nmz-Online

Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel, die ausschließlich online und in keiner Print-Ausgabe erschienen sind. Sie können die Online-Artikel per RSS abonnieren.

Wenige Zerrbilder der Macht - Händels „Agrippina“ im Münchner Prinzregententheater

24.07.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Wenn diese Zeilen online stehen, wird doch wohl im Prinzregententheater Monteverdis „Krönung der Poppea“ in der unvergessenen Produktion des „Dream-Teams“ Bolton-Alden-Steinberg-Shiff von 1997-2005 gegeben? Als Ergänzung zu den soeben reizvoll, beeindruckend, geradezu abendfüllend, weil die Premiere prägenden Anfängen dieser High-Society-Hure – doch Halt: nichts mit Monteverdi, das Werk hieß ja „Agrippina“ und war von diesem jungen „caro Sassone Giorgio Haendel“ für die damals berühmte Oper von Neapel komponiert worden. Doch eben nicht die Titelfigur stand im Mittelpunkt fand unser Kritiker Wolf-Dieter Peter.

Vor 10 Jahren gestorben: Erinnerung an Reinhard Schulz

24.07.19 (Martin Hufner) -
Vor zehn Jahren am 24. Juli 2009 verstarb Reinhard Schulz, unser leitender Redakteur für Musik und Kultur, nach langer und schwerer Krankheit. Wolf Loeckle widmete ihm damals einen Nachruf „Differenzierende Genauigkeit, Offenheit für theoretische Ansätze und musikalische Umsetzungen waren der Qualitätsstandard der Schulz‘schen Urteile.“ Er fehlt uns immer noch und immer wieder, wenn gerade die politische und kulturelle Welt deutlich aus den Fugen gerät.

Die Saat ist aufgegangen – Die 10. Heidenheimer Opernfestspiele unter Marcus Bosch

24.07.19 (Christian Kröber) -
Gut Ding will Weile haben, sagt ein Sprichwort. Und das gilt im Besonderen für künstlerische Arbeitsprozesse. Marcus Bosch, langjähriger musikalischer Leiter des Staatstheaters Nürnberg und heute Professor an der Hochschule für Musik und Theater in München, hat vor nunmehr 10 Jahren die Leitung der Opernfestspiele Heidenheim übernommen. Von Anfang an war es sein Ziel, ein Festivalorchester zu schaffen, das nach dem Luzerner Vorbild aus herausragenden Musikern und künstlerischen Weggefährten verschiedenster Orchester zusammengesetzt sein sollte. Christian Kröber berichtet.

„Requiem für einen Lebenden“ in der Werkstatt der Münchner Opernfestspiele uraufgeführt

22.07.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Repertoireöffnung und -erweiterung – dafür hat die Bayerische Staatsoper neben den gängigen Werken der Opernfestspiele die Reihe „Werkstatt“ geschaffen. Dort können neue Formen zeitgenössischen Musiktheaters uraufgeführt werden – so jetzt ein Werk des Trios Manuel Schmitt (Idee und Regie), Felix Leuschner (Komposition) und Reto Finger (Libretto) in der Reithalle. Ob es das Werk ins Repertoire der Moderne schaffen kann, prüfte unser Kritiker Wolf-Dieter Peter.

Ausnahmeopern bei den Tiroler Festspielen Erl – „Guillaume Tell“ und „Die Vögel“

22.07.19 (Roland H. Dippel) -
Nach der Direktion von Gustav Kuhn und vor dem Start des Frankfurter Opernintendanten Bernd Loebe zeigt Andreas Leisner, wie sich die mit den Blöcken Sommer, Erntedank, Winter fast über das ganze Jahr dehnenden Tiroler Festspiele Erl zwischen München, Salzburg und Innsbruck durch ein individuelles Konzept profilieren könnten. Die anspruchsvollen Werke „Guillaume Tell“ und „Die Vögel“ hatten im Festspielhaus Erl beeindruckendes Format. Ein Bericht von Roland H. Dippel

Unsere Perversion humaner Werte – Massenets „Don Quichotte“ in Bregenz

19.07.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Eine Filmleinwand vor dem Vorhang, darauf der Kurzfilm „Men of Tomorrow“, plötzlich eine wütende Ansprache aus dem Publikum, dann ein Teil des Festspielhauses auf der Bühne, eine zweite Bühne mit Theater auf dem Theater, später erneute Ansprache des Publikums – das alles in Jules Massenets 1910 vor den Reichen und Schönen in Monte Carlo uraufgeführtem „Don Quichotte“… unser Kritiker Wolf-Dieter Peter erlebte eine frappierende Neudeutung.

