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Hessischer Rundfunk als Musikdiscounter: Umbau von hr2-kultur zur Klassikwelle?

17.07.19 (Martin Hufner) -
Die Strukturen und die kulturelle Architektur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks scheint im Umbau zu sein. Offenbar gibt es Pläne, die Kulturwelle des Hessischen Rundfunks zu eine Klassikwelle zu konvertieren, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in mehreren Beiträgen gestern ermittelte. Die Szene reagiert mit „Schock“. Erweisen sich die Reformerinnen am Ende nicht als Sargnägel eines qualitativ offensiven Rundfunks? Ein Kommentar.

Scarpia, der Krake: Puccinis „Tosca“ im Regensburger Westhafen

14.07.19 (Juan Martin Koch) -
Nach dem spektakulären „Holländer“ vor zwei Jahren lud das Theater Regensburg nun zu Puccinis „Tosca“ in den Regensburger Westhafen. Ob der Coup auch diesmal glückte, darüber berichtet Juan Martin Koch.

Betreutes Hüpfen trifft auf gemeinsames Singen – Jan Delay beim Stimmenfestival Lörrach

12.07.19 (Georg Rudiger) -
Der Hut passt, das Einstecktuch mit Leopardenfellmuster sitzt. „We love to entertain you“, verspricht Jan Delay auf dem dicht gefüllten Lörracher Marktplatz. Und geht gleich mit dem Opener „Rave Against the Machine“ in die Vollen. Georg Rudiger berichtet.

Die Kunst des Geschwurbels – Solistenensemble Kaleidoskop mit Nussbaumers „Nobodaddy is perfect“ in Berlin

12.07.19 (Martin Hufner) -
Was bekommt man heraus, wenn man den Performance-Künstler Georg Nussbaumer zusammen mit dem Solistenensemble Kaleidoskop bringt und diese sich mit Stoffen von Homer (Odyssee) und Bach (Kunst der Fuge) beschäftigen lässt, das Ganze als Theater mit Musik und Video gestaltet und auf ca. 100 Minuten Zeit dehnt? Ein interessantes Gesamtkunstwerk für die einen, ein bedeutungsschwangeres Kuddelmuddel für die anderen. Oder beides?

Das Dresden-Finale von Michael Sanderling im Fernen Osten

11.07.19 (Michael Ernst) -
Acht Jahre lang war Michael Sanderling Chefdirigent der Dresdner Philharmonie – Jahre des Abschieds vom alten Kulturpalast, des Unterwegsseins an verschiedenen Spielstätten und des Einzugs in den neuen, vielbeachteten Konzertsaal. Inzwischen hat er seine letzten Dresden-Konzerte in diesem Amt gegeben. Anlass genug für die Frage: Was bleibt? Antworten von Michael Ernst.

Ein neuer Tannhäuser für Bayreuth – Regisseur Tobias Kratzer im Gespräch mit Joachim Lange

10.07.19 (Joachim Lange) -
Tobias Kratzer, Jahrgang 1980, ist seit 11 Jahren im Opernregie-Geschäft. Als er mit dem Studium in München und Bern fertig war, stellte er sich gleich ganz vorn an. Legendär ist sein Coup von 2008. Da ging er beim Grazer „ring.award“ unter einem Pseudonym gleich mehrfach ins Rennen und gewann alle Preise. Peter Konwitschny animierte das zu einer Laudatio. So etwas funktionierte natürlich als Karriereschub. Das Besondere: er hat das Versprechen, das er damit der Opernwelt gab, gehalten.

Offenbachs „Die Banditen“ als bissiges Sommertheater zur Wiedervereinigung in Leipzig

09.07.19 (Roland H. Dippel) -
Jacques Offenbachs „Die Banditen“ sind ein weitaus robusterer Brocken als das von der Leipziger Insel-Bühne bereits im Sommer 2015 am gleichen Schauplatz vom „Pariser Leben“ zum „Klein-Pariser Leben“ auffrisierte ‚Operettchen‘. Das kleine Ensemble hat sich Parodien, Stückentwicklungen und Komödien verschrieben. Zum 200. Offenbach-Geburtstag steht aber nur zum Schein der ‚Mozart der Champs Elysées‘ im Vordergrund, selbst wenn die Insel-Bühne für die sich bei Offenbach rar machenden großen Leipziger Musiktheater in die Bresche springt. Der Wahnsinn hat Dekonstruktionsmethode: Das Ensemble beschränkt sich auf Personalzahlen, mit denen Offenbach seine ersten Jahre als Theaterunternehmer bestritt. Geht das heute noch oder wieder? An der Moritzbastei schon, denn ein ‚typisches‘ Operettenpublikum gibt es dort nicht. Der Bericht von Roland H. Dippel.

