nmz-Online

Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel, die ausschließlich online und in keiner Print-Ausgabe erschienen sind. Sie können die Online-Artikel per RSS abonnieren.

Theos Kurz-Schluss – Wie ich mich einmal mit einer Promi-Biografie vor dem Verhungern retten wollte – und scheiterte

29.04.22 (Theo Geißler) -
Wie kommt man heutzutage als ausgebrannter Journalist, als altbackener Schreiberling mit ausgeprägter bandscheibenverschleiß-bedingter Reiseunlust noch an Themen, für deren Abdruck höchstselbst dahinvegetierende Kulturzeitschriften wenigstens noch ein paar Frühstücksbrötchen bezahlen? Kaum denkt man sich einen lustigen Schwank aus,– z. B. das schleimige Möchtegern-Büßervideo des Hakenkreuz-und-Verquerdenkers Xavier Naidoo – die Intro ist von mir schon elegant formuliert, die Pointe: Schröder wechselt brav von Gazprom zu Shell, schwupps findet man den Plot gleichentags und gleichen Trends im Spiegel. Unterm Strich und natürlich weniger witzig niedergehudelt. Mich fasst Verzweiflung, foltert Spott! [Vorab aus „Politik & Kultur“ 2022/05]

Ashley Henry Quartet beim BWM Welt Jazz Award 2022

28.04.22 (Ralf Dombrowski) -
Das sechste Konzert des BMW Welt Jazz Award 2022 spielte vorgestern der Pianist Ashley Henry mit seinem Ensemble. Die letzte Soiree der Competition bestritt damit der jüngste Teilnehmer vor vollem Haus. Ralf Dombrowski berichtet.

„Alle lieben Sie, Fortunio!“ – André Messagers Musikkomödie in Nancy

28.04.22 (Roland H. Dippel) -
Für dieses Remake einer Produktion der Pariser Opéra Comique an der Opéra National de Lorraine hatte Intendant Matthieu Dussouillez gewichtige Gründe. Zum einen wurde André Messagers „Fortunio“ (1907) zur glücklich bestandenen Feuer- und Wasserprobe für die Chefdirigentin Marta Gardolińska, von der man sich auf weitere ähnlich anspruchsvolle französische Kernaufgaben freuen darf. Außerdem gab es neben der bravourösen Anne-Catherine Gillet als Jacqueline einen Tenor mit subtilem Format: Pierre Derhet lieferte schüchterne bis schmelzende Töne in der Titelpartie der lyrischen Komödie nach Alfred de Mussets „Le chandelier“ (Der Leuchter, 1835). Laurent Delvert hielt die Inszenierung von Denis Podalydè frisch – auf Höhe der musikalischen Leistung.

Die dänische Seele zum Klingen gebracht – Carl Nielsens „Maskarade“ an der Oper Leipzig

27.04.22 (Dieter David Scholz) -
Man ist immer wieder neugierig auf Opernausgrabungen. Die dänische Nationaloper schlechthin, Carl Nielsens „Maskarade“, uraufgeführt 1906 und in Dänemark ein Kultstück bis heute, ist so ein ausserhalb Dänemarks selten aufgeführtes Werk. Vielleicht muss man Däne sein, um das Stück würdigen zu können, denn es betrifft die dänische Seele, Befindlichkeit oder was auch immer und zielt auf die Identität der Dänen mit ihrer pietistischen Strenge und Bigotterie, ihrem schlechten Wetter und der Sehnsucht, all dem zu entfliehen.

Plakativ, dröge, ermüdend – Der rumstehende „Holländer“ am Nationaltheater Mannheim

26.04.22 (Dieter David Scholz) -
„Der fliegende Holländer“, der 1843 in Dresden uraufgeführt wurde, war Wagners erstes., von ihm selbst als vollgültig erachtetes Werk (auch wenn er es immer wieder bearbeitete), mit der er eine neue Bahn einschlug. Eine Initialzündung gewissermaßen, und ein genialer Wurf, der den Zuschauer beziehungsweise Zuhörer bis heute in seinen Bann zieht. Nicht so bei der jüngsten Neuinszenierung am Nationaltheater Mannheim, die coronabedingt um einige Wochen verschoben wurde.

