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Leise schwebende Töne am Rand der Hörbarkeit – Diana Damrau als Anna Bolena im Opernhaus Zürich

07.12.21 (Georg Rudiger) -
Ganz am Ende nach der langen Wahnsinns-Szene steht Diana Damrau bei ihrem Rollendebüt als Anna Bolena nochmals allein auf der Bühne. Der erste Vorhang im Opernhaus Zürich gehört der deutschen Sopranistin, die den stürmischen Applaus berührt entgegennimmt. Zu Beginn des Abends war eine andere Sängerin im Mittelpunkt: Edita Gruberova, die vor wenigen Wochen verstorbene Königin des Belcanto.

Eierlehre statt Rassenlehre: Walter Braunfels’ „Die Vögel“ an der Oper Köln

06.12.21 (Philipp Lojak) -
Zwischen Sehnsucht und der Psychologie der Massen hat Regisseurin Nadja Loschky „Die Vögel“, Walter Braunfels’ „lyrisch-phantastisches Spiel“ von 1920, an der Oper Köln angelegt. Eine äußerst gelungene Produktion, findet unser Autor Philipp Lojak:

Politisch motivierte Kammeroper: „Undzer Shtetl brent“ in Köln

05.12.21 (Roland H. Dippel) -
Musikdebatte Köln meldet sich mit der Uraufführung der Kammeroper „Undzer Shtetl brent“ in der Trinitatiskirche zurück. Christian von Götz und Ralf Soiron erarbeiteten mit Vertonungen und Improvisationen über Poeme des jüdischen Liedkomponisten Mordechai Gebirtig ein packendes, weil bohrendes Erinnern ohne sentimentale Ausflüchte.

Gegen Trübsal immunisieren lassen: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ am Theater Regensburg

05.12.21 (Juan Martin Koch) -
Mit einem bewährten Operettenklassiker versucht das Theater Regensburg sein reduziertes Publikum bei Laune zu halten. Vor allem im ersten Akt gelingt dies Regisseur Cusch Jung und dem Ensemble bestens.

Verblendet: Calixto Bieitos „Lohengrin“-Interpretation an der Berliner Staatsoper

02.12.21 (Joachim Lange) -
„Publikumspremiere“ – das ist auch so ein Begriff, den wir Corona verdanken und auf den man gerne verzichtet hätte. Die Premiere der Neuinszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ an der Berliner Staatsoper Unter den Linden fand schon am 13. Dezember 2020 statt. Es war allerdings eine gestreamte (Peter P. Pachl hat sie hier am 14. Dezember 2020 ausführlich besprochen). Damals schaute man schon deshalb zumindest mal rein, weil Roberto Alagna hier die Rolle singen sollte, vor der er 2018 in Bayreuth kurz vor der Premiere die Flucht ergriffen hatte.

Gestrandet – „Sleepless“ von Peter Eötvös an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufgeführt

30.11.21 (Joachim Lange) -
Peter Eötvös macht hier eine Geschichte zur Oper, von der man sich fragt, „wer hier welchen emotionalen Nährwert mitzunehmen vermag, so deprimierend niederdrückend sei diese, findet unsere Kritiker Joachim Lange und ergänzt: „Eötvös evoziert mit seiner Komposition eine Atmosphäre, die wie ein ausgebremster Britten wirkt und ihre emotionale Grundströmung beibehält.“

Kaffeekränzchen mit Jack The Ripper – „Elektra“ von Richard Strauss in Hamburg

30.11.21 (Dieter David Scholz) -
Das mythologische Atridendrama um Agamemnon, seine Ehefrau Klytämnestra, deren Liebhaber Aegisth, und die Kindern Iphigenie, Elektra, Chrysothemis und Orest ist eines der klassischen Schlachtfeste des antiken Dramas: Der Vater opfert Iphigenie aus politischen Motiven, Klytämnestra und Aegisth erschlagen Agamemnon. Orest wird als Kleinkind zu Bauern gegeben (er wird später Klytemnästra und Ägisth töten), Elektra will ihren Vater rächen, Chrysothemis eine „normale“ Existenz aufbauen.

