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Akustisch eingefärbt – Live-Musik zum Stummfilm „Die Buddenbrooks“ an der Musikhochschule Lübeck

28.11.18 (Arndt Voß) -
Zum statischen Vorspann eines unverkennbar alten Lichtspiels drängt sich ein tiefes Brummen. Es gibt sich nur langsam als Orgelton zu erkennen, bekommt eine metrische Struktur und erzeugt zugleich eine unwirkliche Spannung. So beginnt der akustische Kommentar zu schwarz-weißen, fast einhundert Jahre alten Bildsequenzen.

Männer-Macht und Frauen-Leid – Verdis Frühwerk „I due Foscari“ in München

27.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
“Power tends to corrupt” stellte Lord Acton treffend fest. Ergänzend ist heutzutage zu fragen: Nicht auch Machtgier? Umjubelt wurde im Prinzregententheater die Erkenntnis, dass schon 1844 ein junger italienischer Komponist mit seinem Librettisten in der eigenen Geschichte ein erschütterndes Beispiel dafür fand, daraus eine Oper formte, die nur bislang selten gespielt wird, wenn man es nicht macht wie…

Oper Halle: Mozarts „Bastien und Bastienne“ trifft Zemlinskys „Florentinische Tragödie“

27.11.18 (Joachim Lange) -
Wer Oper auch als ein Abenteuer versteht, das man sich mit dem Kauf einer Eintrittskarte erwerben kann, der ist seit einiger Zeit in Halle gut aufgehoben. Dort kann es einem passieren, dass man mal (wie bei Verdis Requiem in der neuen Raumbühne Babylon) nicht nur zum Mitspielen aufgefordert, sondern sogar zum Affen gemacht wird. Oder, dass man in einer Händeloper (wie „Berenice“) nicht nur mit vokalem Counter-Luxus verwöhnt wird, sondern sich auch in einem Videobilderrausch verlieren kann.

Archäologie und Objektivierung – Zum Musikalischen Kultursalon 2018 am ZfGM Leipzig

25.11.18 (Roland H. Dippel) -
Der Musikalische Kultursalon des Zentrums für Gegenwartsmusik (ZfGM) an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ist weder Symposium noch Seminar. Claus-Steffen Mahnkopf stellt jedes Jahr eine*e Komponisten*in vor, von der/dem Werke in der Hochschul-Konzertreihe „Musik und Gegenwart“ (man ist jetzt bei Nummer 82) erklingen und in einem Selbstporträt erläutert werden. Die Auswahl von Themen und Positionen der Referenten folgt nicht einem konzeptionellen Plan, sondern der Relevanz für die Studierenden und persönlichen Forschungsschwerpunkten.

Kopftheater – Leonard Bernsteins „Candide“ an der Komischen Oper Berlin

25.11.18 (Peter P. Pachl) -
Die auf Voltaires satirischer Novelle „Candide ou l’Optimiste“ beruhende Handlung von Leonard Bernsteins „Candide“ verlangt nach einer aberwitzigen Folge von Schauplätzen, die selbst als Ausstattungsrevue kaum adäquat zu realisieren wären. Barry Kosky hat einen umgekehrten Weg eingeschlagen: den in die Vanitas des Endes der Handlung – ein Kopftheater auf der zumeist leeren Bühne. Wichtig ist dem inszenierenden Hausherrn das Spiel, das Tempo, die Intensität einer in ihren Spitzen ausgezeichneten Solist*innen-Riege und der sich wieder einmal überbietenden Chorsolisten der Komischen Oper Berlin.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 26.11. bis 02.12.2018

25.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 48. Was will uns der Komponist damit sagen? Über Sinn und Sinnlosigkeit der Vermittlung von Neuer Musik / Roman Pfeifers instrumentales Theater / Polnische Musik aus dem 20. Jahrhundert / 70 Jahre Rias Kammerchor / Donaueschinger Musiktage 2018 / Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik / Bartók in New York / Monteverdi-Reflexe / Der Komponist Michael Quell / Rossini und seine Tenöre / Blaues Rauschen 2018 / Die Geschichte des rumänischen Komponistenverbands / Hessen hören 36: Barbara Heller / Gesang der Teepflücker.

