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Narzissmus-Studie von Stephen Sondheim: „Company“ in Radebeul

02.11.17 (Roland H. Dippel) -
Mit Andre Previns „Endstation Sehnsucht“ in der letzten Spielzeit und gleich drei nach 1945 entstandenen Musiktheater-Werken realisiert der neue Operndirektor Sebastian Ritschel an den Landesbühnen Sachsen einen der interessantesten Spielpläne im deutschen Sprachraum. Unter anderem folgen Ludger Vollmers Road Opera „Tschick“ nach Wolfgang Herrndorf (ab 19. Januar) und Gottfried von Einems „Der Besuch der alten Dame“ nach Friedrich Dürrenmatt (ab 26. Mai). Auch beim Musical hat der neue Mann ein glückliches Händchen: Sondheims „Company“ (1970) gerät kein bisschen altbacken, sondern landet recht pfiffig im Heute der temporären Partnerschaften und atomisierten Lebensentwürfe.

Trance stellt sich nicht ein – „Satyagraha“ von Philip Glass an der Komischen Oper Berlin

29.10.17 (Peter P. Pachl) -
Barrie Kosky scheint wieder einmal ein Coup gelungen zu sein: während die Inszenierungen an der Komischen Oper Berlin, selbst die Operetten, gewöhnlich einen Widerstreit der Meinungen auslösen, erreichte die jüngste, ausnahmsweise an keinem Sonn- sondern bereits an einem Freitag stattgefundene Premiere einhelligen Jubel. Außer durch Gastspiele – etwa die Rekonstruktion von Bob Wilsons „Einstein on the Beach“ im Haus der Berliner Festspiele – war Philip Glass zuvor auf keiner Opernbühne Berlins zu erleben.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 29.10. bis 05.11.2017

29.10.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 44. Gerold Amann zum 80. Geburtstag, Zur Musik von Max E. Keller, Kirsten Reese und Alwynne Pritchard, Malte Giesen, die Saxofonistin Ingrid Laubrock, Isang Yun zum 100. Geburtstag, Habib Samandi, Anouar Brahem, die Dirigentin Sylvia Caduff, Meilensteine der Moderne [20]: Boulez „Dialogue de l'ombre double“ +++ Wien Modern 2017, Litauens junge Komponistinnen, „Musica Baltica – Klänge aus Estland, Lettland und Litauen“, Zeitgenössische Musik an Berliner Hochschulen, „Konzept, Diesseitigkeit, Klanginstallation“ +++ Martin Luther trifft auf Neue Musik, Reformation – Revolution – Bekenntnismusik, Die Musik der Freimaurer und Rennmotoren und Zahlensender.

Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs: Mozarts „Le nozze di Figaro“ an der Münchner Staatsoper

27.10.17 (Juan Martin Koch) -
Figaro traut seinen Augen nicht. Was anfangs noch eine überschaubare Puppenbühne war, ein Nationaltheater en miniature, hat sich Akt für Akt zu einem Mammutbühnenbild (von Johannes Leiacker) ausgewachsen. So wie dieser „tolle Tag“ ihm und allen anderen zunehmend über den Kopf wächst.

Möhrensalat – die „Politik & Kultur“-Trump-Fakes

26.10.17 (mh) -
Wittenberg: Zum Lutherjahr – Die Praystation 666 +++ Bonn: Deutsche Tanzschritte sollen immaterielles Weltkulturerbe werden +++ Berlin: Merchandising des Bundesamtes für Verfassungsschutz +++ Stuttgart: Bildungsnotstand bei der Polizei Baden-Württembergs +++

Festliches Oratorienspiel zum Jubiläum: „Luther“ in Halle

25.10.17 (Roland H. Dippel) -
Beim zweiten Konzert dieses Auftragswerks der Weltpremiere „Luther“ in der Georg-Friedrich-Händel-Halle nennt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff das Opernoratorium einen wichtigen Jubiläumsbeitrag der Kulturhauptstadt. Hier ringt das einstige „Land der Frühaufsteher“ im frischen Akzent als „Ursprungsland der Reformation“ um künstlerischen Nachdruck.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, Europa zu retten und notgedrungen zum Geflügelfreund wurde

