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Nur keinen Aufruhr, der Betrieb muss laufen – Kein Erfolg für den Dresdner Tänzer István Simon vor dem Arbeitsgericht

18.03.18 (Boris Gruhl) -
Am 15. März fand vor dem Arbeitsgericht Dresden ein bemerkenswertes Verfahren statt. Der Tänzer Istvan Simon, Erster Solist am Semperoper Ballett, klagt gegen den Freistaat Sachsen. Nachdem er der Leitung des Hauses gegenüber beklagt hatte, von einem Ballettmeister des Semperoper Balletts sexuell belästigt worden zu sein, verhängte diese eine Freistellung des Tänzers: Er darf nicht mehr an den Proben teilnehmen und wird für Aufführungen nicht mehr besetzt. Im Verfahren am 15. März zeigte das Gericht eine erstaunlich geringe Sachkenntnis und entschied zu Ungunsten des Tänzers. Die Freistellung respektive Suspendierung bleibt bestehen.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 19.03. bis 25.03.2018

18.03.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 12. Schwerpunkte: Die Woche steht ganz im Zeichen des 100. Geburtstags von Bernd Alois Zimmermann und des 100. Todestages von Claude Debussy. Der rbb fährt bei Bernd Alois Zimmermann eine Sendereihe in fünf Folgen auf. Features beleuchten Claude Debussy. Weitere Themen in der Woche: Turgut Erçetin, das Duo Heginger/Essl, ECLAT 2018, die Schule der Claqueure von Bill Dietz, CTM Radio Lab: MAGMA, Michael Lentz: Diktate, Festival „Blaues Rauschen“ | Sing, Nachtigall, sing – Die Diva unter den Vögeln, das Jugendsinfonieorchester Schwerin.

Klassik-Streaming: Das Metronom tickt wieder – Grammofy ist zurück

17.03.18 (Martin Hufner) -
Relativ überraschend hatte am 15. November 2017 der Klassik-Streamingdienst-Anbieter Grammofy seinen Betrieb eingestellt. Das Startup aus Deutschland ging im Mai 2016 mit kuratierten Musikfolgen auf Streaming und sucht auf diese Weise sein Publikum. Tausende Nutzer in 15 Ländern haben aber nicht ausgereicht, um den Dienst auf die Dauer wirtschaftlich zu betreiben. Jetzt hat man sich quasi als Add-On an Spotify herangehängt. Nutzer eines Premium-Accounts bei Spotify haben nun wieder Zugang zu Grammofy. Grammofy ist zurück!

Udo Zimmermanns „Weiße Rose“ am Münchner Gärtnerplatztheater

16.03.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Die „Weltstadt mit Herz“ tat sich jahrzehntelang schwer mit ihrem Erbe des düster braunen Glanzes: Keimzelle und stolze „Hauptstadt der Bewegung“ gewesen zu sein. Der letztlich alle Widerständler überragende „einsame Held“ Georg Elser fand beschämend lange keine gebührende Anerkennung. Im Gegensatz dazu wurde schon 1946 der Platz vor der Universität in „Geschwister-Scholl-Platz“ umbenannt und damit den überzeugt mutigen Blutopfern der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“ Ehre erwiesen.

Tönend über sich hinaus… - Mezzosopranistin Christa Ludwig feiert ihren 90.Geburtstag

16.03.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Eben jagte Karl Böhm im Bayreuther Festspielhaus die Leidenschaften tönend-tosend hoch, 1966, in der DG-Aufnahme des 2.Aufzugs des „Tristan“: Isolde Birgit Nilsson wollte jauchzend dem Geliebten das Zeichen geben; Brangäne Christa Ludwig warnte eindringlich, hob plötzlich die Hand und bat in Bayreuths „mystischen Abgrund“ hinunter um Unterbrechung. Sie winkte aus der Kulisse den Assistenten heran, blätterte eine Seite zurück, trat an den Rand zum Graben und flüsterte in schönem Wienerisch „Ich hab‘ eb‘m ‚weil du erblödet, wähnst du den Blick der Welt erblindet‘ g‘sungen – es muss umgekehrt…“ Böhm raunzte etwas Unverständliches zurück, biesterte noch hörbar „Birgit, schrei‘ ned‘ a‘so!“ – dann tobten die Liebeswogen erneut und später erklangen die schönsten „Habet Acht!“-Rufe Brangänes, die die damalige Musikwelt kannte…

