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Komponiert, musiziert muss sie sein, die Utopie – Juan Allende-Blin kuratiert den Essener Kirchenraum

18.01.17 (Georg Beck) -
Modulation in Echtzeit. Gestern Zentrum, heute Peripherie. Vom Elbphilharmonie-Eröffnungsrauschen nach Essen-Rellinghausen, von den Novitäten eines Wahr- und Wunderzeichens an einen Ort, der gerade nichts hermachen will; einer jener Kirchbauten wie sie einem Vorkriegs-Protestantismus gefielen. Die Exzellenz überlassen wir anderen! Und dann gab es genau hier eines der exzellentesten Konzerte im Kirchenraum, die Wir in NRW in letzter Zeit so erlebt haben.

Flugzeugbomberwrack als Wodanseiche – Henry Purcells Semi-Opera „King Arthur“ an der Staatsoper Berlin

17.01.17 (Peter P. Pachl) -
Eine die Mittel des barocken Theater mit heutiger Videotechnik perfektionierende Bühnenpräsentation zweier Regisseure, die für die Kombination von Schauspiel- und Opernelementen dieser Semi-Opera verantwortlich zeichnen und die nunmehr 24. Staatsoperneinstudierung des Barock-Spezialisten René Jacobs, – wie kommt es, dass das 40 Musiknummern umfassende, an der Berliner Staatsoper um 30 weitere Nummern aufgepeppte Meisterwerk Henry Purcells in seiner Wirkung verpufft?

Gefällig! Uraufführung von Ludger Vollmers Oper „Crusades“ am Theater Freiburg

16.01.17 (Georg Rudiger) -
Ein islamistischer Selbstmordattentäter, der sich kurz vor dem Anschlag auf die Jerusalemer Grabeskirche bekehrt und deshalb von seinem Auftraggeber erschossen wird – „Crusades“, die neue Oper von Ludger Vollmer, trägt am Ende richtig dick auf. Und lässt nochmals alle der über 100 Beteiligten auf die Bühne kommen, um im Epilog Frieden und Gerechtigkeit zu fordern.

Wenn Blütenträume welken – Oper Chemnitz bringt mit den „Südseetulpen“ von Benjamin Schweitzer eine Operette zur Uraufführung

16.01.17 (Joachim Lange) -
Die Operette ist ein Phänomen: quicklebendig und totgesagt zugleich. Mit einer Phalanx von immer wieder gespielten, vom Publikum geliebten Prachtstücken einerseits. Als Genre ohne Nachwuchs an Novitäten andererseits. Die Königsdisziplin des Musiktheaters, die Oper, kann sich immerhin zugutehalten, dass es nach wie vor Neuheiten gibt. Weniger als früher, da Oper ein fast ausschließlicher Uraufführungsbetrieb war, aber auch nach Strauss, Schostakowitsch oder Britten. Meistens als gefeierter Erfolg. In Ausnahmefällen gar als Bereicherung des Repertoires – Aribert Reimanns „Lear“ oder etliche Werke von Hans-Werner Henze belegen das.

Berührende Beredtheit – Frids „Tagebuch der Anne Frank“ mit Miriam Sabba in Radebeul

16.01.17 (Roland H. Dippel) -
Die Premiere musste wegen Krankheit vom 8. Januar um eine Woche verschoben werden, nur deshalb kam es zum Besuch der ebenso verspäteten Generalprobe auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen im Stammhaus Radebeul. In diesem Fall ist das für eine Besprechung legitim: Sängerin und Pianist stellen sich mit der mobilen Produktion von Gregori Frids Monooper für Schulen und Jugendzentren improvisierenden Herausforderungen. Das meistern sie sicher bravourös. „Anne Frank“ aus Radebeul ist direkt berührend in stimmiger Balance von Darstellung und Empathie.

