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klangaktionen – aktionsklänge? – die fünfzigste ausgabe von josef anton riedls münchner mustermesse samt novitätenschau

22.12.09 (Wolf Loeckle) -
Als der Begriff „Avantgarde“ noch Wohlklang auslöste in den offenen Gehörgängen all derer, die sich im Nachklang eines schrecklichen Krieges schämten für Deutschland und Anregungen vom moralisch aufrüstenden Welt-Erretter USA holten, da blieb John Cage wichtig. Und Karlheinz Stockhausen wurde tonangebend an Kölns Rheingestaden und weit über die Bergischen Hügel hinaus. Damals wuchsen „Konkrete Musik“ und diverse elektronische Spielarten in ungeahnte Höhen, intellektuell und fundamentalistisch gestützt von dickleibig publizierten Sprachkaskaden und mikrointervallistisch gewürzter Analyse. Jetzt gibt es Stockhausen vom Tonträger und Cage ganz aktuell im Museum zu Barcelona etwa. Die Ideen dieser Meister der ersten Stunden wirken freilich weiter. Und nehmen manchem der heute Aktiven Denken samt handwerklicher Arbeit ab. Denn Computertechnologien beginnen jetzt schon nahezu eigenständig zu denken und zu machen...

Williams kommt – Jackson geht: Das Pop-Musikjahr 2009 beendet eine Ära

22.12.09 (Agentur ddp) -
Eine große Plattenfirma hat ihren Mitarbeitern zu Weihnachten als kleine Aufmerksamkeit warme Decken geschenkt. Die Botschaft könnte sein: Angesichts des weiter einbrechenden Geschäfts im Handel mit Tonträgern wird sich die Branche warm anziehen müssen. Auch 2009 gab es wenig Anlass zur Freude. Musikalische Sensationen? Fehlanzeige. 40 Jahre nach Woodstock verließ man sich auf Altbewährtes.

Veranstalterverbände und GEMA legen Streit bei - Frieden vor Weihnachten

21.12.09 (Martin Hufner) -
Der große Dreck wird weggeräumt, diesen Eindruck muss man gewinnen, angesichts der großen Einigungswelle zwischen diversen Streithähnen. Wie der Bühnenverband und die Deutsche Orchestervereinigung nach über fünf Jahren, so haben die GEMA und der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V. sich einigen können. Eskalationen gab es hier wie dort, man konnte wohl meinen, dass der Begriff der Kultur im Streit gänzlich ad absurdum geführt wurde.

Neue Oper - Kulturhauptstadt-Jahr würdigt Komponist Hans-Werner Henze

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 im Ruhrgebiet steht auch der Komponist Hans Werner Henze im Mittelpunkt. Eigens für die Veranstaltung schreibt der inzwischen 83-jährige Künstler eine neue Oper. Darüber hinaus werden unter dem Programmtitel «Das Henze-Projekt» an zahlreichen Orten im gesamten Revier Aufführungen von Henzes Gesamtwerk geboten, wie die Ruhr.2010 GmbH als Veranstalter am Freitag in Essen mitteilte. Die Oper mit dem Titel «Gisela oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks» soll am 25. September in der Maschinenhalle Zeche Zweckel in Gladbeck uraufgeführt werden.

Martin Lücke, „Professor Schlager“, lehrt Musikmanagement in München

18.12.09 (Pressemeldung) -
Die BILD-Zeitung nannte ihn „Professor Schlager“, als er seine Untersuchung „Die 100 Schlager des Jahrhunderts“ (EVA, 2008) veröffentlichte. Dabei ist sein Repertoire an Forschung und Produktion von Musik viel breiter. Mit dem 35-jährigen Musikwissenschaftler, Musiker und Autor Dr. Martin Lücke gewinnt die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) einen ausgewiesenen Musikexperten für den Studiengang Medienmanagement. Zum Wintersemester 09/10 wurde er als erster Professor für Musikmanagement am Campus München berufen.

Gestundete Zeit - Martinůs Operneinakter „Ariane“ und Ravels „L'heure espagnole“ in Luzern

17.12.09 (Verena Großkreutz) -
Die Stuttgarter Musikjournalistin Verena Großkreutz hat im schweizerischen Luzern die Premiere zweier Operneinakter von Bohuslav Martinů und Maurice Ravel unter die Lupe genommen und musste feststellen, dass in Martinůs wiederentdecktem Werk die tiefenpsychologische Dimension verfehlt wurde. Dagegen überzeugte die Inszenierung von Ravels Buffo-Oper durch Witz, Tempo und eine grandiose Hauptdarstellerin.

