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… vor dem inneren Auge – Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ am Theater Basel

05.12.22 (Georg Rudiger) -
„Wo ist die Bühne? Außen oder innen“, fragt der Schauspieler und Tänzer Nicolas Franciscus ganz zu Beginn im ungarischen Prolog zu Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ am Theater Basel. Regisseur Christof Loy beantwortet diese grundsätzliche Theaterfrage bei diesem eindrucksvollen, manchmal schwer erträglichen, dann wieder Hoffnung gebenden Abend eindeutig.

Single-Blues frei nach Homer: „Ulysses“ von Keiser in Schwetzingen

05.12.22 (Roland H. Dippel) -
Beim Winter in Schwetzingen gelangt Keisers 1722 für Kopenhagen entstandener „Ulysses“ zur Premiere und wurde bejubelt. Reinhard Keiser ist heute – trotz der Wiederentdeckung seiner Opern „Croesus“ und „Fredegunda“ noch immer unterschätzt. Insgesamt gibt es in Keisers „Circe, oder des Ulysses erster Teil“ (1702), „Penelope und des Ulysses ander Teil“ (1703), „Ulysses“ (1722) und „Circe“ (1734) reichlich Musik für mehr als einen Abend.

Vom Kampf einer Mutter um ihre Kinder – Nestor Taylors Oper „Eleni“ an der Oper Erfurt uraufgeführt

04.12.22 (Joachim Lange) -
Eines muss man dem Erfurter Opernchef Guy Montavon lassen: Ein Gespür für öffentlichkeitswirksame Spielplandramaturgie hat er. Hier wird nach einem Motto geplant. In diesem Jahr ist es eine Griechische Spielzeit für die das Orakel von Delphi das Stichwort liefert: „Erkenne dich selbst“ heißt es. Der Schweizer, der immer mal wieder auch Regie führt, bestimmt den Kurs der neuen Erfurter Oper, seit diese 2003 in den Neubau eingezogen ist, der noch nichts vom Charme einer angemessen dimensionierten Moderne eingebüßt hat.

Auf Nicht-Linien zum Blackout – Wagners „Lohengrin“ in einer verquasten Neudeutung im Münchner Nationaltheater

04.12.22 (Wolf-Dieter Peter) -
2004 hätte der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó … doch da hat er eine Überschreibung der germanischen Sagen als „Nibelungen-Wohnpark“ in Budapest inszeniert… Aber parallel zum EU-Beitritt seiner Heimat hätte er in der dortigen Staatsoper die sensationelle, schneidend kühne und politisch unbequeme Neudeutung des „Lohengrin“ durch die damals zu Recht als Regie-Hoffnung eingestufte Katharina Wagner und ihren herausragenden Dramaturgen Robert Sollich erleben können. Dann wäre wohl etwas Anderes herausgekommen als…

Köstliche Schauwerte: Leonard Bernsteins „Candide“, illustriert am Theater Regensburg

04.12.22 (Juan Martin Koch) -
Die beste aller möglichen Versionen? In Regensburg wird Leonard Bernsteins „Comic Operetta“ nach Voltaire mit Loriots Texten erzählt und live mit Bildern „untermalt“. Oder läuft das mit der Untermalung eher umgekehrt?

Umarmung im Heufeld: Verdis „Alzira“ an der Opéra Royal de Wallonie-Liège

30.11.22 (Roland H. Dippel) -
Zum Repertoirestück wurde Giuseppe Verdis „Alzira“ nie. Das wird sich auch nach der vom Gran Teatro Nacional del Perú über den Palacio Euskalduna Bilbao an die Opéra Royal de Wallonie Liège gelangten Inszenierung von Jean Pierre Gamarra nicht ändern. Giampaolo Bisanti, der neue Chefdirigent des Lütticher Opernhauses, gestaltete eine sorgfältige Einstudierung mit kräftigen Stimmen in den Hauptpartien. Orchestre et Choeurs hatten die richtige Verdi-Temperatur.

Hoffnungsschimmer – Der Abend „Afghanische Musikwelten im Exil“ in Frankfurt

29.11.22 (Andreas Hauff) -
Im September 2016 eröffnete die Alte Oper Frankfurt im Mozart-Saal ihre neu begründete „Weltmusik“-Reihe mit einem Gastspiel des afghanischen-deutschen Ensembles „Safar“. Die Gruppe war Teil der hoffnungsvollen Initiativen zur Wiederbelebung des afghanischen Musiklebens nach dem Ende des ersten Taliban-Regimes. Im August 2021 kamen die Taliban erneut an die Macht. Wieder verbieten sie nun Musik, zerstören Musikinstrumente und verfolgen Musikausübende. Ein unerwarteter Hoffnungsschimmer in diesem dunklen November war nun beim Abend „Afghanische Musikwelten im Exil“ in der Alten Oper zu spüren.