Kontrollierte Ekstase in der Hustenburg: Das Chicago Symphony Orchestra brilliert in der Elbphilharmonie

15.01.17 (Juan Martin Koch) -
So eine Nacht auf dem kahlen Berge kann ziemlich kalt werden. Und der Hustenreiz unkontrollierbar. Maestro Riccardo Muti war ohnehin schon angesäuert wegen der vielen nach der Pause zu spät auf ihre Plätze huschenden Zuhörer und dann wurde ihm auch noch Mussorgskys Gruselklassiker bronchial verunstaltet. Ungnädiges Kopfschütteln, stoisches Weiterdirigieren. Die Hochglanzversion Rimsky-Korsakovs entfaltete ihren wohligen Schauer.

Mehrheitsfähiges aus dem Schiffsbauch: Zur Uraufführung von Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ in der Elbphilharmonie

14.01.17 (Juan Martin Koch) -
Am dritten Tag des Eröffnungsfestivals hatte das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter Kent Nagano seinen ersten Auftritt in der Elbphilharmonie. Unter großem Jubel wurde Jörg Widmanns Oratorium „Arche“ uraufgeführt – passend zum Anlass ein repräsentatives Mammutwerk.

Schöne, ehrliche Schuhschachtel: Das Ensemble Resonanz eröffnete den Kleinen Saal der Elbphilharmonie

13.01.17 (Juan Martin Koch) -
Einen Tag nach der Premiere im Großen Saal ist auch der Kleine Saal der Hamburger Elbphilharmonie eröffnet worden. Das Ensemble Resonanz, von nun an Residenzensemble des Hauses, nahm ihn mit Werken von Georg Friedrich Haas, Alban Berg und Béla Bartók in Besitz. Juan Martin Koch war für die nmz vor Ort.

Demokratischer Geist, in Musik übersetzt – Rauschhafte Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie

12.01.17 (Verena Fischer-Zernin) -
Elbphilharmonie in Hamburg mit Verspätung eröffnet: Diese Überschrift dürfte nach der epischen Baugeschichte niemanden wundern. Tatsächlich aber war am langersehnten Tag selbst das Protokoll kaum mehr als eine halbe Stunde im Verzuge – Bundespräsident und Bundeskanzlerin steckten im Berliner Schneetreiben fest, tuschelte es.

Die Kunst zu erben – Was wird aus der Boulez-Villa in Baden-Baden? Eine Erkundigung vor Ort

10.01.17 (Frieder Reininghaus) -
Vor einem Jahr starb Pierre Boulez in Baden-Baden. Die prägende Persönlichkeit des französischen Musiklebens im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts und einer der großen Dirigenten auf dem internationalen Parkett hinterließ einen umfangreichen Nachlass – Partituren, Manuskripte, Tonträger, Manuskripte, Korrespondenzen – und Liegenschaften. Eine von ihnen befindet sich in Baden-Baden, wo sich der Komponist und Dirigent 1959 aus Protest gegen die französische Algerien-Politik und aus Verärgerung über die Kulturpolitik des zuständigen Ministers André Malraux niederließ. Jetzt steht die Villa, in der sich immer wieder und gerade auch zuletzt der Lebensschwerpunkt von Boulez befand, zum Verkauf.

Beifall und Buhs für Calixto Bieitos „Otello“ in Hamburg

10.01.17 (dpa) -
Der katalanische Opern-Regisseur Calixto Bieito ist berühmt und berüchtigt für seine exzessiven Sex- und Gewalt-Szenarien auf dem internationalen Musiktheater-Parkett. Am Sonntagabend hat der 53-Jährige seine vor zwei Jahren in Basel herausgebrachte Inszenierung von Verdis „Otello“ mit gemischtem Erfolg auf die Hamburger Staatsopernbühne übertragen.

Berliner Kinder-Bande für das Gute – „Emil und die Detektive" im Atze Musiktheater Berlin

09.01.17 (Peter P. Pachl) -
Den vor 87 Jahren von Erich Kästner als Roman veröffentlichten Kinder-Krimi „Emil und die Detektive" bearbeitete Atze-Theaterleiter Thomas Sutter als ein heutiges Singspiel mit zeitgemäßem politischem Bezug und setzte ihn selbst wirkungsvoll in Szene.

