nachdem ein halbes Jahr später innerbayerisch von Goppels vermuteten „Führungs-Qualitäten“ faktisch nicht viel zu spüren ist, fand es der begnadete Selbstdarsteller wohl an der Zeit, wenigstens bundesweit einmal laut zu bellen. Ein grandioser Fehl-Alarm, wie sich herausstellt. Zunächst zu den Fakten:

Utopia lässt grüßen: Händels „Teseo“ an der Stuttgarter Staatsoper musikalisch geerdet

05.05.09 (Verena Großkreutz) -
Drei Männer, drei Frauen: Sechs hohe Stimmen. So schön und exotisch kann eine Opera seria sein, wenn man heute die im Barock von Kastraten gesungenen Partien allesamt mit Countertenören besetzt. In der Stuttgarter Staatsoper wurde die bejubelte Premiere von Georg Friedrich Händels selten gespielter Oper "Teseo" zum echten musikalischen Highlight, das niemand verpassen sollte, der nach außergewöhnlichen Klangerlebnissen hungert.

Lust der Qual: Wolfgang Rihms „Proserpina“ in Schwetzingen uraufgeführt

05.05.09 (Frieder Reininghaus) -
Am Anfang der Gattung Oper entdeckte Claudio Monteverdi die Figur der Persephone (lat.: Proserpina) für das Musiktheater: die Klage der von Hades (Pluto) geraubten, vergewaltigten und zur Königin der Unterwelt erhobenen jungen Frau. Doch die Partitur ist verloren gegangen. Siegmund Freiherr von Seckendorfs Musik für Johann Wolfgang Goethes Anverwandlung des mythischen Sujets in einer „dramatischen Grille“ („Der Triumph der Empfindsamkeit“), eineinhalb Jahrhunderte später entstanden, möchte heutigen Ohren allzu milde frühklassisch vorkommen.

Musikalisch rehabilitiert, szenisch verschenkt: Donizettis „Dom Sébastien“ in Nürnberg

04.05.09 (Juan Martin Koch) -
Trotz mancher Erfolgsstücke hat es die französische „Grand Opéra“ in Deutschland traditionell schwer gehabt. Mit Wagner als Gewährsmann konnte man getrost an den Monumentalschinken eines Meyerbeer oder Halévy herumnörgeln. Entsprechend selten stehen sie bis heute auf den Spielplänen, was ein Überprüfen der ererbten Werturteile erschwert.

Uraufführung an der Staatsoper - Choreograf Jirí Kylián verabschiedet sich von der Bühne

04.05.09 (Ulrike Köppen - ddp) -
München - Mit einer Uraufführung des weltbekannten tschechischen Choreografen Jirí Kylián wird am Sonntag (3. Mai) an der Münchner Staatsoper die jährliche Ballettfestwoche eröffnet. Sie ist gleichzeitig Auftakt der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Bayerischen Staatsballetts. In einer engen Verschränkung von Tanz, Musik, bildender Kunst und Film soll die Inszenierung «Zugvögel» die Vergänglichkeit des Bühnenkunstwerks versinnbildlichen und ist außerdem der Abschied des 1947 geborenen Choreographen von der Bühne.

Begegnungen mit Haydn, Maria Malibran und Spiele-Sound-Lieferanten: BR-Musikfeatures im Mai

04.05.09 (nmz-red/Regensburg) -
Vielfältige Begegnungen verspricht das Mai-Programm des Bayerischen Rundfunks in Sachen Musikfeatures. Von dem rasant sich entwickelnden Genre Computerspiel-Musik über die Sängerdynastie Garciá-Malibran bis zum Jubilar und Streichquartett-Pionier Joseph Haydn reicht das Spektrum. Und Renate Richter greift mit dem Streit um das Musikverlagshaus C.F. Peters ein heißes Eisen der Musikwirtschaftshistorie und -gegenwart auf.

Männerfantasien: „La porta della legge“ – Sciarrino-Uraufführung in Wuppertal

03.05.09 (Georg Beck) -
Sciarrino wird sich immer ähnlicher. Und Wuppertal hilft nach Kräften. Jetzt ist im Barmer Opernhaus bereits das vierte Werk des Italieners in Szene gegangen. Nach „Luci mie traditrici“ (2002), „L’infinito nero“ (2004) und „Macbeth“ (2006) erstmals eine Uraufführung: „La porta della legge“ nach Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“. Das ausweglos Vergebliche der Dichtung schockgefroren in schönster Sciarrino-Ästhetik.