Comingout! Ein für die Slowakei äußerst deutlicher Blick auf Szymanowskis „König Roger“

28.11.22 (Roland H. Dippel) -
So brandaktuell kann ein Regiekonzept im Kern aktueller gesellschaftlicher Debatten aufschlagen: Seit langem stand fest, dass Regisseur Anton Korenči am Štátne divadlo Košice (Staatstheater Kaschau) den Schwerpunkt seiner Inszenierung von „König Roger“ auf die Biographie ihres Komponisten Karol Szymanowski und dessen Beziehung zu dem von ihm in vier Gedichten vergötterten Boris Kochno widmen sollte.

Männermacht, Naturweben, Frauenweisheit – das Landestheater Niederbayern triumphiert mit Wagners „Siegfried“

28.11.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Anfangs schon das Schwert-Schmieden – Großkritiker Joachim Kaiser staunte einst angesichts weißhaariger Aufsichtsräte in Bayreuth und deren Pausen-Kritik, dass auf der Bühne unglaubwürdig geschmiedet worden sei, wie oft die Herren doch wohl selbst den Hammer schwängen. Im Werk dann noch Riesendrache und singendes Waldvögelein… lauter Herausforderungen – und für all dies im Landshuter Theaterzelt am Ende Ovationen.

Erzfritschisch: „Der fliegende Holländer“ an der Komischen Oper Berlin als Lachtheater

28.11.22 (Dieter David Scholz) -
Herbert Fritsch, das unartige Kind der Regiezunft, der mit seinem hochmusikalischen und ultrakörperlichen Regiestil seit einigen Jahren nicht nur die Schauspiel-, sondern auch die Opernbühnen des Landes aufmischt, inszenierte an der Komischen Oper Berlin Wagners Frühwerk „Der fliegende Holländer“ als Lachtheater. Premiere war am 27. November 2022.

Musikalisch: Konzentrierter Schmerz! Inszenatorisch: Massiv unklar dekonstruiert – Alban Bergs Wozzeck in Freiburg

27.11.22 (Georg Rudiger) -
Melodische Linien überall. Die Streicher zaubern einen weichen, schimmernden Klang und veredeln die Übergänge. Auch im Blech und in den Holzbläsern ist alles fein modelliert. Eine Belcanto-Oper, wie man nach dem Klangeindruck meinen könnte, hat sich der neue Freiburger Generalmusikdirektor André de Ridder für seine erste Premiere allerdings nicht gewünscht, sondern mit Alban Bergs 1925 uraufgeführtem „Wozzeck“ die erste abendfüllende atonale Oper der Musikgeschichte.

Niederschwelliges Opern-Biopic: „Turing“ von Anno Schreier am Staatstheater Nürnberg

27.11.22 (Juan Martin Koch) -
Auf Nummer sicher ging das Staatstheater Nürnberg mit der Uraufführung der Oper „Turing“ von Anno Schreier und Georg Holzer. Und landete prompt einen Publikumserfolg. Die Haare in der Suppe suchte und fand Juan Martin Koch:

Schaumgebremst pessimistisch … – Beethovens „Fidelio“ an der Deutschen Oper Berlin

27.11.22 (Joachim Lange) -
„Fürs rein Exemplarische nicht abstrakt genug, fürs überspringend Nachfühlbare nicht konkret genug,“ so Joachim Lange zur Fidelio-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin. „Wenn sich ein Regisseur so abgrundtief pessimistisch aus der Fidelio-Affäre zieht, fragt man sich schon, warum er sich dann überhaupt darauf einlässt. … Und musikalisch? Nun, ein Beethoven-Glanzstück liefern Donald Runnicles und sein Orchester auch nicht. … Der von Jeremy Bines einstudierte Chor allerdings ist fabelhaft.“

Theos Kurz-Schluss: Wie mich das Verkommen des Fußballsportes genauer betrachtet aber meist unbewusst durchs Leben begleitete

25.11.22 (Theo Geißler) -
Heutzutage, wir schreiben das Jahr 2031 – nach arab/neosowjet-Kalender fünf nach Putin – schießt mir der Rest meiner Magensäure ins verbliebene Gedärm, wenn ich die derzeit allgegenwärtigen multilingualen Sprüche der KI-Digital-Comments aus Mini-Booms aller Art Soccer-Kommentare schwafeln höre: Von höchster Fußballkunst, von tänzerischem Körpereinsatz bei heftigsten Fouls, von bester Ballbehandlungskultur und Tik-Tok-reifen Zauberbildern in der Box schwelgen die Robbies. Man schelte mich einen ewig gestrigen Tattergreis, aber sowohl von Kunst und Kultur – solange es sie noch gab – wie von Fußball hatte ich zeitlebens eine ganz andere Vorstellung – und eine jeweils wechselvolle Beziehung dazu.

