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Over18-Opera made in Wahnfried: Siegfried Wagners „Der Friedensengel“ in Bayreuth

24.08.21 (Roland H. Dippel) -
In nur drei Wochen Probenzeit hat das pianopianissimo-musiktheater auf der Bayreuther Kulturbühne Reichshof mit Siegfried Wagners „Der Friedenengel“ zu digitalem Orchester ganze Arbeit geleistet. Der Sohn Richard Wagners ist als Komponist nicht nur besser als sein Ruf, sondern stellt zudem sittengeschichtliche, biographische und ästhetische Rätsel. Zwischen Schrekerschen Klangeruptionen und bösartigen Volksszenen ging es am 21. und 22. August um Lebensentwürfe homophiler Männer und eine Klosterflüchtige mit Bravourmonolog für Antiheldinnen-Sopran. Ganz schön gewagt für Karlsruhe 1926.

Immer wieder Anna – die Große: Anna Netrebko als Tosca bei den Salzburger Festspielen

22.08.21 (Joachim Lange) -
Wenn Anna Netrebko singt, dann funkelt Salzburg noch ein bisschen mehr als sonst. Ein gerade Hundert gewordenes Nobelfestival braucht Oper, Theater, Schauspiel und Konzert, das sich hören und sehen lassen kann. Und es braucht Stars. Am besten Superstars wie die Russin, die auch außerhalb der Szene einen Namen hat und die die Festspiele obendrein selbst gemacht haben.

Fresko des Grauens – Luigi Nonos „Intolleranza1960“ bei den Salzburger Festspielen

21.08.21 (Joachim Lange) -
Es gehört zu den Qualitätsmerkmalen der Salzburger Festspiele, dass Schlüsselwerke der Moderne ins Programm integriert sind. Markus Hinterhäuser qualifizierte sich unter anderem durch seine programmatischen Erkundungen ganzer (Komponisten-) Kontinente der Moderne dafür, jetzt, um das Jahrhundertjubiläum der Festspiele herum, als Intendant ein künstlerisches Gesamtprogramm zu präsentieren, das vielen verschiedenen Ansprüchen genügt. Kulinarik und die Musik der Hausgötter Mozart und Strauss sind das eine.

Klangleerer Welt-Liebes-Traum – Alexander Moosbrugger scheitert in Bregenz mit „Wind“

20.08.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Nicht nur „2 G“-Kontrollen bei den Bregenzer Festspielen, nachdem die von Brigitte Fassbaender betreute und inszenierte Studio-Produktion von Rossinis „Italienerin in Algier“ wegen einer Infektion im Ensemble komplett abgesagt werden musste: zur Maske auch klinisch weiße Überzüge für die Schuhe der Besucher der Werkraumbühne. Doch das hatte auch szenische Gründe…

Bleibende Zeichen hinterlassen: die dritten Singer Pur Tage mit Josquin, de Monte und Lee

19.08.21 (Juan Martin Koch) -
Zum dritten Mal fanden auf dem Adlersberg bei Regensburg die Singer Pur Tage statt. Das Vokalensemble präsentierte Renaissancemusik von Josquin des Prez und Philippe de Monte sowie Zeitgenössisches der koreanischen Komponistin Junghae Lee. Juan Martin Koch berichtet:

CDs: Michael Kubes HörBar Nr. 40 – Cellomania

19.08.21 (Michael Kube) -
Michael Kube hat sich in seiner 40. Ausgabe der nmz-HörBar mit aktuellen Cello-Aufnahmen beschäftigt. Historische Aufnahmen mit Erling Blöndal Bengtsson sind ebenso dabei wie Aufnahmen mit Guido Schiefen, Roman Jablonski, Wilhelmina Smith und Marc Coppey. Musikalisch reicht die Reise von der Gegenwart bis in die Romantik zurück.

Amsterdams Nederlandse Opera wagt Rudi Stephans „Die ersten Menschen“

16.08.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Wie vieles andere hat auch die Kunst durch das Gute Bestand und dann Wert durch das Außergewöhnliche. Das gilt explizit für den 1915 mit 28 Jahren durch den Ersten Weltkrieg ums Leben gekommenen Rudi Stephan und seine Kompositionen. Seine einzige Oper wurde erst fünf Jahre nach seinem Tod uraufgeführt und gilt seither als „schwierige Rarität“. In der arte-Mediathek ist diese Besonderheit des Repertoires nun in der neuen Amsterdamer Inszenierung greifbar.

