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Ohne Grummeln – Das Céline Bonacina Crystal Quartet gastierte beim BMW Welt Jazz Award

06.02.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Drei Männer, drei Frauen. Diese paritätische Gewichtung hat sich niemand im Vorfeld ausgedacht, sie war keine Grundvoraussetzung für die 11. Ausgabe des BMW Welt Jazz Awards, über dem das Motto „Saxophone Worlds“ steht. Nein, sie ist das Resultat eines umfassenden Blindfold-Texts, bei dem die Mitglieder der Jury die Teilnehmer für den renommierten Wettbewerb aussuchen. Eigentlich ist diese ausgewogene Geschlechterverteilung keine wirkliche Überraschung, verschaffen sich doch immer mehr Saxofonistinnen in der internationalen Jazz-Szene Gehör. Eine davon, die Französin Céline Bonacina, gastierte jetzt im Doppelkegel der BMW Welt und wurde gefeiert.

Ein Walkürenrastplatz lieg am Golf – Die Bayreuther Festspiele gastieren in Abu Dhabi

04.02.19 (Joachim Lange) -
Zu dem, was jeder über die Bayreuther Festspiele zu wissen glaubt, gehören die einst jahrelangen Wartezeiten auf Eintrittskarten. In Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, waren es tatsächlich die 11 Jahre aus der Legende. Aber nicht, um ins Allerheiligste der Wagnerpflege nach Bayreuth zu kommen, sondern umgekehrt. In diesem Falle kommen die Bayreuther Festspiele nämlich zu den Emiratis. Angeführt von der Festspielchefin Katharina Wagner persönlich. Als Gastspiel des einzigartigen Orchesters und einer handverlesenen Auswahl von zum Teil recht hügelerfahrenen Sängern.

Eiskalter Schrecken: Beryl Korots und Steve Reichs Video-Oper „Three Tales“ am Theater Erfurt

03.02.19 (Roland H. Dippel) -
Während die Landesbühnen Sachsen mit „Coppélia – Android Q1“ die Gefahren personalisierter Glücksverheißungen auf den Prüfstand stellen, gibt es im Studio des Theaters Erfurt einen beklemmenden Blick auf drei kollektive Katastrophen des 20. Jahrhunderts: Die Video-Oper „Three Tales“ von Beryl Korot und Steve Reich, uraufgeführt bei den Wiener Festwochen 2002, ist „eine intermediale Performance in drei Teilen, in denen bedenkliche Implikationen und Konsequenzen technischer Entwicklungen im 20./21. Jahrhundert thematisiert werden“ (Pressetext des Theaters Erfurt).

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 04.02. bis 10.02.2019

03.02.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 06. Das Publikum als Werkzeug der neuen Musik | die Kontrabassklarinette | Zeitgenössische Musik im Film | Saxhörner und Aidas Trompeten – Die Erfindungen des Monsieur Sax | Ultraschall Berlin | Donaueschinger Musiktage 2018 | rainy days | Werkzeuge der Neuen Musik – Das Cello | Bühnenbeleuchtung von der Wachskerze bis zur LED-Lampe | Der Sound, der aus der Kälte kam | Forum neuer Musik 2008 | Meilensteine der Moderne (21) Stockhausens Kontakte.

Schmissig-pfiffige Schnee-Männerei – Uraufführung von „Drei Männer im Schnee“ am Münchner Gärtnerplatztheater

02.02.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Erich Kästners Texte sind „Musik-affin“: Chansons mit seinen Gedichten zeugen davon; viele Passagen in den Romanen sind so luftig leicht und kess-frech, dass sie nach Vertonung „schreien“. Vor über zwei Jahren gab Intendant Josef Köpplinger dem mehr als Genre-erfahrenen Thomas Pigor den Auftrag zu einer Revue-Operette im Stil der 1920-30er Jahre. Das Endergebnis wurde nun einhellig bejubelt.