Klimaschutz und orchestrale Kernspaltung – Ein Konzert des Oldenburgischen Staatsorchester

23.11.22 (Michael Pitz-Grewenig) -
Kunstwerke sind Zeitsignaturen. Das beweist der Sachverhalt, dass sie nach Entstehungszeit und -ort zu klassifizieren sind. Manchmal gibt es aber auch „überzeitliche“ bzw. außermusikalische Kategorien, nach denen man verschiedene Kompositionen aufeinander beziehen kann. „Natur“, „Klima“ und „Umweltschutz“ sind derzeit hochaktuelle Begriffe, die vor dem Hintergrund eines Kausaldenkens, dass die Fülle ähnlicher Erscheinungen und deren Einflüsse auf die jeweilige Komposition zu einer Perlenkette aufreiht. Ein solches Prinzip kann eine Sache überschaubar machen, hat aber deswegen noch keinen Erkenntniswert, kann aber gleichwohl Anstöße zum Verstehen geben. Das galt in hervorragender Weise für das zweite Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters, dass unter dem Motto „Musik und (gefährdete) Natur“ stand.

Miniopern über Liebe, Triebe und Schmerz: Shakespeare-Abend der Hochschule für Musik Nürnberg

23.11.22 (Roland H. Dippel) -
Toller Shakespeare-Abend der Hochschule für Musik Nürnberg mit fünf neuen Mini-Kammeropern in der 3. Etage des Schauspielhauses Nürnberg: „Ich will lächeln“ von Gordon Kampe, „Verflucht“ von Sarah Nemtsov, „Tongs and Bones“ von Stephan Winkler, „Sonett 18“ von Geunu Ryu und „Pray, Chuck, Come Hither“ von Sara Glojnarić. In der Regie von Sebastian Häupler wurde „Mid{Summer}Nightdreams“ ein schmerzlich schönes Musiktheater vom Feinsten mit engagierten jungen Stimmen und kompetentem Orchester.

Das rosarote Füchslein – Frei, sehr frei nach Leoš Janáček in Chemnitz

22.11.22 (Michael Ernst) -
Eigenwillig ist diese Oper schon: Da holt sich ein Förster eine Füchsin ins Haus, sehnt sich aber heimlich nach einem Zigeunermädchen (das einstens völlig unbefangen so genannt werden durfte, weil dieser Begriff damals für ein freies, ungebundenes Dasein stand) und bekommt dafür natürlich Ärger mit seiner Gattin. Des Försters Frau verabscheut nämlich die Füchsin, weil sie wohl ahnt, das wilde Tier stünde für die unerlaubte Sehnsucht ihres Mannes. Obendrein könnte das Vieh Flöhe anschleppen.

„Betäubt vom gigantischen Hammer des Krieges“ – Ein „Konzert für den Frieden“ der UdK Berlin

22.11.22 (Albrecht Dümling) -
Vor wenigen Tagen ging diese Meldung durch die Presse: Der im ukrainischen Cherson lebende und wirkende Dirigent Juriy Kerpatenko war von der russischen Besatzungsmacht aufgefordert worden, zum Weltmusiktag am 1. Oktober ein Galakonzert zu dirigieren. Kerpatenko weigerte sich und wurde daraufhin in seiner Wohnung von russischen Soldaten erschossen. Durch diese Nachricht erschüttert beschloss die Berliner Universität der Künste (UdK), ihr alljährliches „Konzert für die Nationen“ in diesem Jahr als Friedenskonzert dem toten Dirigenten zu widmen.

Verhohnepipelter Vivaldi an der Berliner Staatsoper – Ein barockes Sängerfest

22.11.22 (Dieter David Scholz) -
Antonio Vivaldis Oper „Il Giustino“ wurde an der Berliner Staatsoper in einer Bearbeitung (Kürzung)von René Jacobs in der Inszenierung von Barbara Horákóva ausgegraben. Zwiespältige Eindrücke von Dieter David Scholz.