Seht her: ein Mensch! Hans Werner Henzes „Floß der Medusa“ in Amsterdam

15.03.18 (Joachim Lange) -
Es ist Zufall, aber bezeichnend: einen Tag vor der Amsterdamer Premiere von Hans-Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“ haben sich im Pariser Louvre Umweltaktivisten der Gruppe "350.org" vor dem berühmten gleichnamigen Gemälde von Theodore Gericault auf den Boden gelegt. Sie wollten damit auf Opfer des französischen Ölriesen Total aufmerksam machen, der das Museum sponsert. Es ist die ungebrochene Magie dieses Gemäldes, bei dem exemplarisch ein für die meisten Betroffenen erfolgloser Überlebenskampf nach einer Katastrophe festgehalten ist. Im Augenblick des Erschreckens danach.

„Salome“ – Ein zweiter Blick auf die Inszenierung an der Staatsoper Berlin

14.03.18 (Peter P. Pachl) -
Schon einmal hatte Christoph von Dohnányi durch seine Premierenabsage die Karriere eines jungen Dirigenten entscheidend gefördert: bei Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“, 1988 in Brüssel, war für ihn Ingo Metzmacher eingesprungen, in der Folge einer der gefragtesten Dirigenten für die Musik des 20. Jahrhunderts. Ob beabsichtigt oder nicht, auch diesmal hat von Dohnányi – mit seiner kurzfristigen Absage aufgrund „künstlerische[r] Differenzen mit dem Regisseur Hans Neuenfels“ – einem jungen Dirigenten die Pforten zur großen Karriere eröffnet.

Kiels Spiel mit dem Feuer – Wagners „Götterdämmerung“

14.03.18 (Arndt Voß) -
Geschafft: In Kiel wurde als funkelnder Schlussstein die „Götterdämmerung“ in Wagners „Ring“ eingefügt. Daniel Karasek, der Generalintendant, hatte das große, vier Spielzeiten umfassende Projekt zur Chefsache gemacht und – dem jubelnden Schlussapplaus nach – erfolgreich zu Ende geführt.

Verdi muss schon verbessert werden – „Les Vêpres siciliennes“ in München

12.03.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Die Geschichte ist ein Schlachthaus“ hat Heiner Müller festgestellt. Das trifft auch auf die historische „Sizilianische Vesper“ von 1282, den blutigen Aufstand der Sizilianer gegen die französische Fremdherrschaft, zu. Daraus in der kritischen Rückschau einen Totentanz zu machen, könnte ein theatralisch fesselnder Kunstgriff sein, denn Giuseppe Verdi hat dazu 1855 eine mehrfach brachiale Musik komponiert, aus der Humanes wie eine Utopie melodiös aufleuchtet.

Tenebrae – RIAS Kammerchor in Kooperation mit Ensemble Resonanz unter Justin Doyle in Berlin

12.03.18 (Hans-Peter Graf) -
Passend zum nahenden Osterfest bot der RIAS Kammerchor im 5. Abonnementkonzert Musik zur Passionsgeschichte und der Trauer. Seit dieser Saison auf der Position als Chefdirigent und künstlerischer Leiter nutzte Justin Doyle die Gelegenheit, mit einigen außergewöhnlichen Ideen zu Programmgestaltung und Präsentation auf weiteres Potential für das Traditionsensemble zu verweisen.

