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„Die Klassik-Hörer sterben aus“ – oder ziehen sich nur etwas anderes an?

13.05.21 (Antje Rößler) -
Vor Ausbruch der Pandemie entwickelte der Geiger und Musikmanager Wolfram Korr Unterhaltungsprogramme für Kreuzfahrten. Seine Marketing-Kenntnisse bringt er nun als Geschäftsführer der Brandenburgischen Sommerkonzerte ein. Bei Veranstaltungen in Kirchen, Herrenhäusern oder Industriedenkmälern möchte Korr das Publikum nicht belehren und bilden, sondern einfach nur glücklich machen. Ob das gelingt? Für die nmz sprach Antje Rößler mit Wolfram Korr.

Super Paradise aus Radebeul: „Inselzauber“ mit Offenbach und Bernstein im Stream

10.05.21 (Roland H. Dippel) -
Beeilen Sie sich! Vorerst ist der Stream nur bis zum 10. Mai abends verfügbar. Zu Beginn des zweiten Lockdowns schaffte es die nmz nicht mehr in eine physische Vorstellung der Landesbühnen Sachsen im November 2020. Aber auch digital ist der Abend aus dem Theater Radebeul mit Jacques Offenbachs „Die Insel Tulipatan“ und Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“ ein ästhetisch-theatrales Turbovergnügen.

Verlustgefühle begrenzen: Die sanierte Musikalische Komödie Leipzig mit „Gräfin Mariza“

10.05.21 (Roland H. Dippel) -
Dreimal verschoben und jetzt vorerst digital: Im Herbst 2020, dann am 7. und 24. April sollte die Musikalische Komödie Leipzig endlich wieder ihr Stammhaus Dreilinden im Kulturquartier Leipziger Westen bespielen. Die umfassende Sanierung ist abgeschlossen. Erst am 8. Mai war Stream-Premiere von Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“, aber die Eröffnungsinszenierung wurde schon vor dem Lockdown geplant.

Schwacher Trost frei nach Beethoven –„remIXed“ aus dem Theater Plauen-Zwickau

10.05.21 (Roland H. Dippel) -
Kurz nach Bekanntgabe der Meldung, dass die kreisfreie Stadt Plauen weiterhin im Kulturraum Vogtland-Zwickau bleiben wird, ging das Theater Plauen Zwickau mit „remIXed – Variationen über Beethovens IX. Sinfonie für Jazzband, Ballett und Kammerorchester“ online. Die Ausführung des fragmentierten und fragwürdig gefüllten Torso mit der einer Schauspielerin übertragenen „Ode an die Freude“ vermag nur ansatzweise zu überzeugen.

Beim Häuten der Zwiebel - Bildschirm statt Bühne: Die Semperoper produziert „Capriccio“ von Richard Strauss

10.05.21 (Michael Ernst) -
„Schreiben wir es eben für uns, zu unserem eigenen Vergnügen!“ Richard Strauss hat seine letzte Oper wohl durchaus als Abschied von einem Genre begriffen, das in der Entstehungszeit kaum noch Relevanz besaß. Zur Münchner Uraufführung im Jahre 1942 dürfte „Capriccio“ mehr als weltfremd gewirkt haben. Vielleicht war es ja eine ganz bewusste Flucht aus der Welt, die damals von Deutschland aus bekriegt worden ist?

Imagefilm und erste Anmeldungen – neu gegründeter Verband PRO MUSIK erzeugt Resonanz

07.05.21 (Juan Martin Koch) -
Mit der Präsentation seines Image-Filmes und einer Frage-Antwort-Runde ist PRO MUSIK, der neu gegründete Verband freier Musikschaffender, im Rahmen einer Online-Veranstaltung in seine öffentlich aktive Phase eingetreten. Dabei informierte der Verband über seine künftige Ausrichtung und die bereits erreichte Mitgliederzahl.

Im Treibsand der Verzweiflung – „Dido and Aeneas“ im Grand Théâtre de Genève

04.05.21 (Joachim Lange) -
Wer Barockmusik mag, der wird Georg Friedrich Händel oder auch Jean Philippe Rameau für Musik- und Unterhaltungsgenies halten. Die beiden brauchen nur wenig professionelle Nachhilfe, um auch fürs heutige Musiktheater die Steilvorlage für den einen oder anderen Opernthriller zu liefern. Sei er nun politisch oder psychologisch aufgeladen. Oder ein Mix aus beidem. Für Henry Purcell (1659-1695) und seine Oper „Dido and Aeneas“ (1689) spricht da eher das Kontemplative.

