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Fesselnde Reise in gottlose Welt – Rued Langgaards Oper „Antikrist“ am Staatstheater Mainz

10.06.18 (Andreas Hauff) -
Er war wohl einer der größten Exzentriker der abendländischen Musikgeschichte: Rued Langgaard, 1893 in Kopenhagen geboren und 1952 als Domorganist in Ribe (Nordschleswig) verstorben, schrieb über 400 Werke für verschiedenste Besetzungen, von denen zu seinen Lebzeiten ein Zehntel publiziert und allenfalls die Hälfte aufgeführt wurde – einige davon in Deutschland. Seine 1930 fertiggestellte Oper „Der Antikrist“ kam erst 1999 in Innsbruck auf die Bühne. 19 Jahre später ist das sperrig-sinnliche Stück als deutsche Erstaufführung in Mainz zu erleben.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 11.06. bis 17.06.2018

10.06.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 24. Schwerpunkte: Natasha Barrett, Jürg Frey, Helmut Oehring, Annesley Black, Sven Daigger, Peter Ablinger, Charles Gounod, Gustav Metzger, Tony Oxley, Hermann Keller, Simon Steen-Andersen | Werkzeuge der Neuen Musik – Alphorn.

Tod ohne Verklärung: Verdis „Maskenball“ in Weimar

08.06.18 (Roland H. Dippel) -
Immer wieder gelingt es dem Deutschen Nationaltheater, überraschende Funken aus dem italienischen Repertoire zu schlagen. Mit Verdis „Un ballo in maschera“ stellt Eva-Maria Höckmayr nach „Madama Butterfly“ ihre zweite Arbeit für Weimar vor. Das Fundament liegt diesmal allerdings in der intelligenten wie emotional dichten musikalischen Leitung von Stefan Lano und dem eindrucksvollen Riccardo von Jaesig Lee.

Zur Uraufführung von George Alexander Albrechts „Requiem für Syrien“ in Dresden

06.06.18 (Roland H. Dippel) -
Innerhalb von elf Tagen kamen im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele 2018 zwei Uraufführungen in Anlehnung an Traditionen der christlich-europäischen Sakralmusik heraus. Mit der „Universaloper“ „Buddha Passion“ komponierte Tan Dun inspiriert durch Bachs „Matthäuspassion“ eine episch-dramatische Szenenfolge mit finaler Apotheose. „Requiem für Syrien“ von George Alexander Albrecht (komponiert 2016/17) ist ein von der Liturgie gelöstes, dabei der christlichen Tradition verpflichtetes Opus, das die enge Bindung an die Spätromantik nicht verleugnet und durch eine starke innere Balance bewegt. Also eine Partitur, deren emotionale Haltung mit objektivierenden Rezeptionsmustern nur schwer zu fassen ist.

Festivalerlebnis als musiktheatrales Happening – Das Erste Biennale-Wochenende in München

05.06.18 (Anna Schürmer) -
Im Vorfeld der Münchener Biennale für neues Musiktheater ist das Publikum dazu angehalten, sich einen Stundenplan zu bauen: einen persönlichen Wegweiser durch das Programm zum Thema „Privatsache / Private Matters“ mit seinen insgesamt fünfzehn Neuproduktionen, deren Premieren sich teils überschneiden. Das heißt, man muss Entscheidungen treffen; und es bedeutet, dass niemand in diesem ersten Biennale-Drittel genau dieselben Dinge erlebt hat. Eher gleicht das Festivalerleben einem interaktiven Computerspiel, in dem eigene Entscheidungen den Spiel- und Rezeptionsfluss bestimmen.

Europa-Tour der Sächsischen Staatskapelle Dresden: Brückenbauer nach Noten

05.06.18 (Michael Ernst) -
Der grassierenden Politikverdrossenheit eins gegensetzen, das schafft vielleicht nur die Musik. Die Sächsische Staatskapelle und der Staatsopernchor Dresden haben jedenfalls mal wieder für ein gesamteuropäisches Miteinander von Osten und Westen gesorgt.

