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Hochkarätig besetztes Fünftes Leipziger Romantik Festival erfolgreich beendet

11.11.21 (Doris Mundus) -
Die traditionell im Mai stattfindenden (mehrfach pandemiebedingt verschobenen) Festtage Leipziger Romantik konnten in diesem Jahr um Felix Mendelssohn Bartholdys Todestag vom 4. bis 7. November nachgeholt werden, wie immer hochkarätig besetzt. Außer Ragna Schirmer, Matthias Eisenberg und Carolin Masur fanden sich auch im „Orchester Leipziger Romantik“ hervorragende Musiker zusammen.

Studie über Empathie: Tschaikowskis „Iolanta“ in Dessau

09.11.21 (Roland H. Dippel) -
Der Applaus klingt im Anhaltischen Theater oft so groß wie die dort gespielten Opern – sogar wenn der Zuschauerraum wie derzeit wegen Hygienekonzept nicht ganz voll ist. Tschaikowskis letzte und 1892 in Sankt Petersburg mit seinem Ballett „Der Nussknacker“ uraufgeführte Oper war in Dessau ein Corona-Projekt. Mit nur 90 Minuten eigentlich nicht abendfüllend, ist „Iolanta“ aufgrund des kleinerem Chorparts auch im Ausnahmezustand gut machbar.

Odysseuslos, aber nicht ohne: Monteverdis „Il ritorno d'Ulisse in patria” in Basel

09.11.21 (Georg Rudiger) -
20 Jahre muss Penelope auf der Insel Ithaka warten, ehe ihr Gatte Odysseus vom Trojanischen Krieg heimkehrt. Immer wieder wird sie durch Freier bedrängt. Schließlich gibt die Verlassene nach und verspricht sich dem Mann, der Odysseus‘ Bogen spannen kann. Alle Freier scheitern, bis ein Greis die Aufgabe mühelos bewältigt und die Männer tötet. Es ist Odysseus selbst, der in seiner Verkleidung von Penelope aber nicht erkannt wird. Erst als der Fremde die gewebte Decke des Ehebetts beschreibt, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen.

An der Schnittstelle zwischen Künstlichkeit und Wirklichkeit – „Der Bajazzo“ am Theater Bremen

09.11.21 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die junge Opernregisseurin Ulrike Schwab, selbst ausgebildete Opernsängerin, hat in aufsehenerregenden Regiearbeiten schon mehrfach gezeigt, dass ihre Arbeit etwas ganz anderes und Neues zeigt als einfach eine weitere Interpretation einer berühmten Oper. Von Anfang an interessierte sie sich für die Schnittstelle zur Kunst der Performance, was auch mit ihrer Existenz als darstellende Künstlerin zusammenhängen mag. Die Performance macht den Körper der Interpreten selbst zur Kunst.

Osterfestspiele Salzburg im Herbst – Neue Farben, anderes Licht

04.11.21 (Michael Ernst) -
Österreich tickt anders als Deutschland. Ganz anders. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kultur. Fortschreitender Pest-Werte zum Trotz wird das kulturelle Leben (noch) hochgehalten und geht es nicht nur um stadtfestige und weihnachtsmärktige Risikofaktoren à la Brot und Spiele, sondern um bestens abgesicherte Veranstaltungen, die – hier freilich im Hochpreisniveau – dem Publikum etwas bieten und den ausübenden Künstlerinnen und Künstlern eine Spielfläche geben sollen.

Entfesselte Bilderflut: Die „Verurteilung des Lukullus“ von Paul Dessau und Bertolt Brecht in Stuttgart

03.11.21 (Joachim Lange) -
An ihrem Titel sollt ihr sie erkennen – so könnte man ein bekanntes Bibelzitat auf diese Oper übertragen. Was Paul Dessau (1894-1979) und Bertolt Brecht (1898 – 1956) als „Verhör des Lukullus“ am 17. März 1951 in Ostberlin vor einem politisch handverlesenen Publikum als geschlossene Premiere vorstellten, sollte nach dem Willen von Funktionären der Staatspartei eigentlich ein Eklat werden, um einen offiziellen Grund zu haben, das Stück nicht herauszubringen. Mit einer dialektischen Pointe, die von Brecht erfunden sein könnte, wurde die Aufführung aber zum Erfolg.