Kaffeefahrt-Spektakel - Verdis „Rigoletto“ verkommt zum Vielerlei auf der Bregenzer Seebühne

18.07.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Ein Hauch von Demokratisierung von Hochkultur: allabendlich bietet die hochtechnisierte Bregenzer Seebühne für 7000 Besucher ein populäres Werk in beeindruckendem Großformat, durchaus auch mal mit spektakulären Zügen. Doch nicht die Show stand in den letzten, höchst erfolgreichen Jahrzehnten im Vordergrund. Das prüfte auch in diesem Jahr unser Kritiker Wolf-Dieter Peter an der Neuinszenierung von Verdis „Rigoletto“.

Hessischer Rundfunk als Musikdiscounter: Umbau von hr2-kultur zur Klassikwelle?

17.07.19 (Martin Hufner) -
Die Strukturen und die kulturelle Architektur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint im Umbau zu sein. Offenbar gibt es Pläne, die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks zu eine Klassikwelle zu konvertieren, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in mehreren Beiträgen gestern ermittelte. Die Szene reagiert mit „Schock“. Erweisen sich die Reformerinnen am Ende nicht als Sargnägel eines qualitativ offensiven Rundfunks? Ein Kommentar.

Scarpia, der Krake: Puccinis „Tosca“ im Regensburger Westhafen

14.07.19 (Juan Martin Koch) -
Nach dem spektakulären „Holländer“ vor zwei Jahren lud das Theater Regensburg nun zu Puccinis „Tosca“ in den Regensburger Westhafen. Ob der Coup auch diesmal glückte, darüber berichtet Juan Martin Koch.

Betreutes Hüpfen trifft auf gemeinsames Singen – Jan Delay beim Stimmenfestival Lörrach

12.07.19 (Georg Rudiger) -
Der Hut passt, das Einstecktuch mit Leopardenfellmuster sitzt. „We love to entertain you“, verspricht Jan Delay auf dem dicht gefüllten Lörracher Marktplatz. Und geht gleich mit dem Opener „Rave Against the Machine“ in die Vollen. Georg Rudiger berichtet.

Die Kunst des Geschwurbels – Solistenensemble Kaleidoskop mit Nussbaumers „Nobodaddy is perfect“ in Berlin

12.07.19 (Martin Hufner) -
Was bekommt man heraus, wenn man den Performance-Künstler Georg Nussbaumer zusammen mit dem Solistenensemble Kaleidoskop bringt und diese sich mit Stoffen von Homer (Odyssee) und Bach (Kunst der Fuge) beschäftigen lässt, das Ganze als Theater mit Musik und Video gestaltet und auf ca. 100 Minuten Zeit dehnt? Ein interessantes Gesamtkunstwerk für die einen, ein bedeutungsschwangeres Kuddelmuddel für die anderen. Oder beides?

Das Dresden-Finale von Michael Sanderling im Fernen Osten

11.07.19 (Michael Ernst) -
Acht Jahre lang war Michael Sanderling Chefdirigent der Dresdner Philharmonie – Jahre des Abschieds vom alten Kulturpalast, des Unterwegsseins an verschiedenen Spielstätten und des Einzugs in den neuen, vielbeachteten Konzertsaal. Inzwischen hat er seine letzten Dresden-Konzerte in diesem Amt gegeben. Anlass genug für die Frage: Was bleibt? Antworten von Michael Ernst.

Offenbachs „Die Banditen“ als bissiges Sommertheater zur Wiedervereinigung in Leipzig

09.07.19 (Roland H. Dippel) -
Jacques Offenbachs „Die Banditen“ sind ein weitaus robusterer Brocken als das von der Leipziger Insel-Bühne bereits im Sommer 2015 am gleichen Schauplatz vom „Pariser Leben“ zum „Klein-Pariser Leben“ auffrisierte ‚Operettchen‘. Das kleine Ensemble hat sich Parodien, Stückentwicklungen und Komödien verschrieben. Zum 200. Offenbach-Geburtstag steht aber nur zum Schein der ‚Mozart der Champs Elysées‘ im Vordergrund, selbst wenn die Insel-Bühne für die sich bei Offenbach rar machenden großen Leipziger Musiktheater in die Bresche springt. Der Wahnsinn hat Dekonstruktionsmethode: Das Ensemble beschränkt sich auf Personalzahlen, mit denen Offenbach seine ersten Jahre als Theaterunternehmer bestritt. Geht das heute noch oder wieder? An der Moritzbastei schon, denn ein ‚typisches‘ Operettenpublikum gibt es dort nicht. Der Bericht von Roland H. Dippel.

