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Unverdauliche, doch poetische Genüsse eines Hypochonders – Kiel treibt sein Spiel mit Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen“

21.09.21 (Arndt Voß) -
Sergej Prokofjew hat der Nachwelt „Die Liebe zu den drei Orangen“ hinterlassen. Was da vor fast genau 100 Jahren uraufgeführt wurde, ist ein Stück, das seine Komik daraus bezieht, dass es sich immer wieder selbst im Wege steht. Die Folge ist, dass es für sich keine Richtung finden kann. Soll es tragisch, komödiantisch oder lyrisch sein oder etwas nur für Hohlköpfe? Das wird im Prolog gefragt, dort nicht geklärt, später auch nicht.

Fabel-hafte Petitesse – „Das NEINhorn“ am Atze Musiktheater Berlin

20.09.21 (Peter P. Pachl) -
Bevor es losgeht im schachbrettmusterbesetzten Auditorium des Atze Musiktheaters im Berliner Wedding, erklärt Intendant Thomas Sutter, dass dieses Musiktheaterstück eigentlich im Kammertheater hätte herauskommen sollen, doch aufgrund der sich verzögernden Bauarbeiten wurde die Bühnenadaption des gleichnamigen Kinderbuches von Marc-Uwe-Kling ins große Haus des Atze verlegt – wo es auch gut aufgehoben ist.

Bühnenzauber: Im Staatstheater Meiningen geht es mit barocker Lust in die neue Spielzeit und eine neue Intendanz

19.09.21 (Joachim Lange) -
Er hat natürlich auch einen von seinem Vorgänger inszenierten „Fliegenden Holländer“ und dann eine „La Boheme“ auf der Agenda, zu der er den Malerfürsten Markus Lüpertz als Regisseur und Ausstatter verführt hat. Außerdem will der gebürtige Ilmenauer Jens Neundorff von Enzberg nach seinem Wechsel von der Intendanz in Regensburg zu der des Staatstheaters der Thüringer Theaterresidenz Meiningen in Eisenach einen Schwerpunkt zu barocken Erkundungen von Werken etablieren, die in der Region entstanden aber in Vergessenheit geraten sind. Insofern passt seine Spielzeiteröffnung mit der Händeloper „Amadigi di Gaula“ sogar programmatisch. Sie passt aber auch dem Gesundheitsamt. Denn in jedem Intendantenbüro sitzt ja bis auf weiteres das Virus sprich das ihn bekämpfende Amt mit am Tisch.

Mozart-Glück zum Saisonstart: Arila Siegert inszeniert in Regensburg „Le nozze di Figaro“

19.09.21 (Juan Martin Koch) -
Statt wie ursprünglich geplant mit Puccinis groß besetzter „Turandot“ startete das Theater Regensburg mit Mozarts „Le nozze di Figaro“ in die neue Spielzeit. Die Verbindung von Arila Siegerts choreographischer Inzenierung mit einem brillanten Ensemble erwies sich dabei als perfekte Kombination.

Präsent und großherzig: Wiedereröffnung der Tonhalle in Zürich mit Mahlers Dritter

16.09.21 (Marco Frei) -
Vier Jahre hat die Restaurierung gedauert. In dieser Zeit diente die Tonhalle Maag am Bahnhof Hardbrücke als Interimsspielstätte. Jetzt ist es soweit: Die altehrwürdige Tonhalle in Zürich erstrahlt im neuen Glanz und neuen Klang. Dabei ging es darum, die Tonhalle weitestgehend in ihrem Originalzustand von 1895 zurückzuversetzen – auch akustisch, betreut von BBM-Müller in Planegg bei München. Bei der jetzigen Wiedereröffnung interpretierte das Tonhalle-Orchester Zürich unter seinem Musikdirektor Paavo Järvi die Sinfonie Nr. 3 von Gustav Mahler. Wie klingt es in der neuen alten Tonhalle?

Michael Kubes HörBar 42 – Barockopern von Stradella, Montéclair, Vivaldi, Telemann und Vinci

14.09.21 (Michael Kube) -
Wer bei Barockmusik vor allem an Kantaten, Konzerte und Sonaten denkt, der hat nur die eine Hälfte dieser Epoche vor Augen und Ohren. Denn neben den kontrapunktischen Künsten jener Zeit ist vor allem die Opera seria der wahre Motor des musikalischen Geschehens. Dass beim Libretto der Plot bevorzugt in der antiken Mythologie oder der großen Geschichte gesucht wurde, war der mit dieser Gattung verbundenen höfischen Repräsentation geschuldet.