Trostlos ist die Heide, kalt sind die Menschen – „Bählamms Fest“ von Olga Neuwirth bei der Ruhrtriennale

16.08.21 (Joachim Lange) -
Auch die Ruhrtriennale fiel im vorigen Jahr der Pandemie zum Opfer. Und wich – wie viele andere auch – mit vielen Retrospektiven ins Internet aus. Sie findet in diesem Jahr wieder statt. Diese besondere Kunstanstrengung ist ein kulturelles Erbstück von Gerard Mortier für eine Region, die ihre Stein gewordene Industrie-Geschichte für die Künste unter einer aller drei Jahre wechselnden Intendanz in die Gegenwart holt. Neben die Banalitäten des Alltags setzt. Und im besten Fall auf sie zurückwirkt.

HerrINNENschaft – „Magna Mater“ im Berliner Zirkus Mond

12.08.21 (Konstantin Parnian) -
Das Musiktheaterkollektiv tutti d*amore betitelte seine neueste Produktion mit dem lateinischen Namen der Göttin Kybele. In antiken Kulturen bereits vor den Römern verehrt, beschreibt „Magna Mater“ auch das allgemeine Konzept einer über allem thronenden Muttergöttin: Einige Thesen führen die Verehrung einer Magna Mater sogar bis in die Zeit vor zehntausend Jahren zurück, als gerade Ackerbau begann sich durchzusetzen. In einer fernen Zukunft, in der ein paradiesisch genießendes Matriarchat rigoros herrscht, spielt nun die Stückentwicklung mit dem Untertitel „Oper*ette. Apokalypse“.

80 Minuten Meisterschaft für großes Orchester und Tonband: Salzburg feiert Friedrich Cerhas 95. Geburtstag

10.08.21 (Roland H. Dippel) -
Ein gewaltiges Crescendo, darauf eine dynamisch stabile Streicher-Fläche und schließlich Stille. So endet Friedrich Cerhas Orchesterzyklus „Spiegel I bis VII“. Mit dessen Aufführung durch das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Ingo Metzmacher ehrten die Salzburger Festspiele am Samstagabend einen der bedeutendsten lebenden Komponisten Österreichs zu dessen 95. Geburtstag.

Ein Freund für alle Fälle – Gerd Natschinskis „Mein Freund Bunbury“ im Theater am Park in Gera

07.08.21 (Joachim Lange) -
Wer heutzutage mit einem Sommerspektakel unter freiem Himmel sein Publikum unterhalten will, ist gut beraten, wenn er eine Schlechtwettervariante in petto hat. In Gera hätte man die, denn die Bühne am Park, auf der jetzt der DDR-Musical Klassiker „Mein Freund Bunbury“ Premiere hatte, liegt gleich neben der Oper – der Fluchtweg ins Trockene wäre kurz. Am Donnerstag zur Premiere konnte Generalintendant Kay Kuntze beruhigt darüber flunkern, dass man eventuelles regnerisches Wetter als Londoner Lokalkolorit betrachten solle. Doch das Wetter hielt über die gesamten knapp zwei Stunden.

Vom Rhein zu Rheingold – Bei den Bregenzer Festspielen wagen die Wiener Symphoniker Wagners „Ring“-Eröffnung

03.08.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Tatsächlich mündet er gute tausend Meter entfernt in den Bodensee und tatsächlich wurde vor langer Zeit dort Gold gesucht und gefunden … von der Suche nach realem Gold und dem sagenhaften Nibelungen-Schatz dann im weiteren „teutschen“ Verlauf des Rheins zu schweigen. Zu ihrem Jubiläum „75 Jahre Festspielorchester in Bregenz“ wollten die Wiener Symphoniker etwas Besonderes: also Wagners „Rheingold“.

Da swingt der Drache – Giovanni Martinis „Don Quijote bei den Amazonen“ beim Festival Sommeroper Schloss Britz

01.08.21 (Peter P. Pachl) -
Eine Besonderheit in der Berliner Opern-Landschaft stellt die Sommeroper Britz dar, die im malerischen Ambiente des Schloss- und Gutshofgeländes ihren Hauptwirkungsort zumeist im ehemaligen Kuhstall hat und als Festival für die Bereicherung des Kulturangebots der Hauptstadt sorgt. Inhaltlich sind die hier zur Aufführung gelangenden Werke häufig Entdeckungen, gerne mit Bezug zu Mozart oder aus dessen Zeitepoche. So auch, nach einem Pause-Jahr, in diesem Sommer „Don Quijote bei den Amazonen“.

Mit „Parsifal“-Vorgriffen – „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ bei den Bayreuther Festspielen

31.07.21 (Peter P. Pachl) -
Jay R. Scheib, ein Regisseur für Bühne und Oper, zugleich Spezialist für Virtual Reality und Augmented Reality, wird in zwei Jahren den „Parsifal“ neuinszenieren. Als einen Vorgeschmack auf jene Aufführung, die gleichzeitig auf der Bühne real stattfinden wird, der jedoch Zuschauer*innen mit Spezialbrillen in Augmented Reality Zusätzliches abgewinnen können, vermittelt in diesem Sommer eine Kürzestversion des „Siegfried“.

Von Ende und Anfang – Mit einer eigenen Mord-s-Mozart-Collage geht das Münchner Gärtnerplatztheater in die Theaterferien

31.07.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Zum Ende eines wahn-witzigen Viren-Theater-Jahres noch einmal so richtig aufdrehen – genau das hat Intendant Josef E. Köpplinger seinem Haus musikdramatisch verordnet. Mozarts prall volle 36 Lebensjahre, die Gerüchte um diese Kürze, vor allem aber sein musikalischer Gefühlskosmos geben da mehr als genug für neunzig pausenlose Minuten her – und die jubelnde Standing Ovation am Schluss gab allen recht…

Aktionskünstler Hermann Nitsch als später Wagner-Interpret – „Die Walküre“ bei den Bayreuther Festspielen

30.07.21 (Peter P. Pachl) -
Es war ein kühner Entschluss von Festspielleiterin Katharina Wagner, in diesem Sommer auf Bayreuths Hauptwerk, den „Ring des Nibelungen“, nicht ganz zu verzichten, sondern alle vier Teile individuell neu anzureißen und für die komplette „Walküre“ den heftig umstrittenen Aktionskünstler Hermann Nitsch einzuladen: in der nur in diesem Sommer zu erlebenden Visualisierung ist „das Publikum Teil des Kunstwerks“ und „jeder Abend anders“ (Katharina Wagner).

„Immer noch Loge“ – Gordon Kampes Oper in Bayreuth uraufgeführt

30.07.21 (Peter P. Pachl) -
In der Vorbereitung des für das Vorjahr geplanten, dann aber auf den kommenden Sommer verschobenen Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ haben die Bayreuther Festspiele, um in diesem Jahr nicht ganz auf Wagners Hauptwerk zu verzichten, „Ring 20.21“ ins Programm genommen. Nicht am Vorabend, sondern am Vormittag des Ersten Tages des Bühnenfestspiels, vor der „Walküre“ erfolgte musiktheatrale Auftragswerk, Gordon Kampes „Das Rheingold – Immer noch Loge“, mit drei Gesangssolisten, Klappmaulpuppen und einem Instrumentalensemble am und im Teich unterhalb des Festspielhauses.

Musikalisch verdichtet, szenisch noch nicht abgeschlossen – „Tannhäuser“ in Bayreuth

28.07.21 (Peter P. Pachl) -
Im Sinne der „Werkstatt“ Bayreuth hat Tobias Kratzer an seiner Inszenierung des „Tannhäuser“, die nach dem wenig glücklichen Dirigat von Valerie Gergiev im vorletzten Jahr nun durch die musikalische Leitung von Axel Kober enorm gewonnen hat, weitergearbeitet. Kaum eine andere Inszenierung im derzeitigen Bayreuther Aufführungskanon bekennt sich so deutlich zum Revolutionär Wagner und verlängert diese Haltung bis hinein in die Gegenwart.

Abschied von „Die Meistersinger von Nürnberg“ bei den Bayreuther Festspielen

27.07.21 (Peter P. Pachl) -
Nach einjähriger Zwangspause steht bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen Barrie Koskys hoch gelobte, gleichermaßen spielfreudige wie politisch ungewöhnliche Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ wieder – und zugleich auch letztmals – auf dem Programm: ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Ganz in Weiß – Das Opernprogramm der Salzburger Festspiele legt mit einem außergewöhnlichen „Don Giovanni“ los

27.07.21 (Joachim Lange) -
Mozarts „Don Giovanni“ darf ruhig auch einmal eine Zumutung fürs Publikum sein. Bei den Salzburger Festspielen sowieso. Und wenn sich Ausnahmekünstler wie Romeo Castellucci und Teodor Currentzis die Oper der Opern im Großen Festspielhaus zur Eröffnung der Opernschiene der Salzburger Festspiele szenisch und musikalisch vornehmen, dann ist ein Gesamtkunstwerk eigenen ästhetischen Rechts zu erwarten. Rätselhaftes und Triftiges. Verblüffendes und schönes. Auch Kitsch kann dabei vorkommen. Und genau diese Erwartungen haben sie in mehr als vier Stunden (samt Pause) erfüllt.

Einblicke in die Welt des SHMF mit Sol Gabetta und dem Basler Kammerorchester

27.07.21 (Arndt Voß) -
Arndt Voß macht für uns Stippvisiten beim Schleswig-Holstein Musikfestival. So nebenbei erfährt man dabei einiges über Geografie, Zeitgeschichte, über den Lübecker Johann Balhorn und komponierende Musikwissenschaftler*innen. Aber um Schubert, Gabetta und Holliger geht es auch in Kantilenen und Elegien.

Pubertier Senta – „Der fliegende Holländer“ eröffnet die Bayreuther Festspiele

26.07.21 (Peter P. Pachl) -
Nach einjähriger Pause endlich wieder Bayreuther Festspiele! Das war der Grund-Tenor bei der diesjährigen Eröffnung mit einer „Holländer“-Neuinszenierung. Am Ende der pausenlosen Aufführung dann Füßetrampeln, Bravorufe und Standing Ovation des auf die Hälfte der Sitzplätze, auf 911 Besucher reduzierten Auditoriums – aber auch Ratlosigkeit und Enttäuschung über die Inszenierung von Dmitri Tscherniakov.

Lieb nur als Versehen – „Tristan und Isolde“ als Oper für Kinder bei den Bayreuther Festspielen

26.07.21 (Peter P. Pachl) -
Die bewährte Form der Kinderoper in Bayreuth als eine Pocketversion der Musikdramen Richard Wagners hat längst die bayreuthwürdigen Bühnenwerke einmal durchlaufen. In diesem Jahr steht als Reihung von Highlights mit dazwischen gesprochenen Szenen der Protagonist*innen „Tristan und Isolde“ auf dem Programm – nicht auf dem Festspielhügel, sondern in der Stadtmitte von Bayreuth.

Lyrik vor Spektakel – Die Seebühne der Bregenzer Festspiele präsentiert beim „Rigoletto“ neue Feinheiten

23.07.21 (Wolf-Dieter Peter) -
So geht es also auch: der nach den seit 75 Jahren vielfältigst „aufspielenden“ Wiener Symphonikern benannte große Vorplatz ist weiträumig abgesperrt; zwei große Schleusen ermöglichen die flüssige Prüfung der „3G“-Zulassung – und so strömen die 7000 Tribünenbesucher ohne große Hemmnisse oder falsche Drängelei ins Abendrot der pünktlich beginnenden Freilichtaufführung.

Unvollkommenes allenthalben – Die Bregenzer Festspiele eröffnen mit Arrigo Boitos Opern-Rarität „Nerone“

22.07.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Die Suche und Präsentation von seltenen „Opern-Gewächsen“, nach bislang nicht im Shop käuflichen „Orchideen“ ist schätzenswerter Bestandteil der Bregenzer Dramaturgie. Manchmal nur blüht die Ausgrabung nicht auf, sondern besitzt lauter Merkmale von Hypertrophie.
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