Verdi reduziert auf Ibsen – Die „Otello“-Neuproduktion der Bayerischen Staatsoper München kann nur musikalisch beeindrucken

24.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
Schon für sein Londoner Otello-Debüt setzte Jonas Kaufmann durch, nicht zum dunkelhäutigen Mohren geschminkt zu werden, ein „Weißer“ zu bleiben. Darin traf er sich mit Regisseurin Amélie Niermeyer. Sie wollte ohnehin Desdemonas Schicksal mehr ins Zentrum ihrer Interpretation rücken. All das führte eher weg von Shakespeare, Boito und Verdi.

Im Käfig egomanischer Gefühle – Jules Massenets „Werther“ in Lübeck

20.11.18 (Arndt Voß) -
Die Schlussszene ist großartig: Werther und Charlotte, nur wenige Meter voneinander entfernt, wollen verzweifelt ihrem engen Lichtkäfig entkommen. Sie wollen zueinander, links Werther, tödlich verletzt, innerlich wie äußerlich, rechts die in Pflicht und Leidenschaft gefangene Charlotte. Nah sind sie sich, doch zugleich weit entfernt. Und noch eine dritte Distanz ist da, die zu ihnen gehörende Umwelt, von außen zu hören mit weihnachtlichem Gesang. Erst Werthers Pistolenschuss beendet jäh das Seelendrama, Jules Massenets „Werther“.

Die Welt von außen – David Bowies Musical „Lazarus“ in Hamburg

19.11.18 (Joachim Lange) -
Links die Band. Rechts eine gut bestückte Bar. In der Mitte eine quietschbunte Videoclip-Landschaft. Mit Fels und Kirschblüten. Dahinter und dazwischen jede Menge Fenster in die Vergangenheit und Gegenwart, also Projektionswände für das unvermeidliche Fluten der Bilder. Von der Rampe aus hat Katrin Hoffmann mit einem selbstleuchtenden Blitz die Bühne in den Zuschauerraum verlängert.

Offtheater als High Price Event – „A Monteverdi Project“ an der Staatsoper Berlin

19.11.18 (Peter P. Pachl) -
Die in den Rahmen der diesjährigen Barocktage der Staatsoper Unter den Linden eingebettete Uraufführung schafft den Chiasmus vom Off-Theater des Inhalts zum Prestigeobjekt in Form und Ausstattung: ein staatsopernadäquates High Price Event.

Dramatische Populismus-Studie: „Weiße Rose“, ein Manifest der Theater Chemnitz

18.11.18 (Roland H. Dippel) -
Zwei Sänger, sechs Musiker, ein intelligentes Produktionsteam und eine Theaterleitung, die dieses Projekt ausdrücklich fördert, reagieren auf die Ereignisse um das Tötungsverbrechen Ende August 2018 bei den Feiern zum 875. Jubiläum der Stadt Chemnitz. Partner der Theater Chemnitz für dieses Projekt sind die Städtische Musikschule als Proben- und Aufführungsort, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“, die Weiße Rose Stiftung e. V. und enviaM. Die Aufführungsserie der Kammeroper “Weiße Rose” von Udo Zimmermann ist Teil der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam stärker“ und in Kooperation mit dem Programm „neue unentdeckte narrative“ des ASA-FF e.V. ein Programmpunkt des Festivals „Aufstand der Geschichten“.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 19.11. bis 25.11.2018

18.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 47. Das Requiem in der Neuen Musik, Von Experimenten mit Schallplatten und Plattentellern, Die innovative Konzertpraxis des Ensembles Phønix16, Die Musik der 20er Jahre, Das Erbe des Pierre Boulez, Donaueschinger Musiktage 2018, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Krzysztof Penderecki, Der Klarinettist Nicolai Pfeffer, Autorität in der Musik, Der syrische Pianist Aeham Ahmad, Marcus Schmickler, Donemus, Die Welt singt Beatles-Songs, Witten 1969 – 2018.

