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„Große Koalition, eine außerparlamentarische Oper“ im Berliner Radialsystem V

03.12.16 (Peter P. Pachl) -
Bei „Große Koalition“ denkt der Bundesbürger an die erste Zusammenarbeit zwischen Ex-Widerstand und Ex-Nazi, an Brandt und Kiesinger von 1966 bis 1969. Aber die freie Gruppe Novoflot will den Begriff weiter fassen, als einen Handlungsentwurf für die politische Realität. In dem auf Johann Sebastian Bach fußenden, insgesamt leider sehr unsinnlichen Musiktheater-Abend klaffen Anspruch und Umsetzung weit auseinander.

Henzes Funkopern als zahme Klassiker an der HMT Leipzig

03.12.16 (Roland H. Dippel) -
So schnell geht das: Hans Werner Henze – verstorben erst vor vier Jahren, also 2012 – ist an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig schon jetzt ein Klassiker. Sein Frühwerk zumindest. Der Grund ist möglicherweise einschneidende Zäsur – und ein Positionen zusammenschweißender Zufall.

Konzertsaalbau: Zwischen Odeon und Architektur-Leuchtturm

02.12.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Nach der Eröffnung neuer Konzertsäle in Paris oder Bochum, vor der Erprobung der Hamburger Elbphilharmonie mit Klassik, Rock und Jazz sowie den Neubau-Planungen in Berlin und München ist die Frage nach dem „idealen Hören“ ein brisantes Thema. Mit Fragen nach dem „Wo“ und „Wie“ erkundete ein Gesprächskonzert des Bayerischen Rundfunks den Zusammenhang zwischen Klang und Raum.

Neue Horizonte in Farbe mit ascolta, dem SKO und einer Schüler-Kunstgruppe

Für Wassily Kandinsky hatte die Farbe einen Klang. Komponisten seit Earl Brown haben Musik grafisch notiert. Im Kinder- und Jugendprojekt SKOhr-Labor des Stuttgarter Kammerorchesters dient Malerei den beteiligten Schülern dazu, sich mit neuer Musik auseinanderzusetzen.

Leuchtturm ohne Wärter: Michael Sanderling wirft in Dresden hin

30.11.16 (Michael Ernst) -
Vorfreude sieht anders aus: Die Dresdner Philharmonie wird im kommenden Frühjahr ihr Unterwegs-Sein beenden und zieht wieder in den Kulturpalast ein, der künftig, nach gründlichem Umbau, einen Konzertsaal im Weinberg-Format beherbergen soll. Für Orchester und künstlerische Leitung sollte dies Grund genug sein, erwartungsfroh nach vorn zu schauen – endlich ein Haus mit adäquater Akustik!

Herrschaftsfrei Kultur veranstalten: Das Kölner Klaeng-Festival 2016

29.11.16 (Stefan Pieper) -
Herrschaftsfrei geht es zu beim Klaeng-Kollektiv, das in Köln zu einer Marke in Sachen lebendiger Jazzkultur geworden ist. Sieben ambitionierte Musiker, die etwas bewegen wollen, formen in Köln seit dem Jahr 2009 einen gemeinsamen Pool für Ideen, Skills und kreative Energie. Eben was man so braucht, um Musik zu kreieren, zu veranstalten und aufzunehmen und was gemeinsam besser als im künstlerischen Einzelkämpferdasein geht.

Von wilden Männern in kurzen Röcken – Die Oper Leipzig mit Donizettis „Lucia di Lammermoor“

29.11.16 (Michael Ernst) -
Gutes Musiktheater steckt bekanntlich voller Überraschungen. Da gibt es Männer, die eigentlich Frauen sind (und umgekehrt), da gibt es Intrigen, Tragöden, Verwechselungskomödien und mancherlei Art von doppeltem Boden, beinahe nie geht eine Oper so aus, wie es am Anfang noch scheinen mochte.

Das Herz schlägt im Orchestergraben – Harry Kupfer inszeniert Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Bayerischen Staatsoper

29.11.16 (Juan Martin Koch) -
„Es gibt noch Pilze…“ Dass Katerina Ismailowa bei genau diesen Worten beschließt, ihren Schwiegervater zu ermorden, macht Anja Kampe mit jeder Nuance ihres Gesangs hörbar. So wie sie Boris’ Leibspeise Rattengift unterrühren wird, so mischt sich in ihre Worte ein beängstigender Hauch von Boshaftigkeit.