Die höheren Künste des Recyclings – Das Festival in Aix-en-Provence 2019

08.07.19 (Frieder Reininghaus) -
Die erste Stunde gehörte einem seltenen Gast im sommerlichen Aix-en-Provence: Madame La Pluie ließ die Veranstalter und die vor den Absperrgittern wartenden zahlenden Gäste lange im Ungewissen. Doch dann wurden die Barockgeigen des Orchesters Pygmalion aus Bordeaux ausgepackt. Sie und die vielen prächtigen Kostüme, die unter kundiger Assistenz von Elisabeth de Sauverzac geschneidert worden waren, setzten sich dem Witterungs-Restrisiko aus. Gegen 23 Uhr begann eine Solostimme den zum Auditorium umgewidmeten Hof der Arvchevêché zu erfüllen. Sie intonierte, bald unterstützt vom Chor, ein mittelalterliches Graduale – als Einstimmung auf das Requiem von Wolfgang A. Mozart.

Im Geiste der Siebziger Jahre – Das Ensemble unitedberlin feierte 30jähriges Jubiläum

05.07.19 (Isabel Herzfeld) -
„Zurück gehört und nach vorn geblickt“ betitelt das Ensemble unitedBerlin sein Jubiläumskonzert zum 30jährigen Bestehen, denn der Blick in die Zukunft aus dem Bewusstsein der eigenen Herkunft heraus gehörte von Anfang an zum Konzept. „Woher kommen wir – wohin gehen wir?“ hieß eine seiner Konzertreihen. Isabel Herzfeld gratuliert und resümiert.

Menotti: „The Medium“ & Maderna: „Satyricon“ in Frankfurts Bockenheimer Depot

05.07.19 (Dieter David Scholz) -
Am Samstag, 15.06.2019 hatte im Bockenheimer Depot, einem ehemaligen Betriebshof und die ehemalige Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt am Main, es ist die zweite Spiel­stätte der Oper Frankfurt, wieder einmal Ungewöhnliches gewagt. Zwei nicht eben oft zu sehende Stücke wurden hintereinander aufgeführt: Gian Carlo Menottis 1946 uraufgeführte Tragödie in zwei Akten „The Medium“ und Bruno Madernas Oper in einem Akt „Satyricon“ aus dem Jahre 1973. Dieter David Scholz mit Einzelheiten.

Bravouröser Untergang: Das Theater Altenburg gleitet als „Titanic“ in die Umbauphase

05.07.19 (Roland H. Dippel) -
Wilhelm Dieter Sieberts „Untergang der Titanic“ wird zu Unrecht belächelt. Die musikalische Dramaturgie auf das vom Komponisten mit Christian Rateuke und Hartmann Schmige verfasste Libretto durchmischt Dokumentation, Melodram und interaktives Theater. Zudem hat diese ‚große Oper mit Salonorchester‘ effiziente Wirkungen wie heute gängige Pädagogik- und Vermittlungsformate: Theaterführung auf und hinter die Bühne, Demonstrationen einer Physiognomie des Singens und der Anatomie theatraler Parameter, vor allem aber jede Menge Spaß. Das Theater Altenburg-Gera schickt mit einem riesigen Aufgebot an Solisten, Chören, Statisten und gleich vier Regieassistenten auf die fiktive Reise über den Atlantik. Roland H. Dippel hat die Details.

Was sich rächt, das liebt sich – Smetanas „Dalibor“ am Nationaltheater Prag

04.07.19 (Michael Ernst) -
Smetana ist „Moldau“, ist „Vaterland“ und „Verkaufte Braut“. Aber dann hört der Spaß meistens schon auf. „Libusa“? „Dalibor“? Oder gar „Der Kuss“, „Das Geheimnis“, „Die Teufelswand“? Kaum gespielte, kaum bekannte Werke. Eine der genannten Opern hat es nun immerhin mal wieder auf die Bühne des Prager Nationaltheaters geschafft. Ein Bericht von Michael Ernst.

Experimentelle Klänge beim Abschlusskonzert von KLANGRADAR in München

03.07.19 (Luisa Mergel) -
KLANGRADAR ist 2014 als Musikvermittlungsprojekt des Netzwerks Junge Ohren unter der künstlerischen Leitung von Burkhard Friedrich an Berliner Grundschulen gestartet und ermöglichte dort seither vielen Schulklassen die kreative Arbeit mit professionellen Komponistinnen und Komponisten. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei Klänge erforschen, selbst entwickeln und gemeinsam zeitgenössische Musik komponieren. Luisa Mergel berichtet vom und reflektiert über das Abschlusskonzert in der WhiteBOX im Münchener Werksviertel.

Die Bösen sind immer die Anderen – Konwitschny inszeniert Meyerbeers „Les Huguenots“ an der Semperoper Dresden

02.07.19 (Joachim Lange) -
Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“ beeindruckt in der Inszenierung von Peter Konwitschny außerordentlich, meint unser Kritiker Joachim Lange. „Die Hugenotten verbinden in gewisser Weise wagnerschen Größenwahn mit italienischem Belcanto- und Emotions-Furor. Die Musik ist aber dennoch mit französischer Leichtigkeit aufgeschäumt und behandelt obendrein den großen historischen Gegenstand mit Sprengkraft. All das hört man bei Stefan Soltész und der Staatskapelle.“

Preisgekrönt: Das Philharmonische Staatsorchester Mainz

01.07.19 (Andreas Hauff) -
Das Philharmonische Staatsorchester Mainz hat vom Deutschen Musikverlegerverband den Preis für das beste Programm der Spielzeit 2018/19 erhalten. Andreas Hauff hat ein Konzert aus der Reihe „Auf Wiederhören!? … reingehört und kommentiert – Musik der Gegenwart“ besucht. Wolfgang Rihm, Detlef Glanert und Rolf Riehm treffen aufeinander und einer „gewinnt“ ein Wiederhören. Aber wer?

Strauss unbedingt verschlimmbessern – Die Münchner Opernfestspielpremiere „Salome“

28.06.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Der Salome-Stoff im Jahr 2019 – da gäbe es leider Anknüpfungspunkte, denn grässlicherweise sind ja Enthauptungen von unliebsamen Köpfen wieder aktuell geworden. Also war in der Strauss-Metropole München zu Beginn der Opernfestspiele etwas zu erwarten. Doch den Buh-Sturm für das Bühnenteam fand Wolf-Dieter Peter völlig angemessen.

Später Höhepunkt der Berliner Opernsaison – Peter Eötvös’ Oper „Angels in America“ an der UdK

28.06.19 (Peter P. Pachl) -
An der in Sachen Musiktheater überaus einfallsreichen und innovativen Opernklasse der Universität der Künste ist Peter Eötvös' Oper „Angels in America“ als Berliner Erstaufführung zu erleben. Das ursprünglich siebenstündige Drama von Tony Kushner ist in der 2004 in Paris uraufgeführten Oper auf gut zweieinhalb Stunden verdichtet. Peter P. Pachl berichtet.

Geißlers Kurz-Schluss: Wie ich einmal voller Bewunderung die Entstehung eines großartigen Weltreiches wenigstens aus der Ferne miterleben durfte

27.06.19 (Theo Geißler) -
Dass ausgerechnet die gute alte „Frankfurter Allgemeine“ sich in prophetische, eigentlich sogar science-fiktionale Sphären begibt, und das auf einer ganzen Doppelseite, hätte ich ihr offen gestanden nie und nimmer zugetraut. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte sie unter dem Titel „What’s the Agenda today“ einen Arbeitsplan für Donald Trump, Mindmap-mäßig mit ungefähr tausend differenzierten Aufgabenwölkchen. Darunter schon: „Bomb the Iran“. Dass dieses Schiiten-Nest ausgerechnet am Tag von Trumps Wahlkampfauftakt unter dem Motto „Keep America great“ angeblich Bodenstation für den Abschuss einer USA-High-Tech-Spionage-Drohne gewesen sein soll, ganz zu schweigen von der Behinderung des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus, lieferte hinlänglich Anlass zu einem finalen Vergeltungsakt. [Vorab aus Politik & Kultur 2019/7-8]

Kurt Weills „Ein Hauch von Venus“ in der Staatsoperette Dresden

27.06.19 (Roland H. Dippel) -
Weills Broadway-Erfolg funktioniert auch in der Staatsoperette Dresden. Fröhliche Farbigkeit, Revue-Ausflüge machen den Abend rund. Dabei ist Matthias Davids, Leiter der Musicalsparte in Linz, mit seiner meisterhaft geschmeidigen, definitiv kantenlosen Regie auf der richtigen Weill-Spur, meint unser Kritiker Roland H. Dippel.
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: