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Alle Artikel kategorisiert unter »Premiere«

Naturweltbühne und Kammerspiel - Die Bregenzer Festspiel-„Butterfly“ beginnt auf der Seebühne und muss ins Festspielhaus wechseln

21.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Die Natur spielt in Bregenz immer mit. Diesmal schien die Liaison zwischen dem smarten US-Leutnant Pinkerton und der Geisha, die er „Butterfly“ nennt, unter keinem guten Stern zu stehen: Vor Beginn zieht ein Gewitter über Bregenz hinweg. Nach Regen-Ende wird mutig begonnen; es folgen Heirat, Liebesnacht, unsichtbare drei Jahre Wartezeit auf dem gewellten Blatt Japan-Papier, das mit 1300 Quadratmetern über dem See zu schweben scheint, mit Blitzen in der Ferne; dann ein wenig Nieselregen und 7000 Besuchern, die sich in ihre Regencapes hüllen. Eben hat die verlassene Butterfly eindringlich beschworen, dass „Un bel di“ Pinkertons Schiff wiederkommen wird – Szenenbeifall – als das Arbeitslicht angeht: die Ansagerin kündigt den heranziehenden Gewittersturm an – 1200 Hauskarten-Besitzer dürfen ins direkt angebaute Festspielhaus übersiedeln.

Kunst als und mit Spiegel – Richard Strauss‘ „Capriccio“ bei den Münchner Opernfestspielen

19.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Wenn die Münchner Staatsoper eine Produktion von Richard Strauss‘ Konversationsstück für Musik „Capriccio“ einkauft – immerhin hier im Oktober 1942 uraufgeführt und mit einer beachtlichen Aufführungstradition behaftet – dann muss es schon eine besondere Produktion sein. Das gilt insbesondere, wenn der aus Lyon kommende Intendant Serge Dorny nun seine dortige Koproduktion mit der Brüsseler Oper als zweite Festspielpremiere präsentiert.

Ausgefuchst dialektisch: „Nabucco“ als verbitterte Sommeroper in Erfurt

17.07.22 (Roland H. Dippel) -
Regisseurinnen und Regisseure lassen sich, inspiriert durch den groben Prankenschlag Giuseppe Verdis in seinem ersten internationalen Erfolg von 1842, von Rostock bis Straubing zu szenischen Gewalteskalationen inspirieren. Temistocle Solera hatte in seinem Textbuch nach dem Schauspiel „Nabuchodonosor“ von Auguste Anicet-Bourgeois und Francis Cornu den alttestamentarischen Stoff über die in babylonische Gefangenschaft verschleppten Juden sehr frei und knapp behandelt. In Erfurt machte Intendant Guy Montavon daraus eine Studie, wie porös und verwundbar die Haut der Zivilisation über dem Fleisch der Antihumanität ist. Keine unbeschwerte Sommeroper also, bei der die hochdramatischen Hauptpartien von der Premierenbesetzung erfreulich gut und stark gesungen werden.

Überschreibung: Nikolai Rimski-Korsakovs erweiterte Oper „Kitesh“ am Theater Bremen

12.07.22 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Initiative Fonds Experimentelles Musiktheater (FeXm) schlägt in Bremen als letzte Musiktheaterpremiere dieser Spielzeit wieder zu: nach den „Obsessions“ durch die finnische Truppe „Oblivia“ war nun „Kitesh“ zu hören, zu sehen, nein, zu erleben. Und man war gut beraten, sich dem Erleben zu überlassen, denn alles, was angekündigt war, verwirrte nur.

Menschen und Götter gefühlt ganz nahe – Brigitte Fassbaenders „Walküre“-Inszenierung in Erl

10.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Was wären Festspiele ohne Wagner – und Wagner: das bedeutet in vielen Theatern Überwältigung durch die Musik aus dem Orchestergraben und fulminante Aktion auf der hochtechnisierten Bühne dahinter. Im Erler Passionsspielhaus ist dieses Verhältnis umgedreht: Hinten das Orchester auf einer hohen Tribüne, durch einen Gazevorhang zu ahnen; eine breite Spielfläche, direkt vor dem Publikum, mit sehr begrenzten technischen Möglichkeiten. Genau daraus hat die Wagner- und „Walküre“-erfahrene Brigitte Fassbaender faszinierenden Gewinn gezogen – und Ovationen geerntet.

Die Frau als der bessere Mann – Europäische Erstaufführung des Musicals „Tootsie“ am Münchner Gärtnerplatztheater

09.07.22 (Wolf-Dieter Peter) -
Oder doch umgekehrt? Unser Kritiker ist sich nicht ganz sicher – angesichts des überbordenden Jubels für Solisten, Dirigent und Regisseur, Chor und Orchester, die Musical-Fassung – und einfach auch das Werk an sich. Denn das kann sich neben allen Geschlechtertausch-Komödien von „Charleys Tante“ bis zu „Mrs. Doubtfire“ mehr als behaupten – und legt noch amüsant insistierend den ein und anderen Missstand im Kulturbetrieb bloß, gerade auch nach dem Corona-Shutdown. Rundum „ein toller Abend“!

Schwarze Schafe und rote Nasen – „Die Nase“ an der Semperoper und die Schostakowitsch-Tage in Gohrisch

05.07.22 (Michael Ernst) -
Als letzte Neuproduktion dieser Saison brachte die Dresdner Semperoper Dmitri Schostakowitschs Frühwerk „Die Nase“ heraus. Wie passend, dass dies zeitgleich zu den 13. Internationalen Schostakowitsch-Tagen Gohrisch geschah.

Szenisch zu wenig fokussiert, musikalisch stark – Giuseppe Verdis „Macbeth“ in Freiburg

04.07.22 (Georg Rudiger) -
Ein Herrscher, dessen Gier nach Macht unersättlich ist, der buchstäblich über Leichen geht und einen Flüchtlingsstrom auslöst. Macbeth zieht eine Blutspur hinter sich und scheint in seinem Wahn von niemandem gestoppt werden zu können. Sicherlich hätte der ukrainische Regisseur Andriy Zholdak diese Geschichte am Freiburger Theater ganz aktuell erzählen können, aber ein Foto eines zerstörten Hochhauses, das aus der Ukraine stammen könnte und vor dem dritten Akt von Giuseppe Verdis Oper auf der Leinwand zu sehen ist, bleibt der einzige Bezug zum von Wladimir Putin befohlenen Krieg Russlands gegen sein Heimatland.

Schwerin heult mit den Wölfen – eine dokumentarische Naturoper von Helena Tulve

30.06.22 (Arndt Voß) -
Das Mecklenburgische Staatstheater hat die vielfältigen Aspekte und Fragen um das Problem „Wolf“ aufgegriffen und in eine „Naturoper“ umwandeln lassen. Arndt Voß über eine Oper, die den Stimmen große Partien gibt: Eine suggestiv und explorative Naturoper in Schwerin.

Die Münchner Opernfestspiele formen Pendereckis „Teufel von Loudun“ zur wuchtigen Parabel

28.06.22 (Wolf-Dieter Peter) -
„Lernet, was Liebe heißt“ gibt der blutig gefolterte Priester Grandier auf seinem Weg zum Scheiterhaufen der Priorin Jeanne für den Rest ihres Lebens mit. Über diese moralische Größe hinaus wuchs sich die gesamte Eröffnungspremiere zum hochkünstlerisch anklagenden Faustschlag gegen allen Machtmissbrauch und alle Massenhysterien aus.
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