Ein Leben für die Bühne – Die neue „Tosca“ am Opernhaus Halle

27.11.16 (Joachim Lange) -
Bei Giacomo Puccinis „Tosca“ hat es die Rezeptionsgeschichte seit der Uraufführung 1900 mit dem naturalistischen Ehrgeiz besonders weit getrieben. Bis hin zur Verfilmung an den Originalschauplätzen im Rom und in den Kostümen und zeitlichen Ablauf, die das Libretto vorgibt. Samt Sprung der Heldin von den Zinnen der Engelsburg in den Tod. Da flog schon manche Puppe beim Schließen des Vorhangs in die Tiefe. Darauf wartet man in Halle, bei der Neuproduktion dieses ungebrochen beliebten Repertoireschmuckstückes vergebens.

Wie ein Uhrwerk – Leos Janáceks Oper „Die Sache Makropulos“ am Freiburger Theater

27.11.16 (Georg Rudiger) -
Der Zeiger auf dem großen Zifferblatt steht still. Die Zeit ist angehalten für die Operndiva Emilia Marty, die, weil sie als Kind von ihrem Vater ein Lebenselixier zu trinken bekam, inzwischen 337 Jahre zählt. In Leos Janáceks Oper „Die Sache Makropulos“ am Freiburger Theater verkörpert die tschechische Mezzosopranistin Katerina Hebelková die Primadonna. Und macht aus der geheimnisvollen Figur eine sinnliche, selbstbewusste, von den Männern begehrte Frau, die ihr zerbrechliches Inneres mit dem Glanz des Erfolgs schützt.

Auf dem schwierigen Weg, Max Reger zu verstehen – Kurzfestival zum Gedenkjahr in Mainz

25.11.16 (Andreas Hauff) -
Vor gut hundert Jahren starb Max Reger, seinerzeit als großer Komponist ebenso anerkannt wie umstritten. Im Kreis um Arnold Schönberg etwa wurde er oft gespielt. 2016 hat das Reger-Gedenkjahr in den Konzertprogrammen wenig Spuren hinterlassen, außer bei den Organisten, die das Werk eigentlich stets geschätzt und gepflegt haben. Mit einem „Reger-Kurzfestival“ unter dem Motto „Max Reger – umstrittenes Genie“ versuchten in Mainz der Bach-Chor und die Hochschule für Musik eine erneute Annäherung.

Sempre sangue, perché? – Tilman Knabes Lübecker „Tosca“, ertränkt in Blut

22.11.16 (Arndt Voß) -
Lautstark und kontrovers war in Lübeck die Reaktion auf Tilman Knabes Umgang mit Giacomo Puccinis „Tosca“. Es war eine Inszenierung, die vor kaum einem Tabu Halt machte. Schonungslos versuchte sie dem Publikum das Gefühl von Sicherheit zu nehmen, es damit zu konfrontieren, dass Krieg und Gewalt, Zerstörung und Hass, menschliche Qual und Perversion vor der Tür stehen.

2. Notenspur-Nacht der Hausmusik in Leipzig – Ein Besuch

21.11.16 (Roland H. Dippel) -
Zum zweiten Mal rief die Leipziger Initiative Notenspur zur Nacht der Hausmusik am 19. November. Gastgeber und Musiker sollten sich bis zum 31. Oktober 2016 anmelden, online konnte man aus 64 verschiedenen Veranstaltungen wählen. Dabei musste man sich vorab für genau einen Ort entscheiden, das Switchen von einem Beitrag zum anderen (nach dem Prinzip Museumsnacht) war nicht vorgesehen. Das galt ausnahmslos für Alle. Beginn der Beiträge war Schlag 19.00 Uhr, das Ende offen.

Kein Sex ist auch keine Lösung – Mozarts „Così fan tutte" an der Oper in Erfurt

20.11.16 (Joachim Lange) -
Zum Schluss wird es doch noch todernst. Da wird aus Fiordiligi ein gefallener Engel. Im weißen Brautkleid. Mit großen metaphorischen Flügeln. So bricht sie zusammen. Der personifizierte Tod hatte sich eh schon immer Mal unter die auf Teufel komm raus zum Amüsieren entschlossene Gesellschaft gemischt. Sie zahlt einen hohen Preis für ihre Selbstüberwindung und die (Ent-)Täuschung in dem Spiel mit dem Treue-Test. Alle anderen sehen zu, dass sie Land gewinnen nach dem belehrenden lieto fine. Das gar keins ist. Zumindest nicht im Sinne von: jetzt sind wir alle klüger und machen so weiter. Sie flüchten, jeder für sich, in die zusammengeklappten Kulissenwände von Hank Irwin Kittel.