Che bordello! Lorenzo Fioronis tolldreistes Rameau-Movie aus Mannheim

02.05.21 (Roland H. Dippel) -
Nicht versäumen! Nach Monteverdis „Poppea“ hat Lorenzo Fioroni mit seinem spielsatten Ensemble an drei Drehtagen zugeschlagen. Auf der offenen Bühne des Nationaltheaters Mannheim klatschen Mücken-Grisetten gegen die Windschutzscheibe einer echten Prinzenkarosse.

Vergebliche Liebesmüh – Stream-Uraufführung der Oper „Schuberts Reise nach Atzenbrugg“ im Münchner Gärtnerplatztheater

02.05.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Im Frühjahr 2020 war das Werk zur Uraufführung fertig -und fiel dem Lockdown zum Opfer. Seither wurde geplant und wieder geschoben, bis sich das Staatstheater jetzt zu einer Präsentation unter Pandemie-Bedingungen entschloss: alles Bühnenpersonal dauergetestet und daher Spiel mit Körperkontakt möglich; Umarbeitung auf kleinere Orchesterbesetzung – und: getestete Pressevertreter durften mit Maske in den Zuschauerraum, für pausenlose zwei Stunden Premiere. Unser Kritiker blieb wie alle anderen Zuschauer beim Stream-Erlebnis.

Mythen, Metaphysik und Metaformen – Frank Corcoran zum 77. Geburtstag

Humus in Irland, der zur Entwicklung kultureller Identität vorhanden war und ist, unterscheidet sich eklatant durch die geographisch äußerst westliche Insel-Lage vom restlichen Europa. Wegen dieser relativen Isolation verkümmerte unter der Decke britisch-royaler Okkupation ab 1600 das Erbe der Kelten und Wikinger, Widerstand schwelte bestenfalls schwach. Erst 1921 nach einem Bürgerkrieg durch die Gründung der Republik Irland (Eire) und endgültig 1949 mit der Loslösung vom Commonwealth löste sich diese Erstarrung. Postkoloniale Traumata und Ressentiments blieben trotzdem, die Besinnung auf indigene Ressourcen der Kultur, insbesondere die Akzeptanz der keltischen Sprache Gälisch, ist bis zur Gegenwart ein prekärer Faktor.

Unübersehbar #50 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 30.4. bis zum 6.5.2021

29.04.21 (Dirk Wieschollek) -
Kaum haben wir diese Rubrik begonnen, da ist auch schon ein Jahr vorbei und wir sind bei der magischen #50 gelandet. Grund genug, mit großem Dank an unsere Autor*innen ein wenig zurückzublicken auf diese Monate, in denen wir noch mehr als sonst an unseren Endgeräten hingen, nach kulturellem Mehrwert lechzend oder einfach nur nach Ablenkung und guter Unterhaltung. Aber keine Sorge: Wir bleiben – wenn auch in modifizierter Form – unübersehbar dran! [jmk]

Viel Musik um Nichts – Wolf-Ferraris „Il Segreto di Susanna“ in München

27.04.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Gut zehn Jahre nach der Uraufführung am 4. Dezember 1909 im damaligen Noch-Hof-, dem heutigen Nationaltheater war es letztlich inhaltlich, weil gesellschaftlich vorbei: der neue Frauen-Typ des „Flappers“ durchtanzte die „Roaring Twenties“ – und rauchte natürlich, privat wie öffentlich. Dennoch war das fast in eine Ehekatastrophe mündende „Geheimnis“, das heimliche Rauchen Susannas, erfolgreiche Opernnostalgie noch bis in die 1970er Jahre.