Durchgeknallte Farce ohne doppelten Boden – Schostakowitschs „Die Nase“ am Theater Basel

29.11.21 (Georg Rudiger) -
Sogar am Ende hüpfen sie noch. Immer wieder geht der Vorhang auf – und das gesamte Ensemble macht unter dem Jubel des Basler Publikums den Kosaken-Macarena. Auch Dirigent Clemens Heil und Regisseur Herbert Fritsch hopsen mit. Die unglaubliche motorische Energie von Dmitri Schostakowitschs Oper „Die Nase“, den ganzen Abend befeuert vom grandios aufspielenden Sinfonieorchester Basel, wirkt nach. Michael Borth alias Platon Kusmitsch Kowaljow hat endlich seine Nase wieder und macht glückselig den Vortänzer. Die neueste Basler Produktion hat schon nach der Premiere Kultstatus.

Motorischer Vintage-Mozart: „Die Hochzeit des Figaro“ in Erfurt

28.11.21 (Roland H. Dippel) -
Derzeit scheinen die Menschen in Wolfgang Amadeus Mozarts und Lorenzo da Pontes opera buffa „Die Hochzeit des Figaro“ und ihre Triebhaftigkeiten wichtiger als die politische Dimension. Am Theater Erfurt kommen in der Inszenierung von Martina Veh neben dem erotischen Spaß auch dessen Grenzen ins Bild. Musikalisch gerät das unter Samuel Bächli als blitzblankes Bekenntnis zur herkömmlichen Aufführungspraxis.

Doppeluraufführung am Theater Nordhausen: „Kain und Abel“ und „Verklärte Nacht“

28.11.21 (Joachim Lange) -
Das Theater Nordhausen kombiniert die Uraufführung der Oper „Kain und Abel“ von Christoph Ehrenfellner mit der Uraufführung von Ivan Alboresis Ballett „Verklärte Nacht“. Das ist mal ein Zeichen: In den Wochen vor Weihnachten des zweiten Coronajahres, die sich in den Opernhäusern, die noch spielen, anfühlen wie ein düsterer Vorabend, stemmt Nordhausen eine Uraufführung! „Kain und Abel“ von Christoph Ehrenfellner. Eine Oper für Solisten, Damenchor und Orchester.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, meinem Enkel Machart und Schönheiten der deutschen Lyrik näherzubringen

26.11.21 (Theo Geiẞler) -
Was zurzeit in den Schulen abgeht – mein Blick richtet sich zwangsläufig vor allem auf die bayerischen – ist eine ziemliche Schinderei. Mein Enkel Gandolf-Augustus, neunte Klasse Gymnasium, schreibt ungefähr täglich zwei Prüfungsarbeiten. Vermutlich geschockt einerseits durch bedrohlich nah kreisende Hubschrauber-Eltern, den Anwalt an der Seite, andererseits getrieben von einer Effizienzpädagogik, die hohe Bildungsansprüche und scharfe Auslese im Sinne der Wirtschaft möglichst in Zeiten gerade noch medizinisch verantwortbaren Präsenzunterrichtes abfordert, werden Schülerinnen und Schüler durch Stoffmassen gepeitscht und zum jeweiligen Leistungsbeweis gezwungen. [Vorab aus Politik & Kultur 2021/22-12/01).

Ein Leben für Siegfried Wagner – Zum Tod unseres Autoren Peter P. Pachl

24.11.21 (Roland H. Dippel) -
„Peter P. Pachl hatte eine Zielstrebigkeit in der Umsetzung seiner Visionen wie wenige. Sein Brennen für die Kunst war bewundernswert frei von Ehrgeiz und Eitelkeit. Das habe ich in den vielen Jahren unserer Bekanntschaft und der unter Corona erschwerten Umsetzung des Bayreuther Siegfried-Wagner-Zyklus an ihm bewundert.“

Peter P. Pachls Abschied: Römischer Karneval um „Die heilige Cäcilia“ in Hattingen

22.11.21 (Roland H. Dippel) -
Am 15. November verstarb der Regisseur, Dramaturg, Musikwissenschaftler und Theaterleiter Peter P. Pachl nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren. Pachl wurde aus dem Proben zu seiner Inszenierung der Uraufführung von Anton Urspruchs Oper „Die heilige Cäcilia“ gerissen, die er in der Henrichshütte Hattingen vorbereitete. Die durch die Pandemie außerordentlich erschwerte Premiere am 21. November wurde zu einer Hommage für den leidenschaftlichen Opernentdecker und Autor der nmz.