Nicht ohne meinen Löwen - Sächsische Staatsoper wagt sich recht spät an eine Händel-Ehrung

16.12.09 (Michael Ernst) -
Wir befinden uns im Jahr 250 nach Händels Tod. Ganz Deutschland ist von der Händel-Ehrung belebt. Ganz Deutschland? Nein! Ein von traditionsverliebten Deutschen bevölkertes Städtchen im sächsischen Elbtal hätte es beinahe verpasst. Nun hat die Sächsische Staatsoper Dresden kurz vor Jahresschluss noch rasch eine Ehrung nachgeholt. Sie gilt neben Julius Cäsar, dem römischen Imperator, Helden und Herrscher, natürlich vor allem Georg Friedrich Händel, der dem Diktator mit seiner Oper „Giulio Caesare in Egitto“ 1723 ein musikalisches Denkmal gesetzt hat.

Und nach dem Konzert – aufforsten: Wie Popkünstler das Klima schützen

16.12.09 (Stefan Reisner) -
Von allen Seiten konnten die Zuschauer im Olympiastadion in Berlin Bono sehen. Die „360 Grad Tour“ der irischen Band U2 hatte auch deshalb diesen Namen bekommen. Gigantisch war die Show mit der neuartigen Bühne mitten im Fußballstadion. Die Fans waren glücklich. Und schnell hatten sie vergessen, wofür Bono und die anderen Musiker noch Tage vorher kritisiert worden waren: Für den massiven Stromverbrauch für das Megakonzert.

Das Gastmahl der Ungeborenen – Pountney inszeniert „Die Frau ohne Schatten“ in Zürich

14.12.09 (Peter P. Pachl) -
„Wäre denn je ein Fest, wären nicht insgeheim wir die Geladenen, wir auch die Wirte“, so endet aus dem Munde der Ungeborenen, in mythisch-erotischer Verklausulierung des Festes als Anlass zu Vereinigungen und damit auch zur Zeugung von Kindern, Hofmannsthals Libretto zu Richard Strauss’ Märchen-Oper „Die Frau ohne Schatten“.

Kultur-Finanzierung: „Bad City“ zur Sanierung der Kommunen gründen?

14.12.09 (Tobias Könemann) -
Der neue Geschäftsführer der Vereinigung deutscher Opernchorsänger und Bühnentänzer (VdO), Tobias Könemann, kommentiert in seinem Editorial der soeben eraschienenen Ausgabe von "Oper & Tanz" die aberwitzige Steuerpolitik der Bundesregierung. Sind die kommunalen Kultur-Finanzen noch zu retten?

Ex-GEMA-Aufsichtsrat Hans Hee ist tot – Texter für Heintje, Ronny und die Peheiros

12.12.09 (nmz-thg) -
(nmz) Bereits am 10. Dezember starb in Bremen der Textdichter und Musik-Funktionär Hans Hee, wie seine Familie mitteilte. Er war bis 2006 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der GEMA und von 1993 bis 2006 Präsident des Deutschen Textdichter-Verbandes und Mitbegründer der Celler Schule.

Tragische Tortenschlacht: Giuseppe Porsiles „Spartakus“ in Schwetzingen

11.12.09 (Frieder Reininghaus) -
Karneval 1726: Das junge Heidelberger Opern-Team deutet im Schwetzinger Rokokotheater die Umstände der Uraufführung von Giuseppe Porsiles „Spartaco“ an, indem es mit Tröten durch die Foyers und das Parkett auf die Bühne zieht. Ein Kreuz haben sie vorsorglich mitgebracht. Denn der Aufstand der süditalienischen Sklaven und entrechteten Landleute in den Jahren 73-71 v. Chr. endete mit der grausamen Hinrichtung von mindestens sechstausend Gefangenen nach der verlustreichen Entscheidungsschlacht. Es hat nicht gut gerochen damals an der Via Appia.