Abschied von Georges Prêtre - Der französische Altmeister hatte noch einige Pläne

06.01.17 (Michael Ernst) -
Ach, was haben wir uns gefreut, nun leider zu früh gefreut: Georges Prêtre sollte zu den diesjährigen Osterfestspielen Salzburg die Sächsische Staatskapelle im Großen Festspielhaus dirigieren. Gemeinsam mit Christian Thielemann und Lorenzo Viotti, so war es geplant, würde der französische Altmeister im April das traditionelle „Konzert für Salzburg“ leiten. Auch Scala-Intendant Alexander Pereira hätte Georges Prêtre gern wieder nach Mailand geholt.

„Ich bin immer noch Hippie“ – Jazz-Gitarrist John McLaughlin wird 75

04.01.17 (dpa) -
Elektronische Elemente und spirituelle Klangwelten kombiniert mit Jazz, Gitarrenrock, Bossa Nova, Flamenco und indischen Melodien – John McLaughlin ist bekannt für kreative Vielfalt. Jetzt wird er 75.

Verve, Glanz und Leidenschaft: Die Charles Munch Edition bei Sony Classical

31.12.16 (Christoph Schlüren) -
Nicht alles, was die verbliebenen Major Companies der klassischen Plattenindustrie (Sony, Universal und Warner) veröffentlichen, folgt strikt kommerziellen Erwägungen, und der Backkatalog ist ja zweifelsohne das Beste und Reichste, was sie haben. Seit vielen Jahren ist es nunmehr Usus, diesen nach und nach in Kompletteditionen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, was bei Sony zweifellos in der qualitativ hochwertigsten Weise geschieht.

„Politik identifiziert sich weniger mit Kultur“

28.12.16 (Dorothea Hülsmeier) -
Intendant Wilfried Schulz im Gespräch. Was passiert, wenn ein Theater kein Haus hat? Es wird zur Wanderbühne. In Düsseldorf kämpft Intendant Wilfried Schulz für den Erhalt und die Bedeutung des Schauspielhauses.

Rebell und Geigenvirtuose: Nigel Kennedy wird 60

28.12.16 (dpa) -
Er rüttelte die Klassikwelt mit Pop-Techniken und Punk-Look auf und ist der meistverkaufte klassische Violinist aller Zeiten: Nigel Kennedy feiert seinen 60. Geburtstag.

Diedrich Diederichsen: Anteil der Pop-Musik am Ende des „Ostblocks“ 1991 gering

27.12.16 (dpa) -
Der Eiserne Vorhang war nicht schalldicht. Pop-Musik aus den USA und auch aus Deutschland war im „Ostblock“ extrem beliebt. Könnten die flotten Rhythmen sogar die politische Wende vorangetrieben haben?

Ein Kraftwerk im Dienst der Kultur

24.12.16 (Michael Ernst) -
Dresden darf stolz sein: Staatsoperette und Theater Junge Generation sind endlich gerettet und arbeiten jetzt unter einem Dach. „Freunde, die Zukunft hat begonnen!“ Zündende Worte wie ein Feuerwerk – damit sollten gewaltige Türen aufgestoßen werden, hinter denen sich epochale Veränderungen auftun. „Freunde, die Zukunft hat begonnen!“ Nach diesem Satz fällt ganz gewiss kein Vorhang, da geht die Chose doch erst richtig los. Oder nicht?

Die Redaktion der neuen musikzeitung wünscht ein friedvolles Weihnachtsfest

24.12.16 (nmz-huf) -
Die gesamte Redaktion der neuen musikzeitung und ihre Mitarbeiter wünschen nicht nur allen unseren Online-Besuchern, sondern wirklich allen friedliebenden Menschen ein frohes und friedliches Weihnachtsfest. Wir werden in den nächsten Tage hier etwas kürzer treten, halten aber in kleiner Besetzung unseren Informationsdienst selbstverständlich aufrecht. Stöbern Sie derweil gerne in den aktuellen Ausgaben der neuen musikzeitung, der Jazzzeitung und von Oper & Tanz. Bestimmt es etwas für Sie dabei.