U-Bahn-Anschluss am Wolfgangsee? – Benatzkys „Weißes Rössl“ in Dresden

14.09.21 (Michael Ernst) -
Die Staatsoperette Dresden transponiert Ralph Benatzkys Gassenhauer zur Großstadtrevue. Wer nur gut genug auf die Instinkte zielt, die er erlegen will, muss sie bedienen. Die Welt der Operette, mag sie noch so verlogen sein, hält sich absolut ehrlich an diese Devise. Ralph Benatzky und sein Singspiel „Im weißen Rössl“ hat dies ebenso gründlich befolgt wie zahllose Schöpfer von singenden, klingenden Traumwelten vor und auch nach ihm.

Freispruch für „Poppaea“ in Basel? – Nicht in Michael Herschs Oper

13.09.21 (Roland H. Dippel) -
War Donald Trump ein Anlass-Splitter für diese neue Oper über den Kaiser Nero? Und kann seine in Adaptionen immer sehr ambivalent charakterisierte Frau Poppaea Sabina für die Gegenwart eine sympathetische Umdeutung erfahren? Bernhard Günther, Kurator des Festival ZeitRäume Basel – Biennale für neue Musik und Architektur und des Festival Wien Modern, brachte die Uraufführungspremiere von „Poppaea“ im Kulturzentrum Don Bosco Basel.

Das Salz in der Suppe – Karen Stone inszeniert am Theater Magdeburg Verdis „Falstaff“

13.09.21 (Joachim Lange) -
Giuseppe Verdis „Falstaff“ gehört zu den Meisterwerken der Operngeschichte, die immer besser werden, je öfter man sie hört. Es ist die Vielzahl der Köstlichkeiten, die verführt. Und man freut sich nach dem Aufblitzen und wieder Verschwinden der einen schon auf die nächste. Klar sind da keine Arien über die Rampe zu schmettern. Auch schwelgerisches Anschmachten taucht nur als ironisch akustisches Augenzwinkern auf. Aber die Souveränität, die Entdeckerfreude und auch die Lust, sein Publikum (als fast Achtzigjähriger) noch einmal zu überraschen, wo er es doch schon seit Jahrzehnten quasi in der Tasche hatte, das imponiert bei jeder Wiederbegegnung mit dem Werk.

Befragung des Körpergedächtnisses. „The Body Memory Opera“ im Berliner Theater im Delphi

11.09.21 (Stefan Drees) -
Als „zeitgenössische Oper über die Erinnerungen, die unsere Körper in sich tragen und von denen sie getragen werden“ wurde die Produktion „The Body Memory Opera“ angekündigt. Am vergangenen Donnerstag erlebte die kooperativ erarbeitete Mischung aus unterschiedlichen Theaterformen im Rahmen des Monats der zeitgenössischen Musik im Berliner Theater im Delphi ihre Premiere.

Lübeck: Benjamin Brittens „Owen Wingrave“, ein szenischer Abgesang an eine militante Welt

10.09.21 (Arndt Voß) -
Das Werk, das in Lübeck die Spielzeit eröffnete (3. und 5. September 2021), macht nachdenklich. Aufgeführt wurde „Owen Wingrave“, Benjamin Brittens Oper von etwas über zwei Stunden Dauer. Sie ist nicht nur musikalisch bemerkenswert, durch die reduzierten Mittel auf eine ganz eigene Art packend, sie ist vor allem inhaltlich ungewöhnlich aktuell.

Typisch Novoflot: Wenig Monteverdi und viel Sportsgeist für das Kunstfest Weimar

10.09.21 (Roland H. Dippel) -
Dreimal Kunstfest Weimar, dreimal Novoflot und „Oper #1 – #3“ – vor allem „Oper“ bitte in Anführungszeichen. 2019 erlebten „Die Oper #1 – Am Kreis (Für den Anfang)“ an Weimarer Plätzen, 2020 „Die Oper #2 – In den Seilen (Vom Ende)“ vor und im Deutschen Nationaltheater Weimar ihre Uraufführungen. Beide Teile gelangten Ende August 2021 auch beim Copenhagen Opera Festival zur Aufführung. (Halb-)Rund wurde die Trilogie mit der Uraufführung „Die Oper #3 – Die Outtakes“ im Wimaria-Stadion. Dieses ist sicher nicht der ungewöhnlichste, aber mit Abstand größte Schauplatz in den abenteuerlichen Ortserkundungen des Kunstfests Weimar und die für drei Vorstellungen größte Musiktheater-Erlebniswiese Deutschlands.