Jubiläum mit Neustart – Die jazzahead! 2021 im Zeichen der Pandemie

26.04.21 (Ralf Dombrowski) -
Ein Jahr der Wechselbäder ist vergangen. Die jazzahead! als eines der weltweit wichtigsten Branchenevents für Jazz und mehr musste 2020 im Angesicht der Pandemie ebenso ihre Pforten geschlossen halten, wie viele andere Großveranstaltungen. Der Frust über die Zwangsabwicklung eines vorangegangenen Arbeitsjahres wandelte sich erst in den Trotz des „Jetzt-erst-recht!“, dann aber bald in die Kreativität des „Geht-auch-noch-besser”, und das im 15.Jubiläumsjahr.

„Dido and Aeneas Remembered“ von David Marton als Opernfilm reinszeniert

25.04.21 (Joachim Lange) -
Ob das Schrumpfen gemeinsamer Erlebnisse von Kunstproduktion und Aneignung auf das Standard- respektive Bildschirmmaß der individuellen Aneignung von Informationen, Dauerschäden auf allen Seiten hinterlassen wird, gehört zu den spannenden Fragen fürs postpandemische Zeitalter, fragt sich unser Kritiker Joachim Lange.

Theos Kurz-Schluss: Wie ich einmal wirklich nicht mehr wusste, ob in Wirklichkeit die Wirklichkeit wirklich ist

25.04.21 (Theo Geißler) -
Meine Krise ist hoffentlich nicht offensichtlich. Albträume tags und nachts. Hochrealistisch, wirr. Was ist echt, was Spinnerei? Gibt es mich wirklich oder bin ich doch nur ein billig programmiertes Sequenzlein aus Bits und Bytes in einer Matrix, vielleicht gar der jener gleichnamigen Filmtrilogie, die mich ähnlich wie in dem Hollywood-Schinken „Und täglich grüßt das Murmeltier“ überzeugend aufbereitet immer wieder abspielt? Mit einem Unterschied: Es gibt in meiner Kopie keine „Kollegin Rita“ – und somit kein Entkommen. Und meine Kräfte sind alles andere als übernatürlich. [Vorabdruck aus Politik & Kultur 2021/05]

Berührungsverbote - Brittens „The Turn of the Screw“ in Hannover

24.04.21 (Roland H. Dippel) -
Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ ist mehr als viktorianischer Psychothriller und packende Kammeroper. Jetzt hatte an der Oper Hannover eine aufregende Gesamtleistung aus Glätte, Wahnsinn und subtiler Dramatik ihre digitale Premiere. Im Zentrum der von Stephan Zilias dirigierten und Immo Karaman inszenierten Neuproduktion steht Sarah Brady als von unstatthaftem Begehren überwältigte Gouvernante.

Von Männern und Frauen – Peter Konwitschny hat im Theater an der Wien Jules Massenets Oper „Thaïs“ inszeniert

24.04.21 (Joachim Lange) -
Im Moment verteidigt Wien seinen Ruf als eine kulturelle Hochburg der Musik und der Oper im Internet ziemlich überzeugend. Die Staatsoper präsentierte gerade die Premiere eines außergewöhnlichen „Parsifal“, den Kirill Serebrennikow aus bekannten Gründen nur von Moskau aus inszenieren durfte. Davor hatte das Theater an der Wien den deutschen Regie-Altmeister Peter Konwitschny zu einem Ausflug ins französische Fach eingeladen. Dort hob sich der Vorhang (vorm leeren Saal) für Jules Massenets Oper „Thaïs“.

Radikal digital: Oper als „Labor für digitale Kunst“ im Festspielhaus Baden-Baden

23.04.21 (Georg Rudiger) -
„Die Welt zerfällt, die Mitte hält nicht mehr; und losgelassen nackte Anarchie, und losgelassen blutgetrübte Flut, das Spiel der Unschuld überall ertränket“, heißt es im englischen Gedicht „The Second Coming (Die Wiederkunft)“ des irischen Dichters William Butler Yeats aus dem Jahr 1919. Die düstere Vision, aufgeschrieben mitten in der Spanischen Grippe kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, ist die literarische Grundlage der „Diggin‘ Opera II. Things fall apart“, die unter der Mitwirkung von über 30 Schülerinnen und Schülern aus Offenburg und Limerick (Irland) am Sonntagabend um 18 Uhr auf der Website des Festspielhauses Baden-Baden ihre digitale Uraufführung feiert.