Ein rumorendes Konzert an der Akademie – Streichquartette von Halffter und Gubaidulina

02.02.19 (Andreas Kolb) -
2012 erhielt die Europäische Union den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte. Zurecht wie der Autor dieser Zeilen meint, gerade aus musikalischer Sicht ist ein – wenn auch im brüderlichen Wettstreit – vereintes und friedliches Europa eine der größten Errungenschaften seit Jahrhunderten. „Alle Menschen werden Brüder“: der Europäer Beethoven war nicht der einzige Musiker, der sich Kunstfreiheit und Menschenwürde in einem geistigen Europa wünschte. Bis in unsere Zeit reichen die politischen Verwerfungen, unter denen auch die beiden Komponisten zu leiden hatten, die der Musikdirektor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Peter Michael Hamel, aufs Podium in der Residenz lud. Er stellte der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina und dem spanischen Komponisten Christobal Halffter die Frage: „Wie klingt Europa im 21. Jahrhundert?“

„Es geht darum, wahrhaftig zu sein“ – Organist und Komponist Jean Guillou gestorben

01.02.19 (Hannah Schmidt) -
Diese Interpretationen machen süchtig: Es ist 19 Jahren her, da spielte Jean Guillou an seinem Instrument in der Pariser Kirche Saint Eustache das gesamte Bach‘sche Orgelwerk ein – zehn Konzerte in wenigen Wochen, zu denen das ganze Viertel kam. Man presste die eher dürftig abgenommene Musik ohne nachträgliche Schnitte und tonmeisterliche Politur auf zwölf CDs – der tosende Applaus nach jedem Werk ist mit drauf, knackende Kirchraum-Geräusche und kleinste Unsauberkeiten, die der damals 70-jährige Guillou seinen Fingern und Füßen nicht mehr verbot. Es sind die wahrscheinlich virtuosesten Bach-Einspielungen auf einer Orgel, die es gibt: sensationell musikalisch und extrem libertär.

Blutgräfin in da house: „Elizabetta“ von Gabriel Prokofiev und David Pountney am Theater Regensburg

01.02.19 (Juan Martin Koch) -
Ein erfahrener Opernmensch als Librettist, ein Musiktheater-Neuling mit großem Namen: Das Theater Regensburg hat es wieder einmal geschafft, mit einer Uraufführung überregionales Interesse zu entfachen. Szenisch zündet das durchaus, musikalisch eher weniger, findet Juan Martin Koch:

Frei aber gemeinsam – die neue Orchesterakademie KAPcampus

01.02.19 (Antje Rößler) -
Im Jahr 2000 entstand die Kammerakademie Potsdam (KAP), das Hausensemble des Potsdamer Nikolaisaals. Die Gründungsmitglieder kommen also langsam in die Jahre. Für Nachschub sorgt nun die neue Orchesterakademie KAPcampus, die Nachwuchsmusikern eine praxisnahe Ausbildung bietet. Es handelt sich um die erste Orchesterakademie im Bundesland Brandenburg.

Hausheilige und eine Uraufführung: Breitkopf & Härtel feiert in Wiesbaden seinen 300. Geburtstag

30.01.19 (Juan Martin Koch) -
Mit einem Festkonzert des hr-Sinfonieorchesters im Wiesbadener Kurhaus hat Breitkopf & Härtel das Jubiläumsjahr zu seinem 300. Geburtstag eröffnet.

Von elegisch bis wild – Das Maciej Obara Quartet eröffnete den 11. BMW Welt Jazz Award

30.01.19 (Ssirus W. Pakzad) -
Schon witzig, dass das zehn lange Jahre gedauert hat – jetzt endlich steht beim BMW Welt Jazz Award der Klangerzeuger im Mittelpunkt, den fast ein jeder irgendwie mit Jazz in Verbindung bringt. „Saxophone Worlds“ ist der 11. Jahrgang des überaus beliebten Wettbewerbs, den der Münchner Autobauer seit 2009 mit viel Engagement ausrichtet, diesmal überschrieben. Zum Auftakt zeigte sich ein Altist aus Polen von seiner besten Seite: Maciej Obara.

Lulus Utopie – Marco Štorman inszeniert am Theater Bremen Alban Bergs „Lulu“

29.01.19 (Ute Schalz-Laurenze) -
Der Regisseur Marco Štorman mag nicht, dass Alban Bergs „Lulu“ ein Opfer ist. Das ist zwar nicht neu, aber 2019, im Jahr „einer aufregenden Debatte über Geschlechterrollen und -Definitionen“ (Štorman) will er mit unglaublicher Energie und Folgerichtigkeit in der 1937 uraufgeführten Oper gar eine Utopie darin sehen, dass gegenseitiges Unverständnis doch überwunden werden kann – wie auch immer.

