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Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 25.06. bis 01.07.2018

24.06.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 26. Schwerpunkte: Hans Jürgen von der Wense, Esa-Pekka Salonen, George Rochberg, Marco Stroppa, Bernd Alois Zimmermann | ### | Festival „Infektion!“, „Forum Wallis“, Das rhythmische Büro, Festival Acht Brücken, Romanischer Sommer Köln, Klaviermusik palästinensischer Komponisten und: Am Grabe (mit Schatten) – Ein radiophones Audio-Ritual.

Schwerpunkt an den Rändern: Lied-Gesang beim Bachfest Leipzig 2018

21.06.18 (Roland H. Dippel) -
Nicht weniger als zehn der 161 Veranstaltungen des Bachfestes 2018 waren dem Kunstlied, liedähnlichen Formen mit Kammerensembles und weltlichen Solokantaten in kleinen Besetzungen gewidmet. Mitgezählt spartenübergreifende Beiträge – ausgelassen Veranstaltungen, die in Form und Besetzung als Kammer-, Sakral- oder Orchesterkonzert definiert werden könnten. Damit ist das Bachfest durch Umfang und Repertoirebreite neben den Lied-Schwerpunkten beim Heidelberger Frühling, bei der Schubertiade Schwarzenberg, dem Liedsommer Eppan oder den Star-Petitessen der Münchner und Salzburger Festspielen bestens aufgestellt.

Klänge in der Achtecksäule – Music For Hotel Bars, Part 1 (Mark Barden)

21.06.18 (Martin Hufner) -
Es gibt ja momentan fast nichts, was nicht zum Konzertraum erklärbar wäre. Festivals finden in Turnhallen statt, Hallvernarrte gehen in die Kanalisation – und manche, man mag es kaum glauben, sogar noch in Konzertsäle. In der Tat, der Ton interessiert sich nicht in erster Linie für seine Umgebung, obwohl er erst durch sie in Wirklichkeit zur Formulierung reift. In Berlin finden jetzt sechs „Konzerte“ statt, die in Hotels der Stadt ihre Klangaufgabe erfüllen. Das Solistensemble Kaleidoskop und Mark Barden bespielten jetzt zum Auftakt das Westin Grand Hotel am 19. Juni von 19 bis 23 Uhr.

Das Zähmen des Koyoten – Heiner Goebbels‘ szenisches Konzert am Stadttheater Gießen

20.06.18 (Andreas Hauff) -
Das mittelhessische Gießen ist nicht nur Ort eines lebendigen Stadttheaters mit einem abwechlungs- und entdeckungsreichen Musiktheater-Spielplan, sondern auch Sitz des renommierten Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Dessen Leitung hatte von 2003-2011 der Komponist, Hörspielautor und Regisseur Heiner Goebbels inne. Seine Lehrtätigkeit dort währte noch länger – von 1999 bis zu diesem Frühjahr. Goebbels versteht Theater als „Labor“, als „lebendigen, sich täglich verändernden Forschungsgegenstand“. Nun hat er am Stadttheater Gießen ein eigenes Programm gestaltet: Ein szenisches Konzert unter dem Titel mit einem Namen aus einem alten Buch. Im Publikum der 5. Vorstellung sitzen Opernabonnenten neben jungen Theater-Freaks.

Der Superstar und seine Fans – Theater Magdeburg mit „Jesus Christ Superstar“

19.06.18 (Joachim Lange) -
Man kann gegen Andrew Lloyd Webbers Musical-Fabrikation allerhand einwenden. Dass es ein kommerzorientiertes Dahinwebbern von verwechselbarer musikalischer Meterwaren ist zum Beispiel. Aber „Jesus Christ Superstar“ gehört nicht dazu. Die Rockoper bleibt ein Erfolgs-Coup, den der damals Anfang Zwanzigjährige und sein Texter Tim Rice (Basis: das Buch der Bücher) 1970 als LP und dann 1971 am New Yorker Broadway gelandet haben!

Brittens „Rape of Lucretia“ – ergreifend inszeniert an der Musikhochschule Lübeck

19.06.18 (Arndt Voß) -
Dreierlei kam an Lübecks Musikhochschule (MHL) glücklich zusammen, ein aufrüttelndes Bühnenwerk mit brillanter Musik, eine fesselnde Regiearbeit und eine qualitativ höchst niveauvolle Darbietung. Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ war erarbeitet worden. Anthony Pilavachi führte Regie und hatte die Kammeroper mit den Studenten beeindruckend szenisch realisiert (Premiere: 15. Juni 2018). Die Ausführenden schließlich waren eine junge Gesangselite, die von sehr sicheren Instrumentalisten unterstützt wurden.

