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Nachtmusiken – Das Antrittskonzert von Cornelius Meister mit dem Staatsorchester Stuttgart

10.10.18 (Götz Thieme) -
Die Musikstadt Stuttgart lässt mit zweien neuen Musikchefs aufhorchen. Vor wenigen Wochen gab Teodor Currentzis sein Antrittskonzert beim SWR Symphonieorchester, jetzt folgte Cornelius Meister, der Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart, mit seinem ersten Sinfoniekonzert mit dem Staatsorchester. Wie Currentzis gab Meister seine Visitenkarte mit einer Mahler-Sinfonie ab.

Geile Gewaltverführung – Am DNT Weimar knallt es in „A Clockwork Orange“ mit Rammstein-Songs

07.10.18 (Roland H. Dippel) -
Die hauseigene Einrichtung des durch seine thematischen Bezüge zur Enhancement-Diskussion topaktuellen Longsellers „A Clockwork Orange“ nach Anthony Burgess mit Songs von Rammstein hat es in sich. Diese dramatische Revue fetzt in zwei Stunden alles nieder und fährt mit Nahuel Häfliger einen Hauptdarsteller auf, der mehr genussvolles Grauen als beklemmenden Schrecken und Mitleid in den Saal schleudert. Das phänomenale Ensemble beherrscht Spiel, Musik und Tanz – ein hochrangiger Abend mit einer diskussionswürdigen Funktionalisierung von Musik und einer nicht vorhersehbaren Akzentverschiebung.

Die geklaute Ziffer – François Sarhans „Nacht bis Acht“ an der Deutschen Oper Berlin

07.10.18 (Peter P. Pachl) -
Einen knappen Tag nach der Eröffnungspremiere mit „Wozzeck“ lieferte die deutsche Oper Berlin als Uraufführung eine Oper „für alle ab 6 Jahren“ in ihrer Tischlerei nach. In François Sarhans „Nacht bis Acht“ stößt der Besucher auf Opern-Topoi, die ihm sofort bekannt vorkommen: auf eine diebische Elster, auf Don Quichotte und einen schweifenden Mann mit Augenklappe, auf eine per blauem Stofftuch imaginierte Wasserwelle, ein fahrbares und sich hebendes Bett sowie auf eine Drehorgel als Taxi. Doch wer dabei an Rossini, Massenet und Wagner, an Barockoper, an Marthaler oder an Wedekind denkt, der ist auf dem Holzweg.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 08.10. bis 14.10.2018

07.10.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 41. Die Harfe in der Neuen Musik, Der Musiktraktat im 20. Jahrhundert, Tyrannei und Freiheit: Wilde Lieder, Musiker und Künstler in Singapur, „Mein“ Japan | Gloria Coates, Einojuhani Rautavaara, Timothy McCormack, Konstantia Gourzi, Maia Urstad, Michael Hirsch.

Mit norwegischem V-Effekt: Bergs „Wozzeck“ an der Deutschen Oper Berlin

06.10.18 (Peter P. Pachl) -
Man stelle sich vor: Verdis „Aida“ in Rom, von einem deutschen Regisseur inszeniert, und jeder Handlungsträger ist mit einem Deutschlandfähnchen in der Hand oder am Anzug bestückt, alle in bayerischer Tracht – der Skandal wäre nicht auszumachen. Anders in Berlin, wo 1925 Alban Bergs „Wozzeck“ an der Staatsoper herauskam und wo jetzt in der Deutschen Oper eine Neuinszenierung Büchners Handlung radikal nach Norwegen verlegt: keinerlei Widerspruch beim Publikum.

Im Pariser Palais Garnier begeistert die neue Oper „Bérénice“ von Michael Jarrell

04.10.18 (Joachim Lange) -
Der Schweizer Michael Jarrell (60) hat auch schon zu Texten von Christa Wolf (Kassandra) und Heiner Müller (Der Vater) Opern komponiert. Die eine davon wurde unter dem Titel „Cassandre“ 1994 in Paris uraufgeführt. Jetzt kehrte er wieder mit einer Uraufführung ins Palais Garnier zurück. Diesmal lieferte der französische Klassiker Jean Racine die Vorlage.