„Naja“-Amüsement – Die Oper Frankfurt mit Carl Nielsens „Maskerade“

01.11.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Nicht-ich-selber-Sein“, sich zumindest äußerlich in eine*n andere*n zu verwandeln – das durchzieht die Menschheitsgeschichte. Wenn dadurch ein soziales Höher und Tiefer, ein Überwinden gesellschaftlicher Konventionen, Standesgrenzen und gar von Gesetzen möglich wird, dann kann es Revolution geben – oder eben Komödie. Die formte 1724 Ludvig Holberg in einem dänischen Schauspielerfolg. An den wollte 1906 Carl Nielsen mit seiner komischen Oper in Kopenhagen anknüpfen.

Spiel, Tanz, Nachdenklichkeit: Benatzkys „Der reichste Mann der Welt“ in Annaberg-Buchholz

01.11.21 (Roland H. Dippel) -
Mit der Entdeckung der Oper „Leonce und Lena“ von Erich Zeisl und jetzt der deutschen Erstaufführung von Ralph Benatzkys Operette „Der reichste Mann der Welt“ beginnt Moritz Gogg seine Intendanz am Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz mit spannenden Musiktheater-Akzenten. Diese Entdeckungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzen die Raritäten-Initiativen seines Amtsvorgängers Ingolf Huhn mit neuen Schwerpunkten fort. Die letzte erzgebirgische Subventionstheater-Bastion vor der tschechischen Grenze bleibt also auch für reisende Opern- und Operetten-Anhänger äußerst attraktiv.

Die Tuba kommt aus der Seitentür: Das BR-Symphonieorchester debütiert in der Münchner Isarphilharmonie

01.11.21 (Juan Martin Koch) -
Nachdem die Münchner Philharmoniker in ihrem Interim schon heimisch geworden sind, debütierte nun auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der Isarphilharmonie. Jakub Hrusa und Isabelle Faust testeten die Akustik erfolgreich mit Kabeláč, Britten und Schostakowitsch.

„The Sound of Music“ in Meiningen: Frohsinn und Tiefgang

31.10.21 (Roland H. Dippel) -
Die vierte Musiktheater-Premiere des Staatstheaters Meiningen in der noch jungen Spielzeit 2021/22 und die dritte im Kalendermonat Oktober! Intendant Jens Neundorff von Enzberg nahm die fertig gebauten Dekorationen vom Theater Regensburg mit nach Thüringen, weil Corona dort die Produktion verhindert hatte. Die Kostüme entstanden dann in Meiningen. Ovationen für einen bewegenden Abend über die lebensverändernde Kraft der Musik und eine an Emotionen reiche und von Sentimentalität freie Inszenierung. Besonders beeindruckend waren die sechs virtuosen Kinderdarsteller.

Samstagabend Wunschkonzert! – Die Bad Reichenhaller Philharmoniker im Portrait

28.10.21 (Antje Rößler) -
Sanfte Hügel, Wiesen und Wälder umgeben Bad Reichenhall. Durch das Südost-Bayerische Kurstädtchen fließt die smaragdgrüne Saalach. Felsige Alpengipfel bilden das Panorama. Hier lässt es sich gut kuren. Die Bad Reichenhaller Philharmoniker bewahren die Tradition der Kurmusik.

Theos Kurz-Schluss: Wie ich einmal auf der Suche nach Erkenntnis über gesellschaftliche digitale Transformation beim Kosmos-Experimentierkasten „Radiomann“ landete

27.10.21 (Theo Geißler) -
Da soll mir mal eine(r) sagen, die Sehnsucht nach gesellschaftlicher „Transformation“ sei eine aktuelle Invention: „Es is a Kreiz mit de oidn Manner, mit de oidn Manner is a Kreiz“ zwiefachelte man schon zu Zeiten der frühen Fünfziger des vergangenen Jahrhunderts in den finsteren Tälern meiner Heimat in der Voralpenlandschaft. [Vorab aus „Politik & Kultur“ - Ausgabe 2021/11]

„Ist der Drache nicht süß?“ – „Die Zaubermelodika“ von Iiro Rantala an der Komischen Oper Berlin

26.10.21 (Peter P. Pachl) -
Am Ende gab es langdauernden Jubel der Eltern und Gejohle ihrer Kinder angesichts einer beschwingten, unermüdlich quirligen Show mit Vorsatzstücken aus der „Zauberflöte“, vom Komponisten Iiro Rantaka jazzig und verswingt aufbereitet und vom Ensemble der Komischen Oper Berlin engagiert dargeboten.