Nichts als Wolken – Telemanns „Richard Löwenherz“ zu den 24. Telemann Festtagen in Magdeburg

12.03.18 (Joachim Lange) -
Mit Georg Friedrich Händels 23. Oper „Riccardo Primo“ kann man heute noch ziemlich Eindruck machen. Selbst, wenn sie als pures historisches Spektakel daherkommt, wie etwa vor vier Jahren bei den Händefestspielen in Karlsruhe. Der Plot, der 1727 dem berühmten Richard Löwenherz eine Bruchlandung auf Zypern beschert und ihn in eine fiese Intrige des dortigen Herrschers verwickelt, ist barocküblich verworren, aber bühnenergiebig. Der exemplarische Opern-Bösewicht, versucht seinem „Gast“ glatt mit der eigenen Tochter die falsche Braut unterzujubeln, um die eigentlich für den Briten vorgesehene, selbst zu behalten. Alles aufgeschäumt zu einem zeittypischen Mix aus Eroberung, Entführung und Erpressung, samt Krieg und Eingreifen eines syrischen (hic!) Prinzen als Retter. Und einem halbwegs glücklichen Ende, versteht sich.

Ziemlich verloren – Uraufführung von Dai Fujikuras „Der Goldkäfer“ am Theater Basel

11.03.18 (Georg Rudiger) -
„Ich verstehe kein Wort“, singt der junge Tenor Matthew Swensen als Sam. „Ein Mysterium“ raunt Anastasia Bickel in der Rolle seiner weißhaarigen Großmutter Anneli. Die neue Oper „Der Goldkäfer“ von Dai Fujikura, ein Auftragswerk der Basler Musikhochschule, ist zur Hälfte vorbei, da fallen diese Sätze, die dem rätselhaften, rund 80-minütigen Musiktheaterabend „für junge Menschen ab 8 Jahren“ auch als Überschrift dienen könnten.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 12.03. bis 18.03.2018

11.03.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 11. Schwerpunkte: MaerzMusik 2018, Neue Musik aus dem Iran, Ultraschall Berlin, ECLAT 2018, Essen NOW! +++ Hannes Seidl, Dimitri Terzakis, Gunter Dornheim, Lili Boulanger, Bernd Alois Zimmermann +++ Komponieren – was heißt das eigentlich – heute?, Gérard Griseys „Quatre chants“, Mit Musik rechnen – Komponieren am PC, „Musik für das musikalische Theater“ von Kurt Weill, Junge Dirigenten erobern die Welt der Operette, Wechselwirkungen von Radio und Komposition, Baustelle Israel – Musikalischer Meeting point oder Melting pot?, Sing, Nachtigall, sing – Die Diva unter den Vögeln, Gleichberechtigung in der elektronischen Musik.

In Rixdorf ist Musike – In Berlin-Neukölln entsteht das Deutsche Chorzentrum

Selten ist bei einer Pressekonferenz eine so hohe Dichte von Politikerinnen zu beobachten. Doch die der Erteilung der Baugenehmigung für das Deutsche Chorzentrum in Berlin war gewichtig: Der Bund war vertreten durch Günter Winands (an Stelle der die kurzfristig verhinderten Kulturstaatsministerin Monika Grütters), der Berliner Senat durch Klaus Lederer (für das Bundesland Berlin), die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln durch Franziska Giffey. Dazu traten Alt-Bundespräsident Christian Wulff (jetzt in der Funktion als Präsident des Deutschen Chorverbandes) und Ex-MdB Petra Merkel (als Vizepräsidentin des Deutschen Chorverbandes). Da wirkt einiges zusammen, da bahnt sich etwas an, da kommt etwas ins Rollen. Es geht um das Deutsche Chorzentrum in Berlin.

„Salome“ mit 24: An der Staatsoper Berlin rettet Thomas Guggeis Richard Strauss

06.03.18 (Michael Ernst) -
Jochanaan hat keine Chance. Als fanatischer Wanderprediger an einem verrückten Königshaus, das kann nicht gutgehen. Dirigent Christoph von Dohnányi hingegen hat seine Chance abgegeben und nach öffentlichkeitswirksamen Differenzen („unüberbrückbar“) mit Regisseur Hans Neuenfels die musikalische Leitung der Neuproduktion von „Salome“ an der Deutschen Staatsoper Berlin Thomas Guggeis überlassen. Der allerdings, ab kommender Saison als Kapellmeister ans Staatstheater Stuttgart verpflichtet, hat alle Chancen bestens genutzt.