Sängerfest an der Bastille – Die Pariser Oper glänzt mit Giacomo Meyerbeers Gand opéra „Les Huguenots“

02.10.18 (Joachim Lange) -
Wenn man diesen neuen „Les Huguenots“ von Giacomo Meyerbeer in der Pariser Opera Bastille lauscht, dann könnte man auf die Idee kommen, dass dieses Genre vielleicht doch am besten bei den Franzosen aufgehoben ist. So perfekt kommt das aus dem Graben und über die Rampe! Das ist natürlich eine Schnaps-, pardon, Rotweinidee, die man gleich wieder zur Seite legt. Es gehört zu den Vorzügen ambitionierter mitteleuropäischer Opernhäuser, sich in den letzten Jahren dem Genre Grand opéra zu stellen. Ob in Brüssel, Nürnberg oder Berlin – um allein bemerkenswerte „Hugenotten“-Interpretationen der letzten Jahre zu nennen. Manchmal nimmt man bei diesem Aufbruch zu neuen (alten) Ufern auch vokale oder stilistische Verluste in Kauf. Dennoch: der Gewinn fürs Publikum ist größer.

Liebe triumphiert über Krieg – Offenbachs „Les Fées du Rhin“ in Tours uraufgeführt

02.10.18 (Dieter David Scholz) -
Unser Kritiker Dieter David Scholz hat sich tief in die Werkgeschichte von Offenbachs Oper „Les Fées du Rhin“ versenkt. Herausgeholt hat das in dieser Fassung uraufgeführte Werk die Oper in Tours. Wie dabei die gute und ehrenwerte Absicht dieser Tat durch eine inszenatorische Missdeutung ad absurdum geführt wird, lesen Sie in dieser Kritik.

Atmosphärisch dicht – Tschaikowskys „Eugen Onegin“ in Freiburg

02.10.18 (Georg Rudiger) -
Bei Tschechow ist es der Kirschgarten, der in der russischen Provinz die schwere Melancholie ein wenig aufhellt. In Tschaikowskys „Eugen Onegin“ fällt der Blick im Freiburger Theater gleich zu Beginn auf einen hellblauen, leicht bewölkten Himmel, der die unerfüllten Sehnsüchte der Figuren spiegelt. Für Peter Carp ist dieses Kammerspiel um eine unerfüllte Liebe, diese Milieustudie aus dem zaristischen Russland nach dem Versroman von Alexander Puschkin erst die zweite Operninszenierung überhaupt.

Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt“ an der Komischen Oper Berlin

01.10.18 (Peter P. Pachl) -
In Berlin wurde das frühe Meisterwerk des Brünner Wunderkinds auf dem Wege nach Hollywood nach langem Verstummen im Dritten Reich und in einer der Spät- und Nachromantik des 20. Jahrhunderts abholden Periode wiederentdeckt durch eine ungewöhnliche Inszenierung Götz Friedrichs an der Deutschen Oper Berlin im Jahre 1983, der 2004 eine weniger gelungene Produktion am selben Haus folgte, welches in der vergangenen Saison mit Korngolds „Wunder der Heliane“ fulminant nachsetzte. Zu feiern gab es an der Komischen Oper Berlin nun nicht nur einen szenischen Neuansatz für den frühen Welterfolg, sondern auch Sängerleistungen und den Einstand des neuen GMDs Ainārs Rubiķis.

In ihrem Potenzial kenntlich gemacht: Prokofjews „Krieg und Frieden“ am Staatstheater Nürnberg

01.10.18 (Juan Martin Koch) -
Nicht weniger als 20 Solistinnen und Solisten sind es, die sich am Ende zusammen mit dem großen Chor vor dem jubelnden Publikum verbeugen. Keine Frage, dem Staatstheater Nürnberg ist zum Start in die neue Opernsaison auf beeindruckende Weise ein Kraftakt gelungen.

Dummes Volk: „Moses und Aron“ an Dresdens Semperoper

01.10.18 (Michael Ernst) -
Wenn der Amtsantritt einer neuen Intendanz und die Spielzeiteröffnung zusammenfallen, sind die Erwartungen natürlich besonders hoch. Nach der ersten Premiere sprachen die Fakten für sich: 15 Minuten Premierenapplaus sind für Dresdner Verhältnisse ein deutliches Zeichen. Einhellige Zustimmung, also ein gelungener, ein vielversprechender Auftakt.

