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Kommentar – Die Nürnberger NS-Kongresshalle soll Ausweichquartier der Oper werden

20.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mama, wir haben gewonnen!“ ruft der kleine Sohn am Ende von Roberto Benignis hinreißendem Film „Das Leben ist schön“ der Mutter zu. Die abziehenden Deutschen Faschisten hatten eben im Lager seinen Vater erschossen, doch jetzt sitzt er triumphierend auf dem versprochenen Panzer der US-Truppen. Sein Satz kann eventuell und hoffentlich auch nach Vollendung des Nürnberger Stadtratbeschlusses vom Dezember 2021 gelten.

Halt a‘ Marthaler-Kollasch: Eine Musik-Montage von 1915 bis 1935 als „Giuditta“ an der Bayerischen Staatsoper

19.12.21 (Wolf-Dieter Peter) -
„Freunde, das Leben ist lebenswert“ und Richard Tauber, dieses hinreißende Weib Giuditta und Lehár selbst am Pult in der Wiener Staatsoper – das war 1934. „Die Münchner Neuinszenierung verbindet und verblendet dieses Werk mit anderen künstlerischen Reaktionen auf die damalige Zeit von Kollegen Lehárs, nicht als Demontage. Nein, Montage! Christoph Marthalers Radikalität bedeutet radikale Poetisierung. So landet das Stück bei uns im Heute“ erklärt Dramaturg Malte Ubenauf zur Neuinszenierung.

Ein Loch im Eisernen – Premiere von „Viktoria und ihr Husar“ in Halle

18.12.21 (Joachim Lange) -
Die Zeit und damit den historischen Kontext der Operette von Paul Abraham hat Regisseur Patric Seibert von den Jahren nach dem Ersten in die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt. Was willkürlich klingt, aber funktioniert, weil damit die Vorlage gleichsam zur Kenntlichkeit entstellt wird. Die Sache zündet insgesamt szenisch und musikalisch, findet unser Kritiker Joachim Lange.

Paminas Traumspuk – eine etwas andere, umgewürzte „Zauberflöte“ am Theater Kiel

15.12.21 (Arndt Voß) -
Darf die überhaupt noch gespielt werden, die „Zauberflöte“? Dies wird gefühlt zumindest jährlich einmal bei Spielplangestaltungen an-, vielleicht aufgeregt diskutiert, bis wieder jemand schwach wird und sich an ihr versucht. Denn landauf und landab, landin und landaus zeigt man sie, neu oder gebraucht, in Braunschweig oder in Nürnberg für Jung & Alt, in Basel und St. Gallen, in Berlin im Planetarium, in New York im Kino oder gar im fernen Kambodscha. Jüngst gab es sie coronakonform in Bremen und ganz neu nun in Kiel, genau am 11. Dezember 2021, wo man den arg diskutierten Sonderlichkeiten der „Zauberflöte“ anders beikommen wollte.

Der Orchesterfusionär – Johannes Bultmann im Gespräch mit Georg Rudiger

14.12.21 (Georg Rudiger) -
Johannes Bultmann (Jahrgang 1960), seit Herbst 2013 künstlerischer Gesamtleiter der SWR Klangkörper und Festivals, verlässt Ende des Jahres das SWR Symphonieorchester. Mit Georg Rudiger unterhält er sich über seine Tätigkeit als Orchesterfusionist zweier Orchester, ihrer Neuaufstellung als ein Orchester unter Teodor Currentzis – und darüber, wie es jetzt für das Orchester und ihn selbst weitergeht.

Tragödische und burleske Ehe-Desaster: „A Gentle Spirit“ und „The Bear“ in Gera

14.12.21 (Roland H. Dippel) -
Packendes Theater mit subtiler Musik sind John Taverners faszinierend dichtes Zweipersonen-Drama „A Gentle Sprit“ (1977) wie William Waltons Burleske „The Bear“ (1967). Im Theaterhaus Gera gelangten beide Stücke in packend unterschiedlichen Spielformen an einem Abend zur Premiere. Gesungen wurde auf englisch.