Wenn die Grachten Gondeln tragen – Offenbachs „Les contes d’Hoffmann“ in Amsterdam

05.06.18 (Joachim Lange) -
Weil „Les contes d’Hoffmann“ die ambitionierteste Oper des Operettenkönigs Jacques Offenbach ist, liegt für jeden Regisseur die Versuchung in der Luft, daraus eine große Show zu machen. Gerade bei der Barcarole, einer ihrer populärsten Nummern. In Paris ließ Robert Carsen dazu schon mal ganze Zuschauerreihen eines Theaters auf der Bühne schunkeln. Venedig, Gondeln, ein dramatisch eskalierender Ausflug ins Verruchte der Kurtisanen-Halbwelt; und dann hat auch noch der Teufel seine Finger im Spiel! Es ist schwer, da nicht vom Wege abzukommen und in einem Canale Grande voller Klischees zu landen.

Der Mensch, ein Spiel des Bösen – Verdis „Otello“ in Lübeck

04.06.18 (Arndt Voß) -
Am Theater Lübeck empfiehlt sich ein sehr gradliniger, zugleich plausibler „Otello“, der wohl gerade deshalb mit großem Beifall aufgenommen wurde, weil er keine unnötigen Versatzstücke benötigte. Redlich besann man sich auf das Gegebene, auf Shakespeares großartige Charakterisierungskunst, auf Boitos Geschick, opernwirksame Szenen zu schaffen, und auf den genialen Verdi, der dafür mitreißende Musik fand. Ungewohnt ist solch ein Herausarbeiten dessen geworden, was im Werk steckt und nicht im Kopf eines Regisseurs.

Preußischer Opern-Weltcup: Spontinis „Agnes von Hohenstaufen“ am Theater Erfurt

03.06.18 (Roland H. Dippel) -
Gaspare Spontinis und Ernst Raupachs preußische Hochzeitsoper hat eine bescheidene Wirkungsgeschichte. Nach der letzten Bearbeitung 1835 wurde sie im deutschen Sprachraum überhaupt nicht mehr gespielt. Von Sammlern kultisch verehrte Mitschnitte der Aufführungen beim Maggio Musicale Firenze 1954 und 1974, 1970 beim RAI (und zuletzt 1986 in Rom) blieben wirkungslos. Die erste gedruckte Partitur der in Personalaufwand und Umfang riesigen Oper erschien erst 2001 bei Henle. Die von Riccardo Muti und Werner Schroeter betriebene Co-Produktion der Staatsoper Berlin, der Mailänder Scala und der Wiener Staatsoper platzte. Das Theater Erfurt wagte sich an dieses legendäre Werk, veranstaltete um die Premiere ein Symposium und mobilisierte alle musikalischen Kräfte der Stadt. Der Applaus erreichte am Ende die hohen Phonzahlen von Spontinis Partitur. Eine imponierende Kampfaufstellung mit Fragezeichen von innen und außen.

Spanischer als „Carmen“, und härter – Manuel Penellas Oper „El Gato Montés“ in Kaiserslautern

03.06.18 (Andreas Hauff) -
Gibt es eine Oper, die spanischer ist als „Carmen“? Das Opernrepertoire sagt: „Nein“, die Probe aufs Exempel aber beweist: „Doch“! – Auch „El Gato Montés“ spielt im andalusischem Milieu zwischen Toreros, Zigeunern und Banditen, allerdings in spanischer Sprache und mit stärker andalusisch geprägter Musik. Text und Musik stammen von Manuel Penella (1880-1939); die Oper wurde 1917 in seinem Geburtsort Valencia uraufgeführt. Erst jetzt zeigt nun das Pfalztheater in Kaiserslautern die deutsche Erstaufführung – mit einem spanischen Regieteam und dem langjährigen Ersten Kapellmeister, dem Spanier Rodrigo Tomillo, als Gastdirigenten.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 04.06. bis 10.06.2018

02.06.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 23. Schwerpunkte: '68 und die Neue Musik | Vom politischen Eklat in der Neuen Musik | Archaische Musik | Wittener Tage für neue Kammermusik 2018 | Neue Musik: 1968 | Edu Haubensak | Sven Daigger | Hermann Keller | Ole Hübner | Leonard Bernstein | Gustav Metzger | Matthias Krüger | Comandante Che Guevara | Ensemble Tetrachord.