Babylon den Afrikanern – Oper Halle mit Giacomo Meyerbeers Grand opéra „L’Africaine“

30.09.18 (Joachim Lange) -
Wenn eine Grand opéra auf die Raumbühne Babylon trifft, dann steht ein Opernabenteuer ins Haus. Eine mutige und ehrgeizige Exkursion ins Unbekannte. Giacomo Meyerbeers „L’Africaine“ (Die Afrikanerin) ist dabei lediglich der Ausgangspunkt. Stark gekürzt ist sie ohne weiteres als die 1865 uraufgeführte Oper immer noch erkennbar. Geplant ist eine Reise durch die Zeiten, über die Kontinente und Widersprüche der Welt und zwischen Kunst und Leben.

Georges Bizets Dauerbrenner „Carmen“ am Staatstheater Meiningen

30.09.18 (Joachim Lange) -
In Thüringen erlebt „Carmen“ gerade eine Mini-Konjunktur. In Erfurt hat Guy Montavon die Spielzeiteröffnung mit den Domstufenfestspielen einer ganz speziellen „Carmen“-Variante vorbehalten: Liebe und Eifersucht zwischen unzähligen Autowracks. Ein imposanter Rahmen, mit dem er das Erfolgsstück in die Gegenwart holte. Mit all den akustischen Ecken und Kanten, die sich bei so einem Freiluftspektakel halt nicht vermeiden lassen. Auch in Meiningen hat Intendant Ansgar Haag die französische Spanienoper an den Anfang der neuen Spielzeit gesetzt.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 01.10. bis 07.10.2018

30.09.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 41. Sollte mal auch erwähnt werden. In jeder Woche gibt es nächtens das „Concerto bavarese“ mit Musik fränkischer und bayerischer Komponistinnen. Da sind immer wieder einige Juwelen der neueren Musikgeschichte dabei. Wer da noch wach ist (oder schon wieder), einfach mal reinhören und überraschen lassen.

Das Publikum zu Touristen machen – In Freiburg fährt die Oper Straßenbahn

29.09.18 (Georg Rudiger) -
Die Opernbesucher stehen geduldig in der Warteschlange und schauen auf den Sonnenuntergang, der durch den Uringeruch aus der benachbarten Toilettenkabine eine besondere Note erhält. Ab und zu fährt ein Bus vorbei. Der Betriebshof der VAG im Freiburger Westen ist bislang noch nicht als besonders theatralischer Ort aufgefallen. An diesem Abend startet und endet hier die Uraufführung von „Operation Breisgauland 2048“.

Tatjana Gürbaca inszeniert Georg Friedrich Händels „Alcina“ im Theater an der Wien

26.09.18 (Joachim Lange) -
Händel-Erfahrungen hat Tatjana Gürbaca. In Halle hatte sie vor zwei Jahren mit einer packenden Bühnenversion des Oratoriums „Jephta“ die dortigen Händefestspiele eröffnet. Das „Theater an der Wien“ ist ihr – nicht zuletzt durch ihren auf drei Teile komprimierten Nibelungen-Ring – vertraut, den man wohl – wenn nicht alles täuscht – getrost als Fingerübung für größere Aufgaben in Bayreuth ansehen darf.

Ableitung der Ableitung: Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ an der Oper Zürich

24.09.18 (Peter P. Pachl) -
Wenn eine Produktionsdramaturgin in der Einführungsveranstaltung vor der Premiere einer Neuinszenierung das Publikum auffordert, „Schließen Sie die Augen und hören Sie zu!“, dann scheint im Zeitalter des Regietheaters Vorsicht geboten – insbesondere, wenn eine mit Spannung erwartete szenische Neudeutung eines der spannendsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts ansteht.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 24.09. bis 30.09.2018

23.09.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 39. Schwerpunkte: International Rostrum of Composers 2018, Judith Unterpertingers Arbeit zwischen Komposition, Performance und bildender Kunst, Neue Klänge und Stimmen aus Estland, Filmmusik von Dmitri Schostakowitsch, Das Schlagzeug in der Neuen Musik, Adriana Hölszky zum 65., Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Forum N mit dem hr-Sinfonieorchester, Digital Concert World – Neue Medien, Neues Hören, Neues Komponieren, Besuch beim Musik 21 Festival 2018 ,WERK/ZEUG' in Gifhorn, Dusslige Diven und hustende Helden, Julius Eastman: Composer/Performer.