Technische Opernlegende: Stewart Copelands Sicht auf Nikola Tesla in Weimar

06.09.21 (Roland H. Dippel) -
Schon beim Kunstfest Weimar 2020 hätte die Oper „Electric Saint“ des Police-Drummers Stewart Copeland als Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar herauskommen sollen. Diese Uraufführung ist eines der vielen Kapitel aus den Corona-Chroniken dieses Festspielsommers. Das beinhaltet neben den Reiseerschwernissen des zur Premiere am 5. September nicht anwesenden Komponisten auch ein Arrangement für kleinere Orchesterbesetzung. Wie man es dreht: In das Kunstfest Weimar 2021 als „Bundesgeistesschau“ will „Electric Saint“ ebenso wenig passen wie zu den intensiven Kunstfest-Diskursen über den Klimawandel und das Wohin in unserer Wachstumsgesellschaft. Der Applaus wirkte trotz hervorragender musikalischer Leistungen und einiger Bravi etwas schütter.

Anspruchsvolles Klanggewand: Max Neufelds Stummfilm „Hoffmanns Erzählungen“

06.09.21 (Stefan Drees) -
Einmal mehr richtete das Musikfest Berlin am vergangenen Sonntag den Fokus auf die Wiederaufführung eines restaurierten Stummfilms mit neu konzipierter Musik. Im Großen Saal des Konzerthauses am Berliner Gendarmenmarkt erstrahlte Max Neufelds „Hoffmanns Erzählungen“ (Österreich 1923) in neuem Glanz, von Johannes Kalitzke mit einer anspruchsvollen sinfonischen Partitur versehen. Es spielte das Konzerthausorchester unter Leitung des Komponisten.

Librettist Goethe: Philipp Christoph Kaysers „Scherz, List und Rache“ in Bad Lauchstädt

06.09.21 (Joachim Lange) -
Es ist ein kleines Fest für die deutsche Theaterlandschaft. Johann Wolfgang von Goethes Theater in Bad Lauchstädt bei Halle präsentiert sich jetzt ab sofort wieder rundherum herausgeputzt. Außen und Innen tip top! In einem Erscheinungsbild, das dem am nächsten kommt, das Goethe selbst vor 220 Jahren in seiner Zeit als Bauherr und erster Direktor dieses Kleinodes vor Augen hatte. Da, wo nötig, natürlich technisch modernisiert. Da, wo möglich, liebevoll bis ins Detail restauriert.

Schmale Reichweite tiefer Gedanken: Schorsch Kamerun beim Kunstfest Weimar

05.09.21 (Roland H. Dippel) -
„Wem gehört welch' Land?“ Die von Schorsch Kamerun in seinem Konzertabend beim Kunstfest Weimar erhobene Frage ist berechtigt. Der Autor und Theatermacher agiert zwar etwas weniger pathetisch, aber ähnlich verworren wie Richard Wagner. Die Uraufführung am Freitagabend im Deutschen Nationaltheater wurde zur Anthologie vieler Fragen und ausbleibender Antworten. Verlautbarungen mit Lücken an einem Ort, der diese Lücken halbwegs mit Sinn füllt.

Die Gesamtkunstwerker – Musiktheater „D • I • E“ bei der Ruhrtriennale

03.09.21 (Joachim Lange) -
Vergleicht man die Uraufführung von Michael Wertmüllers Musiktheater „D • I • E“ in der Kraftzentrale des Landschaftsparkes Duisburg-Nord, mit der ersten Musiktheaterpremiere des laufenden Jahrgangs der Ruhrtriennale, dann erscheint Olga Neuwirths „Bählamms Fest“ in der Bochumer Jahrhunderthalle als ein geradezu konventioneller Opernabend.

Eindrucksstark: George Enescus „Œdipe“ an der Komischen Oper Berlin

03.09.21 (Peter P. Pachl) -
Die Restriktionen der Pandemie nutzend, hat der russische Regisseur Evgeny Titov die 1936 in Paris uraufgeführte Oper von George Enescus einziger Oper „Œdipe“ auf eine Dichtung von Edmond Fleg nach Sophokles um ein Fünftel verkürzt zu einem pausenlosen, knapp zweistündigen Abend und den Chor im zweiten Rang des Hauses an der Behrenstraße angesiedelt.

