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Alle Artikel kategorisiert unter »Musikwissenschaft«

„Die Deutschen verstehen uns gar nicht“

29.12.20 (Andreas Wehrmeyer) -
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Berlin zu einem Zen­­t­rum der Auslandsrussen, die vor dem bolschewistischen Regime, dem Bürgerkrieg und wirtschaftlicher Bedrängnis aus ihrer Heimat geflohen waren. „Man trifft hier ganz Moskau“ (Andrej Belyj); „auf Schritt und Tritt hörte man russisch reden. Dutzende von russischen Restaurants öffneten ihre Pforten: mit Balalaikas, mit Zigeunern, mit Gerstenfladen, mit Schaschliks und natürlich dem obligatorischen Sprung in der Seele“ (Ilja Ehrenburg). Der Höhepunkt war mit über 350.000 Russen im Herbst 1923 erreicht, solange der Rubel eine relative Stärke gegenüber der (hyperinflationären) Reichsmark ausspielen konnte; mit der Einführung der Rentenmark zogen viele Russen dann weiter nach Prag oder Paris. Das russische Berlin spiegelte sich kulturell unter anderem in Dutzenden von (Klein-)Verlagen sowie mehreren Zeitungen und Zeitschriften wider.

Link-Tipps 2020/11

21.11.20 (Martin Hufner) -
Podcast überall! Aufregendes mit Discothesen, Kinderführungen durch Konzertsäle, Geplaudertes zur Musikwissenschaft. Wenn Sie nach dem kompletten Abhören sämtlicher Podcasts noch die Güte hätten, den Rest der nmz zu lesen, nähmen wir Ihnen das sicher nicht übel.

Vom Hören emanzipierter Klang

20.11.20 (Patrick Ohnesorg) -
Das Bild von einem tauben Beethoven, der nur mithilfe eines Hörrohres fähig war, Sprache und Musik zu vernehmen, ist wohlbekannt. Doch wie stand es wirklich um Beethovens Gehör und seine Möglichkeiten, Musik über dieses wahrzunehmen? Und wie taub war er infolge dessen für Musik? Wie wirkte sich dies auf die insbesondere im Spätwerk zunehmend nuancierten Kompositionen aus? Diesen und weiteren Fragen will Michael Heinemann in seinem Buch über Beethovens Ohr aus einem originellen Blickwinkel auf den Grund gehen.

Eine eigenständige jüdische Stimme in der Sowjetunion

Hätte man sich um 1935 bei Arturo Toscanini, Issay Dobrowen, Hermann Scherchen, Alexander Gauk oder Dimitri Mitropoulos danach erkundigt, was es mit Alexander Weprik auf sich habe, so hätte wohl jeder dieser Dirigenten geantwortet, Weprik sei einer der herausragenden russischen Komponisten der Gegenwart. Sie alle hatten seine Werke dirigiert. Schott und Universal Edition führten ihn im Verlagsprogramm und bestätigten damit, dass er auch in Westeuropa als wichtiger Vertreter zeitgenössischer Musik wahrgenommen wurde.

Dem Klang der Zeitgeschichte nachgelauscht

08.10.20 (Anna Schürmer) -
Martin Rempe ist ein Historiker, der über Musik schreibt. In diesem Sinne repräsentiert er das zunehmende Interesse seiner Zunft am Klang der Zeitgeschichte. Das reizvolle Wortspiel im Untertitel seiner Habilitationsschrift „Kunst, Spiel, Arbeit“ ist vielversprechend: „Musikerleben in Deutschland“, womit der Autor sowohl den Akteur (‚Musiker‘), als auch die Erfahrung (‚Erleben‘) in Stellung bringt.

Eingeschlossen in die Welt des Singens

08.10.20 (Thomas Kabisch) -
Walther Hensel, geboren 1887 als Julius Janiczek in Mährisch-Trübau, gestorben 1956 in München, war nach heutigem Sprachgebrauch ein „Aktivist“, prägend beteiligt an Jugendbewegung und Singbewegung und Initiator des 1923 in der Nähe von Prag gegründeten Finkensteiner Bundes. Zu den Erfahrungen, aus denen seine politischen und musikalischen Überzeugungen ihre Dynamik bezogen, gehört – neben einem Kult der „Jugend“, wie er intermittierend in den letzten 200 Jahren immer wieder aufgetreten ist – wesentlich die „sudentendeutsche Grenzlandlage“ (Hensel 1923, im besprochenen Band S. 181), die sich ihm als „Grenzlandnot des mitteldeutschen Ostens“ darstellte (Erwin Wittek 1930, S. 24). „Die Befürchtung, das Deutschtum würde ‚im Kampfe mit den andern Völkern‘ unterliegen“ (S. 180), und der aus dieser Einschätzung notwendig entspringende „Grenzlandkampf“ war für Hensel, so paraphrasiert Undine Wagner den Autor, „Motivation für das Singen und […] Gradmesser künstlerischer Wertung.“ (S. 181)

Voreingenommene Sichtweise

30.09.20 (nmz (jmk)) -
Mit einem offenen Brief auf seiner Webseite hat das Staatliche Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (SIM) zu dem Gutachten des Wissenschaftsrates vom Juli dieses Jahres Stellung genommen. Dieser hatte in seinen „Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ unter anderem festgestellt, das SIM verfüge „über keine überzeugende Strategie zur Entwicklung von Forschungsfragen“ und weise „nur wenige Bezüge zur (universitären) Musikwissenschaft auf“. Weiter heißt es in dem Papier: „Die Kooperationen des Instituts sind schwach ausgeprägt und konzentrieren sich vorrangig auf Berlin. […] Der Drittmittelanteil sowie die Zahl der drittmittelgeförderten Forschungsprojekte ist – für eine Forschungseinrichtung – sehr gering, und es gibt derzeit keine klare Strategie zur Einwerbung von Drittmittelprojekten.“ Die Empfehlung des Wissenschaftsrates lautet wie folgt: „Das Staatliche Institut für Musikforschung sollte als Musikinstrumenten-Museum mit sammlungsbezogenen Forschungsanteilen in die Staatlichen Museen integriert werden.“

Vermittler, Zusammenfasser und Spurensucher

30.09.20 (Uwe Rasch) -
Nicolas Schalz kam ursprünglich aus Fouhren in Luxemburg, aus sogenannten einfachen Verhältnissen und einem eher katholisch-engen Ambiente. Sein Vater war während des faschistischen deutschen Überfalls und der Besetzung des Landes Widerstandskämpfer und im KZ gewesen – und überlebte. Bei einer Exkursion in sein Geburtsland zeigte uns Nico einmal, wo er als Kind Erschießungen beobachtet hatte.

Rahmenprogramm im digitalen Rampenlicht

27.08.20 (Patrick Ohnesorg) -
Es war kein leichtes Jahr für das Bayreuther Festspielhaus: Neben dem längerfristigen krankheitsbedingten Ausfall der Festspielleiterin und Geschäftsführerin Katharina Wagner seit Ende April mussten auch die Festspiele selbst unweigerlich aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abgesagt werden.

Der letzte Enzyklopädist

27.08.20 (jmk) -
„Auch in dem, was möglich und was nicht mehr oder noch nicht möglich ist, repräsentiert die neue MGG den Stand der Musikwissenschaft am Ende des 20. Jahrhunderts.“ Dieser Satz Ludwig Finschers, 1994 im Vorwort zum ersten Band der von ihm neu herausgegebenen Enzyklopädie „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ (MGG) formuliert, liest sich im Nachhinein wie ein Understatement.
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