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Alle Artikel kategorisiert unter »Roland H. Dippel«

Strapse, Schampus, Kamera! – Jean Gilberts „Kinokönigin“ erobert Leipzig

11.04.22 (Roland H. Dippel) -
Die Musik macht Freude und das Genderfluide gerät zum Megatrend wie in allen anderen Sparten auch. An der Musikalischen Komödie Leipzig zeigt Andreas Gergen, dass die Unterschiede zwischen der Stummfilm-Hochphase vor 100 Jahren und der heutigen Kameramanie in den sozialen Netzwerken äußerst gering sind. Trotzdem steckt seine Inszenierung von Jean Gilberts Operette „Die Kinokönigin“ tief im letzten Jahrhundert. Aber sie ist – dirigiert von Stefan Klingele – ein flotter Fund aus der Berliner Operette des frühen 20. Jahrhunderts.

Emotionales Weihnachtsgeschäft: „Liebesbrief nach Ladenschluss“ in Annaberg-Buchholz

08.04.22 (Roland H. Dippel) -
Beim Erzgebirgischen Theater und Orchester setzt Intendant Moritz Gogg die Spezialitätensuche seines Vorgängers Ingolf Huhn fort. Die deutsche Erstaufführung der 2013 in Bratislava uraufgeführten Oper „Dorian Gray“ von Lubica Cekovska musste leider in eine spätere Spielzeit verschoben werden. Dafür stehen mit Ralph Benatzkys „Der reichste Mann der Welt“ und jetzt Jerry Bocks „Liebesbrief nach Ladenschluss“ feine Funde aus Operette und Musical auf dem Spielplan.

Weimar-verdächtige Männerfantasie: Ambroise Thomas’ „Mignon“ in Liège

06.04.22 (Roland H. Dippel) -
Vincent Boussard hat in Liège recht. Ambroise Thomas’ „Mignon“ harmoniert mit dem Geist der Goethezeit mindestens so stark wie mit französischer Oper des mittleren 19. Jahrhunderts. Die Opéra Royal de Wallonie machte es sich nicht einfach: Fast drei Stunden reine Spieldauer trotz Erstfassung mit umfangreichen Dialogen. Am Pult sorgte Frédéric Chaslin für die fulminante Feinmechanik zwischen Orchester und Bühne. Es gab drei phänomenale Besetzungen: Bravi für Stéphanie d’Oustrac (Mignon), Jodie Devos (Philine) und Philippe Talbot (Wilhelm Meister).

Flache Mondtag-Show: „Der Vampyr“ in Hannover

27.03.22 (Roland H. Dippel) -
Heinrich Marschner war in Hannover als Komponist nicht mehr so erfolgreich wie in Leipzig, wo „Der Vampyr“ 1828 zur Uraufführung gelangte oder in Berlin mit „Hans Heiling“. Beim „Vampyr“ steht die Rettung aus den Verballhornungen oder Simplifizierungen der letzten Jahrzehnte noch immer aus. Die Premiere an der Niedersächsischen Staatsoper Hannover war in erster Linie eine herausragende Leistung von GMD Stephan Zilias. Ersan Mondtag verzettelte sich mit assoziativer Völlerei in seinem Zutaten-Gestrüpp aus der Geschichte des Antisemitismus, Konsumkritik und Trash.

Amyntas und Knirfix: „Pastorelle en musique“ bei den telemann festtagen Magdeburg

24.03.22 (Roland H. Dippel) -
„klangfarben“ lautet das Motto der 25. Magdeburger telemann festtage. Diese sind ein Corona-Chiaroscuro mit zweijähriger Verzögerungshistorie. Die Produktion von „Pimpinone“ wurde 2020 fast fertig geprobt und doch ein Opfer des ersten Lockdowns wie vieles andere. Im Rahmen geltender Bestimmungen konnte man 60% der bestehenden Platzkapazitäten anbieten.

Theaterraum als Tempel des lyrischen Widerspruchs: Zwei Einakter von Peter Maxwell Davies in Weimar

22.03.22 (Roland H. Dippel) -
Der Doppelabend 2 im Festival Passion :SPIEL des Deutschen Nationaltheaters Weimar scherte bei Peter Maxwell Davies „Eight Songs for a Mad King“ in seiner Haltung erfreulich aus: Uwe Schenker-Primus brillierte in dem von Dirk Girschik als poetische Utopie inszenierten Einakter.

„Opera und ihr Double“ von Ole Hübner und Thomas Köck bei der Münchener Biennale

18.03.22 (Roland H. Dippel) -
Wenn es für Produktionsengpässe und musikalische Lieferkettenunterbrechungen der Pandemie eine emblematische neue Oper gibt, ist diese „opera! opera! opera! Revenants and Revolutions“ von Thomas Köck und Ole Hübner. Als vollständige Aufführung hätte die Koproduktion der Oper Halle und der Münchener Biennale für Neues Musiktheater 2020 ein satter 150-Minüter und die bisher massivste Choroper des 21. Jahrhunderts werden können. Stattdessen kam es zur „operativen Installation“ des bitteren Sujets in der riesigen UTOPIA-Halle München: Der breit geschwungene Abgesang auf eine große Kunstform in bezwingenden Arrangements.

Braver Parcours: „Memorial of Rebellion“ beim Festival „Passion :SPIEL“ in Weimar

13.03.22 (Roland H. Dippel) -
Ein „Paralleluniversum von besonderen Stücken, Experimenten und Aufführungen“ versprechen Weimars Operndirektorin Andrea Moses und ihr Konzeptdramaturg Michael Höppner für Passion :SPIEL. Die erste Ausgabe des Festivals für Neues Musiktheater findet vom 10. bis zum 19. März 2022 im e-werk Weimar auf der versatilen Raumbühne Martin Miotks statt.

Prominente Pflichtübung: Luigi Cherubinis „Les Abencérages“ in Budapest

12.03.22 (Roland H. Dippel) -
Luigi Cherubinis Oper „Les Abencérages“ (Paris 1813) ist eine anspruchsvolle wie harte Übung in Sachen Musikgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts. Zur konzertanten Aufführung im Budapester Konzertsaal MüPa gab es weder Maskenpflicht noch Kontrollen der Impfbestätigung. Sie wurde am 9. März ein Höhepunkt des Barock-Zyklus mit Konzerten mit Emöke Baráth, Philippe Jaroussky und Joyce DiDonato.

Bilanz im Theater Plauen Zwickau: Musiktheater-Tod und Bauch-Aufschlitzen

07.03.22 (Roland H. Dippel) -
Kammeropern mit der Schicksalswucht eines apollinischen Orakels. Peter Eötvös' „Radames“ (1976/97) und „Harakiri“ (1973) haben es auf der Kleinen Bühne Plauen in sich. Der erste Einakter ist ein Abgesang auf die Kunstform Oper, der zweite ein Kommentar zum Tod Yukio Mishimas. Der scheidende Generalintendant Roland May, Operndirektor Jürgen Pöckel und GMD Leo Siberski konnten nicht ahnen, mit welcher Schärfe der tatsächlich zum geplanten Zeitpunkt stattgefundene Premierenabend mit der Kulturkrise durch die Pandemie und den Angriff Russlands auf die Ukraine koinzidiert. Gnadenlos und freudlos.
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