Oper zum Umherwandern – Emmanuel Nunes’ „La Douce“ in der Werkstatt der Berliner Staatsoper

20.11.16 (Peter P. Pachl) -
Der 2012 verstorbene portugiesische Komponist Emmanuel Nunes, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag hätte begehen können, hat es sich und seinen Zuschauern nie leicht gemacht, insbesondere wenn es um das Kunstwerk Oper geht. Seine bislang nur in Lissabon aufgeführte, über 30 Jahre hin entwickelte Goethe-Oper „Das Märchen“ hatte aufgrund der Dauer nicht nur die Zuschauer, sondern in ihren Ausmaßen auch die gigantischen Möglichkeiten des Teatro Nacional de São Carlos überfordert.

Bruno Gert Kramm zum Urteil des Kammergerichts Berlin – Gut, aber halb so wild

18.11.16 (Martin Hufner) -
In mehreren Videostatements hat sich Bruno Kramm zum Urteil des Kammergerichts Berlin in Sachen Verlegerbeteiligung bei der GEMA geäußert. Vor allem bedauert er, wie zur Zeit Verleger und andere musikalische Institutionen darauf mit Panikmache reagieren. Erstritten wurde – er muss es wissen, denn er hat ja geklagt – die Möglichkeit, Einsicht in Verteilung der GEMA-Erträge zu bekommen und ggf. aus seinem Verlagsvertrag herauszukommen.

euro-scene Leipzig 2016: Feuerzauber im Seniorenheim und „Androiden“ mit echtem Klavier

17.11.16 (Roland H. Dippel) -
Eigentlich unverständlich ist es, wenn Festivals für neues Theater und Tanz von Medien für Musik ignoriert werden. Denn gerade dort zeigen sich signifikante Impulse und praktikable Anwendungen von Musik in freiem und freiwilligem Umgang. Die euro-scene Leipzig reflektierte das neben den programmatischen Hauptsträngen vom 8. bis 13. November zum bereits 26. Mal. Leiterin Ann-Elisabeth Wolff begeisterte sich – und das Publikum stimmte ihr vollherzig zu – für den 29jährigen österreichischen Künstler Nikolaus Habjan, der nach seinem Studium der Musiktheater-Regie auf die Oper pfeift. Buchstäblich, denn er ist auch Kunstpfeifer. Dem Nestroy-Preisträger für die beste Off-Produktion 2016 und seinen Klappmaulpuppen war die Werkschau der euro-scene 2016 gewidmet.

Kleine Inszenierung, großartiges Ensemble – Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ in Hagen

Im Foyer des Hagener Theaters hängen Fotos aus der Zeit nach 1911, dem Jahr, als das Haus errichtet wurde. Prächtige Bilder eines stolzen Gebäudes, innen wie außen. Es gibt aber auch Fotos, die das im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Theater zeigen – und wie es anschließend wieder aufgebaut wurde. Wer die kommunale Kulturpolitik Hagens in den zurückliegenden acht, neun, zehn Jahren beobachtet, muss den Eindruck gewinnen, die Entscheidungsträger im Rat der Stadt wollten ihr eigenes Haus erneut schwer beschädigen. Weil sie seit etlichen Spielzeiten immer wieder durch neue Daumenschrauben den Etat ausbluten lassen. Dieses Spar-Diktat haben zuletzt Intendant Norbert Hilchenbach und sein engagiertes und hoch motiviertes Team umgesetzt – widerwillig.

Mit Worten in der Welt wirksam sein – Das Essener NOW-Festival im Rückblick

16.11.16 (Stefan Pieper) -
Mit der Ursonate fing alles an: Kurt Schwitters vermählte in den 1920er Jahren sprachliche Zeichen mit musikalischen Formelementen. Laute und Silben, schließlich ein rückwärts-zitiertes Alphabet wurden einer konsequent durchdachten Sonatenform einverleibt. Das Ergebnis wirkte humoristisch, verfolgte aber auch ein tiefernstes künstlerisches Anliegen. Und so gehörte Kurt Schwitters Meilenstein für die Dada-Bewegung zu den unverzichtbaren, am letzten Tag aufgeführten Bezugspunkten auf dem Essener NOW-Festival. Unter dem Motto „Word up!“ wurde zwei Wochen lang gezeigt, wie die musikalische Avantgarde mit zum Teil ungeahnten Beziehungen zwischen Worten und Musik landläufige ästhetischen Konnotationen gerne hinter sich lässt.

