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Poesievolles Schlachtross – Festtage mit Wagners „Ring“ an der Oper Leipzig

04.07.17 (Roland H. Dippel) -
Am Sonntagabend gingen die Richard-Wagner-Festtage zu ende, für die Oper Leipzig beginnt nach „Der Ring des Nibelungen“ die lautstark ersungene Sommerpause. Für die drei angekündigten Leipziger Zyklen in der nächsten Spielzeit dräut energische Konkurrenz: An der Semperoper schreitet Christian Thielemann zweimal alles andere als gemessen zum „Ring“ und der neue Chemnitzer GMD Guillermo García Calvo steht bereits freudvoll jauchzend in den Startlöchern.

Der Komponist ist anwesend: Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ bei den Münchner Opernfestspielen

02.07.17 (Juan Martin Koch) -
Franz Schrekers Oper „Die Gezeichneten“ von 1918 ist eigentlich eine Steilvorlage für das Regietheater. Triebsublimation, Außenseitertum, künstlerische Selbstreflexion – allein schon die Hauptfigur, der missgebildete Alviano Salvago, gäbe Stoff genug für subtile Tiefenbohrungen, für das Sichtbarmachen von Schrekers komplexer Gedankenwelt. Eigentlich.

Wagners „Holländer“ als Chor-Triumph – In Oberammergau will Regisseur Christian Stückl ein Opernfestival etablieren

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Eigentlich ist Wagners Musikdrama „Der fliegende Holländer“ für Menschen des Jahres 2017 nur auf zwei Interpretationsschienen akzeptabel: einmal als Wahngebilde einer erotisch heillos übersteigerten, neurotischen jungen Frau – wie das Harry Kupfer sensationell 1978 in Bayreuth gezeigt hat (auf DVD festgehalten); oder als politische Parabel auf die Vormärz-Revolutionäre, die in die Bürgerlichkeit zurückwollen und scheitern – was Herbert Wernicke 1981 in München inszenierte. Festspielinitiator und Regisseur Christian Stückl betonte diesbezüglich fröhlich, dass er noch nie eine Wagner-Oper gesehen habe…

Verquastes Paradies – Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ bei den Münchner Opernfestspielen II

02.07.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Bruno Walter dirigierte 1919 die Münchner Erstaufführung des sensationellen Frankfurter Erfolgswerkes vom Vorjahr, Franz Schrekers „Die Gezeichneten“. Im zur „Hauptstadt der Bewegung“ stilisierten „braunen“ München dann natürlich kein Schreker-Werk – doch auch nach 1945 und selbst im Zuge der Schreker-Renaissance durch die maßstäbliche Frankfurter Produktion 1979 des Teams Gielen-Neuenfels-Bodisco-Zehelein setzte keine Münchner Intendanz das wichtige Werk auf den Spielplan. Entsprechend hoch waren jetzt, nach über 95 Jahren, die Erwartungen.

Siehst du den Mond über Nowgorod … – Nikolai Rimsky-Korsakovs „Sadko“ in Gent

02.07.17 (Joachim Lange) -
An der Flämischen Oper in Gent haben Regisseur David Kramer und Dirigent Dmitri Jurowski mit „Sadko“ eine außerhalb Russlands nahezu unbekannte Oper von Nikolai Rimsky-Korsakov ausgegraben. Joachim Lange berichtet.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 03.07. bis 09.07.2017

02.07.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 27. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Faszination mitteltönige Stimmung, The New Discipline, Das Schlagzeug in der Neuen Musik, SWR JetztMusik Edenkoben, 10. Saarbrücker Komponistenwerkstatt, Ernst von Siemens Musikpreis, Ulrichsberger Kaleidophon 2017, Elektronische Musik. Szene [54]: Mexiko, Musik mit Wal, Nickelsdorfer Konfrontationen, Prix Palma Ars Acustica, ein Western-Hörspiel-Musical von Stefano Giannotti, Maelstromsüdpol. Hörstück von Heiner Goebbels, Paul Wühr: Preislied, Wolfgang Danzmayr zum 70. Geburtstag, «Chortombola» im Gare du Nord, 40. Geburtstag des Ensemble Intercontemporain, Hanna Eimermacher, Alan Licht im Zeit-Ton Porträt, Dieter Schnebel und das Kunstlied und Hugues Dufourt.