Zur Kenntlichkeit entstellt – Ein neues Stuttgarter Ringprojekt hat mit dem „Rheingold“ begonnen

22.11.21 (Joachim Lange) -
Auch diesmal soll es ein Ring von verschiedenen Regie-Kollektiven werden. In Stuttgart haben sie das unter Klaus Zeheleins künstlerischer Obhut quasi erfunden. Was Joachim Schlömer, Christoph Nel, das Gespann Jossi Wieler/Sergio Morabito und Peter Konwitschny nebeneinander gestellt haben, profilierte vor über zwanzig Jahren die Teile des Ganzen. Ob ein solches Vorgehen mehr Vor- oder Nachteile hat, kommt auf das Ergebnis an.

Eine Schachpartie auf Leben und Tod – Frédégonde von Ernest Guiraud und Camille Saint-Saëns in Dortmund

21.11.21 (Joachim Lange) -
In Dortmund gab es im März 2020 eine gespenstische Vorstellung. „Die Stumme von Portici“ war eine der letzten Premieren vor dem ersten Lockdown; eine Geisteraufführung gerade noch für eine Handvoll Kritiker. Im November 2021 gibt es wieder die Premiere eines besonderen Stückes. Diesmal ist die Ausgrabung noch ambitionierter. Von Ernest Guirauds und Camille Saint-Saëns’ „Frédégonde“ dürften nur Spezialisten etwas gewusst haben.

Vernebelte Trap-Oper – Uraufführung von „cloud*s*cape“ in der Bühne 2 des Münchner Volkstheaters

20.11.21 (Wolf-Dieter Peter) -
War es auch im antiken griechischen Theater schon so? Denn bei der Wiederbelebung als „Oper“ am Beginn unserer Neuzeit spukte die Idee des Gesamtkunstwerks durch Formen, Stile und Werke und seither weiter: Da kam der Höhepunkt mit Wagner und letztlich zielt ein Abend mit „Rammstein“ auf das Gleiche. Da auch die kleinere Bühne des neuen Volkstheaters fast alle Wünsche der Macher erfüllen kann, gingen sie in die Vollen Richtung Gesamtkunstwerk.

Concerto Köln und Kent Nagano nähern sich Richard Wagners „Ring des Nibelungen“

20.11.21 (Roland H. Dippel) -
Seit 2017 erarbeitet das künstlerisch-wissenschaftliche Projekt „Wagner-Lesarten“ mit Beteiligung von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen einen historisch-informierten Zugang zu Wagners monumentaler Tetralogie "Der Ring des Nibelungen". Der erste Teil „Das Rheingold“ wurde konzertant am 18. November in der Kölner Philharmonie aufgeführt. Es folgt(e) ein Konzert am 20. November im Concertgebouw Amsterdam

„Im besten Fall ist die Musik Treiber gesellschaftlicher Entwicklungen“ – Kent Nagano im Gespräch

19.11.21 (Burkhard Schäfer) -
Am 22. November feiert der Dirigent Kent Nagano seinen 70. Geburtstag. Für die nmz sprach Burkhard Schäfer mit dem Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper über seine musikalische Sozialisation, den Klassik-Betrieb und sein kürzlich erschienenes Buch „10 Lessons of my Life“.

Herz à la Rossini – Die Burletta „Gelegenheit macht Diebe“ im Münchner Prinzregententheater

18.11.21 (Wolf-Dieter Peter) -
Ach, dieses Italien um 1800! Da ging es zwar politisch drunter und drüber – aber was da zwischen Neapel und Mailand, Rom und Venedig los war… Opernkulinarik vom Feinsten! So einen neunzigminütigen Appetithappen, die Farce „L’occasione fa il ladro“ von 1812, pickten sich jetzt die Theaterakademie August Everding, das Münchner Rundfunkorchester und ein paar Opernprofis heraus und servierten ihn: nicht Tournedos, sondern inhaltsbezogen quasi als „Herz à la Rossini“.