Kinderoper „Peter Pan“ von Richard Ayres an der Komischen Oper Berlin

16.11.16 (Peter P. Pachl) -
Regisseur Keith Warner steht für innovative, originelle Operninszenierungen, wie den „Ring“ in London und „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen, folglich waren die Erwartungen für sein Berlin-Debüt mit der Kinderoper „Peter Pan“ hochgesteckt. Die besuchte 3. Aufführung der Kinderoper „Peter Pan“ an der Komischen Oper Berlin (Spielleitung: Neil Robinson) vermochte diese Erwartungen jedoch nur partiell zu erfüllen.

Neuinszenierung von Meyerbeers „Les Huguenots“ an der Deutschen Oper Berlin

15.11.16 (Peter P. Pachl) -
Die Vorgänger-Inszenierung von Giacomo Meyerbeers „Hugenotten“ an der Deutschen Oper Berlin vor 39 Jahren dauerte nicht einmal halb so lang wie die neue, gleichwohl immer noch gegenüber Meyerbeers Partitur deutlich gekürzte Produktion – damals in deutscher Übersetzung, nunmehr in Originalsprache. Von einem hochkarätigen, internationalen Solisten-Ensemble ausgeführt, gab es ab dem ersten Akt häufig heftigen Zwischenapplaus für Sänger-Leistungen. Die langanhaltenden Ovationen streckten die ursprünglich auf knappe fünf Stunden konzipierte Aufführungsdauer um eine weitere halbe Stunde.

Bunt in Weimar: „Die Meistersinger von Nürnberg“

14.11.16 (Roland H. Dippel) -
Die Staatskapelle Weimar und das Deutsche Nationaltheater haben einen neuen Generalmusikdirektor: Der gerade vierzigjährige Ukraine Kirill Karabits gab dort seinen Musiktheater-Einstand mit Wagners „Meistersingern von Nürnberg“. Wer hat schon den Joker eines Starts mit diesem Spitzenwerk? Dessen erste Premiere feierte man allerdings bereits im Mai 2016 im Theater Erfurt, dort kam das Großprojekt der beiden Theater mit dem Philharmonischen Orchester Erfurt und der Thüringen Philharmonie Gotha heraus. Auf der Bühne – zur „Festwiese“ auch in den Zuschauerräumen – traten da schon die von Andreas Ketelhut und Markus Oppeneiger prima präparierten Opernchöre zusammen an. Diese Leistungsschau kann sich sehr gut hören und auch sehen lassen.

Vom Zauber allen Erzählens – Umjubelte Erstaufführung des Musicals „Big Fish“ in München

12.11.16 (Wolf-Dieter Peter) -
Vater-Sohn-Probleme, Sterben des Vaters, späte Annäherung des Sohnes, Fortspinnen der Tradition in der typischen Kleinstadtfamilie des Mittleren Westens der USA – eher kein Musical-Stoff. Doch zum 20jährigen Bestehen der Musical-Ausbildung an der Theaterakademie August Everding wurde die europäische Erstaufführung dieses Stoffes zu einem fulminanten Theatererlebnis.

Uraufführung von Evan Gardners Westernoper „Gunfighter Nation“ im Berliner Ballhaus Ost

12.11.16 (Peter P. Pachl) -
Opera Lab, der Veranstalter dieser freien Opernproduktion, scheint das Ergebnis der Wahlen in den USA so und nicht anders erwartet zu haben. Aus dem Wort „Western“ wird „West Earn“ auf goldenen Lettern in der überaus reich aufgepeppten Spielstätte, dem Berliner Ballhaus Ost im Szene-Stadtteil Prenzlauer Berg.

Schräge Diva: Dokudrama über die Sopranistin Florence Foster Jenkins

10.11.16 (dpa) -
Berlin - Ihre Stimme krächzt, die Koloraturen wackeln wie ein Pudding, ein richtiger Ton ist Glückssache. Und dennoch: Florence Foster Jenkins, Sopranistin und High-Society-Dame, galt in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Kult-Künstlerin. Bis heute hält sich der Ruhm dieser großen Unbegabten, die Internet-Videos mit ihrer Originalstimme wurden schon Millionen Male geklickt.
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