Gekonnte Gruselatmophären – „Der Untermieter“ von Phyllis Tate in Bremerhaven

19.06.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Na ja, aufführen kann man sie schon, diese stilistisch anachronistische Krimioper „Der Untermieter“ der englischen Komponistin Phyllis Tate (1911-1987). Und somit sind erst einmal die positiven Seiten dieser deutschen Erstaufführung am Stadttheater Bremerhaven zu nennen: der Regisseur Sam Brown und die Kostüm- und Bühnenbildnerin Julia Przedmojska haben es verstanden, für diese letzte Premiere der Spielzeit eine permanent gruselige Atmosphäre aus dem viktorianischen England herzustellen: die Bühne zeigt zeitgleich vier verschiedene Spielorte.

Ganz einfach ein Mensch: Der Dirigent Gennadi Roschdestwenski ist gestorben – Ein Nachruf von Michael Ernst

18.06.18 (Michael Ernst) -
Er wollte keine Ikone sein, sondern ein Mensch. Nun ist der Dirigent Gennadi Roschdestwenski verstorben. 87 Jahre und bis fast zuletzt im Dienste der Musik – die großen Meastri sterben aus.

Starke Frau als Anti-Kriegerin – „Der tapfere Soldat“ von Oscar Straus im Münchner Gärtnerplatztheater

17.06.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Einen Krieg verliert man immer“ hat Leo Tolstoi so kurz wie prägnant wie entlarvend in jener Epoche festgestellt, in der George Bernard Shaw (1895) und Oscar Straus (1908) sich mit dem Thema „Helden“ auf dem Theater befasst haben. Wenn Peter Konwitschny in unseren kriegerischen Tagen die Operettenfassung interpretiert, war Besonderes zu erwarten.

Der richtige Riecher – Schostakowitschs „Die Nase“ an der Komischen Oper Berlin

17.06.18 (Peter P. Pachl) -
Die zunächst in London, dann in Sidney laufende „Nase“ in der Inszenierung von Barrie Kosky ist in Berlin angekommen. In deutscher Übersetzung setzt sie endlich einmal den von Beginn bis zu dieser Intendanz-Ära an der Komischen Oper als Alleinstellungsmerkmal ausschließlich geübte Praxis der Opernaufführungen in Landssprache fort. Die umjubelte Premiere von Schostakowitschs frühem Opern-Wurf wurde zu einem späten Höhepunkt dieser Saison und zugleich zu einem hoffnungsreichen Einstand für den künftigen GMD Ainārs Rubiķis.

Achtung Aufnahme! – Oper Leipzig mit Alban Bergs „Lulu“

17.06.18 (Joachim Lange) -
„Lulu“ ist ein Schlüsselwerk der Moderne. Als Alban Berg 1935 starb hinterließ er seine letzte Oper nach Frank Wedekinds Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ als Fragment. Friedrich Cerha hat die Oper über die Frau, deren Männer ihr zum Opfer fallen und die am Ende von Jack the Ripper selbst umgebracht wird, 1979 vollendet. Meistens wird sie heute in dieser nachträglich komplettierten Fassung gespielt. In Stein gemeißelt ist das dennoch nicht. Ab und an versucht sich ein Komponist neu am so reizvollen wie undankbaren Ergänzungswerk.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 18.06. bis 24.06.2018

17.06.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 25. Schwerpunkte: Marco Stroppa | Philippe Hersant | Enrico Chapela | Harry Partch | Holger Groschopp | ### | Was ist „schön“? | Das rhythmische Büro | SoundCard Singapur | Forum neuer Musik 2007 | Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke | Thomas Mann und sein Nachbar Bruno Walter | rainy days | Was von Gounod | PODIUM-Festival Esslingen | Radio-Aktivität |

Heiterer Sommernachtsspaß im Sanatorium der Liebe – Rossinis „Il viaggio a Reims“ an der Deutschen Oper Berlin

16.06.18 (Peter P. Pachl) -
War die vorangegangene Neuinszenierung an der Deutschen Oper Berlin, die in eine Weltraumstation mündende „Fledermaus“, zumindest in Fragen des Timings hoffnungslos verloren, so entschädigt die jüngste Neuinszenierung: Rossinis „Il viaggio a Reims“ schafft die Punktlandung, das Feuerwerk an Spielfreude und Sangeskunst entfachte beim Premierenpublikum einhellige Begeisterungsstürme.

Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“ beim Bachfest Leipzig

16.06.18 (Roland H. Dippel) -
Für den neuen Intendanten Michael Maul ist der Zyklus „Passionen“ nach dem bejubelten „Leipziger Kantaten-Ring“ mit 33 geistlichen Kantaten Bachs in 48 Stunden der innere Höhepunkt des Bachfestes vom 8. bis 17. Juni 2018. Es reihen sich Mario Schröders Choreographie der „Johannes-Passion“ in der Oper Leipzig, die „Matthäus-Passion“ mit La Chapelle Rhénane unter Benoît Haller, Zelenkas „Cristo al Calvario“ mit dem Ensemble Inégal und Passionskantaten von Christoph Graupner in der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Doch der spannendste Beitrag ist Reinhard Keisers „Der blutige und sterbende Jesus“, das erste deutsche Passionsoratorium überhaupt.

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis „Die Aufteilung der Welt“ in Kiel

15.06.18 (Arndt Voß) -
Für gute drei Stunden war Kiel der Nabel der Welt. Wichtiges stand an: Nichts Kleineres als die Erde war aufzuteilen, ein Unterfangen, bei dem selbst unter göttlichen Brüdern Streit unvermeidlich ist. Aber, wie so oft, ist das mit Musik, hier mit der barocken von Giovanni Legrenzi, durchaus gut anzuhören und, wenn dann noch die Optik stimmt, sogar vergnüglich anzuschauen (Premiere: 9. Juni 2018).

„Hellhörig riskieren wir wache Ohren …“ – Hespos 80 – zu einem besonderen Festival in Hannover

14.06.18 (Gisela Nauck) -
Würde man den Komponisten Hans-Joachim Hespos darum bitten, sich vorzustellen, bekäme man die karge Antwort: „Ich heiße Hans-Joachim Hespos und mache Musik“. Auf die Frage, was für eine Musik er denn schreibe, bekäme man wahrscheinlich keine Antwort. Wenn man Glück hat, erhielte man vielleicht, begleitet von einem kaum wahrnehmbaren, listigen Lächeln, den Hinweis: „Hellhörig riskieren wir wache Ohren ins akut musikalische Wagnis zu einer neu-anderen Gegenwart in Freiheit …“ – mitgeteilt in dem grafisch schön gestalteten und interessanten Programmheft, mit ausführlichen Informationen über die Interpreten – aber keinem einzigen Einführungstext zu den Werken von Hespos.

Oper/Operette/Stimmen im Radio: 16. bis 30. Juni 2018

14.06.18 (mh) -
Opern … im Radio. Operette und Stimmen in der zweite Hälfte Juni 2018. Charles Gounod: „Faust“, Gaspare Spontini: „Agnes von Hohenstaufen“, Benjamin Britten: „Gloriana“, Francesco Cilea: „Adriana Lecouvreur“, Antonio Mazzoni: „Aminta, il re pastore“, George Benjamin: „Lessons in love and violence“, Camille Saint-Saëns: „Samson et Dalila“, Jacopo Foroni: „Margherita“, Giuseppe Verdi: „Simon Boccanegra“, Richard Wagner: „Der fliegende Holländer“, Salvatore Sciarrino: „Ti vedo, ti sento, mi perdo – In attesa di Stradella“, Erich Wolfgang Korngold: ‚Das Lied der Liebe‘, Peter Tschaikowsky: „Eugen Onegin“ und Charles Gounod: „Le tribut de Zamora“.

In die Freiheit entkommen – Die Musikalische Komödie in Leipzig entdeckt Albert Lortzings „Casanova“

14.06.18 (Joachim Lange) -
Ein Besuch der Musikalischen Komödie in Leipzig Lindenau umweht immer der dezente Hauch einer Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist ein Vorstadttheater mit einer besonderen Aura, wirkt auf sympathische Weise wie aus der Zeit gefallen. Hat (neben der Staatsoperette in Dresden) als Haus für dieses eine Genre ein Alleinstellungsmerkmal. Und sein eigenes, sehr treues Publikum. Eines, das zuverlässig nörgelt, weil in der gerade wieder eröffneten und aufgestylten Theaterkneipe (namens Lortzing!) gleich nebenan, alle Erinnerungsfotos wegrenovierten wurden.