Oper/Operette/Stimmen: Radio-Monat Juni/01 2018

31.05.18 (mh) -
Opern … im Radio. Operette und Stimmen in der ersten Hälfte Juni 2018. Camille Saint-Saëns: „Samson et Dalila“, Hector Berlioz: „La Damnation de Faust“, Giacomo Puccinis Opern „Il Trittico“, Eugen Onegin – Von Peter Tschaikowsky, Nikolaj Rimskij-Korsakow: „Sadko“, Dantons Tod – Oper von Gottfried von Einem, Nino Rota: „Il cappello di paglia di Firenze“, Rued Langgaard – „Antikrist“, Giuseppe Verdis Oper „Otello“, Lessons in love and violence von George Benjamin, Luigi Cherubini: „Medea“, Simon Boccanegra – Oper in einem Prolog und drei Akten von Giuseppe Verdi.

Masetto droht mit dem Sparschäler – „Don Giovanni“ am Theater Münster

Erst stirbt der Komtur, am Ende Don Giovanni – und zurück bleiben ein paar verwundete Seelen. Ist Mozarts „Don Giovanni“ ein heiteres Stück? Regisseur Christian von Götz meint: ja. Und inszeniert in Münster ein lebhaftes und buntes Treiben.

Zeigefinger und Messer – „Autonome Musik“ mit dem Ensemble Mosaik in Berlin

29.05.18 (Hans-Peter Graf) -
Die in Berlin beheimatete Formation begeht ihren Zwanzigsten mit einer vierteiligen Reihe Autonome Musik. Mit Selbstbewusstsein und dem eigenen Ensemble-Schwerpunkt, der Arbeit an „neuen Ansätzen der Aufführungspraxis“, verpflichtet, ging’s in die dritte Runde.

Tödliche Sehnsucht – Strawinskys „The Rake‘s Progress“ am Theater Bremen

29.05.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Das Ende wird vorausgenommen: in der Inszenierung von Michael Talke am Theater Bremen fällt der (Anti-)Held Tom Rakewell in der Irrenanstalt tot um, erst dann rollt das Geschehen an, was dann mit derselben Szene endet. Diese Kreisbewegung charakterisiert bestens Talkes Annäherung an „The Rakes Progress“ von Igor Strawinsky, das 1951 in Venedig unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt wurde.

„Die benutzte Braut“ – Smetana-Premiere als perfides Satyrspiel in Altenburg

28.05.18 (Roland H. Dippel) -
Einfach fällt die Würdigung dieser Premiere nicht. Da gibt es stellenweise ein Zuviel an Ausdrucksmitteln zwischen ambitionierter Ausstattung und (über-)griffigem Lustspiel. Auf alle Fälle hat es sich das Musiktheater Altenburg-Gera mit dem tschechischen Nationalheiligtum „Die verkaufte Braut“ in der deutschen Übersetzung von Kurt Honolka nach einer bewundernswerten Kette von Premieren mit dem triumphalen Höhepunkt von George Enescus „Oedipe“ nicht leicht gemacht. Hinter der bunt frisierten „Volksoper“ blitzt es geistesgewandt.

Melodram mit Dynamit – Von Einems „Der Besuch der alten Dame“ in Radebeul

28.05.18 (Roland H. Dippel) -
Mit der Produktion von „Der Besuch der alten Dame“, ihrer Hommage zum 100. Geburtstag von Gottfried von Einem, bestätigen die Landesbühnen Sachsen einmal mehr Anspruch und vitales Leistungsvermögen. In den Hauptrollen dieser perfiden Komödie, die hier zur eindrucksvoll bösen „Opéra noire“ wird, erlebt man die beiden großartigen Sängerdarsteller Stephanie Krone und Paul Gukhue Song.

Mahagonny, Mond und Moral – Opéra national du Rhin mit Werken von Weill und Schönberg

28.05.18 (Michael Kube) -
Ein Abend, der viele Überraschungen mit sich brachte. So haben Arnold Schönbergs Pierrot lunaire wie auch Kurt Weills Songspiel Mahagonny (Urfassung) und die Sieben Todsünden zwar keinen ausgewiesenen Bezug zur Opernbühne, sie lassen sich auch nicht ohne weiteres thematisch aufeinander beziehen – und dennoch fügten sie sich in dieser außergewöhnlichen Straßburger Inszenierung von David Pountney zu einem Tableau zusammen.

