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„Mit Nietzsche auf Sendung“ beim Kunstfest Weimar

26.08.18 (Roland H. Dippel) -
Im fünften und letztem von ihm verantworteten Kunstfest Weimar erntet Christian Holtzhauer vor seinem Wechsel als Schauspiel-Intendant an das Nationaltheater Mannheim den stetig gewachsenen Erfolg für seine fundierte Aufbauarbeit. Diese Projektauswahl erzeugt eine raue Reibungsdichte zwischen dem genius loci Weimar und brennenden Zeitfragen. Die Ansprüche sind wirklich hoch: Die Klassikerstadt befindet sich mit den beiden großen Hundertjahrfeiern „Weimarer Verfassung“ und „Bauhaus“ in einem Ballungszeitraum des historischen Gedächtnisses. Und da ist auch noch das Spielzeit-Motto 2018/19 des Deutschen Nationaltheaters Weimar: „Der Neue Mensch“ .

Kurz-Schluss: Wie ich mir einmal eine spielerische Lösung für alle Probleme unserer Arbeitswelt ausdenken durfte

26.08.18 (Theo Geißler) -
Wie so oft war der Auslöser für meinen – eng befristeten, mies bezahlten – Job eine geheime Studie. Wie ich über etliche Umwege erfuhr (Mossad, Deutschlands Verfassungsschutz ist bekanntlich impotent), wurde sie diesmal in einer gemeinsamen Aktion des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (Seehofer, CSU) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (Heil, SPD) in Auftrag gegeben. Die Gründe: einerseits der dramatische Mangel an Fachkräften in unserer Republik, andererseits der durch Lehrermangel und TV-Verblödung verursachte dramatische Bildungsnotstand unserer heimischen Bevölkerung, gepaart mit maximaler Faulheit und zur Unbeweglichkeit zwingender Verfettung dank Fastfood, Kartoffelchips und Craftbier. [Vorabdruck aus Politik & Kultur 2018/05]

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 27.08. bis 02.09.2018

26.08.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 35. Schwerpunkte: Kurzstrecke 77, Ernst Helmuth Flammer, Uwe Rasch, Klaus Ospald, Hörspiel des Monats, John Cage-Orgel in Halberstadt, Frank Spilker: Zwei ohne Musik.

Ein Leben für Musik – zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein

25.08.18 (dpa) -
Orchester-Partituren schien Leonard Bernstein zu atmen. Der Maestro aus Massachusetts brillierte auf Podien weltweit und lockerte die Klassik für die nachfolgende Generation auf. Seine Konzerte setzten Maßstäbe.

Simon Rattle: Bernstein würde heute Stücke über Flüchtlingskrise schreiben

25.08.18 (Christoph Meyer) -
Die Musikwelt erinnert an den 100. Geburtstag von Leonard Bernstein. Wie würde er die Welt von heute sehen? Der ehemalige Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Simon Rattle, hat davon eine klare Vorstellung.

Auf tiefem Grund – Alvin Curran beim Berliner Mikromusik-Festival

1964 kam Alvin Curran im DAAD-Austauschprogramm zum ersten Mal nach Berlin. Nun hat er hier am Ende eines einmonatigen Aufenthalts im Rahmen des Festivals Mikromusik ein einziges Solokonzert gegeben. Musikalisch bleibt sich der Pionier live-elektronischer und genregebundener improvisierter Musik treu. Interessant ist auch, ihn aus einer bald sechzigjährigen Perspektive erzählen zu hören.

Chamäleon Liszt: Uraufführung des Opernfragments „Sardanapalo“ in Weimar

22.08.18 (Regine Müller) -
Franz Liszt ist im kollektiven Gedächtnis der Musikwelt abgespeichert als umschwärmter Tasten-Löwe, als Dirigent und Pädagoge, als ingeniöser Komponist von hoch virtuoser und klangschillernder Klaviermusik und als Schöpfer groß angelegter sinfonischer Dichtungen. Als Galionsfigur der neudeutschen Schule stand Liszt zudem für einen künstlerischen Fortschrittsglauben, der neue Ausdrucksformen suchte und die Verschmelzung der Gattungen anstrebte. Insbesondere die Literatur band Liszt in seine musikalischen Konzeptionen ein.