Neu im nmz-Netz: das „Bad Blog Of Musick“ nimmt seinen Lauf

03.05.09 (jmk) -
„Der Bad Boy hat sich seine Frühjahrsmüdigkeit aus den Fingern geschüttelt und beginnt wieder zu schreiben.“ Mit diesen erfreulichen Zeilen hat Moritz Eggert eine neue Plattform im nmz-Netzangebot eröffnet: das „Bad Blog Of Musick“. Zusammen mit den Kollegen Patrick Hahn und Arno Lücker will Eggert dorthin vordringen, „wo (hoffentlich) noch nie ein Blog gewesen ist – nämlich ins Herz der Dunkelheit, die hinter der 'beredten Stille' zwischen den Tönen lauert, dorthin, wo die Frage auf uns wartet: Wohin geht die Neue Musik im 21. Jahrhundert?“

Es geht auch ohne nackte Haut: Alban Bergs komplette „Lulu“ in Wiesbaden

03.05.09 (Peter P. Pachl) -
Ein größerer Gegensatz zweier kurz aufeinander folgender „Lulu“-Inszenierungen, die teilweise sogar mit den selben Solisten besetzt sind, ist kaum denkbar, als zwischen der Inszenierung von Calixto Bieito in Basel und der Eröffnungsinszenierung der Maifestspiele Wiesbaden durch Konstanze Lauterbach.

Der 3. Bigbandleiter-Workshop des Deutschen Orchesterwettbewerbes ging in Jena zu Ende

Mit einem fulminanten Abschlusskonzert in der Musik- und Kunstschule Jena ist am letzten Sonntag der 3. Bigbandleiter-Workshop des Deutschen Orchesterwettbewerbes (DOW) unter der künstlerischen Leitung von Jiggs Whigham zu Ende gegangen. Unter dem Motto 'Go East' fand diese bundesweit erfolgreiche Fördermaßnahme für Bigband Dirigenten zum ersten Mal in den Neuen Bundesländern, an der Musik- und Kunstschule Jena, statt.

Im Doppelpack: Anders Eliassons Sinfonia per archi in zwei neuen Einspielungen

30.04.09 (Michael Kube) -
Es gehört sicherlich nicht zu den Alltäglichkeiten, dass ein Werk eines zeitgenössischen Komponisten nahezu gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Aufnahmen bei verschiedenen Labels auf CD erscheint. Für Anders Eliasson (geb. 1947) und seine Sinfonia per archi (2001) ist das tatsächlich ein außergewöhnlicher Glücksfall. Beide Einspielungen überzeugen auf höchstem Niveau – und bieten doch ganz unterschiedliche interpretatorische Ansätze.

Bewährte Ansätze und neue Ideen: Die Wittener Tage für neue Kammermusik

29.04.09 (Stefan Drees) -
Mit einer wohl überlegten Mischung aus schon bewährten Ansätzen und neuen Ideen haben die Initiatoren der 41. Wittener Tage für neue Kammermusik die Tendenzen aus der jüngsten Vergangenheit des Festivals fortgeführt. Bewährt hat sich vor allem die thematische Schwerpunktbildung durch Fokussierung auf eine Komponistenpersönlichkeit.

Fritz Buschs Dresdner Zeit nach 75 Jahren fundiert aufgearbeitet und dokumentiert

29.04.09 (Michael Ernst) -
„!!! aus.“ Diese kurze aber ergreifende Notiz im Kalender Fritz Buschs beschließt eine Ära an der Semperoper und der Sächsischen Staatskapelle. Der 7. März 1933 beendete die Dresden-Karriere eines der bedeutendsten Dirigenten des vergangenen Jahrhunderts. Das Jahrzehnt davor ist jetzt komplett auf CD und DVD dokumentiert.

Leoncavallo als besserer Puccini? Die „andere“ Bohème in Luzern

28.04.09 (Verena Großkreutz) -
Das kompositorische Wettrennen gegen Giacomo Puccini verlor Ruggero Leoncavallo mit Pauken und Trompeten: Puccinis „La Bohème“ erblickte 1896 das Bühnenlicht dieser Welt, Leoncavallos gleichnamiges Werk erst über ein Jahr später. Puccinis „Bohème“ eroberte bald die Opernhäuser dieser Welt. Leoncavallos Werk hatte gegen diese Erfolgsoper nie eine wirkliche Chance.

„Byzantinum“ von Gábor Gadó – ein Fanal in der Musikgeschichte

27.04.09 (Mathias Bäumel) -
Unbeirrbar, der Mann, der Mahner, der Musiker. Gitarrist Gábor Gadó stellt seine ausufernde, bizarr und tiefsinnig wirkende Musik auch diesmal wieder in einen Kontext historisch übergreifender gesellschaftlicher Grunddiagnosen. Sein aktuelles Album nennt er „Byzantinum“, typografisch verändert mit verdrehtem „z“. „z“ ist der letzte Buchstabe des Alphabets – das Ende ist also verdreht, verkehrt, falsch.