25.10.17 (Theo Geißler) -
Jetzt, da Europa den Bach runtergeht und ich meiner clandestinen Funktion als »Regional-Manipulateur« in diversen Mitglieds- und Problemstaaten enthoben bin, kann ich Ihnen ja kurz mitteilen, weshalb Sie so lange nichts von mir gehört haben. Meine Arbeit war ebenso hart wie vergeblich. Zunächst der Versuch, diversen osteuropäischen Ländern die Aufnahme Vertriebener schmackhaft zu machen: [Vorab aus Politik & Kultur 2017/06]

In keimfreiem Ambiente – Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ in Freiburg

24.10.17 (Georg Rudiger) -
„Wozu Dichter in dürftiger Zeit?“, steht auf dem Schild, das ein Schauspieler vor Vorstellungsbeginn auf der Bühne des Freiburger Theaters hochhält. Das Hölderlin-Zitat soll Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“, die der neue, aus Oberhausen gekommene Intendant Peter Carp und seine Musiktheaterdramaturgin Tatjana Beyer am Eröffnungswochenende des Hauses platziert hat, in die Gegenwart holen und grundsätzliche Fragen zum Thema Literatur und Politik zu stellen. Dafür hat man mit dem französischen Künstlerkollektiv Le Lab um die beiden Regisseure Jean-Philippe Clarac und Olivier Deloeuil ein Team aus Bordeaux geholt, das Oper dezidiert als politische Kunst versteht. Offenbachs heterogene, nicht vollendete Künstleroper als Vorlage für ein Nachdenken über Politik und Kunst? Keine schlechte Ausgangsposition für einen spannenden Musiktheaterabend.

Die Augen gerade aus! – Die Oper Magdeburg geht mit Verdis „Aida“ an den Start

24.10.17 (Joachim Lange) -
Giuseppe Verdis „Aida“ ist zunächst einmal eine musikalische Herausforderung. Das ist schon ihrer Popularität geschuldet, der auch die Arena in Verona oder der Ausstattungspomp einer Zeferelli-Inszenierung nichts anhaben können. Gerade diese Oper scheint davon sogar zu profitieren. Auf der anderen Seite spielte sie auch bei der Etablierung eines hinterfragenden, subversiven Musiktheaters eine Schlüsselrolle.

Das letzte Stündlein eines Delinquenten – Alban Bergs „Wozzeck“ in Düsseldorf

23.10.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Repertoire der deutschsprachigen Musiktheater nimmt Alban Bergs „Wozzeck“ gegenwärtig einen Vorzugsplatz ein. Drei Produktionen konkurrieren, die erkennbar beanspruchen, sich – im Sinne Robert Schumanns – „auf der Höhe der Zeit“ zu bewegen: Die Bild- und Regiearbeit des William Kentridge, die im August bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde, die Inszenierung von Robert Carsen, die seit einer Woche im Theater an der Wien gezeigt wird, und nun Stefan Herheims Produktion an der Rheinoper in Düsseldorf.

Schnecke und Spiegelung – „THE MARK ON THE WALL“ – Musiktheater von Stepha Schweiger

23.10.17 (Hans-Peter Graf) -
Sitzplatz oder Spielfläche? Erst war noch der Zugriff auf freie Stellen im Theaterraum zu klären, damit Stepha Schweigers gut 100-minütiges Stück, das bereits auf dem diesjährigen Tête à Tête Opern Festival in London konzertant erstaufgeführt wurde, nun auch als szenische Uraufführung in der drangvollen Enge des Acker Stadt Palastes Berlin über die Bühne gehen konnte.