Nichts Neues über Tannhäuser – Kornél Mundruczó inszeniert Tannhäuser an der Staatsoper Hamburg

26.04.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Das erste Bild war vielversprechend. Keine dauersinnliche Venus, bei der Sänger zum Dauerbesuch da sind, sondern eine Aussteigerfamilie, die in den Schönheiten des Dschungels einerseits alternativ, andererseits vollkommen bürgerlich lebt: die Kinder turnen auf Papa Tannhäuser herum und von Venus erhält er erst einmal eine schallende Ohrfeige, als er bekennt, dass er gehen will, dass er es satthat und dass dieses Leben ihm auch nicht das gebracht hat, was er sich vorstellte. Schon in der Ouvertüre ist Tannhäuser schlafend zu sehen: Träume und vergangene Wirklichkeiten ziehen an ihm vorbei. Die Erinnerung an seine Hochzeit, sein Gefühl, zu ertrinken...

Ja, wo spielen sie denn? Die Chemnitzer „Aida“ als Kostümfest an der Seine

25.04.22 (Michael Ernst) -
Für Freunde der italienischen Oper wird es in Sachsen ein wenig eng: Anfang März kam Giuseppe Verdis „Aida“ an der Semperoper in Dresden heraus, nun gibt es auch im Opernhaus Chemnitz eine Neuproduktion. Verdi geht immer, jedenfalls jetzt, wo große Oper endlich wieder möglich ist. Was aber dabei herauskommt, wenn die „Aida“ noch vor ihrer historischen Uraufführung spielt?

Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin musiziert zum Thema Erderwärmung und Klimawandel

24.04.22 (Isabel Herzfeld) -
Bunt geht es auf der Bühne im Haus des Rundfunks zu. Wo sonst sich Orchester an einer „Musik der Gegenwart“ versuchen oder gar zum Festival „Ultraschall“ abheben, bieten jetzt grüne und blaue Regenschirme Schutz – vielleicht vor der menschenähnlichen Figur, deren Kopf manchmal rot aufleuchtet? Luftballons, knallrote Müllsäcke und ein rosa Teddybär sind weitere Requisiten auf der von Thomas David Mairs gestalteten Bühne für dieses szenische Konzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Das sitzt diesmal, von seinem Chef Vladimir Jurowski geleitet, im Zuschauerraum, auf Tuchfühlung mit dem Publikum.

Meyerbeers Glanz und Preußens Gloria – Giacomo Meyerbeers Singspiel „Ein Feldlager in Schlesien“ an der Oper Bonn

24.04.22 (Joachim Lange) -
Aller guten Dinge sind Vier. Man braucht in Coronazeiten einen langen Atem und starke Nerven, wenn man eine Oper auf die Bühne bringen will. Der Intendant der Oper Bonn Bernhard Helmich brauchte davon jede Menge, um Giacomo Meyerbeers Preußenopus „Ein Feldlager in Schlesien“ letztlich doch noch herauszubringen. Jetzt hat es im vierten Anlauf endlich geklappt.

Samt-und-Brokat-Partitur: Peter Leipolds Oper „Mio, mein Mio“ in Erfurt

24.04.22 (Roland H. Dippel) -
Peter Leipolds üppige Oper „Mio, mein Mio“ nach dem Kinderbachklassiker von Astrid Lindgren hat nach der Uraufführung im Theater Erfurt alle Voraussetzungen für einen großen Erfolg im schmalen Segment von Kinderopern für die große Bühne. Die nächste Uraufführung ist schon geplant. Leipolds Kammeroper „Der goldene Brunnen“, nach Otfried Preußler folgt in Erfurt in der Spielzeit 2022/23. Bei ihm haben Kinder das gleiche Recht auf einen musikalischen Vollrausch wie Erwachsene.

Vokaler Glanz vor romantischer Kulisse – In Meiningen inszeniert der Ex-Intendant „Lohengrin“

23.04.22 (Joachim Lange) -
Was Richard Wagners „Lohengrin“ betrifft, so liegt Meiningen nicht nur geographisch ungefähr auf dem Weg zwischen Weimar und Bayreuth. In Weimar sorgte Franz Liszt 1850 für die Uraufführung der romantischen Nie-sollst-du-mich-befragen-Oper. Da war Wagner den Obrigkeiten noch verdächtig und quasi auf der Flucht vor der sächsischen Polizei. Als ein Vierteljahrhundert später mit des bayrischen Königs und des Reichskanzlers Hilfe sein Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth stand, er zum Überkomponisten seines ganzen Jahrhunderts aufgestiegen war, gehörte „Lohengrin“ natürlich zu den Stücke, die der Meister sich selbst durchgehen ließ und für den Werkekanon der Festspiele vorsah.