Traumlogik – Heinz Holligers Oper „Lunea“ am Opernhaus Zürich uraufgeführt

05.03.18 (Georg Rudiger) -
Die Musik beginnt ohne einen bewussten Anfang. Zarte Arpeggien auf der Harfe, dem Zymbal und dem Klavier vermischen sich mit Liegetönen in den Bläsern, gesummten Akkorden und Glockenschlägen zu einem Klangstrom, der immer in Bewegung bleibt. Heinz Holligers neue Oper „Lunea“, die bei ihrer Uraufführung am Opernhaus Zürich von ihm selbst dirigiert wird, bleibt nie stehen.

Stumpfe Kalauer-Comedy – Musical-Uraufführung „ZZaun“ in Dresden

05.03.18 (Roland H. Dippel) -
Noch vor Ablauf der ersten Jahresfrist sollte im Werk Mitte, der neuen Spielstätte der Staatsoperette Dresden, die erste Uraufführung stattfinden. Die Maag Halle Zürich hatte den Musicalautor Tilmann von Blomberg mit dem Songdichter und Komponisten Alexander Kuchinka beauftragt, zur Produktion kam es dort allerdings nicht. Beim ersten „Creators Autorenwettbewerb“ des Schmidt-Theaters in Hamburg schaffte es „Zzaun! – Das Nachbarschaftsmusical“ ins Finale und Intendant Wolfgang Schaller sicherte es sich sofort. Wegen des Wasserschadens im Oktober 2017 musste die Premiere der stumpfen Kalauer-Comedy allerdings auf den 4. März 2018 verschoben werden.

Die Buchmesse mit der musikalischen Note – ConBrio Verlag und Verband deutscher Musikschulen gemeinsam auf der Buchmesse Leipzig

05.03.18 (nmz-red) -
Die Buchmesse Leipzig hat sich zu einem Magnet auch für Verlage aus dem Musikbereich entwickelt. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich darin, dass Leipzig von Anfang an als Publikums- und nicht als Fachmesse konzipiert war.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05.03. bis 11.03.2018

04.03.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 10. Schwerpunkte: Frank Michael Beyer, Dimitri Terzakis, Sopranistin Katharina Konradi, Komponistin, Pianistin und Performancekünstlerin Judith Unterpertinger, Hans-Joachim Hespos, Dieter Glawischnig, Lili Boulanger ||| Huddersfield Contemporary Music Festival, Ultraschall Berlin ||| Das Erleben von (Neuer) Musik als wissenschaftliches Forschungsfeld, Zwischen Genie und Kreativitätscoach, Faust-Deutungen in der Neuen Musik, Coffee and Cigarettes – Musik im Rausch, Mit Musik rechnen – Komponieren am PC, Klangreise durch die Wüsten im Süden Australiens, Fehler – los! Vom Richtigen im Falschen, Die Nacht der Machtergreifung.

Alfried Krupp, der Erdgeist – Marschners „Hans Heiling“ in Essen

02.03.18 (Roland H. Dippel) -
Industriekultur und romantische Oper total: Regisseur Andreas Baesler und Dirigent Frank Beermann verlegen Heinrich Marschners „Hans Heiling“ vom böhmischen Erzgebirge an die Ruhr. Aus dem Thronfolger der Erdgeister wird ein Krupp-Erbe, der kurz vor dem Niedergang der Zechen kein Liebesglück findet. Am Aalto-Theater Essen tritt „Hans Heiling“ legitim aus dem Schatten Richard Wagners. Eine spannende, bewegende Produktion!