Entlarvung allen Rassismus – Die St. Petersburger Erstfassung von Verdis „Forza del Destino“ an der Oper Frankfurt

29.01.19 (Wolf-Dieter Peter) -
„Volatil“ sind derzeit weltweit fließende Geldmengen, daran hängende Entscheidungen und damit auch Menschen. War 1860, zu Zeiten von Verdis Komposition, eine Handlung zwischen Spanien, seinen mittelamerikanischen Kolonien, Österreich und Italien ein alle klassischen Theaterregeln sprengende „Unglaublichkeit“ – so kann das aus heutiger Sicht auch „die ganze Welt“ sein – so in der Frankfurter Neuinszenierung.

Leonard Bernsteins „On The Town“ in der Musikalischen Komödie Leipzig

28.01.19 (Roland H. Dippel) -
„On The Town“ kam im Jubiläumsjahr 2018 zum 100. Geburtstag von Leonard Bernstein definitiv zu kurz. Dabei klotzt das 1944 am Broadway uraufgeführte und aus dem Sujet des Balletts „Fancy Free“ entwickelte Musical nur so von Attacken gegen den Geschlechterrollen-Wahn im Amerika der Jahre um 1940. Bernstein kehrt mit den Textbuch-Autoren Betty Comden und Adolph Green konventionelle Kontakt-Anbahnungsstrategien um. Wer kapert sich wen beim 24-stündigen Landgang der Matrosen Gabie, Ozzie und Chip?

Das letzte Foto – Puccinis „La Bohème“ an der Komischen Oper Berlin

28.01.19 (Peter P. Pachl) -
Henry Murgers Vorlage zu den „Bohème“-Opern von Leoncavallo und Puccini wurde bezeichnenderweise vom Dichter der ersten Räterepublik, Erich Mühsam, unter sozialistischem Aspekt betrachtet. Barrie Koskys Neuinszenierung verzichtet auf politische Dimensionen, sie konzentriert sich ganz auf die Begegnung junger Leute mit dem unerwartet in das heitere Leben einbrechenden Tod. Die Premiere wurde ob ihrer Spielfreude und lauten Gesangs fast einhellig goutiert.

Partiell entschlüsselt – Bellinis „La Somnambula“ an der Deutschen Oper Berlin

27.01.19 (Peter P. Pachl) -
Vincenzo Bellinis Oper „La Somnambula“ aus dem Jahre 1831 verfügt über eine bis heute lückenlose Aufführungstradition, auch wenn die Aufführungszahlen in den vergangenen Decennien von der „Norma“ dieses Komponisten überrundet wurden. Die vor sieben Jahren in der Kritikerumfrage der „Opernwelt“ zur „Aufführung des Jahres“ gekürte Stuttgarter Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito, wurde für die Deutsche Oper Berlin neu einstudiert, das einstige Skandalon nunmehr fast widerspruchslos akzeptiert.

Kurschatten können tödlich sein – Hector Berlioz‘ „Trojaner“ in Paris

27.01.19 (Joachim Lange) -
Die Musterexemplare der Grand opéra gehören an die Bastille-Oper. Wohin auch sonst. Das Genre ist gleichsam der französische Wagner. Bedarf in Paris aber der Pflege. Gerard Mortier etwa war kein Fan. Auch das Haus ist selbst so was von grand, dass es dem Besucher manchmal Angst macht. Wenn er nach der Vorstellung den Saal verlassen will etwa. Oder vor der Vorstellung versucht, die Garderobe loszuwerden. Oder in der Pause das bewusste Örtchen … lassen wir das. Frankreich hat andere Vorzüge. Und größere Probleme.

Virilität und Virtuosität: Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“ im Nationaltheater Prag

27.01.19 (Roland H. Dippel) -
Es ist die erste Produktion von Ernst Kreneks Zeitoper in Prag nach der Erstaufführung 1927 am Neuen Deutschen Theater, die dort wenige Monate nach der Leipziger Uraufführung auch Alexander Zemlinsky dirigiert hatte. Die Neuinszenierung des größten Opernerfolgs der Weimarer Republik im Nationaltheater Prag findet mit Poesie und feinem Witz szenische Entsprechungen zu Kreneks Stilpluralismus, der weit über das vom Komponisten selbst dementierte und noch immer für dieses Werk verwendete Schlagwort der „Jazzoper“ hinausweist. Denn natürlich steht „Jonny spielt auf“ auch in freundlicher Nähe zu den sinnlichen Neuromantikern und sogar zum „Weißen Rössl“.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 28.01. bis 03.02.2019

27.01.19 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 05. Oliver Schneller | Beethoven im gegenwärtigen Musikschaffen | Festival Leicht über Linz | Anton Webern | Der mikrotonale Kontrabass | Musik zur Shoa | Scharoun Ensemble Berlin | Christian Dierstein | Wien Modern | Schubert-Re-Visionen | Werkzeuge der Neuen Musik – Die Viola | Das Verhör des Lukullus | Hörspiel des Monats | Der Pianist Martin von der Heydt | Federico Mompou und die Mystik einer música callada | Witten | Die Welt der Hardangerfiedel.