Unübersehbar #49 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 23.4. bis zum 29.4.2021

23.04.21 (Dirk Wieschollek) -
Wie lange muss man an einer Schraube drehen, bis sie bei allen locker ist? Was macht man, wenn man zwei Engel in seinem Garten findet? Und was hat das Konzerthausorchester eigentlich auf Twitch verloren? Vielleicht hat der Herr Lehrer eine unübersehbare Antwort… [jmk]

Mahnmal für Verdis Totenmesse im NS-Zwangslager und Ghetto Theresienstadt

22.04.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Ausnahmsweise muss einem Buch die musikdramatische Wucht von Giuseppe Verdis „Messa da requiem“ zugestanden werden - voran den Donnerschlägen der Pauken des „Dies irae“ – und dann Stille des Entsetzens! Das verdient und beinhaltet Josef Bors „Theresienstädter Requiem“ – und daher auch die Vorstellung neben aller Musik an dieser Stelle.

Leuchtende Vergangenheit: 150 Jahre Theater Altenburg

21.04.21 (Roland H. Dippel) -
Zwangsläufig fand das Jubiläum des am 16. April 1871 mit Webers „Freischütz“ unter Herzog Ernst i. von Sachsen-Altenburg eröffneten Theaters Altenburg in Funk, Fernsehen und Mediathek statt. Das schöne Haus wird derzeit saniert. Theater und Philharmonie Altenburg Gera könnte unter normalen Bedingungen bis zur Wiedereröffnung 2022 ein komfortables Theaterzelt am Großen Teich bespielen.

Aus einem Gralsgefängnis – An der Wiener Staatsoper hat Kirill Serebrennikov von Moskau aus Wagners „Parsifal“ inszeniert

20.04.21 (Joachim Lange) -
Endlich! Die Wiener Staatsoper hat vorgemacht wie es geht! Das Haus am Ring und sein neuer Intendant Bogdan Roščić haben die Produktionsbedingungen der Pandemie angepasst und nicht das Resultat den Bedingungen. Es sah aus wie Oper (ohne Abstandsregeln) aussehen muss. Man ist auch nicht auf eine Kammeroper oder ein chorloses Solistenstück ausgewichen, sondern hat mit Wagners „Parsifal“ gleich den Blockbuster schlechthin gestemmt. Damit haben sie obendrein ein politisches Husarenstück vollbracht.

Was kann sie dafür? – Heidelberg zeigt seine neue zweiaktige „Lulu“ als digitales Preview

18.04.21 (Joachim Lange) -
Ein Preview, kein Surrogat. Alban Bergs „Lulu“ in der Ergänzung und Fassung von Eberhard Kloke für Kammerorchester und Soli feierte am Theater Heidelberg einmalige Premiere. Unser Kritiker Joachim Lange saß vor dem Bildschirm. Bühnenpraktisch gedacht und gemacht; er findet faszinierend, mit welcher vokalen Leichtigkeit und welchem rückhaltlosen körperlichen Einsatz Jenifer Lary die Wandlungen ihrer Lulu in Szene setzt.

Dessau: „Orphée“ von Philip Glass oder Von der Macht echten Theaters

18.04.21 (Roland H. Dippel) -
Immerhin: Eine Woche lang gibt/gab es vom 12. bis zum 18. April im Anhaltischen Theater parallel zur Diskussion über den bundesweit verschärften Lockdown physischen Spielbetrieb vor echtem Publikum. Auf Grundlage des Erlasses der Staatskanzlei und des Ministeriums der Kultur des Landes Sachsen-Anhalt vom 24. März 2021 war es auch der Stadt Dessau-Roßlau gestattet, das Theater als Modellprojekt zu öffnen.

Unübersehbar #48 – nmz-Streaming-Empfehlungen vom 16.4. bis zum 22.4.2021

15.04.21 (Dirk Wieschollek) -
Unsere Kandidaten stehen schon fest: Mythisches von Jean Sibelius, Loriots Kurz-„Ring“, die Fortsetzung der Hellerauer „Tonlagen“, Bergs „Lulu“ in einer besonderen Fassung und ein „Brückenrockdown“ von Bernd Begemann. Wählen Sie – die Richtlinienkompetenz liegt unübersehbar bei Ihnen! [jmk]
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