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Das Werk der Stunde – Das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper beeindruckt mit Menottis „Der Consul“

29.03.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Kein Schiff, kein Strand für den, der im Meer ertrinkt – Müssen wir erst sterben, weil es von uns so viele gibt?“ – kein gewollt aktualisierender Einschub oder gezielte „Neuübersetzung“: so steht das im Libretto von Gian Carlo Menottis Musikdrama. Angesichts so vieler bemühter Versuche, die Problematik um Flüchtlinge jeglicher Art auf die Bühne zu bringen, bewies das Opernstudio der Bayerischen Staatsoper: hier ist das gespenstisch aktuelle Werk - uraufgeführt 1950!

Sensation oder Sensibilisierung? Der Mainzer Bach-Experte Karl Böhmer stellt eine neue Rekonstruktionsfassung von Bachs verlorener Markus-Passion vor

29.03.17 (Andreas Hauff) -
Kein Musikstück sei so oft uraufgeführt worden wie Bachs Markus-Passion, sagt Felix Koch halb im Scherz, halb im Ernst, vor Beginn des Konzerts in der Frankfurter Heiliggeistkirche. Tatsächlich mangelt es nicht an Rekonstruktionsversuchen des verlorengegangenen Bach-Werkes. Braucht es da wiederum eine Neufassung, diesmal von dem Mainzer Musikwissenschaftler Karl Böhmer, immerhin einem anerkennten Experten für die Stilkunde des 18. Jahrhunderts? Oder, schärfer noch gefragt: Braucht man überhaupt dieses Bach-Fragment? Und sind die beiden Aufführungen in der Wiesbadener Christophoruskirche und der Frankfurter Heilggeistkirche durch den Mainzer Gutenberg-Kammerchor und das Neumeyer Consort wirklich die Sensation, die das Collegium Musicum der Universität Mainz als Träger des Chores verkündet?

Neues aus der Zukunft – „The New Prince“ von Mohammed Fairouz an Amsterdams Oper

29.03.17 (Joachim Lange) -
Die Idee hat durchaus ihren Reiz: historische Figuren wie Adolf Hitler und Mao Zedong, Bill und Hillary Clinton und Monika Lewinsky, Dick Cheney und Osama bin Laden, Mohammed Morsi und General Sissi, Henry Kissinger und Machiavelli in einer Oper auftreten zu lassen. Wobei der Florentiner Niccolò Machiavelli (1469-1527) aus seinem Kerker in das Jahr 2032 die weiteste Reise zurücklegen muss.

Mix Dir was … Am DNT Weimar gibt Intendant Hasko Weber sein Opernregiedebüt mit Beethovens „Fidelio“

28.03.17 (Joachim Lange) -
Hasko Weber war von 1990 an regelmäßig am Staatsschauspiel in Dresden und bleibt hier als der bis 2001 die Ästhetik des Hauses prägende Schauspieldirektor in guter Erinnerung. Nach Jahren am Schauspiel Stuttgart ist er seit 2013/14 Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Dort hat er als gestandener Schauspielregisseur natürlich schon Goethes „Faust“ gestemmt. Das gehört bei seiner Biographie in dem Job einfach dazu. Aber Weimar ist auch das führende Opernhaus in Thüringen. Da lag für den Chef ein Operndebüt sozusagen auf der Hand: Beethovens „Fidelio“.

Musikalische Andacht bei Maerzmusik 2017: Eindrücke von „The Long Now“ im Berliner Kraftwerk Mitte

28.03.17 (Martin Hufner) -
Vor einem Jahr hat die 29-stündige Performance unter dem Titel „The Long Now“ eine Punktlandung hingelegt. Es war ein musikalisches Mysterium bei dem vor allem das Number-Piece „58“ von John Cage. Und damals schrieb ich: Hier fühle sich jede Musik wohl. Ein Jahr später ist das etwas zu revidieren.