Eifersuchtsmord 1731: Campras „Idoménée“ bei den Berliner Barocktagen

17.11.21 (Roland H. Dippel) -
Während die Staatskapelle Berlin mit ihrem Chefdirigenten Daniel Barenboim auf dreiwöchiger Europa-Tournee war, brachten die Barocktage der Staatsoper Unter den Linden vom 5. bis zum 14. November Wiederaufnahmen von Rameaus „Hippolyte et Aricie“ unter Sir Simon Rattle, Glucks „Orfeo ed Euridice“ mit Max Emanuel Cencic, hochkarätige Konzerte und vor allem André Campras „Idomenée“ als Koproduktion mit der Opéra de Lille. Unter Emmanuelle Haïm sang in der Inszenierung von Àlex Ollé mit Tassis Christoyannis, Samuel Boden, Chiara Skerath und Hélène Carpentier ein für die Hauptpartien ideales Quartett.

Am Summter See summt‘s nicht nur – Besuch bei den 2. Mühlenbecker Klanglandschaften

17.11.21 (Konstantin Parnian) -
Ihren Start machten die Mühlenbecker Klanglandschaften 2019. Nach der Absage im letzten Jahr gingen sie – noch immer durch die Pandemie eingeschränkt – als Format „en miniature“ in die zweite Runde. Eine ganze Woche waren Klanginstallationen in und um die Dorfkirche aufgebaut. Für das abschließende Festival-Wochenende war vieles geplant: bei einem groß angelegten Konzept mit Chor etwa sollten die Singenden gar aus dem Wald erklingen. Wie dieses mussten auch weitere Projekte entfallen – anderes rückte kurzfristig nach. So ergab sich dennoch eine bunte Zusammenstellung aus Vorträgen, Konzerten und experimentellen Klangerlebnissen.

„LA BOMBE SURPRISE“ zum Dessert – Erich Wolfgang Korngolds „Stumme Serenade“ in Lübeck

16.11.21 (Arndt Voß) -
Stellen Sie sich vor, werte Dame, da steht jemand in ihrem Garten, verströmt sein Gefühl für Sie in einer schmelzenden Serenade, steht da zwischen Nachtschmetterlingen und Glühwürmchen – und bekommt doch keinen Ton heraus! Sie wachen dennoch auf in ihrem Schlafgemach, spüren die Hände und die Lippen eines unbekannten Eindringlings, ein Schrei entringt sich Ihres Schwanenhalses Und nun?

Nymans „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ an der HMT Leipzig

15.11.21 (Roland H. Dippel) -
Derzeit steht der Film „Oliver Sacks: His Own Life“ (2019) über den 2015 an Krebs verstorbenen Neurologen in der ARD-Mediathek. Peter Greenaways Filmkomponist Michael Nyman brachte seine Kammeroper „Der Mann, der seine Frau für einen Hut hielt“ (The Man Who Mistook His Wife for a Hat) 1986 in London heraus. Heute ist diese Vertonung von Sacks’ Bestseller-Fallbeschreibung nicht mehr ganz so häufig zu erleben wie vor 2000.

Hochkarätig besetztes Fünftes Leipziger Romantik Festival erfolgreich beendet

11.11.21 (Doris Mundus) -
Die traditionell im Mai stattfindenden (mehrfach pandemiebedingt verschobenen) Festtage Leipziger Romantik konnten in diesem Jahr um Felix Mendelssohn Bartholdys Todestag vom 4. bis 7. November nachgeholt werden, wie immer hochkarätig besetzt. Außer Ragna Schirmer, Matthias Eisenberg und Carolin Masur fanden sich auch im „Orchester Leipziger Romantik“ hervorragende Musiker zusammen.

Studie über Empathie: Tschaikowskis „Iolanta“ in Dessau

09.11.21 (Roland H. Dippel) -
Der Applaus klingt im Anhaltischen Theater oft so groß wie die dort gespielten Opern – sogar wenn der Zuschauerraum wie derzeit wegen Hygienekonzept nicht ganz voll ist. Tschaikowskis letzte und 1892 in Sankt Petersburg mit seinem Ballett „Der Nussknacker“ uraufgeführte Oper war in Dessau ein Corona-Projekt. Mit nur 90 Minuten eigentlich nicht abendfüllend, ist „Iolanta“ aufgrund des kleinerem Chorparts auch im Ausnahmezustand gut machbar.
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