Kurz-Schluss: Wie ich einmal von der Realität überrumpelt und nebenbei auch noch arbeitslos wurde

22.12.16 (Theo Geißler) -
Haben Sie es schon mitbekommen? Die USA-Wahl ist ungültig. Donald Trump hat dank seiner Erfahrung mit einarmigen Banditen in Las Vegas tausende Wahlautomaten manipulieren lassen und nur deshalb gewonnen. Beschämt stellte er in Russland einen Asylantrag und lebt jetzt gemeinsam mit Edward Snowden in einer sibirischen Datsche. Wladimir Putin hat ihm regelmäßige Versorgung mit Erdnussbutter schriftlich zugesagt.

Composers Club reagiert auf Urteil zur Verlegerbeteiligung bei der GEMA

20.12.16 (huf) -
In klaren und präzisen Worten hat sich der Vorstand des Composers Club an seine Mitglieder und die Presse gewandt: Es geht um die Konsequenzen aus dem Urteil des Berliner Kammergerichts zu Fragen der Verlegerbeteiligung bei Ausschüttungen der GEMA vom November 2016. Stück für Stück dröseln Vorstand und die Justitiarin des Vereins in einfacher Sprache auf, was das Urteil im Detail für Konsequenzen nach sich zieht und welche Optionen nun die Komponisten und Komponistinnen haben und bezieht dabei auch dezidiert zum vorgeschlagenen Verfahren der GEMA Stellung.

Tickt es? –Emmerich Kálmáns „Marinka“ an der Komischen Oper Berlin

20.12.16 (Peter P. Pachl) -
Die fünf Jahre dauernde Beschäftigung mit selten gespielten Bühnenwerken von Emmerich Kálmán, dargeboten jeweils als mehr oder weniger halbszenische Vorweihnachtsoperette an der Komischen Oper Berlin, fand ihren an Kálmán-Originalität kaum zu überbietenden Höhepunkt mit dem einzigen Beitrag dieses Komponisten für den Broadway, dem 1945 in New York uraufgeführten romantischen Musical „Marinka“, der Meyerling-Tragödie mit Happy-End.

„Die verkaufte Braut“ – Poetische Themaverfehlung am Theater Erfurt

20.12.16 (Roland H. Dippel) -
Selten wohl schwankt eine Premiere kontrastreicher zwischen Nachdenken über ein vermeintlich geheimnisloses Stück, erfundenem Glück und Absturz ohne befreiende Ironie. Die Zentrale von Deutschlands grünem Herz modelliert den Durchblick auf Böhmens Hain und Flur, zu den Nachbarn im Südosten: Deren allererstes musikalisches Nationalheiligtum erklingt am Theater Erfurt schön wie Schäfchenwolken und stellenweise recht bodenständig. Nicht einmal „Die Moldau“ fehlt.

Flüssiges Silber – Zur Uraufführung von Milica Djordjevićs Quicksilver bei der BR-Musica Viva

18.12.16 (Anna Schürmer) -
Aufgeregt sitzt Milica Djordjević im gut besuchten Münchner Herkulessaal; in wenigen Minuten eröffnet ihre Komposition Quicksilver das Orchesterkonzert der Musica Viva des Bayerischen Rundfunks. „Sehr lange“ hat sie darauf hingearbeitet, „akribisch recherchiert und experimentiert“, flüstert sie noch über die Stuhlreihen, bevor es losgeht. Bislang ist die aktuelle Preisträgerin des Komponisten-Förderpreises der Ernst von Siemens Musikstiftung eher kammermusikalisch in Erscheinung getreten; nun hat die serbische Wahlberlinerin gezeigt, dass sie auch die große Form beherrscht.
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