Ohne Dogmatismus und Scheuklappen – KlangZeit 2018 in Münster

Es ist die Mischung aus Beharrlichkeit, Mut, Fantasie und Risikobereitschaft, die man den Protagonisten der „Gesellschaft für Neue Musik Münster“ (GNM Münster) bescheinigen muss. Eine Handvoll Leute initiierte vor 18 Jahren ein erstes großes Festival für zeitgenössische Musik in der Westfalenmetropole – die „KlangZeit 2000“. Das Projekt glückte und kam gut an. Zwei Jahre später folgte das nächste Festival – und so weiter… Trotzdem wird damals niemand damit gerechnet haben, dass dieser ambitionierte Konzertzyklus der GNM Münster Kontinuität entwickeln würde. Hat er aber! Und so gab es jetzt von Ende Mai bis Mitte Juni die jüngste Ausgabe, die zehnte „KlangZeit 2018“. Ein kleines Jubiläum also. Und auch das kam gut an.

„Don Giovanni“, Kollege von Harvey Weinstein?– Opernprojekt an der Musikhochschule Lübeck

12.06.18 (Arndt Voß) -
In Lübeck tagte vom 7. bis 9. Juni 2018 der Deutsche Bühnenverein. Seine Jahreshauptversammlung begleitete nicht nur das städtische Theater u.a. mit Schrekers „Der ferne Klang“ und Verdis „Otello“, auch die Musikhochschule Lübeck, kurz MHL, produzierte sich. Sie zog ein Projekt vor, das ursprünglich für einen späteren Temin geplant war. Eine etwas andere Version des „Don Giovanni“ sollte es werden.

Freudentanz für Milz und Leber – Trio LBT gewinnt den 10. BMW Welt Jazz Award

12.06.18 (Ssirus W. Pakzad) -
Das Finale des 10. BMW Welt Jazz Awards hatte etwas Versöhnliches. Es täuschte mit sehr ansprechenden Leistungen darüber hinweg, dass ausgerechnet die Jubiläumsausgabe des Wettbewerbs ziemlich mau geriet, dass die Auswahl des Programms recht unglücklich war, dass die meisten der sechs angetretenen Bands das Oberthema „Jazz Moves“ gründlich verfehlten und dass Jazz bei diesem musikalischen Kräftemessen eine eher untergeordnete Rolle spielte.

Im Gegenwind der Barbarei – Peter Ruzickas neue Oper „Benjamin“ an der Staatsoper Hamburg uraufgeführt

11.06.18 (Joachim Lange) -
Als Komponist ist Peter Ruzicka (69) nicht der Mann für’s Leichte. Wenn er seinen Opern über Celan (2001 in Dresden) und Hölderlin (2008 in Berlin uraufgeführt) jetzt in Hamburg eine dritte über Walter Benjamin folgen lässt, dann darf man mit etwas Grundsätzlichem und musikalisch Schwergewichtigem rechnen. In der Art jenes Sturms, der uns vom Paradiese wegtreibt. In eine Zukunft, der wir in Wahrheit den Rücken zukehren. Mit dem Blick auf die Trümmer, die sich in der Vergangenheit immer höher vor uns auftürmen.

Interview mit Diana Damrau: Höchste Töne mit Lampenfieber, Sport und viel Gefühl

11.06.18 (Cordula Dieckmann) -
Aus Günzburg auf die Bühnen der Welt: Diana Damrau zählt zu den besten Sopranistinnen der Welt. Ihren Erfolg nimmt die 47-Jährige locker und mit Humor. Im Interview erzählt sie, was Sport mit Singen zu tun hat und warum sie besonders gut aufpassen muss.

Wellness avancierter Art – Grenzerfahrungen bei der Münchener Biennale 2018

11.06.18 (Anna Schürmer) -
Die Neue Musik ist nicht gerade bekannt als Wohlfühloase, vielmehr als Ort der Grenzüberschreitung jenseits aller Komfortzonen. Sagt man so, ist aber längst nicht mehr State of the Art. Zumindest bei der Münchener Biennale, die neues Musiktheater auf der Suche nach Grenzerfahrungen radikal interpretiert – und dabei auch vor Wellness im engeren Sinn nicht zurückschreckt.

Geballte Zeitgenossenschaft – räsonanz-Stifterkonzert und Lachenmanns „My Melodies“

10.06.18 (Wolf Loeckle) -
Als vor gut einem Jahrhundert das Melodiöse aus der ernsthaften Musik verbannt wurde, auf überbordende Emotionalitäten des frühen Schönberg etwa reagierend und als Reflex auch auf die Grausamkeiten des Ersten Weltkriegs, konnte keiner ahnen, welche Klangdimensionen sich öffnen würden. Ganz abstrakt. Und voll konkret.
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