Die höheren Künste des Recyclings – Das Festival in Aix-en-Provence 2019

08.07.19 (Frieder Reininghaus) -
Die erste Stunde gehörte einem seltenen Gast im sommerlichen Aix-en-Provence: Madame La Pluie ließ die Veranstalter und die vor den Absperrgittern wartenden zahlenden Gäste lange im Ungewissen. Doch dann wurden die Barockgeigen des Orchesters Pygmalion aus Bordeaux ausgepackt. Sie und die vielen prächtigen Kostüme, die unter kundiger Assistenz von Elisabeth de Sauverzac geschneidert worden waren, setzten sich dem Witterungs-Restrisiko aus. Gegen 23 Uhr begann eine Solostimme den zum Auditorium umgewidmeten Hof der Arvchevêché zu erfüllen. Sie intonierte, bald unterstützt vom Chor, ein mittelalterliches Graduale – als Einstimmung auf das Requiem von Wolfgang A. Mozart.

Im Geiste der Siebziger Jahre – Das Ensemble unitedberlin feierte 30jähriges Jubiläum

05.07.19 (Isabel Herzfeld) -
„Zurück gehört und nach vorn geblickt“ betitelt das Ensemble unitedBerlin sein Jubiläumskonzert zum 30jährigen Bestehen, denn der Blick in die Zukunft aus dem Bewusstsein der eigenen Herkunft heraus gehörte von Anfang an zum Konzept. „Woher kommen wir – wohin gehen wir?“ hieß eine seiner Konzertreihen. Isabel Herzfeld gratuliert und resümiert.

Menotti: „The Medium“ & Maderna: „Satyricon“ in Frankfurts Bockenheimer Depot

05.07.19 (Dieter David Scholz) -
Am Samstag, 15.06.2019 hatte im Bockenheimer Depot, einem ehemaligen Betriebshof und die ehemalige Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt am Main, es ist die zweite Spiel­stätte der Oper Frankfurt, wieder einmal Ungewöhnliches gewagt. Zwei nicht eben oft zu sehende Stücke wurden hintereinander aufgeführt: Gian Carlo Menottis 1946 uraufgeführte Tragödie in zwei Akten „The Medium“ und Bruno Madernas Oper in einem Akt „Satyricon“ aus dem Jahre 1973. Dieter David Scholz mit Einzelheiten.

Bravouröser Untergang: Das Theater Altenburg gleitet als „Titanic“ in die Umbauphase

05.07.19 (Roland H. Dippel) -
Wilhelm Dieter Sieberts „Untergang der Titanic“ wird zu Unrecht belächelt. Die musikalische Dramaturgie auf das vom Komponisten mit Christian Rateuke und Hartmann Schmige verfasste Libretto durchmischt Dokumentation, Melodram und interaktives Theater. Zudem hat diese ‚große Oper mit Salonorchester‘ effiziente Wirkungen wie heute gängige Pädagogik- und Vermittlungsformate: Theaterführung auf und hinter die Bühne, Demonstrationen einer Physiognomie des Singens und der Anatomie theatraler Parameter, vor allem aber jede Menge Spaß. Das Theater Altenburg-Gera schickt mit einem riesigen Aufgebot an Solisten, Chören, Statisten und gleich vier Regieassistenten auf die fiktive Reise über den Atlantik. Roland H. Dippel hat die Details.

Was sich rächt, das liebt sich – Smetanas „Dalibor“ am Nationaltheater Prag

04.07.19 (Michael Ernst) -
Smetana ist „Moldau“, ist „Vaterland“ und „Verkaufte Braut“. Aber dann hört der Spaß meistens schon auf. „Libusa“? „Dalibor“? Oder gar „Der Kuss“, „Das Geheimnis“, „Die Teufelswand“? Kaum gespielte, kaum bekannte Werke. Eine der genannten Opern hat es nun immerhin mal wieder auf die Bühne des Prager Nationaltheaters geschafft. Ein Bericht von Michael Ernst.