Amarcord und Calmus: Luxus-Konzerte in Leipzig und in Oberbayern

29.06.17 (Roland H. Dippel) -
Außerhalb dieses Luther- und Reformationsjahr müsste man dahinter eine fulminante PR-Attacke vermuten. Aber in der Veranstaltungsdichte mit Bachfest, „Unerhörtes Mitteldeutschland“ und „Straße der Musik“ scheint so gut wie nichts unmöglich.

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen

Die Grausamkeit des Banalen – HK Grubers „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Hagen 45 Jahre lang war ihm das Theater Beruf und Berufung gleichermaßen, 27 Jahre davon hat er als Intendant gewirkt, die letzten zehn als Verantwortlicher des Theaters Hagen, auf der Grenze Westfalens zum Sauerland gelegen: Norbert Hilchenbach. Er hat sich nun mit einer letzten Inszenierung als Theatermann verabschiedet. In Hagen feierten die „Geschichten aus dem Wiener Wald“ Premiere und ernteten mächtig Beifall.

„Das Biest kann schwimmen“ – Kinderchor der Oper Leipzig feiert „Luther 500“

27.06.17 (Roland H. Dippel) -
Trotz Wasserschäden durch massive Sommerunwetter am Bühnenportaldach zwei Tage davor kam es unter Einsatz aller doch noch zur Uraufführung des ambitionierten Musiktheaterprojekts „Das Biest kann schwimmen. An Luthers langer Tafel“. Ein beträchtlicher und glänzend gemeisterter Kraftakt ist das. Tobias Rohe hat für diese erste Gemeinschaftsprojekt des Kinderchors der Oper Leipzig und der Jugendmusiziergruppe „Michael Praetorius“ ein stimmiges Genrebild kombiniert. Dabei ist dieser Beitrag im durch Event-Überfülle leicht ermüdeten Reformationsjubiläum ein echter Wurf. Mit nur einem Nachteil: Eine einzige Aufführung ist bei dieser rühmenswerten Qualität zu wenig!

Kurz-Schluss: Wie ich als Alt-68er einmal versuchte, gründlich die Gegenaufklärung zu bekämpfen

27.06.17 (Theo Geißler) -
Meine Zeit: Was hätte sich der gute Rudi Dutschke im Grabe rumgedreht, könnte er das Geschreibsel in allen erdenklichen Gazetten von „Spiegel“ bis „Bild“, von „Focus“ bis „Bunte“ über uns sogenannte „68er“ anlässlich des bevorstehenden Geburts- (oder sollte man genauer sagen: „Todes“)-Tages noch lesen. Was sich da selbsternannte Philosophen und Historiker über weite Strecken journalistisch zusammenklittern geht nicht auf die Haut eines Zwanzig-Meter-Pottwales. Und selbst sogenannte „Zeitzeugen“, die sich gegen Honorar in einfältigen Fernseh-Talkrunden ausmähren, scheinen entweder von romantisierender Amnesie oder einer opportunistischen Form von Alzheimer befallen. In unserer Ära der Gegenaufklärung scheint Geschichtsvergessenheit ein wesentlicher Faktor existenzieller Pseudostabilität und maroder Zukunftsvisionen zu sein. [Vorab aus Politik & Kultur 3/2017]

Transkulturell bis zum Wellensalat: „Orientation-Festival“ am Staatstheater Mainz

27.06.17 (Andreas Hauff) -
Drei Jahre schon existiert am Staatstheater Mainz Anselm Dalferths experimentelle Reihe „Hörtheater“, die das Hören selbst und sein Verhältnis zum Sehen immer wieder auf den Prüfstand stellt. Auf zwei Jahre angelegt war die von der Bundeskulturstiftung „Doppelpass“ geförderte Zusammenarbeit des Staatstheaters mit dem Mannheimer Oriental-Jazz-Ensemble LebiDerya. Die über zwei Spielzeiten wachsende Berührung beider Konzepte mündete nun in das „transkulturelle Orientation-Festival“ des Staatstheaters.