„Alles ist aus“ – György Kurtágs Oper „Fin de partie“ an der Mailänder Scala uraufgeführt

16.11.18 (Michael Ernst) -
Im Mutterland der Oper ticken die Uhren ein klein wenig anders. Wo einst Puccini und Verdi für ihre neuen Würfe gefeiert worden sind, hat es die Neue Musik heute deutlich schwerer. Das gilt insbesondere für das Teatro alla Scala, diesem so traditionsreichen Haus mitten in Mailand. Bevor Anfang Dezember die neue Spielzeit – wiederum mit Verdi – eingeläutet wird, gab es zur Krönung der laufenden Saison die Uraufführung von „Fin de partie“ nach dem gleichnamigen Drama von Samuel Beckett.

Das Hochschulmagazin der nmz (2018/02) – Landeszentren, Übemöglichkeiten …

16.11.18 (mh/jmk) -
Zwei Mal im Jahr legen wir der nmz ein Hochschulmagazin bei, so auch der nmz 2018/11. Heraus kommt dabei ein 20-seitiges Magazin voll mit Informationen aus den Musikhochschulen in Deutschland und Österreich (Frankfurt, Köln, Trossingen, Hamburg, Weimar, Dresden, Hannover, Detmold, Essen, Mannheim, Lübeck, Freiburg, Würzburg, Tübingen, Österreichs Musikuniversitäten). Lesen Sie jetzt auch online die Beiträge. Worum es in der aktuellen Ausgabe geht? Ein Überblick …

Wagner im Trockendock – Der „Fliegende Holländer“ im Schleswig-Holsteinischen Landestheater

16.11.18 (Michael Kube) -
Im hohen Norden wird es noch früher dunkel als anderswo in der Republik. Dann schmiegen sich kurz vor der dänischen Grenze die Lichter der Stadt um die nachtschwarze Flensburger Förde. Eine an sich schon dramatische Kulisse, mehr aber noch, wenn man auf dem Weg zum Stadttheater, sich vor einem heftigen Platzregen schützend, in einen Häusereingang ducken muss. Denn der Südwester war an diesem Abend zuhause geblieben. Am Landestheater mussten Daland und der fliegender Holländer sich jedenfalls nicht vor den Wassern in Acht nehmen – so kräftig die Musik, so extra dry blieb die Inszenierung.

Sanfter Druck zur Betroffenheit – Neue Opern an der HMT Leipzig

13.11.18 (Roland H. Dippel) -
Seit vielen Monaten arbeiten Dozenten und Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an dieser Studioproduktion zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Zur Uraufführung gelangten die beiden Kammeropern „Letzte Tage Lodz“ von Juheon Han und „Freiberg“ in drei Teilen von Dariya Maminova (geb. 1988), Ido Spak und Max-Lukas Hundelshausen (geb. 1991). Ein Triumph des kalkuliert emotionalen Musiktheaters.

Für Leben und Erinnerung tanzen und spielen – Die 28. euro-scene in Leipzig mit vielfältigen Angeboten und großem Publikumszuspruch

13.11.18 (Joachim Lange) -
Die „euro-scene“ gehört seit 1991 zum festen Kulturkalender in Leipzig. Das durch die Stadt und mehrere Stiftungen und Kulturinstitutionen finanzierte Festival hat sich trotz aktueller Mittelkürzungen um 30.000 Euro (durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) behauptet und bei seinem Publikum etabliert.

Eine ging, drei wollten und zwei wollen kommen – Wer, was, wo? Und wieso?

12.11.18 (Michael Ernst) -
Wenn jetzt die Weichen für die Zukunft an Dresdens Musikhochschule neu gestellt werden, berührt das auch die Osterfestspiele Salzburg. Oder verhält es sich eher umgekehrt? Personalroulette zwischen Dresden, Salzburg, Baden-Baden und München.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 12.11. bis 18.11.2018

11.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 46. Jagoda Szmytka, Neues aus der Eisengießerei, Sven-Ingo Koch, Krzysztof Penderecki, Die Musik der 20er Jahre, Anton Webern aus aktueller Perspektive, Donaueschinger Musiktage 2018, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Werkzeuge der neuen Musik – Das Publikum, Joëlle Khoury, Forum neuer Musik 2008 – humanity & composition, Porträt des Pianisten Marian Migdal.