Osterfestspiele Baden-Baden mit Russlandschwerpunkt baten um Spenden für die Ukraine

21.04.22 (Georg Rudiger) -
Russische Musik wegen des Ukrainekriegs von den Konzertprogrammen tilgen? Das Festspielhaus Baden-Baden und die Berliner Philharmoniker gingen bei den Osterfestspielen ganz bewusst einen anderen Weg und hielten am Russlandschwerpunkt fest. Gleichzeitig verurteilte man früh den Angriffskrieg Russlands, warnte vor Diskriminierung russischer Künstler und bat um Spenden für die Ukraine. Neben den beiden Tschaikowsky-Opern „Pique Dame“ (szenisch) und „Jolanthe“ (konzertant), in denen russische und ukrainische Künstlerinnen und Künstler miteinander arbeiteten, boten die Orchesterkonzerte unter anderem vier Ballettmusiken von Igor Strawinsky. Auch in zwölf der dreizehn Kammerkonzerte standen russische Komponisten auf dem Programm.

Das Marco Mezquida Trio beim BMW Welt Jazz Award 2022

21.04.22 (Ralf Dombrowski) -
Das fünfte Konzert des BMW Welt Jazz Awards spielte das Marco Mezquida Trio. Was Mezquidas Vorstellung im Doppelkegel der BMW Welt ausmachte, schildert unser Münchner Kritiker, Ralf Dombrowski.

Die Sächsische Staatskapelle verabschiedet sich aus Salzburg – Ein Rückblick

20.04.22 (Michael Ernst) -
Nach zehn Jahren hat sich die Sächsische Staatskapelle von den Osterfestspielen Salzburg verabschiedet – ganz freiwillig sicherlich nicht. Michael Ernst blickt auf eine künstlerische Erfolgsgeschichte zurück.

Das Scheitern von Wotans Weltwissen – Wagners „Walküre“ wird im Landshuter Theaterzelt zu einem Triumph für das Landestheater Niederbayern

17.04.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Ausweichquartier als Gewinn – so seltsam muss die Formel für Landshuts Theatersituation derzeit lauten. Das „Landestheater Niederbayern“, das auch Passau und Straubing bespielt, muss seit 2014 in Landshut, seinem Zentrum fürs Musiktheater, in einem ansprechenden, robust auf Jahre angelegten Theaterzelt spielen. Künstlerischer Gewinn: Über die verbesserte Bühnentechnik hinaus erlaubt vor allem der vergrößerte Orchestergraben nun Werke von Richard Strauss und Richard Wagner – erstmals für die ganze Region nun „Der Ring des Nibelungen“.

Teutonischer Sex-Appeal, szenisch-tänzerische Klasse: „Chicago“ am Theater Regensburg

15.04.22 (Juan Martin Koch) -
Vier lange Jahre hat Operndirektorin Christina Schmidt warten müssen, bis sie endlich das Kander/Ebb/Fosse-Musical „Chicago“ auf die Regensburger Bühne bringen konnte. Ihre Inszenierung wurde ein Riesenerfolg für Regieteam und Ensemble.

Jesus als Countertenor: Bachs Johannespassion in der Elisabethkirche Berlin

15.04.22 (Roland H. Dippel) -
in der Elisabethkirche Berlin gab es vier Vorstellungen von Johann Sebastian Bachs Johannespassion, nachdem die Thüringer Bachwochen 2022 im Theater Erfurt mit dieser Produktion der lautten compagney BERLIN und der SingFest Choral Academy Hong Kong eröffnet wurden. „Wahrheit! Bachs Johannespassion als Schauprozess“ setzt die Begebenheiten vor Jesu Hinrichtung mit bewegenden Bildern in den Altarraum. Man erlebte in der Karwoche eine geerdete und sehr subjektive Sicht um die mit dem Countertenor Reginald Mobley besetzte Zentralgestalt des Messias.

Mit Glück auf dem Weg nach oben – Mischa Spolianskys Revuestück „Zwei Krawatten“ in der Staatsoperette Dresden

14.04.22 (Joachim Lange) -
Diese jüngste Premiere ist an der Staatsoperette Dresden nur ein wenig coronaverstolpert herausgekommen. Sie gab es immerhin gleich am zweiten vorgesehenen Vorstellungstermin. Schwein gehabt.

