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Alle Artikel kategorisiert unter »Barockoper«

Kontrollierter Ausnahmezustand

15.06.18 (Juan Martin Koch) -
Terry Gilliam und Hector Berlioz: Ohne die Parallelen überzustrapazieren kann man doch feststellen, dass beide so ihre Erfahrungen mit Herzensprojekten gemacht haben, die sich ewig hinzogen, um dann mit mehr oder weniger Erfolg doch noch realisiert zu werden. So konnte der englische Regisseur in Cannes endlich seinen von haarsträubendem Pech verfolgten Don-Quijote-Film vorstellen und Berlioz wartete einst jahrelang vergebens auf eine Aufführung seiner „Trojaner“ in Paris und hat sein Hauptwerk dann auch nie vollständig auf der Bühne erleben können.

Verzwicktes Familienfest einer göttlichen Gang – Legrenzis „Die Aufteilung der Welt“ in Kiel

15.06.18 (Arndt Voß) -
Für gute drei Stunden war Kiel der Nabel der Welt. Wichtiges stand an: Nichts Kleineres als die Erde war aufzuteilen, ein Unterfangen, bei dem selbst unter göttlichen Brüdern Streit unvermeidlich ist. Aber, wie so oft, ist das mit Musik, hier mit der barocken von Giovanni Legrenzi, durchaus gut anzuhören und, wenn dann noch die Optik stimmt, sogar vergnüglich anzuschauen (Premiere: 9. Juni 2018).

Mit Handy wäre das auch passiert … – Die Händelfestspiele in Halle sind mit „Berenice, Regina, D’Egitto“ bravourös gestartet

27.05.18 (Joachim Lange) -
Die Zeiten, in denen es Händelopern gab, die in Halle noch nie aufgeführt wurden, sind vorbei! Mit den Festspielen 2018 hat die Geburtsstadt des Meisters als einzige alle seine 42 überlieferten Opern mindestens einmal im Programm gehabt. Die 1737 in London uraufgeführte „Berenice, Regina d’Egitto“ war die letzte, die noch fehlte. Das ist schon eine Leistung, auf die sich die Hallenser was einbilden können. Das ist gelebte Händelkompetenz hinter den Kulissen, auf der Bühne, im Graben und im Saal.

Erotischer Opern-Traum – Händels „Semele“ an der Komischen Oper Berlin

14.05.18 (Peter P. Pachl) -
Der drei-dreiviertelstündige, aber in seinen szenischen Erfindungen und Umsetzungen überaus kurzweilige Premierenabend, durchwegs mit sängerischen Spitzenleistungen, erntete einhellige Begeisterung.

Oper als Steinbruch – Johann Adolf Hasses „Artaserse“ zwischen Bayreuth, Berlin und Münchens Cuvilliéstheater

13.05.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Sie steht zurecht im Mittelpunkt des Abends: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Die 1731 dorthin, ins „Paradies der Langeweile“ zwangsverheiratete Hohenzollerntochter, war künstlerisch hochbegabt und wertete ihre Residenz mit dem „Markgräflichen Opernhaus“ zu einem europäischen Opernzentrum auf. Im April 1748 wurde dieses Barock-Juwel mit Hasses „Artaserse“ eröffnet. Nach Wilhelmines Tod folgten fast 270 Jahre schleichender Verfall. Nach hochdifferenzierter Renovierung durch europäische Spezialisten übernahm Münchens Theaterakademie die Wiedereröffnung mit „Artaserse“. Nach Bayreuth und Budapest-Gastspiel kam die Produktion nun ins konkurrierende Rokoko-Juwel des Münchner Cuvilliéstheaters.

Virtuell in der Oper: Das Theater Wuppertal wagt ein Experiment mit Francesca Caccinis „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“

06.05.18 (Andreas Hauff) -
Es ist schon erstaunlich: Seit langen Jahren kreisen Diskussionen und Forschungen in Kulturszene und Kulturwissenschaften immer wieder um die Gender-Frage. Doch Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ – soweit bekannt, die erste von einer Frau komponierte Oper – bringt kein Theater auf die Bühne. Fast keines, muss man sagen, denn die Wuppertaler Oper hat jetzt einen Versuch gemacht. Aber sie verschiebt den Fokus des Stückes und versteht „liberazione“ (Befreiung) als Lizenz zur Digitalisierung.

Nichts als Wolken – Telemanns „Richard Löwenherz“ zu den 24. Telemann Festtagen in Magdeburg

12.03.18 (Joachim Lange) -
Mit Georg Friedrich Händels 23. Oper „Riccardo Primo“ kann man heute noch ziemlich Eindruck machen. Selbst, wenn sie als pures historisches Spektakel daherkommt, wie etwa vor vier Jahren bei den Händefestspielen in Karlsruhe. Der Plot, der 1727 dem berühmten Richard Löwenherz eine Bruchlandung auf Zypern beschert und ihn in eine fiese Intrige des dortigen Herrschers verwickelt, ist barocküblich verworren, aber bühnenergiebig. Der exemplarische Opern-Bösewicht, versucht seinem „Gast“ glatt mit der eigenen Tochter die falsche Braut unterzujubeln, um die eigentlich für den Briten vorgesehene, selbst zu behalten. Alles aufgeschäumt zu einem zeittypischen Mix aus Eroberung, Entführung und Erpressung, samt Krieg und Eingreifen eines syrischen (hic!) Prinzen als Retter. Und einem halbwegs glücklichen Ende, versteht sich.

Ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini. Die Musiktheater-Produktion „Ein Zimmer für sie allein“ am ZAMUS in Köln

01.03.18 (Andreas Hauff) -
Die Nachbarschaft in der Kölner Heliosstraße ist wahrscheinlich Zufall: Das ZAMUS (Zentrum für Alte Musik) in Köln-Ehrenfeld liegt neben einem seltenen Baudenkmal von 1894: Einem Binnenleuchtturm, der an die 1905 untergegangene Helios AG erinnert. Doch als Forum, Begegnungsstätte und Konzertort hat das 2012 gegründete ZAMUS inzwischen selbst Leuchtturm-Charakter. Mit der Musiktheaterproduktion „Ein Zimmer für sie allein“, die auch beim Internationalen Festival für Aktuelle Klangkunst in Trier gastierte, fällt nun ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini, die trotz Frauenbewegung und erstarktem Gender-Bewusstsein immer noch im Schatten ihrer männlichen Kollegen steht.

Wolken über der See … Georg Friedrich Händels „Ariodante“ an der Wiener Staatsoper

27.02.18 (Joachim Lange) -
Ganz so einwandfrei und barockfreundlich, wie es Staatsoperndirektor Dominique Meyer bei der Premierenfeier meinte, war die Akustik, zumindest im Parkett, dann doch nicht. Wobei das Gastorchester im hochgefahrenen Graben „Les Arts Florissants“ und ihr Gründer und Dirigent William Christie kein Problem hatten, die Klanghoheit im Saal der Wiener Staatsoper zu erringen. Ihr Part war durchweg transparent, frisch aufgespielt und raumfüllend. Dabei sehr einschmeichelnd, wenn die Stimmen zu tragen oder zu umschwirren waren, eloquent bei den knackigen Rezitativen.

Sinnlich höfische Zur-Schau- und Selbstdarstellung – „L’incoronazione di Poppea“ an der Staatsoper Unter den Linden

10.12.17 (Peter P. Pachl) -
Die Barockoper gehört einfach zu Unter den Linden, und so gab es am zweiten Tag des Spielbetriebes gleich die Premiere jener Oper, die einen herausragenden Höhepunkt in der Geschichte des Musiktheaters bildet, Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“.
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