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Klänge aus der Zukunft – Abschluss des experimentellen Schulprojekts KLANGRADAR Berlin

06.02.18 (Till Dahlmüller) -
Ein tanzender Dirigent, ein lebendiger Anrufbeantworter und konzentrierte Klang-Laboranten – das Abschlusskonzert des experimentellen Schulprojekts KLANGRADAR Berlin ist vielseitig, stimmig und witzig.

Großer Opernabend von enormer emotionaler Dichte – Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Viele Jahre lang war das Essener Aalto-Theater im Ruhrgebiet quasi die „erste Adresse“ in Sachen Oper. Doch seit zwei, drei Spielzeiten verlagert sich offenbar diese Spitzenposition. Mehr und mehr entwickelt sich das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen mit seinen Inszenierungen zum führenden Opernhaus der Metropolregion. Was sich wieder einmal bestätigt angesichts der jüngsten Premiere von Francis Poulencs „Dialogues des Carmélites“.

Chemnitz traut sich: Wagner aus weiblicher Sicht

05.02.18 (Michael Ernst) -
„Das Rheingold“ mit Kapitalismuskritik und Walhall hinter der Mauer – Verena Stoiber wagt mutige Ansätze. Ein wirklicher „Ring“ kann daraus nicht werden. Die neue Chemnitzer Wagner-Tetralogie wird sich aus vier Einzelwerken formen. Dennoch steht ein Gesamtkonzept dahinter: Jeder Nibelungen-Abend wird von einer Regisseurin inszeniert. Um Wagner aus weiblicher Sicht zu zeigen? Um zu sehen, was den vier unterschiedlichen Sichten am Ende an Gemeinsamkeiten und Unterschieden innewohnt?

Von Seltenheitswert: Der Akkordeonist Stefan Hussong im Avantgarderausch

05.02.18 (Wolf Loeckle) -
Akkordeonisten aller Länder, vereinigt euch, in und zwischen den Schluchten von Manhattan, Madrid, Moskau, schluchzt euch das d-Moll rein der chromatischen Bach-Fantasie und lasst die zugehörige Fuge verebben zwischen Stickoxiden und Nebelschwaden. Setzt den Fandango drauf und dann den Tango, macht daraus den Fantango und therapiert euch samt uns allen den Weltschmerz weg mit eueren Sehnsuchtsorgien aller Straßenmusiker aller Völker. So könnte ein Akkordeonkonzert annonciert sein.

Von Weltrettern und einem fatalen Marsch – Das Stuttgarter Festival Eclat 2018

04.02.18 (Andreas Kolb) -
Prima la musica, poi le parole, das Verhältnis von Musik zu Wort und umgekehrt ist beim Stuttgarter Festival Eclat schon immer auf besondere Weise ausgelotet worden. Auch der Jahrgang 2018 ist wieder ein Gradmesser dafür, was Komponisten heute umtreibt, und das sind neben den Möglichkeiten, die ihnen das Klavier des 21. Jahrhunderts bietet, also die Musik aus und mit dem Laptop, vielfach Themen aus dem menschlichen Alltag.

Deprimierende Divendämmerung – In Augsburg missglückt Rufus Wainwrights „Prima Donna“

04.02.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Grande Opéra und Primadonna und Scheitern und Comeback – alles herrlich dramatische Vorgaben für ein Werk, das „Oper über Oper in einer Oper“ bietet. In der Papierform las sich also das Augsburger Projekt reizvoll. Doch die Bühnenrealität enttäuschte.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05.02. bis 11.02.2018

04.02.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 6. Schwerpunkte: Nikolaus Brass, Sebastian Elikowski-Winkler, Ensemble Nikel, fie Musik des Ernő Király, Siegfried Fink, Harald Muenz +++ Ultraschall Berlin, Donaueschinger Musiktage, Week-End Fest 2017, Forum neuer Musik 2006 +++ Zeitgenössische Musik im Kunstkontext, Neue Musik aus Israel, Electronica zwischen Krachapparatur, Theremin, Mixturtrautonium und Micromodularsynthesizer, Klangspuren zur Weiberfastnacht, Walküre 4.0, Lach mal mit Hindemith, Klang der Wolga und eine Radiologische Lesung 5