Signale aus Mainz: Innovative Programme beim Philharmonischen Staatsorchester

10.12.09 (Andreas Hauff) -
2001 war Catherine Rückwardt angetreten - als erste weibliche Generalsmusikdirektorin in Mainz, und als eine der ganz wenigen in Deutschland überhaupt. Sie ging ans Werk mit Können, Charisma und konzeptioneller Befähigung; es herrschte Aufbruchsstimmung. Kinder- und Jugendarbeit gewannen erheblich an Bedeutung, aber auch die regulären Sinfoniekonzerte im Staatstheater bewiesen ungewöhnliches programmatisches Profil.

GEMA: Schließungen, Entlassungen, der Aufsichtsrat feiert im Bayerischen Hof mit Krustentier und Schampus

09.12.09 (nmz - thg) -
Was gema-seitig lange dementiert wurde, ist nun Tatsache. Die GEMA-Bezirksdirektionen in Augsburg, München und Hannover werden de facto dicht gemacht. Im Schalmeien-Jargon der GEMA wird von "Zusammenlegung" gezärtelt - ein schräger Euphemismus. 90 Arbeitsplätze dürften den "Kreativen" künftig erspart bleiben, weitere Entlassungen sind wahrscheinlich. Und während er dies bei einer Gegenstimme verkündete, feiert der Aufsichtsrat in Münchens Luxus-Hotel "Bayerischer Hof" mit Krustentier und Schampus die fröhliche Weihnachtszeit. Irgendwie pervers:

Featurefest zur Weihnachtszeit: Musiksendungen des BR im Dezember und Januar

08.12.09 (nmz-red/Regensburg) -
Mit einem Featurefest voller Musiksendungen geht der Bayerische Rundfunk in die Weihnachtszeit. Mit dabei: Alma Rosé, Maria Malibran und Hector Berlioz. Auf den regulären Featurterminen tummeln sich außerdem Friederike Mayröcker, Frank Peter Zimmermann, Giovanni Battista Pergolesi und der Konzertpfeifer Tamás Hacki.

Nachtmusik der Moderne 09/10: Neue Musik mit dem Münchener Kammerorchester

08.12.09 (Jörg Lichtinger) -
Noch unter Christoph Poppen, dem vormaligen Dirigenten des Münchener Kammerorchesters und Initiator der Reihe „Nachtmusik der Moderne“, haben sich die Porträtabende moderner Komponisten in der Rotunde der Pinakothek der Moderne zu einem Publikumsmagneten in der Münchner Konzertlandschaft entwickelt. Auch Poppens Nachfolger am Dirigentenpult des MKO, Alexander Liebreich – sein Vertrag mit dem Orchester wurde kürzlich bis zum Ende der Saison 2013/14 verlängert –, hat an diesen Nachtkonzerten mit Neuer Musik festgehalten.

Weltmusikoper aus grauer Vorzeit: Jeffrey Chings „Waisenkind“ in Erfurt uraufgeführt

08.12.09 (Gerhard Rohde) -
Gegen Jeffrey Chings „Das Waisenkind“ ist Puccinis „Turandot“ ein Waisenkind. Die Grausamkeiten der chinesischen Prinzessin stehen bis auf eine kurze Szene zu Beginn in der unsichtbaren Vorgeschichte. Hier aber werden gleich ganze Familien und Dynastien auf der Bühne hingemordet, sogar Neugeborene bleiben nicht verschont, nur weil ein machtgieriger Hofbeamter zur Herrschaft strebt.

MDR-Ötzi statt MDR-Figaro, Strafsteuer für Schweizer Alphörner in der Türkei: taktlos Ausgabe 139

06.12.09 (Theo Geißler) -
Während sich Kulturschaffende grämen, Verbände jammern, schaffen Medien Tatsachen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) zum Beispiel erreicht Hörerbindung durch stark verschärfte Hörerbildung. Weg mit den verzopften sinfonischen Apparaten, her mit Klang wie es wirklich klingt im Land. Bilden heisst, die Tradition der Basis weitertragen (so MDR-Intendant Udo Reiter, unser Bild), im ZDF-Morgenmagazin. taktlos - die Nachrichten Ausgabe 139:

Alles hat seine Zeit - Das Festkonzert zum Jubiläum der Universität Leipzig

05.12.09 (Barbara Lieberwirth) -
Anfang Dezember erreichte die 600-Jahr-Feier der Universität Leipzig in einer offiziellen Feierstunde mit Politprominenz am Vormittag und einem Festkonzert für die Öffentlichkeit am Abend ihren Höhepunkt. Das Jubiläum fand in einem nicht unproblematischen Umfeld statt; prägt doch einerseits die deutsche Hochschullandschaft seit geraumer Zeit eine Studentenschaft, die –eingezwängt in die Bologna-Maschinerie– ihren Unmut lautstark äußert über chronische Unterfinanzierung, schlechte Betreuung und mangelnde Infrastruktur für Lehre und Forschung.

„Ihr seid ja wunderbar verrückt!“ Die vierten Hamburger Klangwerktage

05.12.09 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Toller geht’s nicht - Ihr seid ja wunderbar verrückt!“ hatte einer ins Gästebuch zu der geheimnisvollen Ramklangkomposition „Troposphères“ von Sascha Lino Lemke in den Labyrinth-ähnlichen Kreisen in der Kampnagelfabrik in Hamburg geschrieben. Den schriftlichen Ausbruch kann man gerne für Konzeption und Durchführung des sechstägigen Festivals übernehmen.

Auf- und abgeklärt: Antonio Caldaras „Menschenfeind“ am Nationaltheater Weimar

03.12.09 (Frieder Reininghaus) -
Er war einer der prominenten Komponisten im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts: Antonio Caldara. Ein wendiger Venezianer, lange am Hof in Wien. Er erhielt erhebliche Summen aus der Schatulle Kaiser Karls VI. (des Vaters von Maria Theresia), lieferte im Gegenzug rund 40 Oratorien, zahlreiche Madrigale und Motetten, 80 Opern, 100 weltliche Kantaten, über 300 Kanons und zwei Bücher Triosonaten.

GEMA unterliegt letztinstanzlich im Rechtsstreit mit einer Werbeagentur

03.12.09 (Martin Hufner) -
Die GEMA hat im Rechtsstreit mit einer Werbeagentur eine herbe Niederlage erlitten. Die GEMA wollte Vergütungen für in Werbespot verwendete Musik erstreiten und bekam in zwei Instanzen zunächst Recht. Der Bundesgerichtshof, der den Rechtsstreit zur endgültigen Entscheidung zu bearbeiten hatte, entschied nun gegen die GEMA. Im Urteil, das seit heute vorliegt, aber schon am 10. Juni ergangen ist, heißt es: "Die Beklagte [GEMA] ist aufgrund der mit den Berechtigten geschlossenen Berechtigungsverträge nicht berechtigt, deren urheberrechtliche Nutzungsrechte hinsichtlich der Verwendung von Musikwerken zu Werbezwecken wahrzunehmen." (Quelle: BGH: PDF der Urteilsbegründung.)

Mozart-Geschwisterwerk: Anders Eliassons Concerto für Geige und Bratsche uraufgeführt

02.12.09 (Christoph Schlüren) -
Das unerhört Neue an der Musik des großen Schweden Anders Eliasson (geb. 1947) liegt nicht in der Klangsensation als solcher. Doch gibt es heute keinen anderen bekannten Tonschöpfer, der in solche Dimensionen harmonischer Transzendenz und Schwerelosigkeit, Beweglichkeit und energetischer Dichte und Verwegenheit vorgedrungen ist wie er (das Unbekannte wollen wir nicht ausschließen).

Haydn und ein Opernfragment: Gedenkkonzert für Giselher Klebe in Detmold

01.12.09 (Andreas Schwabe) -
„Ödön von Horwarths „Unbekannte“ nahm ihm die Feder aus der Hand“. Mit diesem Bild beschrieb der Intendant des Landestheaters Detmold Kay Metzger seine Erinnerung an Giselher Klebe (1925–2009). Zum Gedenken an den bedeutenden Komponisten und großen Humanisten lud die Hochschule für Musik Detmold, an der Klebe jahrzehntelang als Professor tätig war, zu einem würdigen Konzert.

Kurzweiliges Collage-Fragment: Benjamin Schweitzers „Dafne“ in Freiberg

01.12.09 (Alexander Keuk) -
Mut und Offenheit gegenüber zeitgenössischen Künsten bewies, wer am Mittwochabend die Premiere des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg besuchte. Denn mit Benjamin Schweitzers „Dafne“ stand ein zeitgenössisches Musikwerk auf dem Programm, dessen Realisierung und fragmentarische Spezifik jenseits aller bekannten Genres dem Zuhörer einiges abverlangte. Die Götterversammlung fand nicht in den heiligen Theaterhallen statt, sondern sehr profan und zeitgemäß im Karl-Kegel-Bau der TU Bergakademie Freiberg.
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