„Let‘s make music as friends“ – Young Euro Classic 2018

21.08.18 (Albrecht Dümling) -
Bei Auftritten von Jugendorchestern erwartet man Spontaneität und Spielfreude und nimmt dabei gewisse spieltechnische oder dynamische Unvollkommenheiten gerne in Kauf. Das Young Euro Classic Festival, das den Anspruch erhebt, die besten Jugendorchester der Welt zu präsentieren, bot in diesem Sommer dagegen viel Professionalität und Seriosität. Anstelle der bunten Hemden und Blusen, die man in früheren Jahren auf dem Podium des Berliner Konzerthauses oft sah, dominierten jetzt dunkle Anzüge und lange Kleider. Auch das Bundesjugendorchester trat mit seinen 94 Mitgliedern im Alter von 14 bis 19 Jahren in Schwarz auf. Ein Rest von jugendlichem Übermut zeigte sich höchstens noch in Gestalt des Bär-Maskottchens, das am ersten Pult platziert war.

Quietsch. Ächz. Schnauf. Hechel. – Guns’n Roses in Leipzig

20.08.18 (Sven Ferchow) -
Selbstverständlich wäre ein Einfaches, das Guns’n Roses Konzert in Leipzig ebenso zu zerlegen, wie alle anderen Konzerte in Deutschland während der „Not in this Lifetime“-Tour, die bis zum 7. Juli 2018 relativ trocken besprochen wurden. Und nichts wäre tatsächlich einfacher als dies zu tun. Insbesondere wenn man Zeuge der legendären Guns’n Roses Konzerte am 20. Juni 1992 in Würzburg oder am 26. Juni 1993 in München während der noch legendäreren „Use your Illusion“-Tour war. Beide Konzerte fanden damals auf dem – im Rückblick – Zenit ihres Schaffens statt.

Weltenrad und Auferstehung – Das Carl-Orff-Fest 2018 in Andechs

20.08.18 (Roland H. Dippel) -
„O Fortuna … – Das Weltenrad dreht sich wieder!“ verhieß das Carl-Orff-Fest am Ammersee und stellte am 8. Juli und vom 8. bis zum 12. August „Carl Orff, seine Vorbilder, Lehrmeister, Partner und Schüler“ vor. Nach der Neuaufstellung der künstlerischen Leitung ohne Marcus Everding und Florian Zwipf-Zaharias Firma arte-musica-poetica als Veranstalter wollen dieser und Orffs heute prominentester aktiver Kompositionsschüler Wilfried Hiller im „wunderschönen, kulturaffinen Ammersee-Gebiet“ Carl Orff das „zurückgeben, was ihm so sehr zusteht: die Beachtung seines großen und vielfältigen Wirkens.“

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 20.08. bis 26.08.2018

19.08.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 34. Schwerpunkte: Spekulationen zu Tendenzen der letzten fünfzig Jahre, zum 90. Geburtstag von Karlheinz Stockhausen, vor 50 Jahren, zum 80. Geburtstag des Komponisten Robert M. Helmschrott, der Dirigent und Komponist Leonard Bernstein, der bulgarisch-britische Komponist Martin Georgiev, Einführung in die sardische Musik, die Musik der Janitscharen.

Am Bahnsteig von Gleis 9 ¾ – Cimarosas „Die Italienerin in London“ beim Festival Schloss Britz

18.08.18 (Peter P. Pachl) -
Wieder einmal ist beim Festival Schloss Britz eine Opernrarität aus der Mozart-Zeit zu erleben, die 1774 in Rom uraufgeführte Oper „L’Italiana in Londra“ von Domenico Cimarosa: ein unkompliziertes Fünfpersonenstück als sommerliches Opernspektakel.

Pier Luigi Pizzi beschert eine Sternstunde beim Rossini Opera Festival 2018

17.08.18 (Dieter David Scholz) -
Zum 39. Male findet an der italienischen Adria-Küste, in Pesaro, dem Geburtsort Rossinis, einem beschaulich-unspektakulären Bade- und Fischerstädtchen im Herzen Italiens in der Provinz der Marken das „Rossini-Opera-Festival“ statt. Für Rossini-Liebhaber ist es weltweit das Mekka hochkarätiger Rossini-Pflege. Die diesjährige Saison dauert vom 11. August bis zum 23. August.