Die Musikalische Komödie Leipzig gräbt Nico Dostals „Prinzessin Nofretete“ aus

27.03.17 (Joachim Lange) -
Der österreichische Operettenkomponist Nico Dostal (1895 bis 1981) ist durch Barrie Koskys große „Clivia“ Show an der Komischen Oper mit ziemlichem Aplomb wieder ins Visier der Operettenfreunde geraten. Jetzt hat die MuKo (Musikalische Komödie) in Leipzig seine „Prinzessin Nofretete“ ausgegraben. Mit „Cliva" war 1933 sein internationaler Durchbruch verbunden. Mit der 1936 etwas abseits der Operettenmetropole Berlin in Köln uraufgeführten „Prinzessin Nofretete“ ließ sich eine Leerstelle überbrücken, die die Nazis mit ihrem Rassenwahn unter den oft jüdisch-deutschen Komponisten für Novitäten der Leichten Muse zu verantworten haben.

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 27. März bis 02. April 2017

26.03.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 13. Schaut man sich die Liste so an, könnte man meinen, alles doch ganz prima. Man kann wirklich nicht sagen, dass es kaum Sendungen zur Neuen Musik und Musikfeatures gäbe. Das sieht allerdings, je nach Region schon anders aus. Bei MDR Kultur ist da fast nichts zu finden – und würde man das Concerto Bavarese herausrechnen, gäbe es sogar diese Woche kaum Musik selbst.

Archaischer Abend – Iannis Xenakis‘ Musiktheater „Oresteia“ in Basel

26.03.17 (Georg Rudiger) -
Eine Frau liegt, nur mit einem Slip bekleidet, reglos im Wasser. Die Projektion zu Beginn von Iannis Xenakis‘ Musiktheater „Oresteia“ in dieser Schweizer Erstaufführung am Theater Basel erinnert an den syrischen Jungen, der im Herbst 2015 tot an den türkischen Strand gespült wurde. Am Ende des rund hundertminütigen, ohne Pause gespielten Musiktheaterabends lässt Regisseur Calixto Bieito dieses Bild nochmals an die Leinwand werfen (Video: Sarah Derendinger, Kostüme: Ingo Krügler), ohne zuvor diesen Bogen inhaltlich vorbereitet zu haben.

Münchens Staatsopern-„Campus“ theatralisiert Saint-Exuperys „Kleinen Prinzen“

25.03.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ ist der wohl berühmteste Satz in Antoine de Saint-Exuperys Welterfolg-Büchlein „Der kleine Prinz“. Dementsprechend lautet der nächste Satz „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Dennoch wagte das Kinder- und Jugend-Programm „Campus“ der Bayerischen Staatsoper nun eine Theatralisierung.

Edle Einfalt – Rossinis „Elisabetta“ im Theater an der Wien

24.03.17 (Frieder Reininghaus) -
Rossinis „Elisabetta“ leibhaftig auf der Bühne! Das ist eine Rarität. Sie erinnert an jene Zeiten, in denen sich nicht nur die Yellow Press, sondern auch das Musiktheater noch für Royals interessierte. Und nicht nur das: Die Anteilnahme der Oper ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts über die bloße Neugier und Beschönigung weit hinaus.

Erinnerungen an die Zukunft – Opernpremieren in Lyon

22.03.17 (Joachim Lange) -
Mit dem Festival „Memoires“ poliert Serge Dorny an der Opéra de Lyon Prunkstücke der Operngeschichte wie Heiner Müllers Bayreuther „Tristan und Isolde“ und die Dresdner „Elektra“ von Ruth Berghaus wieder auf.

Hector Berlioz‘ „La Damnation de Faust“ in Bremen

21.03.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wenn man in den Zuschauerraum kommt, ist Faust längst da, er ist einer von uns. Auf einem Steg, mitten in das Foyer hineingebaut, irrt der weißgekleidete Rothaarige unsicher umher und es ist von vornherein klar: mit dem Goethe‘schen Intellektuellen und dessen Sinnsuche hat dieser hier nichts zu tun. Es ist mit einem kleinen Bonsai-Baum im durchsichtigen Rucksack der eher depressive Versager von Hector Berlioz, der seiner „dramatischen Legende“ den Titel „La Damnation de Faust“ gegeben hat.