Beethoven und die Künstliche Intelligenz: Walter Werzowa im Gespräch zu „Beethoven X – The AI Project“

25.10.21 (Verena Trottmann) -
Ein Mann und eine Maschine vollenden eine Sinfonie, die vor rund 200 Jahren nur zur Hälfte fertig geschrieben wurde. Klingt nach einem Metropolis der klassischen Musik, heißt aber „Beethoven X – The AI Project“. Die Uraufführung fand am 9.10. in Bonn statt, eine weitere Aufführung geht am 27.10. in der Hamburger Elbphilharmonie über die Bühne. Ein Gespräch mit dem dem Komponisten und „Beethoven-Vollender“ Walter Werzowa.

Eisig, unerbittlich, konsequent humorfrei: Schostakowitschs „Die Nase“ an der Bayerischen Staatsoper

25.10.21 (Juan Martin Koch) -
Mit schwerer Kost hat Serge Dorny seine Intendanz an der Münchner Staatsoper begonnen. Kirill Serebrennikov inszenierte Schostakowitschs „Die Nase“ unerbittlich aus der Ferne, Vladimir Jurowski schaffte unheimliche musikalische Nähe. Ein fordernder, lohnender Abend.

Außenseiter in Lederkluft: Jules Massenets „Werther“ am Theater Regensburg

24.10.21 (Juan Martin Koch) -
Mit einer leicht gegen den Strich gebürsteten Inszenierung von Jules Massenets „Werther“ präsentierte Nurkan Erpulat am Theater Regensburg seine erste Opernregiearbeit. Ein Debüt mit gemischter Bilanz und spektakulärem Finale.

Wenig Sehnsucht und kein Lohengrin: „Sehnsucht.Lohengrin“ an der Berliner Staatsoper

21.10.21 (Peter P. Pachl) -
Eigentlich eine schöne Idee, Wagner für Kinder von Kindern mit Kindern zu realisieren und diese auch noch die Chorpartien eines Großteils der Partitur unisono singen zu lassen, so dass auf die Besetzung sämtlicher Rollen jenseits des hohen und des finsteren Paares verzichtet werden kann.

Sternstunde: Johann Christian Bachs „La clemenza di Scipione“ in Eisenach

18.10.21 (Roland H. Dippel) -
Für die erste eigene Opernproduktion im Landestheater Eisenach muss man drei Initiatoren danken. Jens Neundorff von Enzberg, der neue Intendant des Staatstheaters Meiningen, hat mit dem schönen Bürgertheater in Rot und Weiß mehr vor als Gastspiele von Meininger Produktionen, wie sich das seit der letzten Renovierung vor zehn Jahren eingeschliffen hatte. Regisseur Dominik Wilgenbus brachte ihn auf der Suche nach mit der Region verbundenen Musiktheater-Werken auf Johann Christian Bach. Auch die bislang mit Alter Musik nicht sonderlich vertraute Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach machte einen exzellenten Job in „La clemenza di Scipione“. Das Premierenwochenende wurde zur Sternstunde und einem Fest der Stimmen.

Noch unabgeschlossen – „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper Berlin

18.10.21 (Peter P. Pachl) -
Berlins neue „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper beginnt mit verblüffender Erzählweise. Nachdem die Besucher*innen ihre Plätze erreicht und ihre Mund-Nasen-Schutz-Masken abgenommen haben, werden sie beim Öffnen des Vorhangs mit jenem Parkett- Foyer konfrontiert, das sie eben erst verlassen haben: unter der kinetischen Metallstruktur von George Bakers sind die Opernbesucher im Foyer zu einem lebenden Bild eingefroren, bis sie sich dann doch gemeinsam in exzentrischen Bewegungen ergehen – bis auf einen Herrn, der sich daran nicht beteiligt und der sich später als Hagen herausstellt.