Frankfurts Oper zeigt Meyerbeers „Vasco da Gama“ als interstellares Kolonialismusdrama

01.03.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Das Schiff ist seit Monaten unterwegs; für die Mannschaft wird Kontakt zu ihren Frauen hergestellt: per Skype auf dem Riesenbildschirm der Kommandozentrale – denn das Raumschiff fliegt zu neuen Sternenwelten. Da spielt der von Tilman Michael einstudierte Chor amüsant menschliche Geschichtchen: einem Vater wird sein inzwischen geborenes Baby gezeigt; eine junge Mutter hält die für „Pappi“ gemalte Zeichnung ins Kameraauge; eine dritte lockt bei der Heimkehr mit neuer Reizwäsche…

Ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini. Die Musiktheater-Produktion „Ein Zimmer für sie allein“ am ZAMUS in Köln

01.03.18 (Andreas Hauff) -
Die Nachbarschaft in der Kölner Heliosstraße ist wahrscheinlich Zufall: Das ZAMUS (Zentrum für Alte Musik) in Köln-Ehrenfeld liegt neben einem seltenen Baudenkmal von 1894: Einem Binnenleuchtturm, der an die 1905 untergegangene Helios AG erinnert. Doch als Forum, Begegnungsstätte und Konzertort hat das 2012 gegründete ZAMUS inzwischen selbst Leuchtturm-Charakter. Mit der Musiktheaterproduktion „Ein Zimmer für sie allein“, die auch beim Internationalen Festival für Aktuelle Klangkunst in Trier gastierte, fällt nun ein Lichtstrahl auf Francesca Caccini, die trotz Frauenbewegung und erstarktem Gender-Bewusstsein immer noch im Schatten ihrer männlichen Kollegen steht.

Deutscher Musikautorenpreis: Klaus Doldinger wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet

28.02.18 (PM - GEMA) -
Filmmusik-Komponist und Jazzlegende Klaus Doldinger wird bei der Jubiläumsgala des zehnten Deutschen Musikautorenpreises am 15. März 2018 von der GEMA für sein Lebenswerk geehrt. Aus Doldingers Feder stammen unter anderem die berühmte „Tatort“- Titelmelodie sowie Musik zum legendären Film „Das Boot“.

Wolken über der See … Georg Friedrich Händels „Ariodante“ an der Wiener Staatsoper

27.02.18 (Joachim Lange) -
Ganz so einwandfrei und barockfreundlich, wie es Staatsoperndirektor Dominique Meyer bei der Premierenfeier meinte, war die Akustik, zumindest im Parkett, dann doch nicht. Wobei das Gastorchester im hochgefahrenen Graben „Les Arts Florissants“ und ihr Gründer und Dirigent William Christie kein Problem hatten, die Klanghoheit im Saal der Wiener Staatsoper zu erringen. Ihr Part war durchweg transparent, frisch aufgespielt und raumfüllend. Dabei sehr einschmeichelnd, wenn die Stimmen zu tragen oder zu umschwirren waren, eloquent bei den knackigen Rezitativen.

Kein Halt vor langweiligen Banalitäten – Goethes „Wahlverwandtschaften“ am Theater Bremen

27.02.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
„Keine Oper, keine Operette, kein Musical, kein Oratorium, keine Schauspielmusik, aber alles ein bisschen“ hatte der Komponist Sebastian Vogel zur Uraufführung der Tolstoi-Adaption „Anna Karenina“ gesagt, die er 2014 zusammen mit Sebastian Vogel geschrieben hatte. Nun also eine erneute Uraufführung der beiden: „Wahlverwandtschaften“ am Theater Bremen. Wieder sollte man nicht versuchen, eine neue „Oper“ zu erwarten, es heißt ja auch „Musiktheater“, auch noch „spartenübergreifend“. Aber bei aller Bereitschaft dazu, es fällt schwer, eine Gattungsorientierung zu finden. Auch das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Teile und Details nicht so auseinanderdriften würden wie an diesem Abend mit einem auffällig spröden Schlussbeifall.
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