Ausgeliefert … – Gottfried von Einems „Der Prozeß“ bei den Salzburger Festspielen

17.08.18 (Joachim Lange) -
Zu dieser konzertanten Aufführung von Gottfried von Einems Kafka Oper „Der Prozeß“ muss man sich die beiden exzellenten Produktionen hinzudenken, die die Staatsoper Wien mit „Dantons Tod“ und das Theater an der Wien mit dem „Besuch der alten Dame“ aus Anlass des einhundertsten Geburtstags des Österreichers in der zu gerade zu Ende gegangenen Spielzeit herausgebracht haben.

Zensur – ein missbrauchter Begriff in den aktuellen „Kunstdiskursen“

16.08.18 (Martin Hufner) -
Man könnte meinen, man lebe in einem Land, in dem die Zensur zum alltäglichen Leben gehört. Gerade auch im Kulturbereich schwelt an vielen Ecken der vehemente Vorwurf, Kunst werde zensiert. Der Zensurvorwurf wird dabei auf breiter Front von Künstlerinnen, Institutionen (wie dem Deutschen Kulturrat), aber auch von Parteien (wie der AfD) erhoben. Was ist da dran? Ein Kommentar von Martin Hufner. [Update: Jetzt ergänzt um die Leserbrief-Replik von Wieland Hoban.]

Von Einsamkeit in der Liebe – Uraufführung von Thomas Larchers „Das Jagdgewehr“ in Bregenz

16.08.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Um den Anspruch eines „kompletten Festivals“ zu runden, bietet Bregenz neben den hochklassigen Seebühnenaufführungen und der „Opern-Orchidee“ im Festspielhaus auch seit Jahren die musiktheatralische Entdeckungsreise zu unbekannten oder vergessenen KomponistINNen – gipfelnd immer wieder auch in einer Uraufführung. Schon 2013 fragte Intendantin Sobotka den Österreicher Thomas Larcher, ob er nicht seine erste Oper für Bregenz schreiben wolle. Jetzt folgte die Uraufführung – gleichzeitig die erste Opernregie für den als Schauspieler bekannteren Karl Markovics.

Schön, Euch zu sehen, nein, schön, Euch wirklich zu sehen – Pearl Jam live in der Berliner Waldbühne

16.08.18 (Sven Ferchow) -
Als Pearl Jam im April 2017 in die Rock'n'Roll Hall of Fame aufgenommen wurden, übernahm kein Geringerer als David Letterman die Lobesrede. Dabei formulierte er eventuell ganz nebenbei einen der wichtigsten Sätze und Erkenntnisse überhaupt: „Oh my god, what a gift live music is”. Mehr muss man nicht sagen, wenn man insbesondere über Jahrzehnte die spärlichen, aber bewegenden Liveauftritte der US-Band in Deutschland, aber auch weltweit verfolgte.

Herausforderung „lockere Heiterkeit“ – Rossinis „Barbiere“ bei den Bregenzer Festspielen

15.08.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Unterhaltsame, gar geistreiche Komik gehört zum Schwersten auf der Bühne. Oft trifft Fritz Kortners knarzige Antwort zu, als ihm nach einer mittelmäßigen Aufführung vorgehalten wurde, er habe doch auch gelacht: „Ja, aber unter meinem Niveau!“ Im Bregenzer Kornmarkttheater gab es viel zu lachen – ohne Schenkelklatscher-Humor und ohne „Zucker für den Affen“…

„Friedelind: Eine Wagner!“ beim Festival junger Künstler in Bayreuth uraufgeführt

14.08.18 (Peter P. Pachl) -
Richard Wagner ist als Kunstfigur oft verkörpert worden, sei es in Filmen, in neuen Werken oder in seinen eigenen Opern. Dass auch Leben und Eskapaden einer Wagner-Enkelin einen Bühnenabend zu füllen vermögen, beweist eine Uraufführung beim Festival Junger Künstler Bayreuth, Claus J. Frankls „Friedelind: Eine Wagner!“

Das Schärfen der Wahrnehmung – Das Davos-Festival 2018

14.08.18 (Georg Rudiger) -
Die Kabine der Schatzalp-Bahn ist um 20 Uhr schon voll, doch ein Kontrabassist samt Instrument muss noch mit. Das Festivalpublikum rückt also noch dichter zusammen, um dem jungen Musiker, der gemeinsam mit 80 Kolleginnen und Kollegen das zweiwöchige Davos Festival (Young Artists in Concert) belebt, die Fahrt zum bekannten Berghotel zu ermöglichen. Dem ehemaligen Tuberkulose-Sanatorium auf 1861 Meter Höhe hat Thomas Mann in seinem Roman „Der Zauberberg“ ein Denkmal gesetzt. An diesem Abend ist der prachtvolle Jugendstilbau Kulisse für ein vierteiliges Konzert unter der Überschrift „Guten Abend, gut‘ Nacht“.