Wenn Politik auf Oper trifft - oder: eine halbe Sache mit dem ganzen Herzen

23.10.17 (Joachim Lange) -
An der Oper Stuttgart führen bei Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ diesmal andere Leute Regie, als die, die eigentlich dafür engagiert waren. Wenn Politik auf Oper trifft, dann macht es manchmal Bumm. Meistens gerät dann ein Teil des Publikums aus der Fassung und brüllt ein kräftiges Buh in Richtung Bühne. Oder verlässt den Saal und knallt mit den Türen. Hierzulande gehört das zum gutbürgerlichen Gefühlshaushalt. Es passiert immer dann, wenn auf der Bühne etwas verhandelt wird, was in Libretto und Partitur so nicht vorgesehen ist. Meist werden ja die gut abgehangenen Schinken präsentiert. Obwohl die sich, bei entsprechender Zubereitung, oft als vorzügliche Delikatessen und Anreger fürs Nachdenken über das Hier und Heute herausstellen. Oder bei Novitäten so fern der unmittelbaren Lebenserfahrung bleiben, dass der Konsens beim Publikum quasi ausgemachte Sache ist.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 23.10. bis 29.10.2017

22.10.17 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 43. Maximilian Marcolls „Amproprifications“, Thomas Daniel Schlee, Gemorphter Bruckner, Hörstück von Werner Cee, Erich Wolfgang Korngold, Lucia Ronchetti, Merzouga +++ Dirigent Jonathan Stockhammer, Studio Dan, Zafraan Ensemble, Klangforum Wien, „Tuuletar“ +++ Akustische Forensik, „(K)eine Männersache: Neue Musik?!“, Wie politisch ist die zeitgenössische Musik eigentlich?, Chinas Avantgardemusik, Tradition Revolution, Die übersinnlichen Kompositionen der Rosemary Brown, musikprotokoll: Der Klang des Internets der Dinge, Die Sprache der Musik: Mekong, Russland 1917 und 2017 – Widerstand des Materials und eine lange Nacht der Ars Acustica.

Uraufführung von Moritz Eggerts „La Bettleropera“ in der Neuköllner Oper

21.10.17 (Peter P. Pachl) -
Eine der ersten Produktionen der vor 1977 von Winfried Radeke gegründeten Neuköllner Oper war damals die „Bettleroper“, und zur Feier des 40-jährigen Jubiläums wurde eine neue Version angekündigt als „ein Großstadtcomic nach John Gay’s ‚The Beggar’s Opera’“. Für die Neukomposition der multilingualen deutsch-italienischen Koproduktion mit dem Balletto Civile wurde der Komponist Moritz Eggert gewonnen, dessen Komposition das Auseinanderklaffen des engagierten, aber über Semiprofessionalität kaum herausreichenden Ensembles um so deutlicher hervorkehrt.

Parsifals Mondfahrt – Jonathan Meeses Inszenierung von Bernhard Langs „Mondparsifal“ in Berlin

20.10.17 (Peter P. Pachl) -
Angesichts der Tatsache, dass die Absage von Jonathan Meeses in Bayreuth geplanter Inszenierung des „Parsifal“ mit deren finanziellem Aufwand begründet wurde, erscheint die Tatsache, dass dieses Projekt jetzt für je drei Aufführungen in Wien und Berlin – u. a. unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Wiener Festwochen im Verbund mit den Berliner Festspielen, den Medienpartnern ARTE, Berlinartlink, Monopol, Tagesspiegel, Wall und der York Kinogruppe, sowie eine Reihe weiterer potenter Sponsoren – ohne finanzielle Abstriche finanziert werden konnte, gleichermaßen erstaunlich wie verwunderlich.

Oper als Vorhölle – Uraufführung von Eichbergs Flüchtlingsstück „Schönerland“ in Wiesbaden

19.10.17 (Andreas Hauff) -
Sören Nils Eichbergs Oper „Schönerland“ ist neben dem Schauspiel „Wir werden unter Regen warten“ von Ihsan Othmann eine der beiden Uraufführungen, mit denen das Hessischen Staatstheater Wiesbaden auf das aktuelle Thema „Flucht“ reagiert. Im Theatermagazin liest man dazu, es gehe nicht um das Dokumentarische, bei dem die Geflüchteten im schlimmsten Falle eine „Illustrationsstaffage“ bilden würden, sondern um eine Annäherung „mit genuin künstlerischen Mitteln“.

Aufforderung zum Kampf – In Bonn inszeniert Peter Konwitschny Othmar Schoecks selten gespielten Einakter „Penthesilea“

18.10.17 (Joachim Lange) -
Wenn es gerecht zuginge, dann müsste man gemeinsam mit „Salome“ und „Elektra" auch Othmar Schoecks (1886-1957) „Penthesilea“ nennen. Neuerdings auch Aribert Reimanns „Medea“. Alles Frauen-Monumente des Musiktheaters von erheblicher Wucht. Die ersten drei wurden in der Dresdner Semperoper uraufgeführt. Doch nur die beiden Strauss-Einakter haben sich im Kernrepertoire gehalten. Schoecks Kleist-Oper ist dort erst 2008 in einer grandiosen Inszenierung von Günter Krämer dort wieder in Erinnerung gebracht worden. Die 2010 in Wien uraufgeführte „Medea“ von Aribert Reimann müsste es, schon weil sie eine Verlängerung dieser Reihe in die zeitgenössische Moderne ist, künftig auch mal auf den Dresdner Spielplan schaffen.

Es werde Licht: „Wir brauchen einen neuen Moses!“ – Rubinsteins „Moses“ in Warschau

17.10.17 (Michael Ernst) -
Selbst Opernkenner denken bei „Moses“ vor allem an Schönberg, vielleicht auch an Rossini. An Rubinstein denken sie nicht - Michail Jurowski will das unbedingt ändern. Anton Rubinstein (1829-1894) wird heutzutage vor allem als begnadeter Pianist erinnert. Dass der brillante Virtuose, Franz-Liszt-Freund und Gründungsdirektor des berühmten Konservatoriums von Sankt Petersburg auch ein ebenso begnadeter wie schaffensreicher Komponist gewesen ist, wissen beinahe nur mehr musikalische Kenner. Vieles aus seinem reichen Œuvre ist so gut wie vergessen – und manches hatte nicht mal dazu die Chance.

„Speakers Corner“ – Elektroakustischer Konzertabend an der HMT Leipzig

17.10.17 (Roland H. Dippel) -
Die Titelei gleicht einem diplomatischen Protokoll. Dieses Konzert „Musik und Gegenwart“ Nr. 75 ist eine „Veranstaltung des Studios für Elektroakustische Musik und des ZfGM“. Also jenes ambitionierten, von Claus-Steffen Mahnkopf im Dezember 2016 gegründeten Zentrums für Gegenwartsmusik, was sich für genderkorrekte, internationale und universelle Vernetzung aller musikalischen Genres, Gattungen und Stile der lebenden Gegenwart aufstellt. Dabei fällt dieser erfreulich gut besuchte Konzertabend, einmal im Jahr findet das Modul „Speakers Corner“ statt, für zentrales Mischpult, 26 Boxen und acht Kanäle streng genommen gar nicht ausschließlich in die Sektion Gegenwartsmusik.

Exchange 2 – Der Saisonauftakt des Neuen Kollektivs München im Ampere

17.10.17 (Wolf Loeckle) -
Hundert Jahre neue Musik – Was nun? Fragte süffisant und aus damals aktuellem Anlass Thema Musik Live, die diskursive Gesprächsreihe des Bayerischen Rundfunks in der Höhle des Löwen direkt vor Ort. In Donaueschingen also. Der Weltzentrale für die ästhetischen Auseinandersetzungen um das Neue in der neuen und neuesten Musik. Ohne dass dabei verbindlich-Ideologisches herauszudestillieren gewesen wäre. Das war 2008. Und die Frage stellt sich heute genau so aktuell.