Das Giovanni Guidi Quintet beim BWM Welt Jazz Award

13.04.22 (Ralf Dombrowski) -
Vor zwei Tagen präsentierte das Giovanni Guidi Quintet sein musikalisches Statement zum aktuellen BMW Welt Jazz Award. Dieser steht 2022 unter dem Motto "Key Position" und hat zwei Pianistinnen und vier Pianisten eingeladen, sich im musikalischen Wettstreit zu messen. Der jüngste Abend war ein Fest des Micro-Posings, meint unser Kritiker, Ralf Dombrowski.

Wenn Affen Flöte blasen – Giovanni Sollima vertont „Das Dschungelbuch“ als Comic-Oper

12.04.22 (Arndt Voß) -
Das Lübecker Theater hat Exotisches zu bieten: ein Dschungel-Camp mit Operngesang, auch zu deuten als Sumpfwald-Circus, der einen Menschen als den Seltsamsten der Affen präsentiert.

Aus eins mach drei – Der neue Stuttgarter Ring wird mit einer Walküre fortgesetzt

12.04.22 (Joachim Lange) -
Vermutlich ist diese „Walküre“ wieder eine Weltpremiere in Sachen Ring-Regie in Stuttgart. Hier entsteht nicht erneut ein Ring-Projekt von verschiedenen Inszenierungsteams, sondern selbst die „Walküre“, als die erste von den drei großen Ringteilen, wurde auf drei verschiedene Teams aufgeteilt. Eine Idee, die nach Stuttgart passt, weil hier vor zwanzig Jahren ein Ring mit vier verschiedenen Regiehandschriften (Schlömer, Nel, Wieler, Konwitschny) ziemlich Furore machte und fortan als Modellfall galt.

Strapse, Schampus, Kamera! – Jean Gilberts „Kinokönigin“ erobert Leipzig

11.04.22 (Roland H. Dippel) -
Die Musik macht Freude und das Genderfluide gerät zum Megatrend wie in allen anderen Sparten auch. An der Musikalischen Komödie Leipzig zeigt Andreas Gergen, dass die Unterschiede zwischen der Stummfilm-Hochphase vor 100 Jahren und der heutigen Kameramanie in den sozialen Netzwerken äußerst gering sind. Trotzdem steckt seine Inszenierung von Jean Gilberts Operette „Die Kinokönigin“ tief im letzten Jahrhundert. Aber sie ist – dirigiert von Stefan Klingele – ein flotter Fund aus der Berliner Operette des frühen 20. Jahrhunderts.

Brav, oh und Buhs! Richard Wagners „Lohengrin“ bei den Salzburger Osterfestspielen 2022

10.04.22 (Michael Ernst) -
Unwissenheit bietet keinen Schutz vor bösen Überraschungen. Das beweist der Spitzel-Zar vom Kreml ja gerade der ganzen Welt und insbesondere seinen bisherigen Verstehern. „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen …“ – ist dieses Zitat aus Richard Wagners Romantischer Oper „Lohengrin“ nicht geradezu ein Abbild heutiger Unzeit? Bloß keine Fragen stellen und möglichst ahnungslos bleiben – eine gültig gebliebene Metapher?

In Mannheim inszeniert das „Kommando Himmelfahrt“ Carl-Maria von Webers „Freischütz" als Dystopie

10.04.22 (Joachim Lange) -
Oper ist vieles. Ein Kraftwerk der Seele zum Beispiel, weil große Gefühle verhandelt werden. Fast immer ist sie auch eine Zeitmaschine. Auf der Reise in die Vergangenheit. Der Stückekanon ist halt in die Jahre gekommen und selbst die Novitäten des Genres greifen gerne auf gut abgehangene oder gar antike Vorlagen zurück. Für ambitionierte Regisseure ist das Vergangene natürlich nur ein Ausgangspunkt für das eigentliche Ziel, das natürlich unsere Gegenwart ist.

Eroberer aller Länder, vereinigt Euch! „Fernand Cortez oder Die Eroberung von Mexiko“ an der Oper Dortmund

09.04.22 (Joachim Lange) -
Der Untergang des sagenhaften Aztekenkönigs Montezuma und die Eroberung von Mexiko durch die Spanier gehört zu den beliebten Opernstoffen. Von Carl Heinrich Graun (zu einem Libretto von Friedrich II.) über Vivaldi bis hin zu unserem Zeitgenossen Wolfgang Rihm. Und eben auch bei dem 1807 mit seiner „Vestalin“ als Komponist berühmt gewordenen Italiener Gaspare Spontini (1774-1851).
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: