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Alle Artikel kategorisiert unter »Lothar Zagrosek«

Machtmissbrauch und bunter Kinderbilderbogen – Kölner Erstaufführung von Walter Braunfels’ „Jeanne d'Arc“

16.02.16 (Peter P. Pachl) -
In der Messehalle Staatenhaus, wo sich die Oper derzeit interimistisch eingerichtet hat, erfolgte die späte Kölner Erstaufführung jenes Komponisten, der hier kurz vor der Machtergreifung der Nazis und im Nachkriegsdeutschland die Hochschule für Musik geleitet hat. Der von Hitler geschätzte, für eine NS-Hymne vorgesehene jüdische Walter Braunfels (1882-1954) überlebte bei Überlingen am Bodensee den Terror in der inneren Emigration. Hier komponierte er seine letzte Oper „Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna“. Ohne Aussicht darauf, sie irgendwann noch hören oder auf der Bühne erleben zu können, versuchte der Komponist mit seinem mystisch-katholischen Bekenntniswerk Wagners „Parsifal“ zu überbieten.

Das war ein Stück Arbeit vom Feinsten –Holland Festival eröffnet mit Alban Bergs „Lulu“

04.06.15 (Frieder Reininghaus) -
Zu den großen Werken des Musiktheaters im 20. Jahrhundert, die unvollendet blieben, gehört „Lulu“. Alban Berg arbeitete an seiner zweiten Oper von 1928 an; er starb 1935 während der Skizzen zum dritten Akt. Der Torso wurde im Jahr nach Bergs Tod in Zürich uraufgeführt – im austrofaschistischen Wien war nicht daran zu denken. Friedrich Cerha komplettierte und instrumentierte den 3. Akt, der sich nicht nur geographisch aus Wien nach Paris und London bewegt, sondern bis zu einem gewissen Grad auch stilistisch neue Bahnen einschlägt (die 3aktige Fassung wurde 1979 im Pariser Palais Garnier aus der Taufe gehoben).

Facetten der Sehnsucht – Notizen zum Lübecker Brahms-Festival im Mai 2014

Das Motto beim Brahms Festival an der Musikhochschule Lübeck (MHL) 2014 war ein zentrales Sujet der Romantik: Sehnsucht als seelische condition humaine in der Spannweite musikalischer Kommunikation. Jedoch war das Programm nicht nur auf den Namenspatron oder diese Epoche bezogen, sondern erstreckte sich über die Historie hinaus bis zu zeitgenössischen Kompositionen.

Personalia 2012/11

31.10.12 ((nmz-red)) -
Lothar Zagrosek zum siebzigsten Geburtstag +++ Biennale-Doppelspitze ab 2016: Daniel Ott und Manos Tsangaris +++ Zum Tod des Pianisten und Hochschullehrers Günther Herzfeld +++ Patrick Hahn wird Reinhard-Schulz-Preisträger für Musikpublizistik

Lautlose Knallkörper in musikalisch klirrender Kälte: Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ an der Deutschen Oper Berlin

16.09.12 (Peter P. Pachl) -
Mit einem der radikalsten Werke der Operngeschichte, „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, eröffnete Dietmar Schwarz, der neue Intendant der Deutschen Oper Berlin, programmatisch seine erste Spielzeit. Lothar Zagrosek, der 1997 bereits die Uraufführung dieser herausragenden Partitur des ausgehenden 20. Jahrhunderts in Hamburg geleitet und das Werk dann auch in Stuttgart einstudiert hatte, versetzte das von Instrumentalisten und Vokalisten umringte Publikum bereits mit den ersten tonlosen Streichern und klirrenden Luftgeräuschen in atemlose Spannung, die sich nach knapp zwei Stunden, angefüllt mit ungewöhnlichen Klangspektren, in Ovationen für den anwesenden Komponisten entlud.

20 Jahre Dirigentenforum

Das Dirigentenforum ist das Förderprogramm des Deutschen Musikrates für den dirigentischen Nachwuchs. Ziel der Förderung ist die Vorbereitung überdurchschnittlich begabter Nachwuchsdirigent(inn)en auf die spätere Übernahme verantwortungsvoller Positionen im deutschen und im internationalen Musikleben. Die Stipendiat(inn)en erwarten umfangreiche Probenmöglichkeiten und Aufführungen mit professionellen Orchestern und Chören. Namhafte Dirigentenpersönlichkeiten wirken dabei als ihre Mentoren.

Konzerthaus live - J.M. Kraus: Aeneas in Carthago

Joseph Martin Kraus, Komponist und Hofkapellmeister am schwedischen Königshaus, schrieb seine Oper »Aeneas in Carthago« zum Geburtstag des Königs Gustav III. 1791. Die Ermordung des Königs kurz darauf verhinderte die Aufführung zu Lebzeiten des Komponisten, so dass das Werk zu Unrecht in Vergessenheit geriet und erst 2006 in seiner Originalgestalt unter Lothar Zagrosek in Stuttgart zur Premiere kam.

Falte um Falte, in Beziehungen gesetzt

02.11.10 (Albrecht Dümling) -
Mit seinem bislang anspruchsvollsten Programm umkreiste das diesjährige Musikfest Berlin das Schaffen eines einzigen Komponisten: Pierre Boulez. Direkt von Luzern, wo er anlässlich seines 85. Geburtstags ausgiebig gefeiert worden war, kam der immer noch vitale Künstler nach Berlin. Hier war er seit den Festwochen von 1957, bei denen er sein Durchbruchswerk „Le Marteau sans maître“ präsentierte, regelmäßig zu Gast gewesen, als Komponist wie als Dirigent der Philharmoniker und der Staatskapelle. Obwohl Daniel Barenboim hier schon mehrfach kleine Boulez-Festivals durchführte, hat es in der deutschen Hauptstadt noch nie – wie jetzt – 17 Boulez-Aufführungen innerhalb weniger Tage gegeben.

Aufarbeitung einer traumatischen Beziehung: Kreneks „Orpheus und Eurydike“ im Konzerthaus Berlin

08.02.10 (Albrecht Dümling) -
Schönbergs „Erwartung“, Bergs „Lyrische Suite“, Zemlinskys „Zwerg“ – diese Werke sind autobiographische Dokumente ihrer Schöpfer. Ernst Kreneks Oper „Orpheus und Eurydike“ ist ebenfalls ein Schlüsselwerk, nicht aber für den Komponisten, sondern für den Textautor Oskar Kokoschka, der hier seine leidenschaftliche Affäre mit Alma Mahler verarbeitete. Diese war nach dem Tod Gustav Mahlers, der ihr Enthaltsamkeit auferlegte, zur männerverschlingenden Furie geworden.

Konzerthaus live - "Orpheus und Eurydike" von Ernst Krenek

 Von wegen müder Mythos: Ernst Kreneks »Orpheus und Eurydike« klingt neu und unerwartet – auch auf textlicher Ebene. Der Maler (und in diesem Fall Librettist) Oskar Kokoschka verschränkte die alte Geschichte mit seiner eigenen Liebesqual, das Resultat seiner desaströsen Liaison mit Alma Mahler. Reinste Psychoanalyse, der auch die konzertante Aufführung unter der Regie von Karsten Wiegand folgt.

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