Castellucci mit Scarlattis „Il primo omicidio“ in Paris

26.01.19 (Joachim Lange) -
Bei Alessandro Scarlatti (1660-1725) ist es so ähnlich wie beim etwas jüngeren Kollegen Händel – der hat irgendwann auch Opern in das Gewand von Oratorien gepackt. Oder doch zumindest mit Hinblick auf ihre dramatische Wirkung komponiert. So kann man sie heute getrost jenseits konzertanter Strenge durchaus als Bühnenereignis zelebrieren. Scarlattis 1707 in Venedig uraufgeführter „Il primo omicidio“ (Der erste Mord) ist dafür ein Beispiel.

TaubenSchiss – die „Politik & Kultur“-Trump-Fakes

25.01.19 (Theo Geißler) -
München: Google und die Ethik der künstlichen Intelligenz | Kopenhagen: Smarter Lautsprecher sollen sehen | Dresden: Rassistisches Lehrmaterial | Peking/Washington: Hirnaktivität und Donald Trump. Die aktuellen Fake-News, zusammengestellt von Theo Geißler

Kurz-Schluss – Wie ich einmal die überaus wunderbaren Vorzüge künstlicher Intelligenz (KI) kennen und schätzen lernen durfte

25.01.19 (Theo Geißler) -
Eigentlich schien ich nach etlichen schlaflosen Nächten ganz sanft träumend in jenen Tag – daran erinnere ich mich noch genau – hineinzugleiten. Ich saß an meinem DOS-betriebenen 386er PC. Es musste wohl bald ein halbes Jahrhundert her sein. Jedenfalls war ich dabei, mittels einer kleinen Manipulation der Konfigurationsdatei den gut 500 Kilobyte großen Arbeitsspeicher weitere zehn bis zwölf hinzuzufügen. Da wurde es plötzlich hell. [Vorabdruck aus der Politik & Kultur 2019/1-2]

Nach dem Schuss ist vor dem Schuss – Ballettabend am Theater Dessau

23.01.19 (Joachim Lange) -
Tomasz Kajdański macht aus der Carmen-Suite von Rodion Schtschedrin nach Bizets Oper und Manuel de Fallas „Der Dreispitz“ am Anhaltischen Theater Dessau einen packend unterhaltsamen Ballettabend.

Strangulation erspart die Guillotine – Giordanos „André Chénier“ in Schwerin

22.01.19 (Arndt Voß) -
Drastisch in der Handlung und schrill in den Farben serviert das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin Umberto Giordanos „André Chénier“ (Premiere: 18. Januar 2019). Die spektakuläre, zugleich ungewöhnlich üppige Inszenierung, die Roman Hovenbitzer erarbeitete, packt den Zuschauer. Expressiv und temporeich, dabei oft sinnlich überbordend, werden die chaotischen Zustände vor und während der Französischen Revolution vorgeführt, ein Zeitbild der besonderen Art! Dazwischen geraten die privaten, idealisierten Gefühle der drei Protagonisten unvermeidlich in die Nähe des Kitsches.

Instagram und Polit-Utopie – Mozarts „Zaide“-Fragment im Münchner Prinzregententheater

22.01.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Lessings „Nathan der Weise“ wurde erst 1783 uraufgeführt. Da hatte Mozart schon die vor 1780 fertigen 15 Arien seiner „Zaide“-Komposition beiseitegelegt. Den damals populären „Türken-Stoffen“ fügte er stattdessen mit der 1782 uraufgeführten „Entführung aus dem Serail“ ein Juwel hinzu. Die erst nach seinem Tod wiedergefundenen Arien und Musikteile der „Zaide“ sind Fragment. Die x-fachen Bearbeitungen seither gäben fast Stoff zu einer eigenen Oper.
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