David Alden präsentiert an der Flämischen Oper in Gent einen düsteren „Lohengrin“

22.09.18 (Joachim Lange) -
Bei diesem Lohengrin-Vorspiel an der Flämischen Oper in Gent geht es mitunter arg laut zu. Der Argentinier Alejo Pérez und das Orchester der Oper brauchen bei der Premiere schon eine Weile, um den manchmal vorwitzigen Ehrgeiz von Blech und dunklen Streichern zu zügeln. Vor allem im zweiten Aufzug beweist er dann aber, dass die Musiker sich auch zurücknehmen können, ohne den Verwandlungsszenen und Aufmärschen ihre opulente Wucht zu nehmen.

„Was mir die Liebe erzählt“ – Das Antrittskonzert von Teodor Currentzis beim SWR Symphonieorchester

21.09.18 (Götz Thieme) -
Beinahe auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass das SWR Symphonieorchester, zwangsfusioniert aus dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, in der Stuttgarter Liederhalle sein erstes Konzert gegeben hatte. Im Rückblick ein nicht nur kulturpolitisch deplorabler Abend, auch künstlerisch war die Ausbeute mager, besonders das Adagio aus Mahlers zehnter Sinfonie zeigte, dass wohl erst einmal ödes Land zu durchschreiten war, bis sich eine blühende Orchesterlandschaft einstellen würde. Das lag nicht wenig am Dirigenten, Peter Eötvös, aber ebenso am widernatürlichen Zusammenschluss der Musikerhundertschaft.

Der Zauber des Anderen – Castellucci verblüfft mit einer radikalen Zauberflöte in Brüssel

20.09.18 (Joachim Lange) -
Bei den Salzburger Festspielen trübte ausgerechnet die „Zauberflöte“ die eindrucksvolle Premierenbilanz des Opernspielplans. Zumindest die Kritik war nicht begeistert. Andererseits gab es für Romeo Castellucci und seine rätselhaft bilderstarke „Salome“ samt ihrer verbleibenden Restgeheimnisse Jubel von allen Seiten. Aus dieser Festspiel-Ungleichung machte Peter de Caluwe jetzt in Brüssel am La Monnaie eine Stagione-Gleichung: Zauberflöte plus Castellucci. Die ging schon deshalb auf, weil der Italiener – ästhetisch gesehen – gleich zwei Inszenierungen ablieferte, die beide in ihrer Radikalität auf ganz unterschiedliche Art verblüfften.

Zehn Sekunden Urschrei: Laurie Anderson bei der Ruhrtriennale

20.09.18 (Stefan Pieper) -
Laurie Anderson hat sich immer wieder neu und anders eingemischt. Jedes ihrer kreativen Erzeugnisse bekommt meist schon vorab den erhabenen Kunstfaktor zuerkannt. Auch ihre jüngste CD-Veröffentlichung mit dem Kronos-Quartett kündet von einem produktiven Sich-Neuerfinden. Da konnte auch mal falsch liegen, wer mit zu viel aufgetürmter Erwartungshaltung einen Soloabend mit der gefeierten Gesamtkunstwerks-Spezialistin im Rahmen der Ruhrtriennale besuchte.

„Von wegen Metaphysik“ – „Tristan und Isolde“ am Staatstheater Hannover

18.09.18 (Dieter David Scholz) -
Friedrich Nietzsche nannte den „Tristan“ mit gutem Grund Wagners“ Opus metaphysicum“. Egal, ob man diese Charakterisierung des „inkommensurablen“ Werks auf den Text oder die Musik bezieht: In beiden Fällen straft die Hannoversche Neuproduktion Nietzsche Lügen, denn regielich banaler, musikalisch weltlicher hat man den „Tristan“ selten erlebt. „Weltlich“ durchaus nicht negativ gemeint, denn was ist schon gegen Triebe und Liebe, Kraft und Sinnlichkeit zu sagen?

Knallbunte Schicksale – Axel Ranischs „Nackt über Berlin“ im Opernhaus Halle

18.09.18 (Roland H. Dippel) -
Ein halbes Jahr nach dem Erscheinen gelangt der Debütroman „Nackt über Berlin“ von Axel Ranisch schon auf die Bühne und erweist sich dabei als im höheren Sinne außergewöhnliches Musiktheater neben der Spur. Denn durch klassische Musik artikuliert sich der übergewichtige Schüler Jannik und eröffnet damit nicht nur dem Vietnamesen Tai, in den er verliebt ist, das Tor zu einer idealen Welt. Mitten in Berlin. Ein spannender Theaterabend auf Sebastian Hannaks Raumbühne BABYLON im Opernhaus Halle
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