Experimentelle Klänge beim Abschlusskonzert von KLANGRADAR in München

03.07.19 (Luisa Mergel) -
KLANGRADAR ist 2014 als Musikvermittlungsprojekt des Netzwerks Junge Ohren unter der künstlerischen Leitung von Burkhard Friedrich an Berliner Grundschulen gestartet und ermöglichte dort seither vielen Schulklassen die kreative Arbeit mit professionellen Komponistinnen und Komponisten. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei Klänge erforschen, selbst entwickeln und gemeinsam zeitgenössische Musik komponieren. Luisa Mergel berichtet vom und reflektiert über das Abschlusskonzert in der WhiteBOX im Münchener Werksviertel.

Die Bösen sind immer die Anderen – Konwitschny inszeniert Meyerbeers „Les Huguenots“ an der Semperoper Dresden

02.07.19 (Joachim Lange) -
Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“ beeindruckt in der Inszenierung von Peter Konwitschny außerordentlich, meint unser Kritiker Joachim Lange. „Die Hugenotten verbinden in gewisser Weise wagnerschen Größenwahn mit italienischem Belcanto- und Emotions-Furor. Die Musik ist aber dennoch mit französischer Leichtigkeit aufgeschäumt und behandelt obendrein den großen historischen Gegenstand mit Sprengkraft. All das hört man bei Stefan Soltész und der Staatskapelle.“

Preisgekrönt: Das Philharmonische Staatsorchester Mainz

01.07.19 (Andreas Hauff) -
Das Philharmonische Staatsorchester Mainz hat vom Deutschen Musikverlegerverband den Preis für das beste Programm der Spielzeit 2018/19 erhalten. Andreas Hauff hat ein Konzert aus der Reihe „Auf Wiederhören!? … reingehört und kommentiert – Musik der Gegenwart“ besucht. Wolfgang Rihm, Detlef Glanert und Rolf Riehm treffen aufeinander und einer „gewinnt“ ein Wiederhören. Aber wer?

Strauss unbedingt verschlimmbessern – Die Münchner Opernfestspielpremiere „Salome“

28.06.19 (Wolf-Dieter Peter) -
Der Salome-Stoff im Jahr 2019 – da gäbe es leider Anknüpfungspunkte, denn grässlicherweise sind ja Enthauptungen von unliebsamen Köpfen wieder aktuell geworden. Also war in der Strauss-Metropole München zu Beginn der Opernfestspiele etwas zu erwarten. Doch den Buh-Sturm für das Bühnenteam fand Wolf-Dieter Peter völlig angemessen.

Später Höhepunkt der Berliner Opernsaison – Peter Eötvös’ Oper „Angels in America“ an der UdK

28.06.19 (Peter P. Pachl) -
An der in Sachen Musiktheater überaus einfallsreichen und innovativen Opernklasse der Universität der Künste ist Peter Eötvös' Oper „Angels in America“ als Berliner Erstaufführung zu erleben. Das ursprünglich siebenstündige Drama von Tony Kushner ist in der 2004 in Paris uraufgeführten Oper auf gut zweieinhalb Stunden verdichtet. Peter P. Pachl berichtet.

Geißlers Kurz-Schluss: Wie ich einmal voller Bewunderung die Entstehung eines großartigen Weltreiches wenigstens aus der Ferne miterleben durfte

27.06.19 (Theo Geißler) -
Dass ausgerechnet die gute alte „Frankfurter Allgemeine“ sich in prophetische, eigentlich sogar science-fiktionale Sphären begibt, und das auf einer ganzen Doppelseite, hätte ich ihr offen gestanden nie und nimmer zugetraut. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte sie unter dem Titel „What’s the Agenda today“ einen Arbeitsplan für Donald Trump, Mindmap-mäßig mit ungefähr tausend differenzierten Aufgabenwölkchen. Darunter schon: „Bomb the Iran“. Dass dieses Schiiten-Nest ausgerechnet am Tag von Trumps Wahlkampfauftakt unter dem Motto „Keep America great“ angeblich Bodenstation für den Abschuss einer USA-High-Tech-Spionage-Drohne gewesen sein soll, ganz zu schweigen von der Behinderung des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus, lieferte hinlänglich Anlass zu einem finalen Vergeltungsakt. [Vorab aus Politik & Kultur 2019/7-8]

Kurt Weills „Ein Hauch von Venus“ in der Staatsoperette Dresden

27.06.19 (Roland H. Dippel) -
Weills Broadway-Erfolg funktioniert auch in der Staatsoperette Dresden. Fröhliche Farbigkeit, Revue-Ausflüge machen den Abend rund. Dabei ist Matthias Davids, Leiter der Musicalsparte in Linz, mit seiner meisterhaft geschmeidigen, definitiv kantenlosen Regie auf der richtigen Weill-Spur, meint unser Kritiker Roland H. Dippel.