Mord in luftiger Höhe – Verdis „Rigoletto“ bei den 23. Wernigeröder Schlossfestspielen

13.08.18 (Joachim Lange) -
Wernigerode ist nicht nur ein rausgeputztes architektonisches Fachwerkjuwel, ein Harz-Schmuckstück, das obendrein gut zu erreichen ist. Es wird auch von einem Märchenschloss gekrönt, das allein schon wegen der Aussicht auf die Stadt, den Wald und den Brocken zum Aufstieg verlockt. Im Juli und August gibt’s dazu noch die Schlossfestspiele. In diesem Jahr schon die 23.! Sie bieten nicht nur verschiedene Konzertformate, sondern werben in der Stadt mit ihrem aktuellen Opern-Projekt: Verdis „Rigoletto“.

Die Kentridge-Produktion „The Head And The Load“ zur Eröffnung der Ruhrtriennale

12.08.18 (Georg Beck) -
Ein Theaterabend, der uns kalt erwischt, der uns an ein Schuldenkonto erinnert, von dem wir bis dato noch nicht einmal wussten, dass wir sie hatten, diese Hypothek. Eine, die wir offenbar noch immer abstottern müssen: die Afrika-Politik der europäischen Kolonialmächte im Ersten Weltkrieg. Ein Hintergrund, eine Blutspur, die William Kentridge, renommierter südafrikanischer Zeichner, Filme­macher, Installationskünstler, in ein Stück verwandelt hat, weder um den Ereignissen den Prozess zu machen, noch den Reportage-Zeigefinger zu heben. Wie aber dann? – Sie bühnenwirksam machen mit Hilfe von Collage und Dekonstruktion, so Kentridge.

Vom Tönen des Holzes – Mark Polschers Klanginstallation belebt das Mittenwalder Geigenbaumuseum

12.08.18 (Wolf-Dieter Peter) -
An Hals und Hände würde man sie ihnen wünschen, die historische Hals- oder mehr noch die Schandgeige: dem Großteil unserer heutigen Führungs- und Funktionseliten. Doch an diese Strafform erinnert nur eine Schautafel des Mittenwalder Geigenbaumuseums. Der große Schauraum im Obergeschoß wird erfreulicherweise durch ganz Anderes geprägt: durch das Surround-Sound-Tönen des seit fast 350 Jahren ansässigen Kunsthandwerks, des Geigenbaus - Multitalent Mark Polscher lässt die Besucher ein „Ligneous Encounter“ erleben.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 13.08. bis 19.08.2018

12.08.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 33. Schwerpunkte: Dieter Mack, Luís Tinoco, 65 Jahre Musikbund von Ober- und Niederbayern, Thomas Meinecke/Move D: WORK, Vor 50 Jahren, The Gramophone Effect, Pianistin Jee Eun Franziska Lee, Revisited Forum neuer Musik 2007 – synthesis@XXI.gr, Joik, Jodeln und Huula aus Hawai – Eindrücke vom Naturstimmenfestival aus dem Schweizer Toggenburg, Patterns, Phasing, Konsonanz – Minimale Musik, Singen im Wüstensand – Das Opernfestival in Santa Fe / New Mexico, Amen. Amin. Om – Musik aus den fünf Weltreligionen.

‚Da‘ sein – Ein Bericht von den „Darmstädter Ferienkursen 2018“

08.08.18 (Juana Zimmermann) -
‚da‘ ist das Logo im neuen, an Sinuskurven erinnernden Design der diesjährigen Darmstädter Ferienkurse. ‚da‘ war aber auch der sich durchziehende Esprit: 15 Tage im Jetzt sein und Utopie leben. „Wir haben alles in den Bully geworfen, sind losgefahren und sind jetzt da“, erzählt eine Komponistin und meint damit, dass Alltag, Mails und Sorgen zu Hause geblieben sind. Sie wohnt nicht weit von Darmstadt und hätte ohne weiteres ihre Unterrichtsstunden und Konzerte geben und gleichzeitig im eigenen Bett schlafen können. Doch das wäre nicht ‚da‘ gewesen und die generationsprägende FOMO verstärkt sich bekanntlich auf solchen Events.
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