Mit Handy wäre das auch passiert … – Die Händelfestspiele in Halle sind mit „Berenice, Regina, D’Egitto“ bravourös gestartet

27.05.18 (Joachim Lange) -
Die Zeiten, in denen es Händelopern gab, die in Halle noch nie aufgeführt wurden, sind vorbei! Mit den Festspielen 2018 hat die Geburtsstadt des Meisters als einzige alle seine 42 überlieferten Opern mindestens einmal im Programm gehabt. Die 1737 in London uraufgeführte „Berenice, Regina d’Egitto“ war die letzte, die noch fehlte. Das ist schon eine Leistung, auf die sich die Hallenser was einbilden können. Das ist gelebte Händelkompetenz hinter den Kulissen, auf der Bühne, im Graben und im Saal.

Die Fernsehwoche vom 28.05. bis zum 03.06.2018

27.05.18 (mh) -
Musikzeug im Fernsehen der öffentlich-rechtlichen Kanäle in der Kalenderwoche 22. Ist schon etwas für ganz sportliche Frühaufsteher. Wenn da 05:00 steht meint das morgens nach mitteleuropäischer Sommerzeit und nicht etwa die Zeit zwischen Nachmittagnickerchen und Abendbrot!

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 28.05. bis 03.06.2018

27.05.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 22. Schwerpunkte: '68 und die Neue Musik | Dominik Susteck | „blurred edges“ | Metamoderne in der Musik | Eva Zöllner stellt vor | ENIAC Girls | Leonard Bernstein | Pianistin Jee Eun Franziska Lee | Ausstellung „Entartete Musik“, 80 Jahre nach der Eröffnung.

Erlebnispfade und Verjüngung: Das Moers Festival 2018

25.05.18 (Stefan Pieper) -
Auf „Lester Mitchells Starship Orchestra“, wo der Bandleader die Trompete und das Saxofon angeblich gleichzeitig bläst, wartete man beim Moers Festival vergeblich. Wer dennoch zum angegebenen Zeitpunkt in der Eishalle kam, dem wurde zum Trost ein Freibier ausgegeben. Auch die im September 2001 gegründete „Botox Family mit Stef Flops und Bill Geiz“ gehört zum Spektrum der Fake News, welche das Programmheft verbreitete.

Gustav Ernst Schrecks „Christus, der Auferstandene“ in der Thomaskirche Leipzig

23.05.18 (Roland H. Dippel) -
In seinem erfolgreichen Bewerbungsschreiben für das Amt des Thomaskantors hatte Gustav Ernst Schreck (1849–1918) „Christus, der Auferstandene“ als Beispiel für seine musikalischen Kompetenzen erwähnt. Es erstaunt, dass das im Leipziger Gewandhaus am 3. März 1891 erstmals erklungene Oratorium vermutlich nur noch in Heilbronn und Schneeberg zur Aufführung kam.

Frank Castorf scheitert in Münchens Nationaltheater an Janáčeks „Aus einem Totenhaus“

23.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Es gibt Musiktheaterwerke, die aus dem gängigen Repertoire fast wie Monolithen aufragen, weil sie fern aller Belcanto-Freuden den Mühseligen und Beladenen ein künstlerisches Mahnmal errichten – so Alban Bergs „Wozzeck“ und „Lulu“, so Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“. Dazu zählt auch Leoš Janáćeks „Aus einem Totenhaus“. In seinem letzten Bühnenwerk legt der 74jährige in einem sibirischen Lager die Schicksale von Gewalttätern und Mördern offen, zeigt kleine Reste von Humanität und schreibt über die Partitur „In jeder Kreatur ein Funke Gottes“.

Auf nach Europa – Tage Alter Musik Regensburg 2018

22.05.18 (Juan Martin Koch) -
Hat der Handelsstreit mit den USA die Alte-Musik-Szene erreicht? Erhebt die Europäische Union nun Import-Zölle auf Ensembles aus Nicht EU-Staaten? Auf diesen absurden Gedanken konnte man angesichts des diesjährigen Programms der Tage Alter Musik Regensburg beinahe kommen.
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