Kaskaden des Staunens: Heiner Goebbels und Ensemble Modern eröffnen das Musikfest Berlin

31.08.21 (Roland H. Dippel) -
In vielen Arbeiten von Heiner Goebbels spielt die Anziehung abwesender, akusmatischer Stimmen eine wichtige Rolle; ob 1981 auf seiner ersten Single „Berlin Kudamm 12.4.81“ (1981), in der „Chaconne / Kantorloops“ aus „Surrogate Cities“ (1994), in der Performance „Stifters Dinge“ (2007), der Klanginstallation „Genko An“ (2008 ff.) oder in seinen Hörstücken. In „A House of Call“ werden die Stimmen zum ersten Mal zu Protagonisten eines ganzen Konzerts. Das Musikfest Berlin startete mit einem großen Erfolg.

CDs: Michael Kubes HörBar Nr. 41 – Galanterien

31.08.21 (Michael Kube) -
Noch immer fällt es schwer, den zeitlich nicht ganz eindeutig zu bestimmenden Übergang vom musikalischen Barock zur Klassik zu beschreiben. Sind Kompositionen dieser Zeit „galant“ im Sinne des Rokoko zu nennen, oder doch mit Blick auf Zukünftiges schon eher als „vorklassisch“ einzuordnen? Was ist mit der „Empfindsamkeit“ oder dem „Sturm und Drang“? Ganz offensichtlich waren zeitgleich verschiedene Strömungen unterwegs – und zwar je nach Region und Nation. Allein schon die Bach-Söhne zeigen mit ihren stilistischen Eigenarten in vier verschiedene Himmelsrichtungen. Fünf CDs – auf Klang und Nerven geprüft von Michael Kube in unserer HörBar no. 41.

Spannend und witzig: Mark-Anthony Turnages „Greek“ auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin

29.08.21 (Peter P. Pachl) -
Ein Augusttag wie im April, geschüttelt zwischen Sonnenschein und heftigen Regenschauern, schien die erste Premiere der neuen Spielzeit an der Deutschen Oper Berlin infrage zu stellen, denn Marc-Anthony Turnages Oper „Greek“ findet wieder einmal auf dem inzwischen bewährten Parkdeck, auf der Rückseite des Opernhauses, also open-air statt. Doch dann zeigte sich der Himmel der postmodernen Adaption des Ödipus-Stoffes gewogen: „Fate makes us play the roles we cast“, wie es in dieser Oper heißt: Ein spannender Opernabend und ein gelungener Saisonstart.

Feine Musik, komplizierte Sujets: Pasquinis „Idalma“ und Matthesons „Boris Goudenow“ in Innsbruck

27.08.21 (Roland H. Dippel) -
Eigenwillig schwanken die 45. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zwischen Aufbruch und Kontinuität. Wegen der Renovierungsarbeiten am Tiroler Landestheater fanden die Opern-Produktionen im großen Saal und den Kammerspielen des Hauses der Musik statt. Erfreulicherweise wurde das im Juni vergrößerte Platzangebot vom Publikum trotz der verkürzten Vorverkaufsperiode intensiv goutiert.

Theos Kurz-Schluss: „Es sind so viele Plagen, ich kann sie nicht ertragen. Statt fremdbestimmter Lügen will ich jetzt selbst betrügen.“

27.08.21 (Theo Geißler) -
Bislang sind die sieben biblischen Plagen gottlob so richtig noch nicht alle eingetreten: Zwar versengt die Sonne uns Menschen schon mit großer Hitze und der Euphrat führt deutlich weniger Wasser, aber immerhin wird das Meerwasser noch nicht zu Blut, allenfalls zu Plastik. Jede Menge naturgenerierter, aber oft genug menschengezeugter Plagen erschüttern dennoch unseren Planeten. Und wenn wir schon von menschengezeugten Plagen sprechen, möchte ich leicht triumphierend an einige der Eitelkeit, der Gier der Möchtegern-Schlauheit erinnern, die in den letzten Jahren zunehmend unsere Politik unglaubwürdig gemacht haben und nicht zuletzt dank der sogenannten „Plag-Geister“ entlarvt worden sind.

Schönes wildes Insektenleben – Das Isny Opernfestival gastiert mit Haas’ „Šarlatán“ in München

25.08.21 (Roland H. Dippel) -
Mit einer Vorstellung jährlich gastiert das Isny Opernfestival traditionsgemäß in München. Weil die erste Terminierung im Juni wegen der Pandemie nicht zu halten war, gelangte die Oper „Šarlatán“ (Scharlatan) des 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zu Tode gekommenen Pavel Haas erst im August in Isny und in der Münchner Allerheiligenhofkirche zur Aufführung. Die musikalische Leistung machte rundum guten, substanzreichen Eindruck.
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