Komponist und Lehrer: Dietrich Erdmann ist in Berlin gestorben

27.04.09 (Agentur ddp) -
Der Berliner Komponist, Hochschullehrer und Musikpädagoge Dietrich Erdmann ist am 22. April im Alter von 91 Jahren gestorben, wie erst jetzt aus dem Familienkreis bekannt wurde. Seit 1947 war Erdmann am Aufbau des Musikseminars der Pädagogischen Hochschule Berlin maßgeblich beteiligt und seit 1949 mit dessen Leitung betraut.

Allerlei Halbes: Uraufführung der Semi-Oper „Wilhelmine“ in Bayreuth

26.04.09 (Peter P. Pachl) -
Bayreuth begeht derzeit ein Doppeljubiläum, zur Hälfte den 300. Geburtstag und zur anderen Hälfte den 250. Todestag von Wilhelmine, der Tochter des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I., die dieser fränkischen Stadt durch ihre Schloss- und Theaterbauten aus der Bedeutungslosigkeit erhob. Auch Richard Wagner wurde bekanntlich von Bayreuth nur angelockt, da er von der besonderen Bühnentiefe des Markgräflichen Opernhauses gelesen hatte.

Saal nach historischem Vorbild: Berliner Staatsoper rüstet sich für Sanierung

Berlin - Die Staatsoper Unter den Linden hatte am Freitag zur letzten Pressekonferenz in ihr traditionsreiches Haus geladen, bevor das gesamte Ensemble zeitweilig ins Berliner Schillertheater umzieht. Die Oper wird saniert, der Saal nach einem denkmalgeschützen Vorbild gestaltet. Zumindest ein bisschen. «Ich möchte lieber in einem historischen Saal sitzen, hören möchte ich lieber in einem neuen Innenbau», hatte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, das Dilemma im Vorfeld formuliert.

Kolossales Ereignis: Zimmermanns „Requiem für einen jungen Dichter“ in Berlin

24.04.09 (Peter P. Pachl) -
Vierzig Jahre sind ist es her, seit Bernd Alois Zimmermanns eigenartige Mischform von Oratorium, Kantate, Messe und politischer Agitation als ein fünfviertelstündiges „Lingual“ in Frankfurt am Main uraufgeführt wurde. Die Mammutkomposition verlangt neben einem Sinfonieorchester, einer Jazzband, Solisten und Sprechern sowie diversen Zuspielungen, vier leistungsstarke Chöre.

Gewagt und gewonnen: Jan Voglers neue CD mit Schostakowitsch und Jimi Hendrix

20.04.09 (Michael Ernst) -
Dmitri Schostakowitsch und Jimi Hendrix – diese beiden Namen werden wohl eher selten in einem Atemzug genannt. Der umtriebige Cellist Jan Vogler setzt sie – zusammen mit dem New Yorker Orchester „The Knights“ – auf seiner neuen CD zueiander in Beziehung. Mit Erfolg, so unser Autor Michael Ernst, der die Scheibe für nmz Online vorstellt:

Üppig kostümierte Klavieretüden: Susanne Anatchkovas Film „Im Prestissimo“

18.04.09 (Juan Martin Koch) -
Mit der Geschichte der Klavieretüde könnte man die Geschichte der Musik für Tasteninstrumente insgesamt erzählen; zumindest jenen Teil, der die Entwicklung der Klaviertechnik und deren Transformation in musikalischen Ausdruck betrifft. Die Pianistin Susanne Anatchkova hat sich also ein durchaus lohnendes Objekt für ihre filmische Zeitreise ausgesucht.

Swingender Paukenschlag: das Jazzorchester Regensburg mit einem „Tribute to Duke“

16.04.09 (Michael Scheiner) -
„Things Ain’t What They Used to Be“ ist der einzige Standard beim Auftritt des Jazzorches-ters Regensburg (JOR) gewesen, der nicht aus der Feder des Vaters Duke oder seines Alter Ego Billy Strayhorn, sondern von Sohnemann Mercer Ellington stammt. Mit einem begeisternden „Tribute to the Duke“ verabschiedete sich die „Volvo Big Band“, wie sich das junge Profiorchester unter Leitung Ed Partykas nach seinem Hauptsponsor auch nennt, in die Sommerpause.

Konkrete Träume: „El Sistema“, eine Filmdoku über Venezuelas Jugendorchester

16.04.09 (Juan Martin Koch) -
„Núcleos“, nicht einfach Musikschulen, nennen die Venezolaner die Zentren ihres landesweiten Systems von Kinder- und Jugendorchestern – womit bildhaft ausgedrückt ist, dass es hier um mehr geht als die Unterweisung im Instrumentalspiel: Zellkerne einer neuen Gesellschaft sollen sie sein. Musikalische Bildung als Menschenbildung – dieses Credo steht auch über dem Dokumentarfilm „El Sistema“, der heute (16. April) in den Kinos anläuft.
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