Lübeck: Eine „Salome“, die keinen bitteren Geschmack auf den Lippen hinterlässt

22.11.22 (Arndt Voß) -
Unzählige Interpretationen der „Salome“ gibt es, weil sie von allen geschätzt wird, von den Musikern wie von den Darstellern, vom Publikum besonders. Grund dafür ist Richard Strauss‘ expressive, farbige wie aufwühlende Musik, wie auch Oscar Wildes Drama mit seiner so vieldeutigen wie packenden Titelfigur. Das eine, die Musik, will nicht nur exzellent dargeboten werden, will auch mit den Szenen korrespondieren, und das andere, der Text, überrascht immer wieder damit, was alles in ihn hineinzuprojizieren ist. Beides war in Lübeck zu erleben und hatte das Publikum bei der Premiere am 18. November 2022 einhellig überzeugt.

Der Berliner „Triogipfel E.T.A.200“ würdigte den Jubilar Hoffmann und das Klaviertrio

20.11.22 (Stefan Drees) -
Beim „TRIOGIPFEL E.T.A.200“ trafen am 19. November drei renommierte Klaviertrios und eine Schauspielerin im KühlhausBerlin zu einem mehrstündigen Konzertabend aufeinander, um den Schriftsteller und Komponisten E.T.A. Hoffmann mit Musik und in Worten zu würdigen. Entstanden ist dabei ein eindrückliches Plädoyer für die Gattung Klaviertrio.

Der radelnde Bote des Königs: Rossinis „La gazza ladra“ am Theater an der Wien

17.11.22 (Joachim Lange) -
Am Ende ist es gerade nochmal gut gegangen. In buchstäblich letzter Sekunde. Immerhin werden zwei Todesurteile nicht vollstreckt, sondern kassiert. Das eine gegen die junge Frau Ninetta, die angeblich die sprichwörtlichen Silberlöffel geklaut hat, erweist sich als krasses Fehlurteil. Nicht sie war die Diebin, sondern eben jene diebische Elster, die diesem durchschlagenden Opernerfolg von Gioachino Rossini im Jahre 1817 zu ihrem Titel verholfen hat.

Data Science mit Charles Ives: Konzert des Saarländischen Staatsorchesters

16.11.22 (Roland H. Dippel) -
Es war ein außergewöhnlicher Anlass, zu dem Charles Ives’ Neue-Musik-Meilenstein „The unanswered question“ mit dem Saarländischen Staatsorchester gleich mehrfach in der Alten Feuerwache Saarbrücken erklang. Bei nur 70% Platzangebot wegen Corona war die „musikalische Data Science Versuchsanforderung“ am 8. November ausverkauft. Alle Anwesenden gaben ihre Daten ohne Beanstandungen preis. Das von Solo-Paukist Martin Hennecke durch einen Förderantrag beim Austauschprogramm „Kunst trifft Wissenschaft“ eingeleitete Projekt erweckte auch die Neugier überregionaler Fernsehsender.

Im Club Plutonium ist die Hölle los – Oper Magdeburg begeistert mit Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“

13.11.22 (Joachim Lange) -
Würde man beim Operetten-Klassiker von Jacques Offenbach ganz zeitgeistig den Namen Orpheus durch Eurydike im Titel ersetzen, könnte man sich kaum darüber mokieren. In der Inszenierung an der Oper in Magdeburg spielt sie in diesen ‚Szenen einer zerrütteten Ehe‘ in Gestalt des Ensemble-Neumitgliedes Rosha Fitzhowle die erste Geige. Vokal und darstellerisch. Auch wenn ihr Noch-Ehemann Orpheus mit der Musik (beziehungsweise seinen Schülerinnen) das Geld verdient. Die beiden sind einander längst in herzlicher Abneigung verbunden.

Spielt fort, unbedingt! – Im Münchner Prinzregententheater wird „25 Jahre Studiengang Musical“ gefeiert

12.11.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Ganz klar: am 11.11. eine Verkleidungskomödie anzubieten, ist ein Treffer ins Zentrum künstlerischen Gauditums. Vor rund vierhundert Jahren hat Shakespeare mit „Twelfth Night - Was ihr wollt“ in der zwölften Raunacht den damaligen Faschingsbeginn gefeiert. Das griffen nun die Theaterakademie August Everding sowie die Hochschule für Musik und Theater in einer großen Produktion auf – und was da in 25 Jahren aufgebaut worden ist, wurde mit standing ovations gefeiert.
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