Ferruccio Busonis „Doktor Faust“ an der Semperoper Dresden

21.03.17 (Roland H. Dippel) -
Nach Berlioz und Gounod sollte eigentlich Schnittkes „Historia“ die „Faust“-Trilogie des Regisseurs Keith Warner an der Semperoper Dresden vollenden. Doch dann entschied man sich für „Doktor Faust“ von Ferruccio Busoni, der mit einer Bearbeitung des Puppenspiels die Nähe zu Goethe entgehen wollte. Jetzt kam die Oper erstmals nach 1925 am Uraufführungsort heraus.

Benjamin Brittens „Death in Venice“ an der Deutschen Oper Berlin

20.03.17 (Peter P. Pachl) -
Während die Uraufführung „Edward II.“ gerade seitens schwuler Rezensenten und Besucher als ein fragwürdig anachronistisches Einrennen offener Türen rezipiert wurde, kann man diesen Vorwurf der jüngsten homophilen Produktion der Deutschen Oper Berlin nicht machen: denn während der Paragraph 175 aufgehoben wurde, ist Päderastie weiterhin ein internationales Strafdelikt. Die in mehreren Bühnenwerken Benjamin Brittens thematisierte Knabenliebe geht einher mit dem in Großbritanniens Künstlerkreisen offenen Geheimnis, dass Benjamin Britten und Peter Pears sich auf ihren Konzert-Tourneen häufig Knaben mit in ihr gemeinsames Hotelzimmer nahmen.

Von Lebensmut und Totentanz – Bernsteins „Mass“ am Theater Lübeck

20.03.17 (Arndt Voß) -
„Mass“, eine der ganz großen Schöpfungen Leonard Bernsteins, ist ein Theaterstück für Sänger, Spieler und Tänzer. Das Libretto folgt zwar der römisch-katholischen Messliturgie, ist jedoch um infrage stellende Texte von eschatologischer, zugleich dramatischer Qualität erweitert. Sie setzen sich bildreich und voller Aktivität mit dem Ritus auseinander. Verfasst hat sie Bernstein selbst, der, wie man weiß, der jüdischen Tradition verbunden ist, in Zusammenarbeit mit Stephen Schwartz, der das ebenfalls religiös basierte Musical „Godspell“ schuf.

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 20. März bis 26. März 2017

19.03.17 (Martin Hufner) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 12. Eigentlich sind in dieser Woche ja alle unterwegs: Maerzmusik in Berlin, Buchmesse in Leipzig, Umbruch bei der nmz. Was könnte da schöner sein als sich nach Mitternacht ein Feature reinzuziehen? Oder das Concerto bavarese? Jetzt auch mit Sendungen aus Österreich und der Schweiz.

Die Nornen. Lufthauch, Flimmern, Flackern, Asche, Rost: Südseite nachts in Stuttgart

Nordische Überlieferung in der Südseite nachts: In Wieland Hobans „Urðabrunnr“ im Probensaal P1 von Musik der Jahrhunderte im Stuttgarter Theaterhaus war keine Richtung vorgegeben. Vier Harfenistinnen sitzen im Kreis und ziehen Bogenhaare durch die Saiten. Zwischen ihnen drei Streicher und drei Bläser des Ensemble Recherche, dahinter Klavier und Schlagzeug, außen auf allen Seiten das Publikum.

Von Königinnen und Kaiserinnen – Frauen als Thema: Das Al-Bustan Festival in der libanesischen Hauptstadt Beirut verbindet die Kulturen von Orient und Okzident

15.03.17 (Michael Ernst) -
Jede Woche eine andere Frau. Jede Frau eine neue Königin. Wovon selbst die tüchtigsten Draufgänger nicht mal träumen dürften, das gelingt dem Al-Bustan Festival Beirut tatsächlich. Binnen fünf Wochen wird musikalische Opulenz aufgeboten, die in diesem Jahr noch bis zum 19. März unter dem Thema „Queens & Empresses of the Orient“ steht, sich also Königinnen und Kaiserinnen des Orients widmet.