Strawinsky-Boxen in der nmz HörBar · Von Michael Kube

14.12.21 (mh) -
In diesem Jahr jährte sich der Todestag von Igor Strawinsky zum 50. Mal. In unserer nmz-HörBar hat sich Michael Kube fünf dicke CD-Boxen zur Rezension vorgenommen. Sie stammen von den Plattenschwergewichten Warner Classics, Deutsche Grammophon, Decca und Sony (2 mal). Strawinsky, soweit das Ohr reicht.

Unheimelig: Wolfgang Rihms Kammeroper „Jakob Lenz“ am Nationaltheater Mannheim

13.12.21 (Georg Rudiger) -
Ein kahler Wald im Nebel. Dürre, dünne Stämme ragen in den Theaterhimmel. Kein heimeliger Ort, keine idyllische Natur, sondern abgestorbenes Leben. Die Tür knallt im dunklen Parkett und ein Mann mit Rucksack auf dem Rücken poltert durch die Reihen. Gehetzt, verstört, auf der Flucht. So beginnt im Nationaltheater Mannheim Wolfgang Rihms Kammeroper „Jakob Lenz“.

Mondestrunken. Schönbergs „Pierrot lunaire“ im Berliner Theater im Delphi

13.12.21 (Stefan Drees) -
Immer häufiger findet Arnold Schönbergs Komposition „Pierrots lunaire“ op. 21 seinen Weg auf die Theaterbühne. Eine Inszenierung im Berliner Theater im Delphi am Prenzlauer Berg stellte die symbolbeladenen Aspekte der zugrundeliegenden Texte Alfred Girauds auf poetische Weise in den Vordergrund, wartete allerdings auch mit einigen Schwächen auf.

Plattenbau-Phantasie: Schostakowitschs Operette „Moskau, Tscherjomuschki“ in Augsburg

13.12.21 (Roland H. Dippel) -
Hier und jetzt gibt es mehrere Argumente für Neuinszenierungen von Dmitri Schostakowitschs 1959 am Moskauer Operettentheater uraufgeführter und dann über Jahrzehnte vernachlässigter Musikalischer Satire „Moskau, Tscherjomuschki“. Das Staatstheater Augsburg präsentierte in der immer stabiler werdenden Ersatzspielstätte martini-Park eine russisch-deutsche Mischfassung, Liebe zu Details bei der Erkundung des sozialistischen Alltags und einen bravourösen Schostakowitsch-Sound. Jubel.

Im Stehen sterben – Markus Lüpertz malt in Meiningen eine Oper: Puccinis La Bohème

12.12.21 (Joachim Lange) -
Die Rechnung ging auf. Und sie hatten auch noch Glück. Wie jedes Theater, dem (außerhalb von Sachsen) gegenwärtig eine Premiere gelingt, war auch in Meiningen allein schon die Tatsache, dass der Vorhang hoch ging, ein kleiner Triumph. Über die Pandemie. Aber auch über eine Politik, die Theaterdichtmachen mit effektiver Virusbekämpfung verwechselt.

Fürchtet euch nicht – In Kassel inszeniert Jochen Biganzoli Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“

08.12.21 (Joachim Lange) -
Kaum ein Werk mit der Vertonung der christlichen Weihnachtsbotschaft ist so sehr wie das Weihnachtsoratorium aus den Jahren 1734/35 heute in beiden Sphären daheim: in der christlichen und der weltlichen. So gesehen hat es durchaus eine innere Logik, Johann Sebastian Bachs terminbezogenes Meisterwerk auch auf die Bühne eines Opernhauses zu holen, so wie es jetzt Jochen Biganzoli am Staatstheater Kassel.

Das Versagen der Erzieher – Michael Talkes Antwort auf die großen Fragen der „Zauberflöte“ in Bremen

07.12.21 (Ute Schalz-Laurenze) -
Nicht wenige Regisseure haben gesagt, dass Mozarts „Die Zauberflöte“ das schwerste Stück überhaupt sei. Wo sind wir und wer sind die Protagonisten: die Frage stellt sich immer wieder neu. Es gehört zum 1791 entstandenen Stück, der „Oper aller Opern“, dass sie nicht beantwortbar ist.