Greifbar naher Mythos von der Erschaffung der Neuen Musik: Die Donaueschinger Musiktage in ihrem 100. Jahr

18.10.21 (Andreas Kolb) -
Warum bei einer Rekordzahl von 24 Konzerten mit 27 Uraufführungen gefühlt so viel Adagios wie nie bei den Donaueschinger Musiktagen 2021 erklangen, kann nur vermutet werden. Es liegt durchaus nahe, den Grund dafür bei den psychokompositorischen Auswirkungen der Pandemie zu suchen.

Irrwitzige Erfurter Musikfolter: Philip Glass’ „In der Strafkolonie“ in der Studio.Box

17.10.21 (Roland H. Dippel) -
Die an diesem Wochenende herausgekommenen Produktionen von Glass „In the Penal Colony“ in der Studio.Box des Theaters Erfurt und am Theater Augsburg sind pandemiebedingte Nachzügler einer Akkumulation der beeindruckenden Kafka-Oper von Philip Glass (seit Herbst 2019 in Hof, Ulm und Gera). Mila van Daags Raumbühne und Chanmin Chungs im Wortsinn bedrückende Leistung mit dem Streichquintett aus dem Philharmonischen Orchester Erfurt ergaben ein faszinierend kaltes bis grausames Ambiente.

Geschöntes Grauen – Philip Glass‘ Kammeroper „In der Strafkolonie“ in Augsburg

17.10.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Eigentlich wollen wir das nicht so genau, besser gar nicht wissen, was da so in derzeitigen Unrechtsstaaten mit „Schuldigen“ passiert… Doch da schreibt dieser Franz Kafka 1914 eine kleine Erzählung über eine grausige Hinrichtungsmaschine. Und Philip Glass vertont den Kern des Ganzen als „Kammerspiel“ im Jahr 2000. Parallel zu etlichen anderen Einstudierungen holt nun das Staatstheater Augsburg seine 2019 durch Corona verhinderte Premiere nach.

Bibel-Party der Best Ager: Das Brandenburger Theater feiert 50 Jahre „Jesus Christ Superstar“

17.10.21 (Roland H. Dippel) -
Vorbei sind die Zeiten, als die Vereinigung der Evangelischen Marienschwestern vor der Kino-Version der ersten Rockoper warnten. Heute ist das viele spirituelle Ideen der letzten Jahrzehnte vorwegnehmende und 1971 in New York uraufgeführte Opus ein Klassiker mit besonderer Eignung für Theaterpädagogik und Religionsunterricht. Das Brandenburger Theater brachte eine bei der Premiere am 15. Oktober lautstark bejubelte Hommage mit Musical-Sternen des Großraums Berlin auf die Bühne.

Gewinnend uncool: Die Uraufführung von Giordano Bruno do Nascimentos Oper „Mutter“ im Mon Ami Weimar

17.10.21 (Roland H. Dippel) -
Seine sechste Oper im Pocket-Format: In Weimarer Jugendzentrum Mon Ami erlebte „Mutter“ von Giordano Bruno do Nascimento auf das Textbuch von Romina Nikolic am 1. Oktober ihre Uraufführung. Die phantastisch-utopischen Werke mit den satten Partituren des brasilianischen Komponisten haben eine treue Fangemeinde. In den Bühnensituationen zeigt do Nascimento beeindruckendes Geschick. Melodiensattes Musiktheater mit großen Gedanken.

Aufwändige Annäherung – „Amors Fest“, eine barocke Ballettoper am Gärtnerplatztheater

15.10.21 (Wolf-Dieter Peter) -
In den letzten Wochen mussten viele Städte spezielle „Feier-Plätze“ ausweisen, um der vielfach spontan losbrechenden Lust auf gemeinsames Trinken, Essen und Musikhören ein bisschen Rahmen zu geben. Ein ungeschriebenes neues „Grundrecht auf Spaß und Party“ schwebte umher. Vor rund 400 Jahren gab es Ähnliches, darauf bot jetzt Münchens anderes Opernhaus einen theatralischen Blick.
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