Janáčeks Episoden „aus einem toten Haus“ an der Oper Brüssel

09.11.18 (Frieder Reininghaus) -
Wie geht es zu in den Strafgefangenenlagern? Wie weit entfernt vom Herzen Europas und der Hauptstadt Brüssel liegt Sibirien? Das sind Fragen, die sich mit einer Inszenierung von Leoš Janáčeks letztem Bühnenwerk unvermeidlich stellen, wenn es am Théâtre de la Monnaie auf den Spielplan gesetzt wird. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski und der Dirigent Michael Boder haben deutliche, aber nicht ganz zusammenpassende Antworten gefunden: …

Neue Horizonterweiterungen beim Essener NOW Festival

09.11.18 (Stefan Pieper) -
Einer der Lieblingsfetische der Wirtschaftseliten heißt Personaleinsparung. Mauricio Kagels „Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester“ liefert hier gute Ideen für den Musikbetrieb. Warum über 100 MusikerInnen in einem Sinfonieorchester beschäftigen, wenn doch stattdessen gerade mal zwei Spieler reichen, um diese mit der Tonerzeugung auf jeweils mehr als 100 Instrumenten (pro Spieler wohlgemerkt!) zu betrauen?

Vom Blendwerk der Freiheit – Smetanas „Dalibor“ in Augsburg

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mir sind die Augen aufgegangen. Wir sagen das …, weil wir begreifen, was wir doch nicht sehen können“ schrieb Ingeborg Bachmann von Jahrzehnten. Das kann der Hintergrund für die Wahl des soeben zum 5.Staatstheater Bayerns aufgewerteten Augsburger Teams sein, ausgerechnet im Ausweichquartier im Martinipark nicht einen verkaufssicheren Repertoireklassiker anzusetzen, etwa Smetanas „Verkaufte Braut“, sondern sein tschechisch vaterländisch orientiertes, daher nicht so populäres Musikdrama „Dalibor“. Ein reizvolles Wagnis.

Reizvolles vom „ältesten Instrument“ – Bernhard Webers Film „Der Klang der Stimme“

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
All diese Investment- und Hedgefond-„Masters-of-the Universe”, die sich allem und jedem überlegen glauben, muss man daran erinnern, dass ihre Geld-Welt sich erst im 16.Jahrhundert etabliert hat – Musik und erst recht Gesang aber so sehr viel älter sind, dass die Herren demütig werden sollten. Das zeigt ein neuer Film – seit einer Woche in Kinos bundesweit.

Das Gemüse an der Macht – Offenbachs „König Karotte“ in Hannover

07.11.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Uraufführung von Jacques Offenbachs „Roi Carotte“ (1872) ist mit heute unfassbaren Zahlen belegt: 1150 Kostüme, 193 Bilder in vier Akten, innerhalb von sechs Monaten 193 Aufführungen, sechs Stunden Uraufführung und noch vieles mehr. Und doch verschwand das Werk in der Versenkung, bis es rekonstruiert werden und in einer dreistündigen Fassung 2015 in Lyon aufgeführt werden konnte. Und nun gab es in Hannover von dieser Fassung eine viel bejubelte, glänzende deutsche Erstaufführung, die der Musicalfachmann Matthias Davids als Regisseur verantwortete.

Kiel besinnt sich auf seine historische Bedeutung – Marco Tutinos „Falscher Verrat“ uraufgeführt

07.11.18 (Arndt Voß) -
Es war der 3. November 1918, als in Kiel Historisches geschah: die Matrosen standen auf, ein Geschehen mit ungeheuren Folgen. Das in einer Oper genau 100 Jahre später erlebbar zu machen, ist eine andere Sache, dennoch hat man es in Kiel versucht.
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