Leise schwebende Töne am Rand der Hörbarkeit – Diana Damrau als Anna Bolena im Opernhaus Zürich

07.12.21 (Georg Rudiger) -
Ganz am Ende nach der langen Wahnsinns-Szene steht Diana Damrau bei ihrem Rollendebüt als Anna Bolena nochmals allein auf der Bühne. Der erste Vorhang im Opernhaus Zürich gehört der deutschen Sopranistin, die den stürmischen Applaus berührt entgegennimmt. Zu Beginn des Abends war eine andere Sängerin im Mittelpunkt: Edita Gruberova, die vor wenigen Wochen verstorbene Königin des Belcanto.

Eierlehre statt Rassenlehre: Walter Braunfels’ „Die Vögel“ an der Oper Köln

06.12.21 (Philipp Lojak) -
Zwischen Sehnsucht und der Psychologie der Massen hat Regisseurin Nadja Loschky „Die Vögel“, Walter Braunfels’ „lyrisch-phantastisches Spiel“ von 1920, an der Oper Köln angelegt. Eine äußerst gelungene Produktion, findet unser Autor Philipp Lojak:

Politisch motivierte Kammeroper: „Undzer Shtetl brent“ in Köln

05.12.21 (Roland H. Dippel) -
Musikdebatte Köln meldet sich mit der Uraufführung der Kammeroper „Undzer Shtetl brent“ in der Trinitatiskirche zurück. Christian von Götz und Ralf Soiron erarbeiteten mit Vertonungen und Improvisationen über Poeme des jüdischen Liedkomponisten Mordechai Gebirtig ein packendes, weil bohrendes Erinnern ohne sentimentale Ausflüchte.

Gegen Trübsal immunisieren lassen: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ am Theater Regensburg

05.12.21 (Juan Martin Koch) -
Mit einem bewährten Operettenklassiker versucht das Theater Regensburg sein reduziertes Publikum bei Laune zu halten. Vor allem im ersten Akt gelingt dies Regisseur Cusch Jung und dem Ensemble bestens.

Verblendet: Calixto Bieitos „Lohengrin“-Interpretation an der Berliner Staatsoper

02.12.21 (Joachim Lange) -
„Publikumspremiere“ – das ist auch so ein Begriff, den wir Corona verdanken und auf den man gerne verzichtet hätte. Die Premiere der Neuinszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ an der Berliner Staatsoper Unter den Linden fand schon am 13. Dezember 2020 statt. Es war allerdings eine gestreamte (Peter P. Pachl hat sie hier am 14. Dezember 2020 ausführlich besprochen). Damals schaute man schon deshalb zumindest mal rein, weil Roberto Alagna hier die Rolle singen sollte, vor der er 2018 in Bayreuth kurz vor der Premiere die Flucht ergriffen hatte.

Gestrandet – „Sleepless“ von Peter Eötvös an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufgeführt

30.11.21 (Joachim Lange) -
Peter Eötvös macht hier eine Geschichte zur Oper, von der man sich fragt, „wer hier welchen emotionalen Nährwert mitzunehmen vermag, so deprimierend niederdrückend sei diese, findet unsere Kritiker Joachim Lange und ergänzt: „Eötvös evoziert mit seiner Komposition eine Atmosphäre, die wie ein ausgebremster Britten wirkt und ihre emotionale Grundströmung beibehält.“

Kaffeekränzchen mit Jack The Ripper – „Elektra“ von Richard Strauss in Hamburg

30.11.21 (Dieter David Scholz) -
Das mythologische Atridendrama um Agamemnon, seine Ehefrau Klytämnestra, deren Liebhaber Aegisth, und die Kindern Iphigenie, Elektra, Chrysothemis und Orest ist eines der klassischen Schlachtfeste des antiken Dramas: Der Vater opfert Iphigenie aus politischen Motiven, Klytämnestra und Aegisth erschlagen Agamemnon. Orest wird als Kleinkind zu Bauern gegeben (er wird später Klytemnästra und Ägisth töten), Elektra will ihren Vater rächen, Chrysothemis eine „normale“ Existenz aufbauen.