In Tarnfarben gehalten. Korrekt. Beschnitten – Alban Bergs „Wozzeck“ im Theater an der Wien

17.10.17 (Frieder Reininghaus) -
„Wozzeck“ ist ein Stück zu sozialen Problemen im kleinstädtischen Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts. Die in der Phase des großen gesellschaftlichen Umbruchs nach dem ersten Weltkrieg in Musik gesetzten Szenen verhandeln die durch eskalierende Krisen erschütterte Beziehung von Marie und Franz. Weder die Vorlage Georg Büchners noch der vom Komponisten eingerichtete Text nehmen direkt auf militärische Kampfhandlungen Bezug. Dennoch scheinen die Schatten des Kriegs auf den düsteren und gewalthaltigen Szenen von „Woyzeck“/„Wozzeck“ zu liegen. Die aktuellen Produktionen tragen dem Rechnung.

Konstanze zwischen zwei Männern – Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ am Staatstheater Oldenburg

17.10.17 (Ute Schalz-Laurenze) -
Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Entführung aus dem Serail“ hat bei den interessantesten Regisseuren Konjunktur, die noch immer zu wachsen scheint. Kein Wunder, die Frage nach der Liebe ist ort- und zeitlos und sie es wird immer bleiben. Und da Mozart nie Antworten, sondern immer nur Fragen komponiert hat, kann ein Stück wie die „Entführung“, in die wir als maulende Kinder eher mitgeschleppt wurden, nie erschöpft sein.

Mehr als alt-neuer Glanz … Kurz vor seinem 152jährigen Jubiläum wird das generalsanierte Bayerische Staatstheater am Gärtnerplatz in München wiedereröffnet

17.10.17 (Wolf-Dieter Peter) -
Im digitalen Zeitalter muss es heißen: „Sie sind wieder online, in ihrer vertrauten domain.“ Wie es sich für die heimliche Musikhauptstadt gehört: gleich mit zwei Gala-Abenden wird nach fünf Jahren Sanierung Münchens „andere Oper“ oder „Opéra comique“ wiedereröffnet – denn nach vielen Fehlplanungen wollen sich die zahllosen „A-dabei-s“ in den Räumen, auf dem Podium, im Bayerischen Fernsehen und im Rundfunk selbst feiern.

Allemond ein Puppenhaus – Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ an der Komischen Oper Berlin

16.10.17 (Peter P. Pachl) -
Soeben erst bildeten als erste Premiere der Deutschen Oper Berlin drei Dramen von Maurice Maeterlinck die textliche Grundlage für Aribert Reimanns neue Oper. Dem folgte die Komische Oper mit der berühmtesten Maeterlinck-Vertonung, Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“. Deren Uraufführung erfolgte 1902 in der Pariser Opéra-Comique. Barrie Kosky verkleinert sie zur puppenspielhaften Kammerversion – unter Jordan de Souza, dem neuen Kapellmeister der Komischen Oper, ein musikalisch hochwertiger Premierenabend.

Sünde an der „Großen Sünderin“? – Künneke-Revival an der Musikalischen Komödie Leipzig

16.10.17 (Roland H. Dippel) -
Nach Nico Dostals „Prinzessin Nofretete“ wagt die Musikalische Komödie Leipzig ein nur unter Vorbehalt als Operette zu benennendes Hybridopus aus den frühen Jahren des Nationalsozialismus. Eduard Künnekes „Die große Sünderin“ gelangte am 31. Dezember 1935 an der Lindenoper Berlin mit den Stars Tiana Lemnitz und Helge Rosvaenge zur Uraufführung, flankiert von Richard Strauss‘ „Die ägyptische Helena“. Die beiden Partituren stehen sich in Hinblick auf süffige und hypertrophe Orchestration näher als man denkt. Die Entstehung der später kaum nachgespielten „Großen Sünderin“ war auch der Absicht geschuldet, ein systemtaugliches Musterwerk zu kreieren.
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