Siegfried im Kampf mit der Bühnenästhetik – Richard Wagners „Ring“ in Kiel

14.03.17 (Arndt Voß) -
Wagners „Ring“ ist in Kiel Chefsache. Generalintendant Daniel Karasek fügte mit dem „Siegfried“ (Premiere: 11. März 2017) nun das dritte Glied, den zweiten Tag, hinzu, bevor es in der nächsten Spielzeit zum Endspiel in der „Götterdämmerung“ kommt. Warum Wotan auch mit Siegfried scheiterte, diesem furchtlosen Helden, wurde an der Förde sehr einleuchtend inszeniert.

Mixmax: Simone Young dirigierte die „Wagner-Gala“ an der Staatsoper

14.03.17 (Peter P. Pachl) -
Bereits der erste Blick auf die Bühne des Schiller-Theaters mit dem klassizistischen Konzertzimmer des Opernhauses Unter den Linden zeigte für den als „Wagner-Gala“ angekündigten Abend einer bunten Mischung spätromantischer Opernausschnitte unter Leitung der australischen Dirigentin Simone Young bereits optisch ein Ungleichgewicht.

Von ätherisch bis erdig – Eva Kruses „On The Mo“ beim BMW Welt Jazz Award

13.03.17 (Ssirus W. Pakzad) -
Wie es sich anfühlt, auf dem Siegertreppchen zu stehen und dann einen schweren Pokal sowie einen dicken Scheck in die Hand gedrückt zu bekommen, das hat Eva Kruse beim BMW Welt Jazz Award schon einmal erleben dürfen – 2009, als der Wettbewerb zum ersten Mal ausgerichtet wurde, hat sich die Bassistin mit den Kollegen Michael Wollny und Eric Schäfer als „Trio (em)“ gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Jetzt kam die auf einer autofreien schwedischen Insel lebende Norddeutsche mit ihrer Band „On The Mo“ zurück an den Ort ihres damaligen Triumphs. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sie es mit diesem Quintett zumindest wieder ins Finale schafft.

Olympische Götter singen Wagner-Themen – Uraufführung des Musicals „Götter und Helden – Eine kleine Odyssee” am Gymnasium Steglitz

12.03.17 (Peter P. Pachl) -
Bereits seit mehr als 20 Jahren ist an Berlins humanistisch altsprachlichem Gymnasium in der Heesestraße in Steglitz der griechische Mythos auch Thema für die biennalen Bühnenstücke. Wie im antiken Theater Griechenlands, stehen dabei dieselben Mythen, aber jeweils von anderen Autoren mit eigenen Schwerpunkten versehen, auf dem Programm – als eine sehens- und hörenswerte Alternative zum kommerziellen Musical-Betrieb.

Dunkles Spiel und wilde Walzer: Der Komponist Wolfgang Rihm wird 65

12.03.17 (dpa) -
Provinz? In Karlsruhe ist nicht nur der Philosoph Peter Sloterdijk, sondern auch ein Weltstar der zeitgenössischen Musik zu Hause: Der Komponist Wolfgang Rihm wird 65 Jahre alt.

Neue Musik / Musikfeature: Die Radio-Woche vom 13.3. bis 19.3.2017

12.03.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 11. Dieses mal auch mit ausgewählten Sendungen aus dem Bereich Jazz/Improvisation. Bei der Gelegenheit dürfen wir den Blick auf den Leitartikel in der aktuellen nmz lenken:

Die unbesungene Heldin singt – Münchens Gärtnerplatztheater ehrt „Frau Schindler“ mit einer Uraufführung

10.03.17 (Wolf-Dieter Peter) -
„Wir Frauen waren immer das Rückgrat und die Nachhut eines jeden gottverdammten Kriegs“ stärkt eine zweite starke Frau der Titelheldin der neuen Oper den Rücken – treffend, einen Abend nach dem Internationalen Frauentag und im historisch kritischen Blick auf die Ehefrau Oskar Schindlers. Dessen Rettung von 1200 Juden vor der NS-Vernichtungsmaschine wurde im Film „Schindlers Liste“ ein Denkmal gesetzt. In Steven Spielbergs tief beeindruckendem Meisterwerk kommt Ehefrau Emilie wenig mehr als vier Minuten vor – das will ein US-Team mit einer Oper ändern.
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