Durchgeknallte Farce ohne doppelten Boden – Schostakowitschs „Die Nase“ am Theater Basel

29.11.21 (Georg Rudiger) -
Sogar am Ende hüpfen sie noch. Immer wieder geht der Vorhang auf – und das gesamte Ensemble macht unter dem Jubel des Basler Publikums den Kosaken-Macarena. Auch Dirigent Clemens Heil und Regisseur Herbert Fritsch hopsen mit. Die unglaubliche motorische Energie von Dmitri Schostakowitschs Oper „Die Nase“, den ganzen Abend befeuert vom grandios aufspielenden Sinfonieorchester Basel, wirkt nach. Michael Borth alias Platon Kusmitsch Kowaljow hat endlich seine Nase wieder und macht glückselig den Vortänzer. Die neueste Basler Produktion hat schon nach der Premiere Kultstatus.

Motorischer Vintage-Mozart: „Die Hochzeit des Figaro“ in Erfurt

28.11.21 (Roland H. Dippel) -
Derzeit scheinen die Menschen in Wolfgang Amadeus Mozarts und Lorenzo da Pontes opera buffa „Die Hochzeit des Figaro“ und ihre Triebhaftigkeiten wichtiger als die politische Dimension. Am Theater Erfurt kommen in der Inszenierung von Martina Veh neben dem erotischen Spaß auch dessen Grenzen ins Bild. Musikalisch gerät das unter Samuel Bächli als blitzblankes Bekenntnis zur herkömmlichen Aufführungspraxis.

Doppeluraufführung am Theater Nordhausen: „Kain und Abel“ und „Verklärte Nacht“

28.11.21 (Joachim Lange) -
Das Theater Nordhausen kombiniert die Uraufführung der Oper „Kain und Abel“ von Christoph Ehrenfellner mit der Uraufführung von Ivan Alboresis Ballett „Verklärte Nacht“. Das ist mal ein Zeichen: In den Wochen vor Weihnachten des zweiten Coronajahres, die sich in den Opernhäusern, die noch spielen, anfühlen wie ein düsterer Vorabend, stemmt Nordhausen eine Uraufführung! „Kain und Abel“ von Christoph Ehrenfellner. Eine Oper für Solisten, Damenchor und Orchester.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, meinem Enkel Machart und Schönheiten der deutschen Lyrik näherzubringen

26.11.21 (Theo Geiẞler) -
Was zurzeit in den Schulen abgeht – mein Blick richtet sich zwangsläufig vor allem auf die bayerischen – ist eine ziemliche Schinderei. Mein Enkel Gandolf-Augustus, neunte Klasse Gymnasium, schreibt ungefähr täglich zwei Prüfungsarbeiten. Vermutlich geschockt einerseits durch bedrohlich nah kreisende Hubschrauber-Eltern, den Anwalt an der Seite, andererseits getrieben von einer Effizienzpädagogik, die hohe Bildungsansprüche und scharfe Auslese im Sinne der Wirtschaft möglichst in Zeiten gerade noch medizinisch verantwortbaren Präsenzunterrichtes abfordert, werden Schülerinnen und Schüler durch Stoffmassen gepeitscht und zum jeweiligen Leistungsbeweis gezwungen. [Vorab aus Politik & Kultur 2021/22-12/01).

Ein Leben für Siegfried Wagner – Zum Tod unseres Autoren Peter P. Pachl

24.11.21 (Roland H. Dippel) -
„Peter P. Pachl hatte eine Zielstrebigkeit in der Umsetzung seiner Visionen wie wenige. Sein Brennen für die Kunst war bewundernswert frei von Ehrgeiz und Eitelkeit. Das habe ich in den vielen Jahren unserer Bekanntschaft und der unter Corona erschwerten Umsetzung des Bayreuther Siegfried-Wagner-Zyklus an ihm bewundert.“
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