Beeindruckend: Udo Zimmermanns „Weiße Rose“ an der Musikhochschule Lübeck

26.06.19 (Arndt Voß) -
Der Zuschauer muss am Eingang warten. Wenn er schließlich eintreten darf, macht ihm Dämmerlicht und Nebel die Orientierung schwer. Die Luft fühlt sich feucht an, riecht fast etwas modrig. Wenn sich langsam der visuelle Eindruck ordnet, erkennt er schwache Lichtkegel, die von oben neun Figuren ertasten. Stumm stehen sie da, drei mal drei, ein Quadrat bildend, bis sie sich hinknien, dann sich wie zum Gebet nach vorn neigen. Ihr hechelndes Atemholen sind erste akustische Ereignisse. Ein Bericht von Arndt Voß.

Bach liebte Pan – Impressionen vom Leipziger Bachfest 2019

25.06.19 (Roland H. Dippel) -
Nach zwanzig Jahren seines Bestehens war das Bachfest Leipzig umfangreich wie nie. Die internationalen Interessenbekundungen waren ebenso unerschöpflich wie die Fülle des Programm-Angebots vom 14. bis zum 23. Juni. Hochkarätige und regionale Spitzenensembles, Open Air, Crossover, Exkursionen mit fachkundiger Begleitung, zyklische Schwerpunkte, Fachveranstaltungen. Hier konnte jeder nach seiner Bach-Façon selig werden. Roland H. Dippel berichtet.

Das hat Offenbach nicht verdient: „Je suis Jacques“ an der Oper Köln geht daneben

25.06.19 (Dieter David Scholz) -
Zum 200. Geburtstag hat sich die Oper Köln ein spezielles Programm ausgedacht: eine „Jubiläums-Offenbachiade“. Unser Kritiker Dieter David Scholz kann dem nicht mal gar nicht viel abgewinnen, sondern eher fast gar nichts. „An den Haaren herbeigezogene Überleitungen“, biedere Rahmenhandlung, musikalisch kaputtreduziert. Die Oper Köln habe „sich und Offenbach mit dieser trostlosen Jubiläumsveranstaltung zum 200sten Geburtstag des vielleicht bedeutendsten Sohnes der Domstadt keinen ehrenvollen Dienst erwiesen.“

Vier Tage zum Zehnten – 10. Internationale Schostakowitsch-Tage Gohrisch

25.06.19 (Michael Ernst) -
„Das Jahr 1905“ und die Jahre 1960, 2010, 2019 – alle im Zeichen von Schostakowitsch. Drei Tage im Juni haben dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch genügt, um sein womöglich persönlichstes Werk (so jedenfalls wird es immer wieder gern apostrophiert) zu verfassen. Zwischen dem 12. und 14. Juni 1960 entstand im sächsischen Kurort Gohrisch das 8. Streichquartett c-Moll op. 110, die einzige außerhalb seines Heimatlandes verfasste Komposition.

Einen Schritt weiter – Atemberaubender „Macbeth“ an der Flämischen Oper Antwerpen

24.06.19 (Joachim Lange) -
Die Flämische Oper beschließt in Antwerpen die Dekade unter Leitung von Aviel Cahn mit einem von Michael Thalheimer atemberaubend inszenierten „Macbeth“. Nein, sie stehen nicht nur am Abgrund und schauen hinein. Sie sind längst einen Schritt weiter. Ganz tief unten. Von Anfang an. Joachim Lange spricht Klartext.

Eine sexzessive „Traviata“-Premiere am Theater Lübeck

17.06.19 (Arndt Voß) -
Giuseppe Verdis „La Traviata“ gilt als eine der meist gespielten Opern, ein Merkmal ihrer Beliebtheit. Auch das Theater Lübeck wollte sein Publikum nicht lang darben lassen und offerierte ihm nach nur sieben Spielzeiten erneut die großen musikalischen Momente, das Vorspiel mit dem zauberhaften Beginn und dem schwelgenden Liebesmotiv, das immer zündende Trinklied und all das, was danach noch als Gemütsbalsam folgt. Eines sei noch hervorgehoben, weil es in der neuen Inszenierung gesanglich besonders imponierte, das „Pura siccome un angelo“, das engelhaft Reine, das Vater Giorgio Germont bei seiner Tochter bewahrt haben wollte. Arndt Voß mit Einblicken zur Premiere.
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