Aribert Reimanns Kammeroper „Gespenstersonate“ in der Werkstatt der Staatsoper Berlin

26.06.17 (Peter P. Pachl) -
Reimanns Oper, nach seiner Opernadaption von Shakespeares „Lear“ entstanden, basiert auf Johan August Strindberg, der sein Drama als „literarische Sonate“ bezeichnete, womit der Bewunderer Beethovens auf dessen „Gespenstersonate“ und „Gespenstertrio“ Bezug nahm.

Eine Traumfrau von Heute – Die St. Gallener Festspiele mit Catalanis selten gespielter „Loreley“

25.06.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Eine Nixe mit Goldhaar auf dem Rheinfelsen; verführte Adelige und scheiternde Schiffer auf dem Fluss; herrschaftliche Hochzeit und Volksfest; ein Flussfürst namens Alberich – und all das übergossen mit italienischer Musik? Eigentlich geht das doch nicht mehr… doch auf St.Gallens Festspieltribüne klatschten und trampelten die 1400 Premierenbesucher begeistert.

Lichtspielszenen zwischen Wald und Meer – Wim Wenders’ Operndebüt mit Bizets „Perlenfischern“ an der Staatsoper

25.06.17 (Peter P. Pachl) -
Wim Wenders gehörte zur Gruppe jener Regisseure, die gefragt worden waren, ob sie den derzeit in Bayreuth spielenden „Ring“-Zyklus inszenieren würden. Dass Wenders’ Wagner-Projekt, gemeinsam mit Pina Bauschs Bühnenbildner Peter Pabst, seinerzeit nicht zustande gekommen ist, scheint angesichts seines nachgeholten Musiktheater-Regiedebüts mit George Bizets Oper „Les pêcheurs de perles“ nicht bedauerlich.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 26.06. bis 02.07.2017

25.06.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 26. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Initiative Neue Musik Berlin, Thomas Larcher, Edgar Bredow, Ricardo Eizirik, Basler Madrigalisten mit Thüring Bräm, Diemo Schwarz, Vinko Globokar, Gebrüder Teichmann, Trio Marvin, Christian Poltéra, Palma Ars Acustica, E-MEX Ensemble, Yasuko Yamaguchi, Sven-Ingo Koch, Ensemble Interface, Fritz Kreisler – dazu: „Le Marteau sans maître“, Die Geige in der Neuen Musik, SWR JetztMusik Edenkoben und Schwetzinger Festspiele.

Traurige Schmonzette als zähe Revue – „Das Land des Lächelns“ am Opernhaus Zürich

22.06.17 (Georg Rudiger) -
Der schwarze Bühnenvorhang mit schmalen, goldenen Bordüren ist noch geschlossen, da wird im Orchestergraben der Züricher Oper die Musik angeknipst. Fabio Luisi geht mit der Philharmonia Zürich in die Vollen und fordert von Beginn an bei Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ einen opulenten Sound, der das Melos betont und Streicherschmelz mit Blechglanz kombiniert. Und wenn die Melodie des Operettenschlagers „Dein ist mein ganzes Herz“ im Orchester erklingt, dann ist man schon mitten in der traurigen Schmonzette angekommen.

Bachfest 2017 glänzte mit kontrastreicher Programmfülle

22.06.17 (Roland H. Dippel) -
Unter dem Motto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ gab es bei 120 Konzerten und Rahmenveranstaltungen noch genügend Freiräume neben „Luther 2017.“ Mit Spitzenensembles, Jubiläumsveranstaltungen und regionalen Musikeinrichtungen zeigte das Bachfest auch 2017 eine künstlerisch bemerkenswerte Vielfalt und erreichte vom 9. bis 18. Juni eine Platzausnutzung von über 90 Prozent.

Der Prinzessin und die Mausefalle – „Salome“ an der Oper Leipzig

20.06.17 (Joachim Lange) -
Die neue „Salome“, die Ulf Schirmer, Aron Stiehl und Rosalie in der Oper Leipzig herausgebracht haben, überzeugte das Premierenpublikum und war der Höhepunkt eines Richard-Strauss-Wochenendes. Joachim Lange berichtet.

Kindertheatermäßig – Rameaus „Zoroastre“ an der Komischen Oper Berlin

20.06.17 (Peter P. Pachl) -
Die Erstaufführung von Jean-Philippe Rameaus fünfaktiger Tragédie „Zoroastre“ im Rahmen der alljährlichen Barockopernproduktion der Komischen Oper Berlin erwies sich als ein schwieriges Unterfangen. Zu dürftig und redundant die Handlung, zu wenig musikalisch fesselnd die weitgestreckten Rezitative, zu kindertheatermäßig die szenische Aufbereitung, – und so verließen etwa 20 Prozent der Premierenbesucher das Theater bereits in der Pause.

Instinktsicher – Die „West Side Story“ begeistert auf dem Domplatz in Magdeburg

20.06.17 (Joachim Lange) -
In Sachen Open-Air Musical geht die Oper Magdeburg auf Nummer sicher. Mit dem Dom im Hintergrund, genügend Platz für die Pausenversorgung. „Hair“ im Vorjahr, jetzt die „West Side Story“ und nach der Premiere gibt es schon den Flyer für „Jesus Christ Superstar“ 2018 auf den Heimweg mit. Wenn das Wetter jeden Abend knappe drei Stunden mitspielt, dann kommt das alljährliche Saisonabschluss-Musical auf seine 20.000 Zuschauer für die (in Magdeburg ohnehin recht passable) Auslastungsbilanz von über 80 Prozent.

Bedingter Sieg für Mussorgskij – „Ur-Boris“ an der Deutschen Oper Berlin

18.06.17 (Peter P. Pachl) -
Während die Staatsoper in der Ära von Jürgen Flimm konsequent und – wie zuletzt mit „La Damnation de Faust“ sehr erfolgreich auf internationale Koproduktionen setzt, hat die Deutsche Oper Berlin mit Koproduktionen offensichtlich eine weniger glückliche Hand. Die Inszenierung von Richard Jones, erst im Vorjahr am Royal Opera House Covent Garden in London erfolgt, wirkt sehr viel älter, als sie ist. Doch der Zuspruch des Premierenpublikums für die russische Nationaloper war uneingeschränkt.

Verbindlichkeit und Radikalität – Mozarts und Czernowins „Zaide/Adama“ in Freiburg

18.06.17 (Georg Rudiger) -
Eine Uraufführung am Ende einer Amtszeit? Dazu gehören Mut und Selbstvertrauen. Mit der Premiere von „Zaide/Adama“, der letzten in der Amtszeit der Intendantin Barbara Mundel und Operndirektorin Dominica Volkert, verabschieden sich die Freiburger Musiktheatermacherinnen von ihrem Freiburger Publikum nicht mit einem Zuckerl, sondern einer harten Nuss, die es zu knacken gilt – und die dann doch allzu schwer im Magen liegt.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 19. bis 25. Juni 2017

18.06.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 25. Portraits und Schwerpunkte gibt es zu: Das Tiepolo-Projekt des Ensembles KNM Berlin, Ensemble Phoenix Basel, Label aufabwegen, Rainer Bischof, Mayako Kubo, Richard Dünser, Rainer Rubbert, Rebecca Saunders, Vinko Globokar, Ulrich Troyer, Georg Philipp Telemann, Sidney Corbett, Peter Kaizar, Nicolas Hodges, Festival „Infektion!“ und Rostrum of Composers – der Songcontest der Neuen Musik.

„Gefährliche Liebschaften“ an der Musikhochschule Lübeck

16.06.17 (Arndt Voß) -
Wenn sechs junge Damen sich „Gefährlichen Liebschaften“ widmen, verspricht das ein sinnliches Vergnügen – für das Ohr, wenn sie einschmeichelnd singen, leise wie laut, hoch wie tief, im plappernden Recitativo wie im geschmeidigen Belcanto oder mit rasanten Koloraturen – für das Auge, wenn sie bezaubernd im wallenden Countuche und mit fein gepuderten Perücken oder, um vielleicht das Männliche zu ergründen, im langen Rock, in vornehmen Culotten und seidigen Strümpfen sich bewegen.
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