Potential zum Dauerbrenner: Lunds & Zaufkes Musical „Grimm!“ in Erfurt

02.02.18 (Roland H. Dippel) -
Dieses wunderbare Opus entstand für das Kinder- und Jugendtheater Next Liberty in Graz und erhielt nach der Uraufführung (2014) den Deutschen Musical-Theater-Preis in der Kategorie Bestes Buch. Von der CD-Einspielung der Neuköllner Oper mit dem Musicalstudiengang der Universität der Künste Berlin brennt man schon wieder eine neue Auflage. In Erfurt kommt „Grimm!“ nach Inszenierungen in Wien und Schwedt erstmals auf eine ganz große Opernbühne. Auch da ist der Eindruck glänzend, bezwingend, beglückend. Wenn es eine Gerechtigkeit in der Theaterwelt gibt, wird diese Produktion zum Dauerbrenner.

Die Durchökonomisierung des Privaten – Kurt Weills Musical „Love Life“am Theater Freiburg

02.02.18 (Andreas Hauff) -
Kurt Weills wiedergewonnene Popularität als Songkomponist steht in einem erstaunlichen Missverhältnis zur Unkenntnis seines Musiktheaterschaffens. Während das Kurt-Weill-Fest in Dessau sich an eine Wiederauflage der unverwüstlichen „Dreigroschenoper“ macht, hat die offizielle deutsche Erstaufführung von Weills Musical „Love Live“ am Theater Freiburg schon im Dezember stattgefunden – knapp 70 Jahre nach seiner Uraufführung am Broadway –, wurde aber überregional kaum gewürdigt. Dabei sind „Dreigroschenoper“ und „Love Life“ näher beieinander, als 20 Jahre Abstand und die erzwungene Emigration naheliegen.

Magdeburg feiert Gottfried von Einems 100. Geburtstag mit „Dantons Tod“

01.02.18 (Roland H. Dippel) -
Für die Salzburger Festspiele musste nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Werk die notwendige Wende und Rehabilitierung aus den Verstrickungen im Nationalsozialismus bringen: Das gelang mit der Oper „Dantons Tod“, die der damals unbekannte Gottfried von Einem (1918-1996) schon im untergehenden „Dritten Reich“ begonnen hatte und die im August 1947 zum Sensationserfolg wurde. Die Oper Magdeburg stellt das Werk zur Diskussion. Das Blutbad gerät musikalisch brillant und szenisch kühl. Trotzdem bestätigt dieser Kraftakt die hohe Qualität des Theaters.

Wirbelnde Leichenteile – Uraufführung von „Frankenstein“ an der Deutschen Oper Berlin

31.01.18 (Peter P. Pachl) -
Ihre jüngst bei „Carmen“ auf wenig Zuspruch gestoßene Beschäftigung mit „Ersatz-Körperersatzteilen“ setzt die Deutsche Oper Berlin mit der Uraufführung ihrer Auftragsproduktion „Frankenstein“ fort. Der komischen, aber nicht hintergrundlos eingespielten Warnung des Intendanten Dietmar Schwarz, die nachfolgende Produktion könne manche Besucher zu sehr belasten, folgten in der Tat rasch nach Beginn der Aufführung und auch später noch einige Besucher_innen.

Die Seele auf dem Ton – Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am Theater Bremen

31.01.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Seit dreißig Jahren gab es in Bremen Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ (1835) nicht mehr. Dabei ist das „Dramma tragico“ die berühmteste „Bel Canto“-Oper überhaupt, gehört also irgendwo in jeden ambitionierten Spielplan. Das geht aber nur, wenn man die drei Hauptrollen wirklich besetzen kann, wie es jetzt in Bremen fabelhaft gelungen ist. Mit Nerita Pokvytyté als Lucia, Birger Radde als Enrico und Hyojong Kim als Edgardo singen im Bremer Ensemble herausragende Bel Canto-Stimmen. Bel Canto: die italienische Gesangstechnik, die heute wieder das A und O aller Gesangkunst ist, verlangt, dass die Seele auf dem Ton liegt.

Ein „Maskenball“ in künstlicher Atmosphäre – Kiel erlaubt sich mit Verdi einen Blick in die Zukunft

30.01.18 (Arndt Voß) -
Eigentlich liebt das Publikum Verdis „Maskenball“, das Drama um Freundschaft und Liebe, um Missverstehen und Mord, um Verzweiflung und Vergeben. Dennoch regte die jüngste Inszenierung im Kieler Opernhaus (27. Januar 2018) auf. Heftige, ja böse klingende Buhs waren zu hören und rangen in der Lautstärke mit begeisterter Zustimmung. Umstritten war wie so oft nur die Regie, die das Geschehen in einem künstlichen Raum ansiedelt. Beim Musikalischen war man sich einig, nuancierte das Lob für die einzelnen Gesangsleistungen sogar achtbar.

„Doktor Schiwago“ mit Bonustrack an der Musikalischen Komödie Leipzig

29.01.18 (Roland H. Dippel) -
Fast alle Plätze in der Vorstellungsserie dieser Spielzeit sind ausverkauft: Mit dem Musicalstar Jan Ammann in der Titelpartie sowie dem Versprechen von Opulenz und schmerzlich schönen Wonneschauern lockt die Musikalische Komödie Leipzig zur deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals „Doktor Schiwago“. Gefühl ist zwar sehr vieles, aber nicht alles: Die Musik von Lucy Simon erreicht leider nicht ganz die Höhe des gut gebauten Textbuchs von Michael Weller. Stilles Seufzen, lauter Applaus.

Charles Gounods Grande Opéra „Le Tribut de Zamora“ konzertant in München

29.01.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Vive la France“ ertönt bei vielen Gelegenheiten in Frankreich – weniger auf den landeseigenen Konzert-Podien und Bühnen. So verweist Alexandre Dratwicki, der wissenschaftliche Leiter des Palazetto Bru Zane, auf ganze Karteikartenreihen im Archiv der Bibliothèque National: mit kaum je gespielten Werken französischer Komponisten. Daher die Begeisterung für die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, was zur Aufführung der seit rund 100 Jahren schlummernden letzten Oper Gounods im Münchner Prinzregententheater führte.

Michael Hazanavicius’ „The Artist“ mit der live gespielten Originalmusik im Konzerthaus Berlin

29.01.18 (Peter P. Pachl) -
Obgleich noch tausende von Stummfilmen der Wiederentdeckung und der Wiederaufführung mit vollem Orchester harren, so dass der Europäischen Filmphilharmonie auch in den nächsten Jahrzehnten der Stoff nicht ausgehen dürfte, erfolgt die Bereicherung für dieses spezifische Genre obendrein auch noch aus der historischen Gegenrichtung.

Die politisch-moralische Brisanz des Privaten: Uraufführung von Ella Milch-Sheriffs Oper „Die Banalität der Liebe“ in Regensburg

28.01.18 (Juan Martin Koch) -
Am Holocaust-Gedenktag wurde am Theater Regensburg Ella Milch-Sheriffs Oper „Die Banalität der Liebe“ uraufgeführt. Im Mittelpunkt des auf ihrem gleichnamigen Theaterstück basierenden Librettos von Savyon Liebrecht steht die Beziehung Hannah Arendts zu Martin Heidegger. Juan Martin Koch berichtet.

Des Pudels Kern: „Die Hochzeit des Figaro“ am DNT Weimar

28.01.18 (Roland H. Dippel) -
Michael Tolke wurde während der Vorbereitungs- und Probenzeit zu dieser Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar von der Realität überrollt: In „Die Hochzeit des Figaro“ geht es bekanntermaßen um das Recht der ersten Nacht, das Graf Almaviva auf seinem Landsitz wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution aufgibt. Dann macht er aber bei der wirtschaftlich von ihm abhängigen Zofe Susanna massiven Druck, um ans Ziel seiner erotischen Begierden zu gelangen. Bei Mozart kommt dieser Fall nicht vor die Justiz, die Graf Almaviva schuftig instrumentalisiert. Die Figuren in der Oper nach Beaumarchais wehren sich und drehen den Spieß um. Mozart ist also nach wie vor brisant und in Weimar überdies ein trendiger Spaß mit Tiefgang.

Von Klang und Lärm – und Stille. Münchens Gärtnerplatztheater feiert Konstantin Weckers Geburtstag nach

28.01.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„70 – und kein bisschen leise“ darf der Musikfreund ihm erfreut bestätigen. Wo immer über die dominierende Polit-Phraseologie hinaus starke Worte und mehr noch: in Herz und Hirn zündende Töne notwendig sind, um Missstände offenzulegen und anzuprangern – da ist Konstantin Wecker dabei, reist meist auf eigene Kosten an, tritt auf und macht Mut. Zu seinem 70. Geburtstag war das Gärtnerplatztheater noch nicht wiedereröffnet. Jetzt wurde mit einer musikalisch-literarischen Uraufführung nachgefeiert.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 29.01. bis 04.02.2018

28.01.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 5. Schwerpunkte: Gordon Kampe, Michael Reudenbach, Christina Kubisch, Ernst Helmuth Flammer, Nikolaus Heyduck, Alec Empire, Simon Höfele, Alfred Zimmerlin, Johannes S. Sistermanns, Amira Medunjanin, György Kurtág +++ Ultraschall Berlin, Kammermusikfest Lockenhaus, Donaueschinger Musiktage, Festival „Alpentöne“ +++ Walzer in der Neuen Musik, Gitarre in der Avantgardemusik, Kreolischer Karneval.

Hinter Gittern – Luigi Dallapiccolas „Il Prigioniero“ und Wolfgang Rihms „Das Gehege“ in Brüssel

26.01.18 (Joachim Lange) -
Wenn Andrea Breth inszeniert, dann bekommen die Werke, die sie sich vornimmt, immer etwas Grundsätzliches, Gültiges. Sie schafft es allemal zum Kern der Sache vorzudringen. So wie jetzt mit ihrem jüngsten Doppelabend in der Brüsseler La Monnaie Oper mit Luigi Dallapiccolas „Il Prigioniero“ und Wolfgangs Rihms „Das Gehege“.

Wartesaal zum Erfolg: Argentos „Postcard from Morocco“ an der HMT Leipzig

26.01.18 (Roland H. Dippel) -
Konsequent gelangen in den Studioproduktionen der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Opern zur Aufführung, die an die sängerdarstellerische Sensibilität sehr individuelle Anforderungen stellen. Beim Besuch der Generalprobe zeigte sich: Dominick Argentos „Postcard from Morocco“ wird durch musikalische Vereinfachung und neue Handlung zum beckettnahen Kammerspiel, in dem das starke Ensemble eigene Berufsrealitäten stilisiert.

Liebe in Zeiten des Organhandels – „Carmen“ an der Deutschen Oper Berlin

25.01.18 (Peter P. Pachl) -
Sieben Jahre ist es her, seit Sebastian Baumgarten in Berlin an der Komischen Oper „Carmen“ mit ungewöhnlichen, teils aktualisierenden, teils symbolischen Bildern gefüllt hatte, und vergangenen Sommer flatterte den TV-Haushalten eine Digest-Version von Bizets 1875 uraufgeführter Oper von der Bregenzer Seebühne ins Haus.

Was ist schon normal – oder die Methode Wahnsinn: Manfred Trojahns „Enrico“ in Frankfurt

24.01.18 (Joachim Lange) -
Wer würde sich heutzutage nicht wünschen, dass der eine oder andere aktuelle Herrscher den Wahnsinn nur spielt, den die anderen bei ihm wahrnehmen. Ihn aber nicht zu benennen wagen. Es fällt schwer, beim Rundsaal der Bibliothek, in der jener Enrico sich selbst und seiner Umgebung vormacht, Heinrich IV zu sein, nicht an ein Oval Office von heute zu denken. Wobei natürlich auch hier die Anderen den König machen. Der weiß zwar, dass er es eigentlich nicht ist, hat aber Spaß daran, so zu tun. Macht vermittelt sich halt immer schon zu einem Gutteil über die Konvention der Kommunikation…..

„Reiz naiver Geistigkeit und keine Rezepte“ – Zum 100. Geburtstag von Gottfried von Einem

24.01.18 (Christoph Schlüren) -
Wer kennt heute Gottfried von Einem? Ja, der Name ist Kennern geläufig, und erfahrene Musiktheater-Routiniers werden sofort seine zu Lebzeiten sensationell erfolgreichen Opern aufzählen: ‚Dantons Tod‘ nach Büchner, ‚Der Prozess‘ nach Kafka, ‚Der Zerrissene‘ nach Nestroy ‚Der Besuch der alten Dame‘ nach Dürrenmatt, ‚Kabale und Liebe‘ nach Schiller – das ist in der Tat eine in der Nachkriegszeit einmalige, erstaunliche Erfolgsserie höchst gelungener, für den Kenner wie für den Belcanto-Liebhaber ergiebiger Würfe, die von 1947 bis 1976 über drei Jahrzehnte den Namen des Komponisten als stets für Überraschungen guten Erfolgsgaranten auf den großen Bühnen repräsentierten.
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